Sndenmnm's Stück. „Modern" wurde für die TheaterMünchen und Berlin angenommen und ist für München zurZeit in Vorbereitung. Bei der Erstausführung im Stadt-lheater zu Eberfeld am 16. März 1895 wuchs derrauschende Beifall von Akt zu > Akt; der Dichter wurdestürmisch herausgerufen, und nicht eher räumte nachSchluss der Vorstellung das Publikum die Theaterplätze,als bis der Kölner Dichter mehrmals vor die Rampegetreten war. In Bonn errang das bürgerliche Trauer-spiel „Modern" auf den Brettern einen geradezu sen-sationellen Erfolg. Das Publikum beruhigte sich nachdein dritten und fünften Akte erst, als es den Dichtererscheinen sah und ihm den Lorbeer um die Stirneflechten durfte. Der Universitätsrektor Ganfinez in Bonn hat die Dichtung in's Französische übertragen.*)
Um aber die Befähigung Eschclbach's zum voll-rvcrthigen Dramatiker, um sein starkes Talent zum kühnenAufschwünge der dramatischen Kunst gebührend würdigenzu können, muß man sein kurz vor Weihnachten er-schienenes Drama „Antiochus" lesen?) Der Historikermag zwar den Kopf schütteln, - der Kunstfreund indeßhat seine helle Freude an Eschclbach's neuester Dichtung.Freilich, die Vertheilung der Rollen an sechzehn Männerund nur eine Frau wird uns etwas stutzig machen.„Hanna" findet sich gar so vereinsamt unter der zahl-reichen Männerwelt. Bei dem reichen Stoffe nimmt sichdie einzige Franenrolle eigenthümlich und seltsam aus.Durch dies stiefväterliche Verfahren möchte uns derDichter fast als ein finsterer Misogyn vorkommen, alswelchen wir ihn nun ganz und gar nicht kennen lernenwerden, wenn. wir seinem süßen Liedcrmnnde. lauschen.Wenn für die tragenden Rollen gntbeanlagte Darstellerins Feld rücken, wird das Schauspiel eine nachhaltigeWirkung erzielen. Die Entwicklung ist spannend, dieDurchführung einheitlich, die dramatische Kraft durch-schlagend. „Antiochus" ist entschieden bühnenreif, istbrettcrgerecht, und zwar nicht allein für Vereinsthcater,nein, „Antiochus" wäre. auf Ibsen , Hanptmann, Snder-maun, wie auf all' unsere „Modernen", ein kräftigerTusch. Zudem hat „Autiochns" vielfach modernen An-fing, wenn er auch nicht im strengen Sinne der „Jüngsten"auf dein Parnasse gehalten ist.. Des Kölners neuestesDrama dem Publikum vorzuenthalten, wäre eine literarischeSünde, und nicht einmal eine leichte. Manch ergrauterScheitel wird vor dieser Eschelbach 'schen Dichtung huldigendsich neigen. .
Andere Werke unseres Dichters sind „LebendeBilder zu religiösen Festen",H „Leichte Vor-trüge in Poesie und Prosa"?) Ein natnrsinnigesWerk hat der dankbare Sohn dem Andenken des liebenVaters zum Denkmal gesetzt: „Der Wald und seineBewohner," von mehr als neunzig Zeitschriften des Ju-
') Universitäts-Prosessor Or. Litzmann aus Bonn, derbekannte Verfasser des Werkes „Das deutsche Drama inden literarischen Bewegungen der Gegenwart", schreibtüber „Modern", an den Dichter: „Ich bin der Meinung,das; Sie ein entschiedenes dramatisches Talent haben. DieHauptcharaktcre und die meisten Scenen sind mit erstaun-licher Leichtigkeit und Geschicklichkeit entworfen und durch-geführt. Die Führung des Dialogs bekundet auch Kennt-niß von dem, was anf der Bühne wirkt. Ich habe denEindruck, daß Sie im volksthümlich gehaltenen Schau-spiel und Trauerspiel auf der Bühne gute Erfolge er-ringen werden."
°) Verlag von Jos. Kösel, Kempten. Mit Portraitdes Dichters. M- 1,60.
Verlag v. Beruh. Kleine, Paderborn. M. 2
') 2 Bde. Verlag ebenda, ü M. 1,20.
und Auslandes, äußerst günstig, beurtheilt?) Ein andens*natnrdnftiges Buch ist „Naturbilder aus allenZonen" 0) mit musterhaften Naturschilderuugen. BeideWerke sind illnstrirt und. darum der lieben deutschenJugend doppelt zu empfehlen. Eine literarhistorischeStudie sind „Die poetischen Bearbeitungen derSage vorn ewigen Juden". Sie zeugt von viel-seitigem tiefem Wissen anf den verschiedensten Gebietender poetischen Literatur. Die Studie erschien 1896 inden letzten vier Nnmmern der „Dichterstimmen derGegenwart", hernach auch im vermehrten Sonder-abdruck?") Die „Dichterstimmen" sind das poetische Organfür das katholische Deutschland , eine nach Form wie In-halt zeitgemäße und kunstgerechte Zeitschrift, die Freudeund Zier aller Freunde und Verehrer wahre Poesie. Diesehöchst cmpfchlenswerthe Zeitschrift versieht Eschelbach reich-lich mit Recensionen, im Lessing 'schc» Farbcuton geschrieben,worin klipp und klar, scharf und wahr über die neuestenschönliterarischen Erscheinungen Kritik geübt wird. Soebenerscheint in der „Jllnstrirten Zeit" der erste Roman Eschel-bach's unter dem Titel „Künstler und Hcrrenkind".In Vorbereitung hat der Dichter „Kunterbunt", Er-zählungen und Gedichte für Jung und Alt. Auch ver-anstaltet er zur Zeit eine voraussichtlich sehr reiche Samm-lung von Gelegcnheitsdichtnngen aller Art, wozu schonwiederholt in den. „Dichierstimmen" an das poetischeDeutschland die Einladung zur Mitarbeiterschaft erging. .
(Fortsetzung folgt.)
Die Thätigkeit der Leo-Gesellschaftim Jahre 1896.
Wir haben wiederholt anf die segensvolle Thätigkeitder österreichischen Leo-Gesellschaft zür Pflege christlicherWissenschaft hingewiesen, welche nunmehr das erste Quin-guennium ihres Bestandes zurückgelegt hat, und wollenheute einen speciellen Rückblick auf die Leistungen derGesellschaft im Jahre 1896 werfen, aus dem nur die her-vorragendsten Momente hervorgehoben sein sollen.
Die Section für Literatur und Kunst hielt jedenMontag Abend im „Kaiscrhof" Besprechungen ab. Hiebeigelangten Referate über religiöse Malerei und die Mittelzur Hebung derselben, über ein Vruckner-Denkmal. überden Stand der Kirchenmusik, über die Ausgrabungeü inCarnuntum u. a. m. zur gründlichen Berathung. Dievon dieser Section angeregte und von der Leo-Gesellschaftherauszugebende „allgemeine Bücherei", welche im Formateder Reclam 'schen Universalbib.liothek schon in kürzester Zeiterscheinen soll, kann von weittragender Bedeutung sein/da dieselbe ausgewählte classische Werke aller Völker undZeiten enthalten ivird. Für die ersten 6 Hefte sind Ab-handlungen von Calderon, Brentano, Stifter, Shakespeare und Sophokles in Aussicht genommen. — In der philo-sophisch-theologischen Section hat die Hauptarbeit dieAufstellung leitender Grundsätze für die Mitarbeiter amalttcstamentlichen Bibelcommentar anf Grund des Elabo-rates von Professor Dr. Beruh. Schäfer gebildet. — DieSection für Geschichtswissenschaften faßte den Beschluß,aus Original-Quellen Lebensbilder von Persönlichkeitenzu bearbeiten, die in der Geschichte unseres Vaterlandeshervorragende Bedeutung besitzen, woran sich hauptsächlichProfessor Laurenz Pröll und Dr. Albert Starzer be-theiligten. —. In der Section. für Social- und Rechts-wissenschaften. die für 1897 einen öffentlichen socialwissen-schastlichen Vortragseurs vorbereitet, hielt Dr. WilhelmFreiherr v. Berger einen bedeutsamen Vortrag über die„Gewinnbetheilignng der Arbeiter". — Auch die christlicheKnust fand die gebührende Würdigung und Pflege in derzu Ehren des unsterblichen Dichters Torguato Tasso ver-anstalteten Festseier, ivobei Hofschanspieler Jac. Schreiner
") Verlag von Adolf Rüssel, Münster i. W. M. 2.
°) Ebenda. ' -