Tasso'sche Poesien zum Vertrag brachte. Die mehrmaligeAufführung des herrlichen Wcihnachtssestspieles. von vr. R.v. Krälik wird vielen Lesern noch in lebendiger Erinner-ung fein, während die am 18. Dezember 1896 veranstalteteerste Aufführung des Oratoriums „Christus", von FranzLffzt einen ehrenvollen Markstein in der MusikgeschichteWiens verzeichnet. . —
Die Leo-Gesellschaft hat 1896 folgende.Werke publicirt:1) Das sociale Wirken der katholischen Kirche in der Diä-rese Gnrk (Körnten) von Dr. Alois Cigoi. 2) Fünf Hefte„Vortrüge und Abhandlungen", und zwar: a) Die Agrar-frage und das internationale Großkapital, von Dr. G.Rußland: b) Der Reichthum der katholischen Kirche , vonDr. Aug. Rösler; o) Das Cartellwesen vom Standpunkteder christlichen Wirthschaftsauffassnng: 6) Die neuestenRichtungen in der Malerei, von G. Neinhart; e) DieArmenpflege einer Großstadt vom Standpunkte der christ-lichen Armenpflege, von Dr. Richard Weißkirchner.3) Paulinus H., Patriarch von Aqnileja. Ein Beitragzur Kirchengeschichte Oesterreichs , von Dr. Carl Gianom.
Die von Dr. v. Kralik redigirten .Mittheilungen"sollen einen permanenten Contact zwischen der Leo-Gesellschaft und ihren Mitgliedern herstellen und dieletzteren über alle Arbeiten und Bestrebungen im Laufen-den erhalten. Jnr Jahrgang 1896 des von Dr. FranzSchnürer geleitetetcn „Literaturblattes" befinden sich cor-recte Kritiken hervorragender Werke - aus allen Gebietendes/ menschlichen Wissens von bleibendem Werthe. — Dasvom Generalsekretär der Gesellschaft, Dr. Franz Schindler,herausgegebene „Jahrbuch" pro 1897 enthält unter andereminteressante Abhandlungen von Professor Dr. FerdinandStentrup, Professor Dr. Lambert Fikula, Dr. Alfred Nagl,Dr. Frhrn. v. Wcichs-Glon und Dr. Thomas Wehoser. —Nicht unerwähnt sei die unter der Redaction des Pros.vr. Heinrich Swoboda stehende „Vierteljahrsschrift fürchristliche Kunst", deren erstes Heft nächstens er-scheinen wird.
Der Stand der Mitglieder hat 1896 einen erfreulichenAufschwung genommen und ist gegenüber dem Vorjahrevon 1444 auf 1650 gestiegen.
Möchten doch alle glaubenstreuen Katholiken Oester-reichs nicht zögern. der. schon , so oft empfohlenen und von, Sr. Heiligkeit dem. Papste gesegneten Leo-Gesellschaft bei-zutreten, und das kleine Opfer von 5'Gulden pro Jahr,wofür ia die Mitglieder mehrere literärische Gaben em-pfangen, nicht scheuen — zumal mit einem Massenbeitritteder Leo-Gesellschaft auch Gelegenheit geboten wäre. den. an sie gestellten hohen Anforderungen voll und ganz zuentsprechen! Kai). Rath vr. Truxa.
Recensionen und Notizen.
T Göpfert's Moraltheologic — noch einmal.Der bekannte A-Recensent thomistischer Literatur inder Beilage der „Augsb. Postztg." befaßt sich in Nr. 15mit der Moralthcologie des Würzburger Univcrsitäts-Prosefsors vr. Fr. A. Göpsert — nicht um das Werk„gründlich und zugleich wissenschaftlich" zu würdigen, auchnicht um es lediglich empfehlend anzuzeigen, sondern umzu verkünden, daß es nicht in allen Stücken echt nnd rechtthomistisch sei. Daß Verfasser Göpfert's Buch nicht wissen-schaftlich würdigt, nehmen wir ihm nicht übel. Uebelnehmen wir ihm aber die Ergüsse seines thomistischenUebereifcrs, und das soll nun einmal offen und entschiedenausgesprochen werden, nicht aus Interesse für Göpfcrt,den wir leider persönlich noch gar nicht kennen, nicht alsob wir Gegner der thomistischen Sache wären und imhl. Thomas nicht auch die große Leuchte moralthcologifcherWissenschaft verehrten, sondern lediglich um der gutenthomistischen Sache willen, der nach unserer Ueberzeugungund Erfahrung der Herr A-Ncccnsent,'mag er's nochso gut meinen, keineswegs gcnützt hat. Offensichtlich hatder Recensent zur Waffnung für den Angriff einen Artikelim Commer'scheu Jahrbuch (4. u. 6. Bd.) über „die Prin-cipien der Moraltheologie nach St. Thomas" nachgelesen,und das getreue Echo all der Klagen über die gegen-wärtige moraltheologische Wissenschaft, die dort um solauter erhoben werden, je schlechter sie begründet find,läßt er heute uns hören. 1) Seines Erächtens hättellr. Göpfcrt „durchaus gründlicher nnd zugleich wissen-schaftlicher" der allgemeinen Moral seine größere Aufmerk-
samkeit zugewendet „durch engen Anschluß an die b> IDo der8uwma tbsol. des hl. Thomas von Aguin". Wie er sichdas vorstelle, sagt der Herr Recensent nicht — I-> 1V« hat114 guasstioues auf 887 Seiten 8° (römischer Ausgabe),der allgemeine Theil in Göpfert's Lehrbuch umfaßt276 Seiten; der Vorwurf thcilweise mangelnder Gründ-lichkeit und Wissenschaftlichkeit bedarf für den Herrn Re-censenten keines weiteren Beweises, wenn sich der Autornicht enge an den hl. Thomas angeschlossen hat. Als obes schon ausgemachte Sache wäre, daß thomistischer Ge-halt der einzige Werthmesser eines Buches sei, und daßselbst dann gründliches Studium des hl. Thomas undwissenschaftliches systematisches Verarbeiten seiner Resul-tate dem. Werke eines Autors noch. nicht die Prädikate„gründlich und wissenschaftlich" verdiene, sondern erst.vieles Exccrpiren und Combiniren von Thomas-Stellenmit einigem Commentircn und kräftigem Räsonnircn überjeden, der es- auch im Kleinsten, wagt, den hl. Thomasanders zu verstehen. Muster für die Touart wären natür-lich die endlosen „Reu-Thomisten" - Artikel im Connncr-schen Jahrbuch, deren Echo auch schon, mehr als. einmalim Tone des Herrn A-Recensenten uns entgegenklang.2) Einen zweiten großen Fehler in den Augen unseresRecensenten hat Göpfcrt begangen, weil er, ivic mitdankenswerter Offenheit und Entschiedenheit die Vorredeerklärt, in seinem Buche den wahren Probabilismus fest-gehalten mit allen seinen Folgerungen. Neuesten? stehtes ja in gewissen Kreisen fest, der hl. Thomas müsse inder Moral als Gegner der Probabilistcn bezeichnet werden,wie . er Gegner der Molinisten ist in der Dogmatik.Darum „dürfte wohl schwerlich, die probabilistischc Auf-fassung der Beziehung des Gesetzes zur Freiheit der Lehredes hl. Thomas . . . . entsprechen. Sie entspricht viel-mehr in der Dogmatik (Äo!) der molinistischen Ansichtvom Verhältnisse der Gnade zur Freiheit." Was die an-geführte Stelle einer Eucyklica Lco's XIII. gegen denProbabilismus sagen soll, ist uns unfaßbar, und dasgleiche müssen wir von dem angeführten ex. 113 s. o.Asm. m sagen. Um nicht zu lange zn werden, wollenwir nur noch eine Bemerkung des Recensenten hier nam-haft machen, die nämlich, daß „St. Thomas unter !sxbunmna nicht die kirchlichen Gesetze begreife" und vomKirchengesetz' handle unter „lex uova" I. II. gu. 106 sgg.Die betreffende guaosllo trägt nun die Ueberschrift: „äs
IsKS svauZ'sliea, guas äioitux nova." Sollte es
außer den evangelischen Grundgesetzen der Kirche keineanderer: Kirchengesetze geben, die wirklich lsZes bumanassind? Der hl. Thomas folgert selbst deren Nothwendig-keit aus der geringen Zahl äußerer Verhältnisse und Acte,die der göttliche Stifter und Gesetzgeber der Kirche selbstschon durch das Gesetz des N. B. „lox nova" geregelt hat:ek. xu. 108, I n. 2. Nebenbei bemerkt, handelt Göpfcrtan der angeführter: Stelle nicht vom Kirchengesetz an sich.und der Ausdruck „lex bumsira" findet sich hier gar nicht,ebensowenig wie die „heiligen Väter und Kirchenlehreran der citirten.Stelle S. 5 ff. der Ein!, erwähnt werden.Macht denn Göpsert reicht ebenda außer von den Gründe r:auch von der persönlichen Autorität und dem „kirch-lichen Ansehen" der Lehrer das Gewicht ihrer Ansicht ab-hängig?^ Oder liegt vielleicht darin schor: ein Verbrechen,daß Göpsert meint, es. dürfe der Theologe die wissen-schaftliche Prüfung fremder, wenn auch hoher, Auctoritätsich nicht ersparen? Ob Herr Professor Göpsert durchdie „rein sachlichen Bemerkungen" des Recensenten sichwird bestimmen lassen, sein Buch in der gewünschtenWeise zn „vervollkommnen", wird die Zukunft lehren.
Die österreichisch-ungarische Monarchie :nWort und Bild. Wien . Alfred Hüldcr, k. k. Hos-und Univcrsitäts-Bnchhäudler. Heft 259—271.
D Von den vorliegenden Heften behandeln zehnMähren und.Schlesien , speciell die Architektur und Plastik,die Kunstindustrie, das volkswirthschaftliche Leben, undist hier besonders Bergbau und Hüttenwesen in Mähren ,sowie die Woll-Jndustrie, welche durch ihren großen Ex-port in Tuch. und Shäwls, vorzüglich von Brünn ausbetrieben, besonders hervorzuheben. - Hieran reiht sich dielandschaftliche Schildernng, sowie die Geschichte nnd Volks-kunde dieser beiden hochentwickelten Kronländer in popu-lären und lebensvollen Abhandlungen. Wie bei den vor-ausgegangenen Banden, so sind auch diesem Bande zahl-reiche, den Text illustrircnde Abbildungen beigegebcn, nnd