Ausgabe 
(24.4.1897) 22
 
Einzelbild herunterladen

Der internationale wissenschaftliche Katholiken-Congreß.

8. L. Würzburg . 20. April.

Der internationale wissenschaftliche Katholikencongreß,welcher sich alle drei Jahre versammelt, wird vom 16. bis20. August d. Js. in Freiburg i. d. Schweiz tagen.Die zwei ersten fanden zn Paris (1888 und 1891), derdritte zu Brüssel (1894) statt. Für Paris waren 1600und 2500 Mitglieder subscribirt, für Brüssel die stattlicheZahl von 2700 angemeldet, welche großentheils zur Ver-sammlung selbst erschienen waren. Die in Druck gelegtenwissenschaftlichen Arbeiten der zwei ersten Congresse um-fassen zwei starke Octavbände, die des dritten Congresses160 Mhandlungen in 9 Heften. Für den in Vorbereitungbefindlichen vierten Congreß dieses Jahres hat sich eineMehrung der wissenschaftlichen Arbeiten ergeben, indemderen bereits 200 angemeldet sind. Hingegen ist die Zahlder bis jetzt beigetretenen Mitglieder, welche 1100 be-trägt, hinter den früheren Congressen zurückgeblieben.Voraussichtlich werden die Franzosen und Belgier, derenZahl für Brüssel 1100 bezw. 600 betrug, in diesergroßen Zahl nicht beitreten, einmal wegen der relativweiten Entfernung, sodann wegen des Uebergangs aufdeutsches Sprachgebiet, weil für die Verhandlungen undwissenschaftlichen Arbeiten nicht mehr ausschließlich diefranzösische, sondern auch die deutsche und lateinischeSprache zu Grunde gelegt werden. Um so wünschens-werther ist eine stärkere Betheiligung der deutschen Ka-tholiken, deren Gesammtsubscription bet den vorausgehen-den zwei Congressen nur 19 und 150 betrug, da einegeringe Mitgliederzahl leicht die kostspielige Drucklegungder zahlreichen eingereichten Arbeiten gefährden könnte.Hoffentlich wird die bloße Anregung genügen, für denCongreß in Freiburg eine größere Mitgltederzahl auchaus unserer Diöecse zu gewinnen, da der Zweck erhabenist und die Versammlung in Freiburg, am Grabe desvor 300 Jahren verstorbenen scl. Petrus Canisius, dessiegreichen Verfechters des katholischen Glaubens in stnrm-bewegter Zeit, stattfindet. Der Beitrag ist ohnedies sehrgering und beträgt für die einzelnen Mitglieder, mögensie persönlich erscheinen oder nicht, nur 10 Frcs. oder8 Mk., wofür die gedruckten wissenschaftlichen Abhand-lungen aus den verschiedensten Fächern unentgeltlich undportofrei übermittelt werden.

Der Hochwürdigste Herr Bischof von Würzburg,welchem die Förderung der Wissenschaft Herzenssache ist,gehörte von Anfang an (seit 1888) zu den Gönnern derVersammlungen. In München war Freiherr v. Hcrtlingjederzeit für die Betheiligung am Congresse thätig. FürFreiburg haben sich Diöcesaucomitos gebildet. Wüuschens-werth ist, daß sich nicht bloß aus dem Klerus der ein-zelnen Diöcesen, sondern auch aus der Laienwclt neueMitglieder anmelden. Der Adel') und alle wissenschaftlichgebildeten Männer, denen die Bewahrung des von denVoreltern ererbten Glaubens und die Sache der Kircheam Herzen liegt, sollten unter der Zahl der Thcilnehmernicht fehlen.

') Aus der Diärese Breslan waren für Brüssel (1894)als Mitglieder und Donatoren angemeldet: Fürst Blüchervon Wahlstadt und die Grafen von Frankenberg, vonOppersdorf, voll Praschma, von Stillfried-Alcantara, vonStrachwitz.

Da der Ursprung und Zweck des Vereins noch zuwenig bekannt ist, soll hierüber ein kurzer Bericht folgen,indem wir für eine weitere Orientirnng über die wissen-schaftlichen Katholikencongresse zu Paris und Brüssel aufdie betreffenden Ausführungen von Professor Dr. Kihnim Mainzer Katholik", Jahrgang 1891 und 1894,verweisen.

Unser Jahrhundert hat das stolze Gebäude der mo-dernen Wissenschaft aufgebaut, theils in der Meinung,theils in der zielbewußten Absicht, den christlichen Glaubens-lehren die Grundlage zu entziehen. Aber zahlreiche Ka-tholiken, namentlich hervorragende Apologeten, sind denGegnern auf dieses Gebiet gefolgt, um die Lebensfähig-keit derselben durch wissenschaftliche Darlegung in Wortund Schrift zu zeigen. Solche Gelehrte, Theologen undLaien, wollten nicht mehr stumme Zeugen der Bestreb-ungen der Ungläubigen sein, welche das Monopol oderdoch die Hegemonie der Wissenschaft beanspruchten. Alleindie Anstrengungen einzelner Männer und ihre Schriftenkonnten die Concurreuz nicht ganz und voll bestehen.Eine viel größere Kraft liegt in den Vereinen undAssociationen. Von diesem Gedanken ausgehend,hat eine Gruppe von eifrigen Vertheidigen: des Christen-thums im Frühjahr 1885 zu Ronen die Organisationder wissenschaftlich gebildeten Katholiken in allen Ländernder Welt ins Auge gefaßt. Die Frage, in welcher Formsich diese Vereinigung vollziehen sollte, war ungemeinschwer und drohte gleich im Anfang zur Uneinigkeit zuführen. Daher entschied man sich für einen Congreß,der nicht etwa nur Gelehrte (äss savantg) umfassensollte, weil sich in diesem Falle viele wissenschaftlich ge-bildete Männer aus Bescheidenheit zurückgezogen hätten,sondern er sollte, wie Msgr. d'Hulst , Rektor der kathol-ischen Universität zu Paris , ausführte, ein wissenschaft-licher sein und sich als solcher auf alle Zweige dermenschlichen Erkenntniß erstrecken; er sollte katholischsein, nicht als ob es eine specifisch katholische Wissenschaftgäbe, sondern weil nur Katholiken Mitglieder werden undwissenschaftliche Arbeiten einreichen sollten; endlich auchinternational, eben weil er katholisch wäre, und weildie Vertheidigung des Glaubens nicht die Aufgabe einerchristlichen Nation mit Ausschluß der andern ist. Dennin der ganzen Welt gibt es bei aller politischen und so-cialen Zerklüftung doch nur zwei große Parteien, nämlichdas Christenthum als Träger der geistigen und leben-spendenden Ideen auf der einen und den Atheismus mitseinen zerstörenden Folgen im Privat- und öffentlichenLeben auf der anderen Seite. Auf Grund solcher Er-wägungen constituirte sich der OonZrös soioutiki^uointernational äas Oatlwliguss.

Der Congreß hat sich demgemäß zur Aufgabe gesetzt,die Gelehrten der ganzen katholischen West zu gemein-schaftlicher wissenschaftlichen Arbeit zu vereinigen, um diefür das positive Christenthum thätigen Kräfte zu sammeln,durch das Bewußtsein der Zusammengehörigkeit zu er-mnthigen, die neuen antichristlichen Hypothesen auf ihrenGrund zu prüfen und den Vertheidigern der christlichenReligion geeignete Waffen in die Hand zu geben.

Das Unternehmen, welches gleich bei seinem Ent-stehen in der Presse bekämpft wurde, fand die Gut-heiße des Heiligen Vaters durch Breve vom 20. Mat1887. Hier heißt es unter anderem:Res suseext»vvbis est lionssta ^sr ss et uomsu vestruva ätz-