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Im alten Testamente ist Sion und Tempelberg anf demOsthügcl, wo der Herr wohnt und angebetet wird (Ps. 2,6;9, 12; 73, 2; 86, 2 usw.), immer Eins, nur zuweilenwurde der Name auf die ganze Stadt angewendet, abernie auf den Westhügel allein. Allmählig kam der Nameaußer Gebrauch, Fl. Josephus , welcher in seinen Alter-thümern und dem Jüdischen Kriege die ausführlichsteQuelle ist, gebraucht ihn gar nicht mehr. Nach der Zer-störung des Tempels griffen Juden und Christen wiederdarauf zurück. Die Juden, weil sie einen Ersatz wünschtenfür den verlorenen Tempelbcrg. Lange durften sie inJerusalem nicht wohnen und erst allgemach siedelten siesich unvermerkt auf dem südlichen Theile des Wcsthügelsau, der seit der Zerstörung außerhalb der Stadtmauerliegt, und klammerten sich an die Gräber Davids undSalomons, welche von da an dort als auf dem Siongesucht wurden. Die Muhammedaner traten in das Erbeein und betrachten das Grab Davids (Nebi Daud) alseines ihrer größten Heiligthümer.
Die Christen erkannten in der Zerstörung die Er-füllung der Weissagung Christi und eine gerechte Strafedafür, daß die Juden das Heil von sich gestoßen. Deß-wegen ließen sie den Tempel in seinen Ruinen und er-wählten gleichfalls den Westhügel zu ihrer Verehrungund Wohnung. Die Anserwählung war von den Judenanf die Christen übergegangen, das Heiligthum von demalten Sion auf den neuen. Sowohl der Apostel Petrus (I., 2, 6) als der hl. Paulus (Nöm. 9, 33) erinnertenan die Weissagung des Propheten Jesaias (28, 16)„Siehe, ich setze in Sion einen Eckstein, einen auser-lesenen, kostbaren; wer an ihn glaubt, wird nicht zuSchanden werden." Christus ist der Stein» den dieBauleute verworfen haben, der aber dann zum Ecksteingeworden ist. (Matth . 21,42; Apostelgesch. 4, 11).In der Sionkirchc wurde demnach ein Stein gezeigt,den die Bauleute verworfen haben (Antoninus v. P.)
Statt der vielen altteftamentlichen Opfer auf demOsthügcl hat er Eines vollbracht, aber das höchste, aufGolgatha im Westen und zur Vervielfältigung und An-eignung der Früchte desselben hat er das immerwährendeOpfer eingesetzt auf der Höhe des Westhügels. „Ihrseid hingetreten zum Berge Sion, zum himmlischenJerusalem , zu des Neuen Testamentes Mittler Jesus"(Hebr . 12, 22). Zudem kam ebendort der hl. Geist aufdie Apostel herab zur Fortsetzung des Werkes Christi.Für den Christen ist demnach der Westhügel mit vollstemRechte der Sion und dieser Name soll ihm bleiben inEwigkeit (Ps. 71, 19; Dan. 2, 44).
Wie schon erwähnt hielt man nur kurze Zeit dafür,daß der Anfang des Leidensweges, das Nichthaus desPilatus, aus dem Sion gewesen sei. Doch war dieseMeinung auch damals nicht allgemein. Die Ossta.I'ransorum Hisrosol^iuaw sxpugnantiuin 6ap. 25(ca. 1108) versichern: Rase intra nrdsva g, ticisliinmvsnsrantur: bluZsIIatio ckssu Oüristi at^us eoro-nntio st äsrisio st cstsra, guas pro nodis psrtnlit.Lsä non tasils usti tusrnnt nuno soAnosoi xossmit,eum eivitas ipsa totalitär postsa ässtruota athnsäsleta 8it. Der Ausdruck intra urdsin schließt dasHaus des Kaiphas aus, weil es außerhalb der Stadtlag. Wo intim nrbem tiagsllatio atgus sorouatio,demnach der Anfang war, besagt die ununterbrocheneUeberlieferung von den ältesten Zeiten bis heutzutage,welche zudem in der hl. Schrift und der Geschichte be-gründet ist.
Die Hanptburg in Jerusalem war die Antonio ander Nordwestseite des Tempelplatzes, welche Herodes d.Gr. erbaut und zu Ehren seines Gönners Antonins be-nannt hatte. „Sie war auf einen Felsen erbaut, 50Ellen hoch. Inwendig hatte sie den Umfang und die Prachteines Königspalastes und zählte verschiedene Abtheilungenzu allerlei Zwecken: Wohnungen, Gallerien, Vorplätze,Bäder und geräumige Höfe, welche zur Unterbringungder Soldaten sich eigneten, so daß sie alle Bedürfnisse insich schloß, einer Stadt, an Stil und Pracht aber einemKönigsschlosse gleich. Wo sie mit den Tempelhallen inVerbindung stand, liefen links und rechts Treppen hinab,auf denen die Wachen herabfliegen. Denn regelmäßiglag darin eine starke römische Besatzung, um an denFestzcitcn das Volk im Auge zu behalten, daß es keinenAufruhr gab." Joseph. Jüdischer Kr. V. Das waralso der Platz, wie ihn die Römer für ihre Zwecke sichnicht günstiger wünschen konnten. Für sie war vorAllem der militärische Gesichtspunkt, die Beherrschung desTempels, namentlich bei einem großen Zusammenströmendes Volkes zur Osterzeit, maßgebend. Nebenbei botendie weitläufigen Räumlichkeiten rückwärts alle Annehm-lichkeiten einer prächtigen Wohnung. Selbst nachdem dieHerrlichkeit zerstört war, erkannten die nachmaligennurhammedanischen Herrscher die Vorzüge und wohntendort. Es wäre unbegreiflich, wenn der kluge Pilatus injener aufrührerischen Zeit, wo Barabbas kaum erst ab-geurtheilt war, dort nicht gewohnt hätte gerade zurOsterzeit. Der Ort, wo Christus gerichtet wurde, wirdvom hl. Johannes (19, 13) lütliostrotus und zwarGabbatha d. i. Hochpflaster genannt. Ein Pflaster vongroßen viereckigen Platten wurde denn auch bei demBan des Klosters der Stonsschwestern, anstoßend an dieehemalige Burg, gefunden, ist jedoch kein Hochpflaster,sondern scheint als Hof gedient zu haben, wo das Volkvor dem Palaste sich versammelte. Dagegen findet sichim Hofe der jetzigen Kaserne, welche unzweifelhaft zurAntonia gehörte, ein solches altes, wirklich hochgelegenesPflaster. Dort konnte Pilatus öffentlich Gericht haltenund das ini Hofe unten versammelte Volk Alles sehenund hören?) Zur Lage stimmt auch der Lass fioino-Bogcu, das Stück einer Gallerie, von der aus Christusdem Volke vorgeführt wurde. Matthäus (27, 27) undMarkus (15, 16) berichten übereinstimmend, daß nachder Geißelung, welche Pilatus selbst durch seine Soldatenhatte vollziehen lassen, die ganze Cohorte zur Dornen«krönung sich versammelte. In Jerusalem war aber vordem jüdischen Kriege nur 1 Cohorte sammt 1 FähnleinReiter, und lag in der Antonia. Daß überhaupt
eine geordnete Hcerschaar, bei Josephus nur eine Cohortebedeute, erhellt daraus, daß der Höchstcoinmandirende einChiliarch, Befehlshaber über tausend, war. Unwider-leglich folgt daraus, daß Pilatus bei der Cohorte in derAntonia war. (Forts, folgt.)
Christliche Kirnstintercssen.
Kirchenrestaurirungen in Bayern .
I.
I'. b'. Als die nach außen vom Zahne der Zeitund im Innern nicht weniger durch den wechselnden Gc»
°) Bei der Herodesburg in der Nähe der Citadellewurde schon viel gegraben, jedoch kein solches Pflaster ge-funden, wird auch in der Tradüion auf Sion nirgendserwähnt, sondern nur die darnach benannte Kirche.