Ausgabe 
(19.3.1897) 16
 
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denn bei einer großen Visitation, welche am 11. März1627 in der Kirche von dem Cardinalvikar vorgenommenwurde, wurde unter anderem vorgeschrieben^, daß derBirgitt«-Altar mit einer neuen Steinbekleidnng ver-sehen werden und auf angemessene Weise ausgeschmücktund die von der Acbtissin angebrachten Inschriften weg-genommen werden fallen. Was das für Inschriftenwaren, wird nicht aufgeführt. Der Visitationsbericht gibtüberdies Kunde, daß die.Aebtissin, um die Aechtheit derReliquien zu beweisen, ein altes Document vorwies,welches der Cardinal abschreiben und dem Protokolle ein-reihen ließ. Eine Jahrzahl und der Name des Ver-fassers ist gleichwohl nicht angezeigt. In demselben wirdüber Birgittas Reliquien Folgendes gesagt:

Unter dem Altare der hl. Birgitt« befindet sichin einer kleinen Lade von Cyprcssenholz ein Schulterblattderselben Heiligen und andere Reliquien, sowie einZahn des hl. Lukas und ein Kinnbackenbein des hl.Philippus.«

Ich nehme an, daß die Vorschrift ausgeführt wurde.Wenigstens fanden bald darauf einige Reparaturen statt,denn man findet aufgezeichnet, daß die Clarisfernonnen1629, als Schwester Hippolita Cianti Aebtissin war,zu solchem Zwecke nicht weniger als 5400 Dukatenausgaben.

Das Altarbild der Stefana Savelli muß nnter-deß durch der Zeiten Zahn zerstört worden sein, denn eswurde 1757 durch ein Gemälde auf Leinwand ersetzt,welches Schwester Felice Teresa Luci durch denMaler Giuseppe Moutanari malen ließ. Diesesneue Gemälde, welches nach dem Muster des altenFreskogcmäldes ausgeführt war, stellt Birgitt« in derTracht ihres Ordens vor, welche sie jedoch niemalstrug, ebensowenig wie eine andere Nouneutracht,kuicend vor dem Gekreuzigten, welcher mit ihr zu sprechenschien. Dies hat Bezug auf die in Rom umgehendeSage, daß des Erlösers Bild am Crucifixe einmal zuBirgitta gesprochen haben soll, da sie im Gebete ver-senkt war. Als Kirche, wo das stattgefunden haben soll,werden zwei genannt, S. Loren zo in Damaso, beiwelcher sie manche Jahre wohnte, und Sän Paolotnori 1s oanra, wohin sie oft wallfahrtet«. Dieletztere Kirche hat den Vortheil, daß sie das Crucifix ausweisen kann, eine große Holzschnitzerei, welche Arbeiteinem Schüler Giotto's, Pietro Cavallini (gest.1279),-o) zugeschrieben wird. Es stand früher beimFenster am Hochaltare in dem großen Ouerschiff, aberes wurde unter Benedikt XIII. (17241730) in dieKapelle gebracht, welche Birgittens Namen trügt undwo ihre Statue noch im Jubeljahre 1650 stand. Ur-sprünglich wußte die Legende bloß zu berichten, daß dasChristusbild sich zur Betenden wendete, aber das wuchswahrscheinlich mit der Zeit.

Später findet man nichts mehr über die Reliquiender hl. Birgitta bis zum Jahre 1818, da sie wiederumvon ihrer Ruhestätte unter dem Altare weggenommenwurden. Der Arm wurde getrennt von den übrigenUeberresten und in ein ganz kostbares Reliquiarinm vongetriebenem Silber mit Vergoldungen gelegt, welche einenaufrecht stehenden Unterarm mit offener Hand vorstellen.Dasselbe geschah mit einem der Panisperna-Kirchegehörigen Arm des Märtyrers Felix, worauf die beiden

") Die ^.eta 8aorao Visitationis 8. U. Ilrdani VIII,pai'8 II befinden sich in der Vatik. Bibliothek.

"ch Meolai, Lasilica ckl s. kaolo, eax>. VIII, xa§. 38.

Silberarme im großen Neliquienfchrank der Sakristeiaufbewahrt wurden. Znr Erhöhung der Ehre scheint auchder Zahn des hl. Lukas und das Kinnladeubein deshl. Philippns dahin gebracht worden zu fein, dennsie stehen nun dort, aber es wird nichts davon in denbeiden Authentiken erwähnt, welche am 10. Juni 1818von I'r. Josef Barth. Menochio, kraet'ocrtnsLacrarii Xxnstolioi, errichtet wurden. Die einedieser Urkunden bestätigt die Aechtheit der in den Silber-armen verwahrten Reliquien, die andere zeigt an, daßdie übrigen Reliquien am nämlichen Tage in einen Holz-schrein gelegt wurden, welcher verschlossen und wiederin den Sarkophag gelegt wurde. Dieser wurde einge-mauert und unter dem Altare durch einen kleinen Schirmvon bemalten Brettern geborgen. Der Anlaß hiezn warwohl der, daß die Clarisscrnouucn, bei welchen das Inter-esse für Birgitta im Laufe der Zeiten erkaltet war,sich nicht Rath wußten, einen paffenden Schmuck für dieReliquien oder eine würdige Anordnung bezüglich desAltares zu beschaffen. Es war bequem und billig, denSarg einzumauern und zu verbergen, weßhalb es auchbeschwerlich wurde, die Reliquien zu zeigen. Für jene,welche die Hülfe der Heiligen bedurften, hatte man, wiewir gesehen haben, die anderen Theile zur Hand.

Der Silberarm wurde am 17. Juni 1878 geöffnetund vom Arme Birgittas wurde ein Theil genommen,welcher an ein Birgitten - Kloster in Holland geschicktwurde, wie ein Gesuch hierüber sagt. Die neue Authcntikafür das, was übrig blieb, wurde am nämlichen Tagevom Cardinal Monaco La Valetta ausgefertigt,aber die übrigen Dokumente in der Sache konnte der ehr-würdige Rektor der Panisperna-Kirche, k. Auakletdi Velletri , leider nicht finden.^)

Daß die übrigen Reliquien kürzlich wieder zu Tagekamen, hat seinen besonderen Anlaß, zu dessen Erklärungeine kleine Abschweifung nothwendig ist. Das Hospitalund die Kirche der hl. Birgitta an der PiazzaFarnese hatte Leo XII. nach wechselndem Geschicke denKanonikern von St. Maria in Trastcvcre geschenkt,welche das Haus nllmählig verfallen ließen. Im Jahre1855 übernahm es eine französische Kongregation, dieVäter vom hl. Kreuz, gegen eine jährliche Rente von3000 Lire, und sodann wurde die Pflege des Hausesetwas besser. Die würdigen Vater ließen es von demFranzosen Ed. Braudon mit mehreren Malereien aus-schmücken, aber auf anderer Seite machten sie sich einesWandalismus schuldig, indem sie nach Notrc Damein Jndiana, .wohin in späterer Zeit die Oberleitungdes Ordens verlegt wurde, das merkwürdige Bild bringenließen, welches die Madonna darstellt, umgeben von vierHeiligen-Bildern, deren eines als das älteste PorträtBirgittas galt.^) Das ist dasselbe Bild, welchesHammerich 's und B r i n k m a u u 's Monographieu überdie Heilige haben. Gewiß ist es sehr schwer, das Bildfür ein Birgitta -Porträt anzusehen, aber eine andere vonden dort vorgestellten Figuren ist jedenfalls ihre heiligeTochter Katharina, und es wäre gewiß der Mühewerth, das in mehrfacher Beziehung merkwürdige Bildzu untersuchen. Nun ist es in Jndiana und wurderestaurirt von einem Maler aus Chicago . Auch dieBilder müssen sich in Manches fügen! Nach Amerika

2') Auch des Klosters Name ist nicht erwähnt. Wahr«scheinlich war es Marienbcmm. Mein, sondern Neden inHolland . Binder.)

"ch Siehe Awroriche Dicksllrikt 1833, Seite 355353.