Ausgabe 
(16.4.1897) 21
 
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jugendfrischen Dichter am Nheine gewonnen.DerDichtkunst, des Gesanges Preis ward ihm zuTheil," darüber sind wir einig. Seine Muse ist be-kränzt mit dem ewigfrischen Immergrün der freudigstenHoffnung auf ein beseligendes Jenseits nach diesemwechselvollen Erdcnwallen. Gott, Religion, Hcimath undVaterland sind die uralten Tonangebcr Eschelbach' scherDichtung. Jugendträume, erste Lieder, Lenz und Liebe,Sinnen und Minnen locken in die Zauberwildniß derKölnischen Muse. Der Dichter des melodienreichenWild-wuchs" erscheint uns zuweilen wie ein drolliger Knabe,der im Lenzessonnenschein durch Busch und Hecken streift,eiu wildes Heckenröschen von den Dornen bricht, an seineBrust es steckt und daheim es sorgt und pflegt, der aber,wenn des Nachbars holdes Töchterleiu kommt und mitden tiefen Blauäuglein Wildröschen wohlgefällig betrachtet,es nicht über sich bringt, das Blümlein dem schönen Kindevorzuenthalten, sondern flugs es nimmt und der Traut-gcspielin in die hellen Locken flicht. Eschelbachs Poesieerhebt über die Kleinlichkeiten des Alltaglebens, wie eintiefgründiges Gebet weht ein christlicher Geist durch seineLieder. Eschelbach ist durch die Tiefe seines Gemüthsein echter Sohn Deutschlands und durch die träumerischeGluth seiner Phantasie ein echter Knabe des sangesreichenRhein. Wem hat der Dichter seine duftigen Weisen ab-gelauscht?Alldeutschlands Völkerstimmen!" Wer hatsie ihm zugeraunt?

Wo sie wuchsen? Fragt die Drossel!

Viele wuchsen wild am Raine.

Wo sie wuchsen? Fragt die Eine!

Fragt sie nicht! Mit trübem LächelnWürde stumm das Haupt sie neigen.

Nur die blassen Sterne wiffen's.

Und die Sterne werden schweigen."

Eschelbach ist in literarischen Kreisen und darüberhinaus rasch berühmt geworden. Zwar liefert uns Friedrichvon Matthisson's literarische Laufbahn in auffallenderWeise ein Beispiel, wie hohe Berühmtheit bisweilenbinnen Kurzem der Geringschätzung weichen kann; alleindas neue Dichtertalent am Rhein, dem die Musean der Wiege Pathe gestanden, wird auch bei einer dank-baren Nachwelt jung bleiben. Mit dem liebenswürdigenDichter sollten auch vornehmlich die jungen Geistlichensich innig vertraut machen; der Sänger vom Rhein hatso viele seiner Dichtungen ja dem geselligen Vercinswcsengewidmet. Die erste Würde nun, womit der junge Geist-liche bekleidet wird, ist die Bürde eines Vereins-Präses.Als solcher hat er sich in den allermeisten Fällen bei fest-lichen und feierlichen Anlässen um ein Repertoire fürdas Vereinstheater umzusehen, das heutzutage selten fehlt.Wesentlich wird der vielbeschäftigte Präses seine Bürdeerleichtern, und viele Verlegenheiten wird er sich ersparenkönnen, wenn er den volksthümlichen Dichter Eschelbach kennt. Was er dichtet, ist volksthümlich, so drückt nurdas Volk seine Gefühle aus. Beim Lesen seiner Werkehat mau die Empfindung, daß alles so sein müsse undgar nicht anders sein könne. Die Eschelbach 'sche Musegehört nicht zu jener Poesie,

Die Gelehrte nur gemachtund nie dabei aus Volk gedacht."

Sie singt vom deutschen Volk, so wie es leibt undlebt, glaubt und liebt, freit und stirbt. Der edle Bardevom Rhein schreitet zu hohen Thaten befeuernd mitgoldnem Saitcnspiel durch die Geschlechter Eschelbachwill die Menschheit beglücken:

Bei denen soll man mich nicht nennen.Die tändelnd nur zu Blumen traten;

Im meinen Adern fühl' ich's brennenO, gebt mir Thaten! Gebt mir Thaten!"

Recensionen nnd Notizen.

Dr. Franz Kampers, Mittelalterliche Sagen vomParadiese und vom Holze des Kreuzes Christi inihren vornehmsten Quellen und in ihren hervorftechendsten Typen.

vu Mit der Wahl dieses Themas für die erste Vereins-schrift des Jahres 1897 hat die Görresgcsellschaft un-zweifelhaft einen glücklichen Wurf getroffen. Denn wassteht dem gläubigen Christen näher als die Erweiterungseiner Kenntnisse über das so rasch Verlorne Glück unsererStammeltern im Paradiese? Was bietet sür Verstandund Wille so reiche Anhaltspunkte als die Lehre vomKreuze des Erlösers? Freilich, Dr. Kampers, der sichdurch sein Buch über die Kaiserfagen des Mittelalters sovortheilhaft in die katholische Literatur eingeführt hat,behandelt diese grundlegenden Wahrheiten vom Falle nndder Wiedererbebung des Menschen nicht vom theologischenStandpunkte aus, sondern er geht mit liebender Sorgfaltden mehr oder minder dunklen Spuren der sagenhaftenEntwickelung jener Offenbarungsthatsachen in der vor-christlichen und in der mittelalterlichen Periode nach undführt die mannigfachen Gebilde einer überreichen Phan-tasie auf ihre einfachen und einheitlichen Urgedankenzurück. Gerade die bunte Welt der Sagen iin unerlöstcnGeschlechte über das Paradies und den Lebensbaum, überdas erste Menschenpaar Adam und Eva u. f. w. ist einmächtiger Beweis für die historische Glaubwürdigkeit derbiblischen Angaben. Denn wie sollten derartige Gedankendem sinnenden Menscheugeiste sich aufgedrängt haben, wennalles nur Traum und Schaum? Wenn Adam nnd Christus,der Baum des Lebens im Paradiese und das Kreuzesholzauf Golgatha nicht historische Realitäten sind, wie konntesich an diesen Namen ein so herrlicher blüthenrcicher Kranzvon volksthümlichen Erweiterungen und kindlicher Ein-bildung emporranken? Wie hätten überhaupt einschlägigeSagen sich aus dem leeren Nichts emporheben können?Mit diesen und ähnlichen Gedanken haben wir das an-regende, fein geschriebene Werk des eifrigen Mitarbeitersdes Historischen Jahrbuches, Dr. Kampers, zur Seite ge-legt, dessen Lektüre allen Gönnern und Mitgliedern derGörrcsgesellfchaft eben solchen Reiz nach des Tages Mühegewähre, wie es auf uns ausgeübt hat.

Handbuch des katholischen Pfründewesens,bearbeitet von L. H. Krick, Pfarrer. Passau . Ver-lag von Rnd. Abt. Preis 5 Mark 40 Pfg.

" Vorstehend genanntes Buch ist der II. Band dervortrefflichen Handbibliothek für die pfarramtliche Ge-schäftsführung in Bayern , und liegt in dritter vielfachverbesserter und größtentheils umgearbeiten Auflage vor.Die Brauchbarkeit dieses Buches ist allseitig anerkanntund wird dasselbe in keiner Pfarrbibliotbek mehr zu entbehrensein. Es gibt durchwegs verläßige Aufschlüsse über dieeinschlägigen Materien, welche in 40 Paragraphensystematisch behandelt und in 4 Theile geschieden sind:

I. Stiftung, Errichtung und Veränderung der Pfründen;

II. Besetzung und Erledigung der Pfründen; Hl. Ein-kommen der Pfründenbesitzer; IV. Verwaltung des Pfründe-vermögens. In einem Anhang ist eine große Anzahl vonFormnlaricn für StistungZbriefe, Eingaben, Fassionen,Rechtsgeschäfte n. s. w. beigegeben.

Anleitung zur Berechnung der Jntercalar»fruchte der erledigten kathol. Pfründen,bearbeitet von L. A. Krick, Pfarrer. Pafsau, Ver-lag von Rnd. Abt. Preis M. 1,20.

? Die Berechnung der Jntcrcalarfrüchte macht be-kanntlich nicht selten sehr viel Schwierigkeiten. Es wirddaher mit Dank zu begrüßen fein, daß eine berufene Kraft,wie es der Verfasser obiger Broschüre ist, eine Anleitunggegeben hat. Etwas Aehnliches ist bisher im Buchhandelsucht vorhanden gewesen. Im I. Theil gibt der Verfassereine Darstellung über Verwendung, Verwaltung und Be-rechnung der Jntercalarfrüchte und über einschlägige Com-petenzfragen und im II. Theil ein Muster einer derartigenRechnungsführung und Nechnnngsstcllung.