Ausgabe 
(31.3.1897) 18
 
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Zweifel von seinen Glaubensgenossen, den einheimischengriechischen Christen. Er schreibt:Bon da (wo Helenadas Kreuz des .Herrn fand) nahe ist ein Ort gegen Osten,der Prätorlum heißt, wo man den Soldaten Jesum über-lieferte, und er ließ ihn geißeln und übergab ihn denSoldaten, daß sie ihn kreuzigten. Und cbendort ist dasStadtgcfänguiß, aus diesem führte der Engel den hl.Petrus heraus. Und von da wenig fortschreitend, kommtman an den Ort, wo Christus die Blutflüssige heilte?)Ebenda ist die Grube, wo der hl. Prophet Jcremiashineingeworfen wurde." Auf Siou fand erden Hof desKaiphas, wo Petrus Christum dreimal verläuguete. ImOsten von da ist eine sehr tiefe Höhle, wo Petrus weinte,und darüber ist eine Kirche auf den Namen des ApostelsPetrus erbaut."

(Schluß folgt.)

Recensionen und Notizen.

Abriß der Geschichte der deutschen National-Literatur. Nach G. Brugier von C. M.Harms. 2. verb. Aufl. Freibnrg, Herder. 1897.gr. 8". X u. 233 S. 2.20 M., geb. 2.90 M.

^ In unserer bücherreickgm Zeit ist es eine sehr de-placirte Redensart, von klaffenden Lücken innerhalb derliterarischen Welt zu sprechen, und doch gibt es Gebiete,auf denen für uns Katholiken noch lange nicht von einerUeberproduktion geredet werden kann. Das gilt gleichvon der Geschichte der Literatur. Brugier und Linde-mann sind gewiß vorzügliche Werke, die allen Ansprüchenan ein Lehrbuch genügen, aber einen wirklichen Mangelhaben wir an kleineren Leitfäden, die, in erster Linie fürdas Bedürfniß der Schule berechnet, Vollständigkeit desInhalts und Gedrängtheit der Darstellung mit einanderverbinden. Das vorliegende Buch ist somit einem wirk-lichen Bedürfniß entgegengekommen, und schon aus diesemGrunde ist es erklärlich, daß der im Jahre 1895 erschienenenersten Auflage schon jetzt die zweite folgt, die mit Rechteine verbesserte genannt wird, da fast keine Seite ohneAenderungen geblieben ist. Das Buch ist nach Brugierbearbeitet, d. h. die Eintheilung in acht Perioden sowiedie Umrisse der Biographien sind jenem altbewährtenLiterarhistoriker entnommen, sonst aber ist dasselbe mitgrößter Selbstständigkeit ausgearbeitet. Die Hauptstärkcdes Buches beruht vor allem in den wohlgelungenen,trefflich abgerundeten Inhaltsangaben der bedeutenderenliterarischen Produkte; eine Reihe derselben sind so warmund sorgfältig gehalten, dabei von einem so zarten undvcrständnißvollen Auffassungsvermögen eingegeben, daßsie wahre Kabinetsstücke darstellen: wir erinnern ;. Ä. nuran die Besprechung von Gudrnn (S. 22) und vom armenHeinrich (S. 26), von Hermann und Dorothea (S. 137)und Maria Stuart (S. 160). Dazu kommt noch weiter-hin die sorgfältige Charakterisirung der Dichter, die mitRecht nicht bloß nach ihrer literarischen Thätigkeit, son-dern auch nach ihrem Verhalten zur christlichen Moralund zum Osfenbarungsglauben behandelt werden. WieArrestant rst z. B. die Darstellung von Grillparzer (S.260 g.) und von Adalbert Stifter (S. 255), oder der Gegen-satz zwischen Carmen Sylvia (S. 268) und Luise Hensel (S. 267)! Daß die beiden Dichterfürsten besonders reichbedacht werden, versteht sich von selbst. Auf Schiller ent-ölten 19, auf Goethe gar 28 Seiten.Faust" erhält aufvier Seiten eine sehr ausführliche und ansprechende Dar-stellung; ob freilich die geistreiche Deutung des zweitenTheiles völlig alle Räthsel löst, wagen wir nicht zu be-haupten, hat ja Goethe selbst es abgelehnt, das Chaos zuMtwirren. Der katholische Standpunkt ist mitEiitschledenhelt gewahrt, trotzdem wird Licht und Schattenobrektiv vertheilt, man lese etwa mir nach, was überLuthers Bibelübersetzung (S. 49), über Laus Sachs(s. 51), über Fleming (S. 59), über Paul Gerhardt

*) Diesen Ort erwähnt auch Säwnlf.

(S. 60), über Gcibel (S. 220) über Gottfried Keller (S. 242) und über Ottilie Wildermuth (S. 270) gesagtwird. Da wir nicht zweifeln, daß dem sehr brauchbarenBuche noch manche Ausfahrt beschieden sein dürfte, wollenwir gleich einige Desiderien anfügen. Alban Stolz , Chr.v. Schmid, Adolf Kolping, Drostc-Hülshoff scheinen uns,obgleich ja ihre Werke gewürdigt werden und letztere alsdiegrößte aller deutschen Dichterinnen" gefeiert wird,noch immer zu kurz behandelt zu sein; Wilhelm Meinhold haben wir ungern vermißt, wogegen wir bei ChristianHebbcl (S. 248 ff.) eine Kürzung für angezeigt hielten.Die Dichter der neueren und neuesten Zeit sind allerdingsbei der phänomenalen Produktivität, bei der Mannig-faltigkeit ihrer Richtungen wie Systemlosigkeit ihrer An-schauungen schwer in Kategorien einzutheilen, dennochdürste cme noch prägnantere Gliederung der achten Periode(seit 1832) gelingen. Die katholischen Literaten sind miteinem Sternchen versehen, was nur zu begrüßen ist, beik. Galt Morcll (S. 230) und wohl auch bei M. Herbert(S. 269) ist dasselbe zu ergänzen. Ein warmer kathol-ischer und patriotischer Geist weht uns aus dem Bucheentgegen; sollte dies etwa ein Fehler sein, ihm die Pfortender Studienanstalt zu verschließen? Müssen da bloß dürreund magere Excerpten, kalte und trockne, dein Jndifsercn-tismns huldigende Leitfäden zur Benützung kommen?Das Buch ist zugleich eine wahre Orientirnngs- undWarnungstafel, darum auch für die Sclbstbelchrungtrefflich geeignet, um sich rasch und sicher über irgend eineliterarischc Erscheinung zu orientircn, zumal es bis aufdie neueste Gegenwart fortgeführt ist. Ein sorgfältig ge-arbeitetes Personen- und Sachregister enthält aus 11 drei-spaltigen enggedruckten Seiten weit über 1500 Stich-wörter.

* Eine päpstliche Empfehlung. Der Heilige Vater-Papst Leo XIII . hat seit Beginn seines Pontificatcs denphilosophischen Studien die regste Förderung an-gedeihen lassen und behält deren Entwicklung mit allerSorgfalt im Auge. Davon zeugt auch in nicht geringemMaße das nachfolgende Schreiben Sr. Heiligkeit an denHerausgeber des im Verlage von Ferdinand Schöningh in Paderborn erscheinendenJahrbuches für Philo-sophie und spekulative Theologie", Herrn Pros.Dr. Commer in Brcslau, welches in der Uebersetzunglautet:Papst Leo XIII . Geliebter Sohn, Gruß undapostolischen Segen! Nachdem Wir durch das Rund-schreibenü,otorm katrls" dafür gesorgt haben, daß diephilosophischen Wissenschaften wieder an diejenigen Quellengewiesen werden, woraus sie in der Vergangenheit so vielLicht und Sicherheit geschöpft hatten, mußten Wir Unsbeglückwünschen, daß katholische Männer überall sich wieein Heer zusammenschnürten und in geziemendem Gehor-sam gegen Unseren Willen es unternommen haben, sichmit den unsterblichen Schriften Thomas von Agnins un-ausgesetzt zu beschäftigen und sie durch ihre angestrengtenStudien zu erklären. Daß auch Du, geliebter Sohn, schonBeweise Deiner Arbeit an der Lösung dieser Aufgabe ge-liefert hast, haben Wir vor vier Jahren erfahren, als DuUns die ersten sechs Bände des von Dir und anderentalentvollen Männern herausgegebenenJahrbuchs fürPhilosophie und spekulative Theologie" überreichtest. Jetztaber, da Du Uns mit vier weiteren Bänden desselbenJahrbuches beschenken wolltest, gefalle es Uns, Dich undDeine Genossen mit Lob für die erduldete Arbeits-mühe zu krönen. Während dieses Lob als verdienteB eloh nung gelten soll, so soll es zugleich ein Anspornsein, daß Ihr von dem begonnenen Werke nichtablasset, sondern daran arbeitet, die Irrthümer derfalschen Philosophie zu besiegen, die Lehren des Aquinatenaber weiter zu verbreiten und in der ihnen gebührendenEhre zu erhalten. Ein Beweis Unseres väterlichen Wohl-wollens und ein Mittel zur Erlangung der göttlichenGaben soll aber der apostolische Segen sein, welchenWir Dir und Deinen übrigen Mitarbeitern in größterLiebe ertheilen. Gegeben zu Rom bei St. Peter am 22.Februar im Jahre 1897, dem zwanzigsten Unseres Pon-tifikates. Leo U. U. XIII."

Verantw. Redacteur: Ad. Haas in Augsburg. Druck u. Verlag des Lit. Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg .