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sich kurze Aufzeichnungen in syrischer Sprache, und zwarin Estraughcloschrift gezeichnet. Den Denkstein bekrönteine interessante Sculptnr: über der Mitte der Aufschrifts-tafel ist ein Dreieck angebracht, von welchem, umgebe»von einem Kranz chinesischer Charaktere, das Zeichen derErlösung hernnterleuchtet, das Kreuz, dessen Figur (9 einlang und 6 ein breit) jedem, der auch nur eine Ab-bildung besteht, in der auffallenden Umgebung einen un-vergeßlichen Eindruck machen muß und eine so geheinmiß-vollc Sprache von der Macht des Evangeliums aus demstummen Steine redet. Des Kreuzes Enden sind lilien-förmig ausgezackt; zwei fabelhafte Thiergestalten haltendarüber Wacht. Die gepanzerten Schlangenleiber überden eigenen Köpfen in einander schlingend, ruhen beidemit dem Rachen und einer Tatze auf dem Boden, währendsie in den andern einander entgegengehaltenen Klauen einevon Flammen gekrönte Scheibe halten. Rechts und linksdavon reihen sich je drei mit den beschriebenen im gleichenStil gehaltene Drachenfiguren an, die Rachen zu Bodengekehrt, die Schweife oben an diejenigen der beiden großenFiguren geschmiegt. Die Darstellung ist gewiß höchstmerkwürdig, und dürfte in der ganzen Geschichte derPlastik wohl nichts Aehnliches aufzufinden sein. Jeden-falls ist das Werk nicht von chinesischer Künstlerhand, unddas spricht zu Gunsten der Aechtheit. Vielleicht ist ma-layischer Knnsteinflnß anzunehmen. Die chinesische In-schrift gibt auch in ihren Wortzeichen syrische Eigen-namen wieder, woraus man Schlüsse auf die chinesische Aussprache ziehen kann.'s)
(Schluß folgt.)
Zur Geschichte des Kreuzweges.
(Fortsetzung.)
ll. k. 8. Wie erklärt sich nun die Unsicherheit undVerwirrung jener Zeit? Ein Grund wurde bereits an-gegeben, es ist das Haus des Kaiphas, in dem Christusgerichtet und verurtheilt wurde, wie in dem des Pilatus.Einen besondern Anhaltspunkt gewährte dabei der hieherversetzte Stein, auf dem Christus gestanden, sowie dieGeißelsänle, welche dort gezeigt wurde. In rnonts 8^onscwlasia 8a1vs,toris, yuns ollm tuit äonnis Laipllas.Ibi consuavit ostenäi xars oolunmas, aä czuam kuituocius wans IiAatus at tiaZoliatus. bannt. III, 14, 8.Letzterer (1321) und Graf Solms (1496) sahen in derGrabkirche zwei solche Säulen, den Theil einer größerenund eine kleinere. Es sind also dem Anscheine nach zweiverschiedene anzunehmen: die eine aus dem Hause desPilatus, die andere aus dem des Kaiphas. Nach derZerstörung des erster» (Antonia) kam jene in die Sions-kirche, wo schon Hieronymus sie sah. Als die Moham-medaner vor der Ankunft der Kreuzfahrer dieselbe zer-störten, wurde auch die Geißelsäule zerschlagen. EinTheil wurde von den Christen in die Grabkirche gerettet,wo sie bereits Säwulf (1103) fand, später Saundo,Zimber (1483), Graf Solms , Fürst Radzivil (1583),und wo sie sich noch befindet. Immer wird berichtet, daßsie aus dem Hause Pilati sei. Ein anderer Theil sollnach der Meinung des Saundo nach Konstantinopel, nachH. v. Zimmer nach Rom und Lyon gekommen sein. Die
Der allbekannte Ehrentitel „Llar" (Herr) vor denNamen von Priestern oder Bischöfen ist interessanterWeise im chinesischen Text mit wiedergegeben,
was wörtlich „erhabene Tugend" heißt und eigentlich dieWiedergabe des indischen Namens (— Hoch-
würden) ist, den sich die buddhistischen Priester beilegten.
zweite Säule wurde, wie früher erwähnt, in der Erlöser»kirche (Haus des Kaiphas) verehrt, wie schon der Pilgervon Bordeaux (333) und AntoninuS (570) bezeugen,! undkam später theils in die Sionkirche (nach deren Wieder-aufbau), theils in die Grabkirche und zuletzt nach Rom in die Kirche der hl. Praxedis . Die Erinnerung hasteteaber an dem ursprünglichen Orte, und die angeführtenPilger Johannes v. W., Fratellus u. a. gaben dort nichtbloß den Platz der Geißelung und des nächtlichen Kerkers,sondern auch der Krönung und Verurtheilung durch Pilatusan. Uebrigens sind sie durchaus nicht vertrauenerweckendeBerichterstatter, auch abgesehen von ihrer Verworrenheit.Johannes sah an vielen Orten Gemälde und Inschriften,welche auffallenderweise andere Zeitgenossen nicht erwähnen.Er verlegt den Ort des Abendmahls an die Nord-, PhokaSan die Südseite der Sionkirche; dieser setzt die Stelle, woder hl. Geist herabkam, mitten gegen Osten, Epiphaniasgegen Süden, während Arknlf, welcher um ein halbes Jahr-tausend dem Geschehnisse näher war, sie genau in Nordostder Kirche seiner Zeit angibt. Durch die Gewaltthätig-keiten der Moslims, namentlich der fanatischen Aegypterund Seldschuken, war eben Alles ins Wanken gerathen,Manches ganz verrückt worden. Von großer Bedeutungwar besonders der Umstand, daß der Platz der ehemaligenBurg Antonia wegen seiner einzigen Lage von den'Un-gläubigen durchgängig zur Residenz erwählt wurde, wiedenn noch bis vor Kurzem der Pascha in der Nähewohnte und noch eine Kaserne dort ist. Schon dadurchwurden die Christen von dieser wichtigen Stätte ver-drängt; noch mehr aber durch das Uebereinkommen, wonachihnen von dem ägyptischen Chalifen Mnstanser Billah(1063) das Viertel um das hl. Grab zum alleinigenWohnsitze angewiesen wurde. So mußten sich alle HeilgenErinnerungen der Stadt auf einen engen Raum zusammen-drängen und zum Theil ihren allen wahren Platz ver-lieren. Diesen Zustand fanden die Abendländer vor, alssie im Jahre 1099 das Land eroberten und die heiligenStätten restaurirten. Die zwei Kirchen auf dem Sionwaren zerstört, nur eine tiefe Höhle am Abhänge, desBerges geblieben, wo die Christen jetzt ihre PctcrsArche(statt der im Hause des Kaiphas) hatten und seine Bußedahin verlegten, daher Hahnschrei genannt oder Gallläa,weil der Herr dort sein Erscheinen in Galiläa verheißenhaben soll. Nach der Eroberung wurde die große Marien-oder Abendmahlskirche am ehesten wieder aufgebaut, stattder früheren Peterskirche nur eine Kapelle errichten inderen Gegend mehrfach das Nichthaus des Pilatus »ver-muthet wurde (ostsuciitur). Weil sie nahe der Sionyrchewar, gerieth vereinzelt die Vermuthung in diese selbsthinein. Bei solchen Restaurationen waren Mißgriffe un-vermeidlich, außer der Stadt, wie in Gcthsemane undJutta, dem Schauplatze von Maria Heimsuchung, der erstseit jener Zeit und gerade von den genannten Beschreiben!vorzugsweise, doch dann allgemein nach Ain Karin ver-legt wurde. Durfte ja kein Christ in Hebron , wo dieGräber der Patriarchen sind, und in der Umgegendwohnen. Die Christen aber wollten die Schauplätze derevangelischen Geschichte sehen und ehren. Es sind gewißmehr als 40 Kreuzwege, welche in Deutschland alleindem Jerusalemer genau nach den Entfernungen nachge-bildet wurden. Es kam vor, daß der eine oder anderePilger, z. B. M. Kötzel von Nürnberg , der das Maßverloren, eigens nochmal hinreiste, um eS sich zu holen.Diese Wanderung der Tradition ist eine Wiederholungjener, welche zu Anfang der christlichen Zeit stattgehabt.