Ausgabe 
(19.3.1897) 16
 
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kam auch ein größerer Stein mit Inschrift, um Gesell-schaft zu leisten. Alles wurde gesammelt, um in einemgroßen Hof untergebracht zu werden. Ich erwähne dies,um darzulegen, daß es kein Verlust für diejenigen war,welche Werth setzten auf das alte ErimierungSzeimen,denn die Vater haben einige Monate später das Haus(mit großem Profit) au die Schwestern von der ewigenAnbetung des hl. Sakraments, einen Zweig des Carme-liter - Ordens, verkauft. Die Vorsteherin dieser Ver-sammlung, Schwester Maria Hedwig,-^) hat mitriihmenswerthcm Eifer sich der Wiederherstellung deserinncrnugsrcichen Hauses angenommen, und sie hat auchgewünscht, daß zur Birgitta-Kirche auch einige Reliquiender Heiligen selbst kämen. Von den Franziskanern,welchen die Aufsicht über S. Lorenzo in Pauis-perna anvertraut war, war sie von dem Dasein derim Jabre 1818 eingemauerten Reliquien unterrichtetund erklärte sich bereit, den Altar ausstatten zu lassen,wenn ihrer Kirche einige Reliquien mitgetheilt würden.Dieser Vorschlag hatte um so weniger Schwierigkeit, dadie Kirche 1892 für das bevorstehende BischofsjnbiläuinLeo's XIII. gründlich restaurirt wurde.

Nach dem vom Cardiual-Vikar Parocchi mitgetheiltenZustand wurde der Sarkophag wieder ans Licht gezogenund am 17. Dezember 1892 in Gegenwart der Bevoll-mächtigten des Kardinals, Msgr. Anselmi, Vorstehersder Ncliquiensamniluug des Vikariates, des Jesuitcu-patcrs Bonavenia, des Kirchenrcktors k. Anakletdi Velletri und des Klosterbeichtvaters ?. Andreasdi Nocca di Papa, geöffnet. Der im Jahre 1818niedergelegte Schrein und die von Msgr. Menochiodamals ausgeführte Authentika wurden angetroffen, sowiedie Versiegelung und die Reliquien, welche unbeschädigtwaren; sie wurden zum Vikariat gebracht. CardinalParocchi veranstaltete dann eine Vertheilung derselben.Zwei Nückenkuochen wurden der Panisperna-Kirchezurückgegeben, in kleine Glasbeyältcr gesetzt und nun beiden Silberarmen in der Sakristei aufbewahrt. DasBeckcnbein, welches seine alte BezeichnungSchulter-blatt " behielt, und ein Rückendem wurden der SchwesterMaria Hedwig für die Birgitta-Kirche gegeben, undsie hat hicfür eine prächtige Lade von vergoldeter undciselirter Bronze fertigen lassen. Das Gleiche geschahauf ihre Kosten für das eine Nippende in, welches beiden Clarissernonnen belassen wurde, welches Klosternunmehr, nachdem es im Jahre 1877 Sän Lorenzoverlassen mußte, nach Santa Lucia Selci (PiazzaGiovanni Lanza ) verlegt wurde. Ein anderesNippendem wurde dem Erzbischof von Ben event ge-geben, welche Stadt Birgitta auf einer ihrer Pilger-fahrten besucht hatte. Das dritte Rippmbein und einRückenkuochen wurden für die Vikariatssammlimg be-halten.'^)

Der Sarkophag wurde sodann in der Birgitta-Kapelle wieder festgemaucrt, aber nicht mehr unterdem Altare, sondern an der Scheidewand gegen die zu-nächst liegende S. Franziskus-Kapelle und einenMeter über dem Boden. Unter dem Altare ruht an derStelle der Leib der Martyrin Viktoria.

Die Clarissernonnen bewahren auch andere Eriuner-

°°) In der Welt bekannt als Gräfin Wielhorska.

. ") Zu Sän Lorenzo in Panisperna wurde Se. Heilig-keit am 19. Februar 1843 zum Bischof geweiht, und dortfeierte er als Papst im I. 1693 den 21.23. Februar einfeierl. Irickuum zur Erinnerung daran.

*°) Inxtanotsea pontikois.

ungeu an Birgitta, nämlich einen Mantel von grobemWollcnzeug, ein Unterkleid von grauem Stoff mit einemleichten Kopsüberwnrf von demselben Zeuge sammt einemLeibgürtel von starkem Hanf nach gewöhnlichen Kloster-modellen. Das Unterkleid ist 1,45 Meter auf der Rück-seite, gemessen vom Ende des Halses herab, 30 Ceuti-meter zwischen den Armhalsnähten hinauf, 50 Ceutimeterzwischen denselben Nähten hinab; im Umfange hat es2,68 Meter, die Länge der Arme ist 54 Centimeter, dieWeite der Halsöffmmg 50 Centimeter. Das Kleidungs-stück hat an der Brust wenig Oeffnung, so daß es sehrschwer gewesen sein muß, es abzulegen. Die Ka-puze (Kopfüberwurf) mißt 30 Centimeter vom Scheitelbis zum Kinn; 12 Centimeter unter dem Kinn zuruntersten Naht, 50 Centimeter vom Scheitel rund überdas Haupt zum Nacken, 69 Centimeter vom Vorder-es zum Nückenzipfel. Die Länge des Gürtels ist2 Meter.

Das muß auf eine große Franengcstalt hindeuten,i was der gewöhnlichen Angabe widerstreitet, daß Birgittai klein war.

Die Aechtheit des Gürtels und der Kopsbedeckungist durch nichts bestätigt, als durch die Tradition desKlosters, nach welcher Birgitta dies auf ihrer Pilger-fahrt zum hl. Grabe im Jahre 1372 getragen hätte.Die Nothwendigkeit einer leichteren Bekleidung kaun esmöglich erklären, daß sie zcitenweise ein kostbares Ma-terial von Seide trug. Sie bekleidete sich, wie die Zeit-genossen bezeugen, beständig mit dem gröbsten Tuche, undes wird ausdrücklich erwähnt, daß sie während 30 Jahrennicht einmal Leinen gebrauchte außer zum Kopftuche.Ein Mantel von Seide wird nämlich in der Sakristeider Panisperna-Kirche aufbewahrt, allein da er ineinem mit grüner Seide verkleideten Pappenfntteral liegt,welches verglast und nicht zu öffnen war, so konnte ichdenselben nicht messen, sondern mußte ihn durch dieGlasöffnuug beschauen und kann sagen, daß er gewißzum Gürtel und zur Kapuze gehört habe. Man sagtemir, daß erst wenige Tage verflossen sind, daß ein mitder hinfallenden Krankheit behafteter Mensch zur Kirchegeführt wurde, wo ihm das Behältniß mit dem hl. Mangelauf's Haupt gelegt wurde. Auch die Kapuze wird häufigvon den Kranken verlangt, denn sie hat den Ruf, daßsie Kopfschmerzen hinwcgnimmt.^) Die Nothwendigkeit,diese Sachen oft forttragen zu muffen und sie in denHänden der Besuchenden zu lassen, kann es erklären, daßkein die Aechtheit bekräftigendes Dokument gefunden werdenkann; wenigstens sagen die Klosterbewohner so. Es istmöglich, daß eine Auihentlka innerhalb des Futteralssich findet.

Größere Gewißheit hat man bezüglich des Mantels,welchen die Clarissen in Händen haben. Man zeigte mirim Kloster an der Piazza Giovanni Lanza einemit Gold und Silber reich verzierte Kutte mit der Auf-schrift:Nantslio äi 8. Lri^icka, Vaäova,"(Mantel der hl. Wittwe Birgitta), nebst einem von dem

°°) Die Tradition bezüglich der fallenden Kranken kaunzurückgeführt werden auf eine Begebenheit in Birgitta'sLeben, welche von Berthold von Rom erzählt wird (Lid. II,0 S.P. 1, 85). Sie soll nämlich außerhalb der Kirche S. Pra-xedis, ganz nahe bei S. Lorenzo in Panisperna, eine nord-ische Frau gefunden haben, deren Name Dyovetur ge-schrieben wird, welche an dieser Krankheit litt. Mit Hilferhrcs Kaplans Magnus Petri führte sie die Kranke in einSpital und nahm sie dann zu sich, wo Dyovetur durchihr heiliges Gebet vollständig geheilt wurde.