Ausgabe 
(3.4.1897) 19
 
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Volke gezeigt werden sollten, was.auch mit der,Inschriftübereinstimmt, die bei der Restauration unter der Tünchegefunden wurde." Diese Inschrift befindet sich an derWand zwischen Chor und Männerschiff unter dem großenrcstanrirten Bilde der Engelgrnppen, die Kreuze und Re-liqniengefäße tragen, in deren Mitte zwei, welche die hl.Lanze halten, die zu den Reliquien des Reiches gehörte.Sie sagt: in dieser Kirche ist daz wirdig heilitnm dazKaiser Karl d. virt und der erbar rat dieser Kirchengeben hat Dasselbige all jar mit steige hie wizen zelon.(Am 11. April des Jahres 1361, als der Bau beendetwar, wurden dem Versprechen des Kaisers gemäß dieerst kürzlich aus Ungarn herbeigeholten Reichshciligthümcrvorn Balköne der Vorhalle dem Volke zum erstenmalegezeigt.)

Die Nord- und Südseite haben nach außen ganzschmucklose, nur von je drei hohen Fenstern zwischen vierkräftigen Strebepfeilern durchbrochene Wände. Aus derflachen Ostwand tritt, der Chor als Fortsetzung des Mittel-schiffes von fast gleicher Länge ohne Nebcnschiffehervor, während diesem im Osten als Eingang eine Vor-,halle von quadratischer Grundlage vorgelagert ist.- Vonihren drei äußern Spitzbogenportalen ist das größerewestliche durch einen in seinem Kerne etwas zurücktreten-den Pfeiler wieder in zwei Spitzbogcnportale getheilt.Alle drei sind wie das innere Portal mit reichem Stein-bildcrschmnck geziert. Er stellt in Verbindung mit dem-jenigen des Innern der Halle sowie den übrigen Bildernund Bildnissen im Innern und am Acußern der Kirchegleichsam eine ganze, logisch zusammenhängende, ikono-graphische Summa dar, hier die in der Sprache derbildenden Kunst hingestellte Lehre der Kirche über dieVerehrung der seligsten Jungfrau Maria.

Diese Steinbilder sind von verschiedenem Werthe,zum Theil dekorativ, vorwiegend jedoch von gewandterKünstlerhand mit natürlicher Anmuth und Schönheit inVerbindung mit einer gewissen feierlichen Erhabenheit derHaltung und idealen Bildung der länglich ovalen Köpfegemeißelt. Diese sammt- den übrigen Stcinsiguren derwestlichen Schaufelte wurden vom Bildhauer Rottermundin Nürnberg zum Theil ausgebessert und die Lücken durchNeues ergänzt. Die Thüren mit den sie bedeckenden stili-sirtcn Beschlägen, die Rosetten über den Spitzbögen, dassckwne Tranbenguirlandengesims wurden erneuert und derBalkoii mit einer neuen Stcinbrüstnng aus durchbrochenenWappen- und Maßwerkfüllniigen umgebe». Auch an demmit terrassenförmig aufsteigendem Zinncnwerk und Fialengekrönten Schiffgiebel erhielten die durch fünf Stockwerkewagerecht abgetheilten leeren Fcnsterbleudcn durchweg neueStatuetten.

Ueber der Vorhalle, hinter der Balkongallerie zurück-tretend, wurde noch im Jahre 1411 die St. Michaels-kapelle mit demgoldenen Thürmchen", dessen Name sichvon der ehemaligen zinnvcrgoldcten zierlichen Spitze hin-schreibt, erbaut. Letztere wurde vom Blitze zerstört.1506 1509 wurde die Schlaguhr weggenommen undfür eine neue mit beweglichen kupfernen Figuren (Männ-lcinlanfen) auf der Michaelskapelle ein Giebel errichtet.Diese' Uhr, von - Georg Heus; hergestellt, kostete nichtweniger als 532 Goldgnlden, für die damalige Zeit keinegeringe Summe. In der Gicbclnische, oberhalb desmittlern der dreiseitig zu einander stehenden Fenster, throntheute noch unter einem prächtigen Stcinbaldachine die.mächtige Gestalt Kaiser Karls,1V., zur Seife stand ihm-früher der Herold. Jetzt umgeben ihn noch zwei Po-

sannenbläser,, über denen noch Trommler und Pfeifervertheilt sind. Aus dem.Hintergründe der Nische schreitennun wieder, wie ehemals, auf bestimmte. Glockcnschlägeder Uhr die sieben Churfürsten des hl. römischen Reichesdeutscher Nation von der linken zur rechten Seite vor-dem Kaiser paradircnd vorüber. Der König von Böhmenhält den Reichsapfel, der Churfürst von der Pfalz einen. Schlüssel, der von Sachsen das Schwert, der von Branden-^ bürg das Scepter. Sie gehören zu dem neu aufgestelltenUhrwerk. Alle jene Figuren waren von dem Kupfer-schmiede Sebastian Lindenast (f- 1522) in, Kupfer ge-trieben. Daß derselbe kein bloßer Handwerker heutigenSchlages, sondern in seinem Material ein vollendeterKünstler war, ersieht man aus den drei größern, nocherhaltenen,, von Bildhauer Tobias, Weis in Nürnberg , rcstaurirten Figuren des Kaisers und der Posauncnbläser,die von charakteristischer Zeichnung und Auffassung sind.In ihrer vorigen alten Glanzvergoldnng wirkten siefreilich noch kräftiger als jetzt nach ihrer Nenvergoldnng.Sie sind bereits ganz schwarz geworden und hätte nichtnoch durch Bewerfung mit Asche ihre Patinirung be-schleunigt zu werden brauchen! Den Boden der Nischebildet ein gothisches Piedestal, an dessen Bogeirrande mitgoldenen Buchstaben die Worte stehen:OIL 1IK ist iin1509 1^11 voldiaeüt." lieber dem Baldachine ist diegroße Scheibe. des , Zifferblattes mit einer goldenenStrahlensonne versehen, und über ihr zeigt eine schwarz-goldene Kugel den Wechsel des Mondlichtes an. Ueberdem Gicbelrande des Kapeklchens erheben sich noch Säulen,auf denen mnsicirende Engel stehen, und den Abschlußdes schönen Vorbaues bildet ein eisernes, neu vergoldetesund bemaltes Thürmchen, in dem die, Armenscelenglockehängt. Ein Theil des Manerwerkes, der Dachstnh! undseine Knpferbedecknng, der reiche Firstkamm und die Erkersind neu.

Als Bekrönung des Ganzen strebt endlich auf derHöhe des Kirchengicbels, gleichsam aus. dessen Nischen-walde herauswachsend, der zierliche, in vier Stockwerkegegliederte Glockenthurm empor, der leider immer nochmit seiner alten Blechhanbe bedeckt ist. Wenn aber über-haupt in der Architektur, so ist jedenfalls in der Gothik^ der Bckrönnngsabschlnß kein unwesentliches Moment. Ohneseine charakteristische Lösung gelangt der architektonische Ge-danke nicht zum vollen Ausdruck. Dr. Essenwcin hätte. auch die erklärte Absicht, die dem architektonisch-künstler-ischen Charakter des Ganzen Eintrag thuende Blechmntzedurch eine leichte, schmuckvolle Pyramide zu ersetzen, wurdeaber durch den noch immer herrschenden Einfluß kind-licher Alterthümelei daran verhindert.

Bemerkt sei noch, daß die jetzige Sakristei an derSüdseite zwischen Chor und Schiff, nachdem die alte imJahre 1465 abgebrannt, mit der darüber befindlichenehemaligen Schatzkammer errichtet wurde. Als Pendantzur südlichen baute Essenwcin noch eine nördliche Sakristeizwischen Chor und Franenschiff ein nnd ließ über ihreine neue Orgel durch Orgelbauer Büttner in , Nürnberg aufstellen. Diese ergießt nun aus unsichtbaren Räumendurch die offen gelassenen Fenster an der nördlichen Chor-seite ihre Harmonien über die Häupter der andächtigenGemeinde. Die Orgel stand bis. dahin im Michaels-chörlein. 1385, dann 1443 nnd wiederum 1498 warensolche errichtet worden. Die nun frei gewordene Michaels-kapelle läßt jetzt wieder das durch die farbensatten altennnd neuen Glasbilder gebrochene Sonnenlicht ins Schiffder Kirche dringen. Der Brüstung der Empore (der