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Entdeckung spricht als einer der ersten über ihn der ge-lehrte Polyhistor des Jesuitenordens ?. Athanasius Kircher in seinem „l?roäromus ooptus sivo LLA^ptisaus"(1636) und ausführlicher in seiner „Odins , monumontisi 11 n 5 trs.ro." ') (Lmstsboäaini 1668), woselbst er einevon k. Boym gefertigte Uebersetzung der Inschrift gibt.Die Literatur b) über dies wichtige Denkmal ist seitdemzu einem ziemlichen Umfang angewachsen. Auch Abbild-ungen des Denkmals findet man in Jule's „Uaraokolo" (II, 22 ), sowie in Williamson's „ckonrno^s inHoLtd-Odins .", eine neuere Uebersetzung der Inschrift beiHuc (a. a. O. I, 52 — 68 ). Namhafte Orientalistenhaben an der Entzifferung der Inschrift gearbeitet, aberauch die Aechtheit mit Leidenschaft bestritten oder ver-fochten.
Seit P. Dabry v) schwieg endlich die Frage, da tratsie in ein neues Stadium durch die ostasiatische Reise desGrafen Adalbert Szßchenyi, eines Sohnes des großenungarischen Patrioten Stephan Szbchenyi, der als Wohl-thäter und Reformator des modernen Ungarn sein Denk-mal auf dem Franz-Josephs-Platz (l'sreiuL-isürsak-tbi),dem imposantesten der herrlichen Landeshauptstadt Budapest,hat. Um, von schwerem Schicksalsschlag heimgesucht, nichtganz in trübem Leide zu versinken, faßte Graf BölaSzöchcnyi den Entschluß, sich die Welt zu besehen. ImJahre 1877 trat er seine ostasiatische Reise an, und heutenach zwanzig vollen Jahren erscheint in ungarischerSprache der zweite Band seines großen Neisewerkes.")Ausgerüstet mit allen Mitteln, trotzend allen Schwierig-keiten ist der Graf ausgezogen und reichbeladen mit werth-vollen Ergebnissen heimgekehrt. Hervorragende Männerder Wissenschaft haben die „oxolis. opiius." dieserForschungsreise mit hingebendem Fleiße bearbeitet unddurch ihre Beiträge ein auf der Höhe der Wissenschaftstehendes Werk zu stände gebracht, das dauernden Werthbehalten wird und sowohl ihnen selbst als auch dem hoch-sinnigen Herausgeber zur höchsten Ehre gereicht. DieAufgabe, für den zweiten Band die syro - chinesische In-schrift von Hst-An-Fn zu besprechen, fiel dem gelehrtenJesuitenpater, unserm bayerischen Landsmann I. Heller,damals Rector des Collegs in Preßburg (jetzt in Inns-bruck ), zu, der sich seines Auftrages auch glänzend ent-ledigte. Graf Szßchenyi hat den berühmten Denksteinan Ort und Stelle gesehen und, nicht zufrieden mit dendurch chinesische Bonzen den Reisenden gewöhnlich ange-botenen Abklatschen, eigenhändig eine vollständige Samm-lung der genauesten Abdrücke hergestellt. Geben wir dasWort einem Reisebegleiter des Grafen, dem damaligenOberlieutenant Gustav Kreitner ") (jetzt leider gestorben),
') Dies Werk enthält auch, was für Sanskritisteninteressant ist, die ersten Devanägari-Typen in Europa .
°) Zusammengestellt bei 6 oraler, Liblioillsoa sinios.(Laris 1878.) lll. I, xsK. 328—329 „kisrre cke Li-UAsn-l'ou".
°) O ab r^, Os ostbolieisms en Obine an VIII. siede,sveo nne nonvelle trsckuviion cke l'insorixiion cke 8^-UAsn-t'ou. karis 1677.
") 82 ckeb ell^i Lölit ZrüI, Lolsiäesisi cktjänaktuckomäu^os ereckmsn^s 1877—80-bsn. Luckapost 1890—97(Vol. I, II). Erst drei Jahre nach Erscheinen des erstenBandes im Original kam derselbe auch in deutscher Spracheheraus: „Die wissenschaftlichen Ergebnisse seiner Reise inOstasien 1877—1880". Wien 1893. 2 ° 061,1V -j- 882 SS.mit 176 Abbild, u. 11 Tafeln, nebst Atlas von 32 geogr.u. geoloa. Karten. — Der zweite Band ist vorläufig nurungarisch vorhanden, das ganze Werk ist auf drei Bändeberechnet.
") Kreitner G ust., Im fernen Osten: Reisen desGrafen B 6 la Szöchemsi in Indien, Japan, China, Tibet ,
der uns erzählt: Im Januar 1879 erreicht GrafSzschenyi das Städtchen Hsi-An-Fu. Wir erkundigtenuns bei dem Bonzen, ob wir nicht die nestorianische Ge-denktafel besichtigen könnten. Er antwortete, die Tafelstehe ganz frei sichtbar in einem vor dem östlichen Thore derStadt gelegenen, aber schon lang von den Muhamedanernverwüsteten Tempelgarten. Am folgenden Morgen erschienein chinesischer Christ, um uns zum Denkmal zu führen.Etwa drei Lt (— 1,5 kw) von der Stadt entferntkamen wir zu einem von einer Mauer umfaßten halbverfallenen Tempel. Der buddhistische Priester öffneteuns auf Verlangen die Pforte und führte uns gegenein Trinkgeld zum Denkmal. Einen schon längst unbe-wachten Buddha-Tempel durchschreitend, gelangten wirzum bezeichneten Garten. Der Raum war öde und leer,zwischen tiefen Gräben Trümmer der einstigen Mauernund Grabniäler, deren hier früher an die Hunderte ge-wesen sein mochten. Nach längerem Suchen wies unsder Bonze das nestorianische Denkmal, das auf demTrümmerfelde einen Ehrenplatz einnimmt und zwischenden wenigen noch anstecht stehenden Grabsteinen dem Be-schauer durch seine Größe und durch den wohlerhaltenenZustand imponirt. Der Führer erzählte, der Stein steheseit 20 Jahren an demselben Platz. Graf Szöchenyikaufte von unserm Begleiter einige Abklatsche des Denk-steines, die man auch andern Reisenden anbietet, abernur die Kreuzesfigur und den chinesischen Text der Vorder-seite reproduziren. Der Graf aber wollte die Gelegen-heit nicht unbenutzt lassen. Es war ihm vorzüglich umdie syrischen Inschriften der Seitenflächen zu thun; mitder ihm eigenen Energie und unter Zuhilfenahme einigerschon längst vergessen geglaubter lithographischer Kennt-nisse war er in kürzester Zeit im Besitze eines gelungenen,des bis jetzt besten, wissenschaftlich genauen Abklatschesdes viel umstrittenen Denkmals.
k. Heller hatte das Glück, vollständige und genauesteAbdrücke des Steindenkmales in die Hände zu bekommen,wie sie keinem andern Erklärer zur Verfügung standen.Dieser Vortheil berechtigte und ermuthigte ihn, das schonso viel besprochene, auch abgebildete und interpretirteDenkmal einer erneuten Untersuchung zu unterziehen,deren Ergebniß die Frage wohl zum endgiltigen Abschlußgebracht hat.
Das Denkmal ruht auf einem Sockel, der die Formeiner Schildkröte hat, ein sowohl bei Indern als auchbei Chinesen in der Kunst häufiges Motiv. Den Sockelabgerechnet, beträgt die Höhe des Denkmals 2,75 Meter,die Breite 95 und die Dicke 35 Centimeter. Das Ma-terial ist ein behauener Kalkstein-Monolith. Das vordereFeld, 2,35 Meter hoch, ist mit 1789 eingemeißeltenchinesischen Schriftzeichen bedeckt; davon sind einige großespäteren Ursprungs, dieselben verkünden die Anwesenheiteines chinesischen Würdenträgers, der sich damit auf demStein verewigen ließ, aber dadurch einige der ursprüng-lichen Zeichen austilgte. An den Seitenflächen befinden
Birma 1877—80. Wien 1881. — Das Werk wird mit Rechtgeschätzt, doch S. 179 passirte ihm etwas menschliches: erhielt das englische Wort „olmir" (Sänfte) für chinesischund schreibt isolier; „Sänfte" heißt chinesisch „isbiao";die Deutschen in China gebrauchen in ihrem Kauderwälschmeist das englische Wort „olmir", daher die Verwechslung.(Vgl. Arendt. Nordchines. Umgangssprache. Berlin 1894.I, S. 17). — Im Atlas zum großen Reisewerk rühren die17 geograph. Karten von Kreitner (Original-Aufnahmen)her, die 16 geologischen von Ludwig von Lüczy, der auchein selbststäudiges Buch obinsi birockiüoin" (Budapest1886) herausgab.