Ausgabe 
(31.3.1897) 18
 
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(XX):Nachdem ich die Warte Elan verlasse», de»Stein, an ivelchcm mein Schöpfer gegeißelt worden, um-fangen habe, möchte ich hinabsteigen zum Steine, auf demder Fürst der Weisheit sein Urtheil gehört hat; möchteeintreten beim Schafteichc." Kenntlich genug deutet erdie Gekßclsänle in der Pctcrskirche nnd den Stein, aufden Christus bet der Verurtheilung gestellt worden, inder Sophienlirche unweit des Schafteichc«, also im Hausedes Pilatns an. Das ist denn auch entscheidend beiTheodojius. Auf seine Zahlenangabcn ist überhaupt keinVerlaß.^) Er rechnet z. B. von dem Grabe Christi biszum Orte der Krcuzfinduug nnd zur Stelle der Kreuzigungje 15 Schritte, während Autouiuus das Dreifache an-gibt. Dagegen setzt er übereinstimmend mit den Anderndas Haus des Pilatns in die Sophienlirche unweitdcS Schasiciches und des Jcremiaskerkers, welche imNorden des Dcmpclplatzes bei dem Kerker- und Schaf-thore gewiesen wurden, was auch wahrscheinlich ist.

Fast gleichzeitig (54050) lieferte ein Ungenanntereine kurze Beschreibung, daher Lrevmrnm genannt. Ererwähnt wie Andere die Kirche auf Sinn sammt derGeißclsänle, dann die Petersktrche im Hanse des Kaiphas.Ochiul« vnckis aet domum kilnti, ubi tradidit I)o-nrinnna üaZallatum IndaLM. Ildi 68t Lasiliea gromdigob 68t Ibi eudictUnw, nsii exxoliavornnt oum 6tLggeltntus 68t, 6t voentnr sgnota Lopliia.

Bald darauf (570) besuchte Antoninus von P'iaceuza,genannt --lauter, die hl. Orte und erzählt, was er ge-sehen. In der Sionskirche (richtiger als 8im6oni8) er-wähnt er wieder der Geißelsaule, ferner Dornenkrone,Lanze nnd Abendmahlskclch. Die Erlöser- oder Petcrs-tirche fuhrt er nicht an, wohl aber die Marienkirche un-weit des hl. Grabes. Dann fährt er fort: Lt oravinnmin pratorio, üki amditus est Oümiuu3 et ravdo estUasilie», 6. Lopliino nnto ruirms te-vipli Lalornonis.In ixsa lmsiliea, est eeäas, in szna uoäit?iiatuZ,^narrdo Dorninnw. andivit. Auch sah er den Stein,auf den Christus gehoben wurde und auf dem seine Fuß-stapfen znrüllblicbeii, sowie ein schönes Bildniß der ganzenFigur Christi; in der Nähe der Jeremiasbrunnen. DerFels, über welchem die Sachra-Moschee erbaut ist, zeigtwohl auch Fußspuren, ist jedoch 17 Meter lang und13 Meter breit; liegt auch nichtvor den Ruinen desTempels", sondern dortselbst. Wer den Koran zum Be-weise anführt, muß auch die Fabeln von dem nächtlichenRitte, vom Borok u. dgl. annehmen. Die Sitte, daßRichter und Angeklagter je auf einem Steine sich be-fanden, kam wenigstens in Gricchcrüand vor (Gilde-meister).

Gegen Ende des 7. Jahrhnnderls besuchte der fran-zösische Bischof Arcnlf das hl. Land, bald nach Beginnder Araücrhcrrschaft, nnd kam glücklich durch. Doch kurzvor der Ankunft in der Hcimaih erlitt er Schiffbrnch undwurde nach der Insel Jonas bei Irland verschlagen, woer von dem dortigen Abt» Adamnan gastlich aufgenom-men wurde. Dieser, dem er seine Reise erzählte, brachtesie zu Papier . Da der Reisende also nur nach demGedächtniß erzählte, auch nicht selbst schrieb, so sind seineAngaben nicht einwandfrei. Doch werden sie vielfach vonAnderen bestätiget nnd sind wegen der Zeit sehr will-kommen. Auf Sion beschreibt er die große Kirche undgibt selbst einen genauen Plan. Bon. der Erlöser- oder

0 Wenn die Reisenden ibre Berichte niederschrieben,hatten sie wohl die Lage der Orte, aber rächt mehr dieEntfernungen genau !m Kopfe.

Pctcrskirche schweigt er. Die Sophienlirche kommt mwin einem späteren Ansznge mit Zusätzen vor.

Kaiser Karl d. Gr. schickte im Jahre 803 einigePriester nach Palästina, um sich über den Stand derchristlichen Religion dort zu erkundigen. Von ihrem Be-richte ist ein kurzer Auszug (Lomirwuroratorium dscusis l)) erhalten, welcher wcrthvoll ist. Iri 8nr>ct»Livu, heißt es da, intor presid^teicm ot clerleos XVII,in 8. I?6tre>, ubi iyss ploravit, int er zmcLsizsieroZ stclerwog V, in pretorio V, in s. Nnria norm, gnuinIn8tiniü.nu3 imxsrator ex8truxit XII, in 8». Nuria,ndi natn iuit in xrolmticm, inelusa.6 Leo SLLiL-tuo XXV.

Da die Kirche im Hanse des Kaiphas Weber vomhl. Willibald (72326), noch von Arcnlf vorher, nochvom Mönche Bernard nachher mehr erwähnt wird,während sie alle der Sionkirche gedenken, so bestand sieoffenbar seit der Verheerung der Perser nicht mehr.Dafür war eine andere Pctcrskirche, wo er seinen Fehlerbeweinte, am Abhänge des Berges gegen Osten erbautworden, welche Hahnschrci oder Galiläa genannt und in derFolge regelmäßig erwähnt wird. (Bernard, Johannes v. W.,Engeflvpns,,'Wilhelm v. T., LaCitcz u. A.) Hier alsowaren 5 Geistliche nnd cbcnfovlcle iu xroiorio; was nurvon der Sophicnkirchc verstanden werden kann, indem einanderes damals nicht cxistirle. Nun kamen Zeiten, welchesich für die Christen immer trauriger gestalteten. DerMönch Bernard der Welse (865) konnte noch reisen, dochwenig mehr berichten. Auf dem Sion nennt er dreiKirchen von Maria, Stcphanns und Pctri Hahnschrei,von einem Prätorium macht er nirgends Erwähnung.Nach ihm wurde Jerusalem gar das Ziel moslemischerWallfahrten, statt Mekka , nnd demnach unnahbar. Alsdieses aufhörte, athmeten die Christen für kurze Zeit auf.Da (964) machte Nltmann, der nachmalige hl. Bischofvon Passan, in Begleitung der Bischöfe von Negcnsburg,Mainz nnd Vamberg und vieler Edlen eine Wallfahrt,von welchen sein Lebcusbeschreibcr (bei den BollandistenAugust II) Einiges erzählt. Der Nebermnth der Un-gläubigen war so groß, daß sie aus den Rücken dePilger sprangen nnd mit Sporen daraus ritten, andererunsagbarer Grauet zu geschweige«. Sie .konnten nur dieOrte der Kreuzigung, Auferstehung und Himmelfahrt be-suchen. Einzelheiten sind nicht angegeben. Bald darnachwurde die Hl. Grabkirche niedergerissen, doch später durchdie Bemühungen des griechischen Kaisers Constantin M.wieder aufgebaut. Erst mit Eroberung der hl. Sladeim Jahre 1099 wurde die Bahn wieder frei. DieFranken stürzten sich mit Ungestüm auf die hl. Orte,allein sie überstürzten sich vielfach, weil sie die einheim-ischen Ueberlieferungen nicht verstanden. Sie urtheilten'nur nach dem, was sie sahen, ohne die Vergangenheit zubefragen. Wo im Dränge der Zeilen ein Denkmal ver-setzt worden war, meinten sie, es sei immer so gewesen.Eine kluge Zurückhaltung beobachteten noch die (Isstg.Vrancorniu Iliorosolvmanr oxMgurmtinur, wie bereitsangegeben worden. Dann aber begannen die Irrungen:die Führer sind theils solche, von denen man nicht vielmehr weiß als den Namen, bei den meisten kennt manselbst diesen nicht. Dabei stimmen sie vielfach so überein,daß ihre Abhängigkeit offenbar ist. Indeß ging diealte Fährte nicht verlöre!?, sondern blieb wohl im Ge-! dächtuisse, wie glcichzeui'gc Berichte bezeugen,i Der russische Ärchimandrit Daniel besuchte um dasJahr 1115 das hl. Land und erhielt seine Kunde ohne