Ausgabe 
(19.3.1897) 16
 
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Klosterbeichtvater ib'r. PietrodiVenaco ausgefertigtenDokumente, italienisch, daß er dabei war,als der heiligeMantel der hl. Birgitt«, welcher im genannten Klarerals eine verehrungswürdige und heilige Reliquie aufbe-wahrt wurde, aus dem alten, zerrissenen und durch dieZeit zerstörten Futterale herausgenommen wurde in Gegen-wart der edlen und ehrwürdigen Aebtissin Schwester Hor-tensie! Capisu echt mit all den übrigen ehrwüroigenMüttern und würdigen Schwestern, und daß er in einemit Gold- und Silberarbeit und mit Borden verzierteSeidcnkutte, welche die hochwürdigen Frauen SchwesterMaria Vittoria Vebri und Schwester RosaMaria Ferrari für diesen Zweck fertigen ließen",hineingelegt wurde, was Alles am genannten Tage ge-schah. Das Dokument ist unterzeichnet außer vonPietro di Venaco auch von Schwester HortensiaCapisucchi und Schwester M. Vittoria Vebro^und ist besiegelt mit dem Siegel der Panisperna-Kirche, St. Laurentius auf dem Roste.

Durch die wohlwollende Bemühung der AebtissinSchwester Teresa Margherita Farinetti wurdediese Kutte am 6. Mai 1893 in meiner Gegenwart aus-gebreitet und der Mantel herausgenommen. Er war imVierkant zusammengelegt, gebunden mit einem weißenLinnenband, dessen Enden versiegelt waren. Als das Bandaufgemacht und der Mantel aufgewickelt war, fand mandarin noch ein Exemplar der kurz vorher genannten In-schrift, das Wort für Wort, mit Ausnahme von ein paarunbedeutenden Varianten, mit dem erstgenannten Exemplarübereinstimmte. Der Mantel ist von grobem, schwarz-braunem Wollenstoff, wie die Franziskaner ihn tragen,fast ganz schwarz, ist geschnitten wie eine Nnndkappe ohneAermel; wohl aber hat er die Armössnungen. Am Halsehat er einen kleinen Saum von Goldseide. Er wurdedurch einen Knopf von Silberdraht mit einigen Gold-drähten zusammengehalten. Er ist 1,10 in lang; biszum Boden hat er 2 w, am Halse 65 am?")

Eine Reliquie der hl. Birgitt« wurde früher auchbei S. Agata in Trastevere , aufbewahrt. IhrName kommt nämlich in den Aufzeichnungen derKirchcnreliquien bei Gelegenheit der großen VisitationUrban's VIII. vor, welche am 4. September 1628stattfand?^) Die Kirche und das dazu gehörige Klostergehörten damals denkatros Oon^rsAntioirisLstriktiarine" (Vatern der christlichen Genossenschaft).Nun ist aber die Reliquie verschwunden, und es bestehtkeine Erinnerung daran.

Schließlich mag noch beigefügt werden, daß dieBirgittareliqnien, welche sich in den Kirchen S. Sil-vestro am Quirinal und S. Elemente finden,nicht von unserer Birgitts sind, sondern von jener ausdem statischen Stamme. Man erkennt sie aus demTitelVirAo et wnrt^r", während die officielleBenennung unserer Heiligen ist:8. Lirgitta,Villua." 20)

Der Name ist hier ganz anders geschrieben als imTexte. Das ist für jene Zeit nichts ungewöhnliches.

2 °) Die Aebtissin erlaubte mir, ein Stück abzunehmen.Ein Gefühl von Kirchenraub ließ mich zweifeln: auf er-neute Aufforderung jedoch klippte ich, da der Mantel anden Enden sehr schlissig war, eine kleine Franse ab underhielt darüber eine Authentika vom Beichtvater desKlosters.

") 8. Visit. -iereli. 8ser. Vatie.

°°) Ihre Tochter Catharina hat den seltsam scheinendenTitel: »VirZo ab Viäna."

DaS ist nun Alles, was über die Birgitts»Reliquien in Rom gefunden werden konnte. Eswäre wünschenswcrth, daß genauere Beweise gefundenwürden; allein man kann schwerlich zu größerer Gewiß-heit kommen. Für alle Fälle sind nun die Reliquienbeschrieben, welche Anspruch auf Acchtheit machen können.Leider kann bezüglich der Reliquien, welche ihren Ur-sprung von Wadsrena herleiten, nicht das Gleiche ge-sagt werden; aber das gehört nicht in den Nahmendieses Aufsatzes. C. Bildt."

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Es obliegt uns nicht, der interessanten Arbeit irgendeine Ergänzung beizufügen. Allein einen Gedanken möchtenwir gleichwohl aussprcchen: Die Arbeit zeugt von großerLiebe zur hl. Birgitta und gibt dieselbe Verehrung kund,wie sie die skandinavischen Völker ihrer großen Heiligenbis in die Zeit des Gustav Wasa entgegenbrachten. Undwie die hl. Birgitta zu ihren Lebzeiten den hohen Adelum sich versammelte und wie ihre Stiftung, das KlosterWadstcna am Strande des Wcttersee's, die Edelsten derschwedischen Nation aufnahm, so vereinigen sich auch heutewiederum die Edelsten der schwedischen Nation im Lobeder nordischen Heiligen und ehren sie als eine Zierde ih- sVaterlandes. So wurde 1891, in dem Jahre von L.c-gi'tta's Heiligsprechungsfeier, vom schwedischen Reichstagedie Wiederherstellung der alten Klosterkirche zu Wadstena,des »lompium Oathockimlo, Lieg, Aas llolginlom", be-schlossen und dieser Antrag unter Andern! auch damit be-gründet, daß Birgitta von allen Schweden aus demMittelaltcr die einzige Persönlichkeit von europäischem Rufesei.ol) Möge anSt. Brittas" Verehrung der Anfangeiner neuen Aera geknüpft sein!

Die Besessenheit mit besonderer Berücksichtigungder Lehre der hl. Väter."

* In Nr. 65 derFrankfurter Zeitung " wurdeHerr Lycealrector Dr. Lcistle in Dilliugen wegen feinerunter obigem Titel schon im Jahre 1387 erschienenenSchrift angegriffen. Die Bosheit des Angriffes und dasunredliche Spiel kennzeichnet sich dadurch, daß in der ausder Schrift (S. 25 ff.) ausgchobeuen Stelle über den Er-scheinungsleib Satans, an welcher sich der Verfasser re-ferircnd verhält, die zumeist aus den Vatern und alt-christlichen Kirchenschriftstellern geschöpften Citats womitjede der aufgeführten Erscheinungsweisen belegt ist, ein-fach weggelassen sind, so daß die ganze Darstellung beimLeser die Meinung hervorrufen muß, als ob der Verfasseralle diese Erscheinungsformen sich ausgesonnen habe,während er nur objectiv darlegt, was die genanntenSchriftsteller hierüber geäußert haben. Bezeichnend istferner der Umstand, daß Stellen, in welchen der hl.Augnstin und der hl. Gregor d. Gr. im Texte (nicht bloßunter demselben wie die übrigen Citate) für diesen Punktals Zeugen angeführt werden, weggelassen sind. Durchdiese weggelassenen Stellen hätte doch der eine und anderebesonnene Leser auf den Gedanken gebracht werden können,auch das übrige über die verschiedenen ErscheinungsformenGesagte sei den Angaben der altchristlichen Kirchenschrist-steller entnommen und nicht Phantasie-Produkt des Ver-fassers. Das sollte nun durch Äusmerznng dieser Stellenhintertrieben werden. Dasselbe Verfahren wird einge-halten an jener Stelle, wo davon die Rede ist, in welcherGestalt der böse Feind von besessenen Menschen infolgedes Exorcismus gewichen sei (S. 43 f.). Die Citate, nachwelchen der Verfasser berichtet, sind auch liier weggelassen,und es erscheint auf diese Weise die betreffende -Aeußerungals reines Hirngespinnst des Verfassers. DieFrankfurterZeitung" gestattet sich sogar das Wortimmer" einzu

Binder, Die hl. Birgitta und ihr Klostervrdcn,München . Stahl sen., 1891.