171
sicherten Ergebnissen der Naturwissenschaft widerspricht.In dem Sinne handelt der Verfasser, wohl ausgerüstetmit Einzelkenntnisscn in der Chemie, von der merk-würdigen Erscheinung der Allotropie der Körper (z. B.Ozon und Sauerstoff), die er lieber Allusie nennen möchte,ferner von der Jsomerie und Polymerie (z. B. Stärkemehlund Cellulose — Traubenzucker und Essigsäure), welchedie Chemie auf atomistischer Grundlage durch den ver-zweifelten Ausweg der jeder experimentellen Basis ent-behrenden Strukturformeln erklären will. Es folgt danndie Erörterung des bestimmten Volum- und Gewichts-verhältnisses. In all diesen Erscheinungen sieht der Ver-fasser Beweise für die wirkliche Wesensverändernng anden Körpern. Der zweite Theil enthält vorzüglich (Seite47 — 62) die Begründung des Hylemorphismus, dessenWerth und Bedeutung für die Physik (Ausdehnung, Ver-dünnung, Verdichtung, Schwerkraft, Cohäsion, Adhäsion,Elasticität u. f. w.) un dritten Theil ausgeführt wird.Zum Schlüsse bringt der Verfasser noch eine geschichtlicheRundschau über die beiden Systeme des Atomismus undHylemorphismus. Die Eintheilung der kurzen, aber in-haltreichen Schrift ist klar und übersichtlich, die Darleg-ung lückenlos und scharfsinnig. Daß der Verfasser aufdiesem überaus schwierigen Gebiete das letzte Wort nichtgesprochen, ist selbstverständlich; daß aber sein „bescheidenerVersuch" mit erfreulicher Conseyuenz durchgeführt ist,um die physikalischen und chemischen Erscheinungen imSinne des Hylemorphismus zu erklären, wird der Lesermit Genugthuung wahrnehmen. Wir können dem Ver-fasser, der jüngst zum Professor der Apologetik an derGrazer Universität ernannt wurde, zu dieser höchst inter-essanten Schrift nur gratuliren, und wünschen, er mögefernen Versuch im Laufe der Zeit zu einem Lehrbuch derNaturphilosophie ausbauen, das die Ergebnisse der physi-kalischen Forschung eingehender, als bisher, berücksichtigt,um auch die Naturforscher mit der tiefen Auffassung deralten Philosophie zu befreunden, die mit der neuen Wissen-schaft im vollen Einklang steht.
Kaufmann C. M., Die Jcnseitshoffnungen der Griechenund Römer nach den Sepulcral-Jnschristen: EinBeitrag zur monumentalen Eschatologie. 8°. IV -s-85 SS. Freiburg i. Br., Herder, 1897. 2 M.
4 Der Verfasser betritt mit dieser dankenswcrthenAbhandlung ein neues Gebiet der klassischen Alterthums-wisscnschaft, das uns interessante Einblicke ins religiöseLeben der Griechen und Römer eröffnet. Das Ergebnißder Untersuchungen ist in folgenden Worten zusammen-gefaßt: „Die bei rein semitischen Völkern vergebens ge-suchte Ueberzeugung, daß das Dasein des Menschen mitdem Tode nicht schlechthin aufhöre, liegt tief im griech-ischen Geiste befestigt. Kein Zweifeln und Wanken,sondern würdevolle und hoffnungsreiche Ergebung habenseine ältesten Epitaphien gelehrt. Sie begnügten sich da-mit, ihre Hoffnungen auf besseres Nachleben anzudeutenund im aufgeklärten nachperilleischen Zeitalter dein Jen-seitsbilde einige scharf-charakteristische Striche beizufügen.Diese wohlthuende Sicherheit nimmt mit dem Untergängeder Selbstständigkeit der griechischen. Staaten ein Ende,und erst als die römischen Eroberer griechischen Geist,griechische Weisheit und Sitten in ihre Lande einführten,begann Trostlosigkeit und Zweifelsucht sich des epigraph-ifchen Formulars zu bemächtigen .... Die ganze Kaiser-zeit hindurch tritt rieben die krasseste Leugnung jeglichenDaseins nach dem Tode das heitere Bild einer „vitabsata" im Elysium." — Die Apologetik wie die ver-gleichende Neligionsgeschichte wird, wo sie vorn Unsterb-lichkeitsglauben der Völker handelt, diese wichtige Ab-handlung nicht ignorircn dürfen.
Loreuzelli Ben., kbilosopliiae tbsorelieas iustituiäouesseeunäum äoetrloam äi-istotslis st s. ll'llomao-X.guinatis. Ratisbonas, k'r. Unstet. 1896. (II.) 8°.2 voll. pp. XXVIII -s- 330: XX -si 628. Ures. 14.50.
V Dieses begueme, treffliche Lehrbuch der Philosophie,das sich auch durch seinen mäßigen Umfang vortheilhaftempfiehlt, hat zum Verfasser den gelehrten derzeitigenapostolischen Nuntius in München, welcher vormalsNector des böhmischen Collegs in Rom war und alssolcher die Fähigkeiten wie dieBedürfuisse strebsamer jungerTheologen praktisch kennen lernte. Das Buch zeigt ebenso
eine hervorragende Gewandtheit der Darstellung, wie einemit reicher Literatur-kenntniß verbundene sichere Beherrsch-ung des Stoffes. Die Eintheüung hält sich an die her-kömmliche und wohlbcwährte Ordnung. Die Logik undNostik umfaßt sechs Abschnitte: von den Begriffen undWortzeichen, vom Urtheil und Satz. vom Syllogismusu. s. w. Es folgt dann die allgemeine Metaphysik indrei Abschnitten. Daran schließt sich die Naturphilosophie,die Psychologie und specielle Metaphysik. Der Stand-punkt ist streng thomistisch auch da, wo andere katholischeDenker aus gewichtigen Gründen alte Theorien (Hyle-morphismus) verlassen zu müssen glauben. Man brauchtdurchaus nicht mit allen Ansichten des Verfassers über-einzustimmen, um dennoch das Werk als eines der bestenHandbücher loben und eindringlich empfehlen zu können.
Normallehrplan für die württembergischcnVolksschulen. Mit Erläuterungen herausge-geben von P- Frick, Stadtpfarrer und Schul-inspektor, unter Mitwirkung von Oberlehrer I.Stärk und Lehrer A. Schneiderhan. Stuttgart .Jos. Roth. 1897. kl. 8°. vm -i- 287 S. Brosch.2,80 M., geb. in schmiegsame Leinw. 3.20 M.
X Der Verfasser schreibt im Vorwort: „Das Buch.das wir allen Schulmännern überhaupt, zunächst aberden Lehrern und Geistlichen beider Konfessionen Württem-bergs, nicht am wenigsten den Schulinspektoren, anbieten,stellt sich als eine Erläuterung der amtlich maßgebendenVorschriften und als eine Verglcichung dieser amtlichenWinke mit den methodischen Grundsätzen eines gesundenUnterrichtsverfahrens und der christlichen Pädagogik dar."Diese Verglcichung bei jedem Fach macht das Bnch auchin anderen Ländern sehr brauchbar. Die Gegenüber-stellung von Falschem und Richtigen, ist auch für Männer,die längst schon im Schuldienst stehen, und vielleicht ge-rade für solche, äußerst interessant und meistens auch über-zeugend. Daß bei tüchtigem Studium dieses Buches, dasoftmals einen viel rascheren und klareren Einblick in dierichtige Methode gewährt, als dickleibige Didaktiken, vieleStunden im Unterricht, auch im Religionsunterricht, nichtverschwendet würden, steht uns fest. Für jedes Fach sindWinke für Abhaltung der Prüfungen gegeben, die ver-kehrte Art zu prüfen wird der nach des Verfassers Ansichtrichtigen gegenübergestellt; die Vorschläge Fricks geradein diesem Punkt finden indeß nicht allgemeine Aner-kennung (z. B. „der Visitator bezeichne in der Prüfungin Religion dem Katecheten einen ganz bestimmten Stoff",oder was er vom „schülerhaften Abfragen" in der Christen-lehre sagt u. ähnl.). Doch da kann ja jeder Schulinspektorseine eigene Methode befolgen; wenn wir vielleicht nochin diesem Jahrzehnt Kreisschulinspcktoren im Hauptamterhalten, ivird es auch mit der Prüfungsmcthode wohl„strammer" werden. Das Buch ist auch sehr gut aus-gestattet, Druck und Einband tadellos. Wir möchten esauch den Schulinspektoren, Geistlichen und Lehrern unseresNachbarlandes empfehlen, denn der Geistliche imponirtheutigentags nicht mehr durch bloße Kenntniß der didakt-ischen Principien, sondern durch genaues und gründ-liches Wissen über deren Anwendung in den täglichenSchulfächern. Dazu bietet Fricks Buch ausgezeichneteGelegenheit.
Oer, ?. Sebastian«., Benediktiner der Benroner Cou-grcgation, Ein Tag im Kloster. Bilder aus demBenediktinerlcbcu. Mit zahlreichen Illustrationeneines Beurouer Künstlers und oberhirtlicher Druck-genehmigung. Negensbnrg 1897, Nationale Vcr-iagsanstalt. 8. Preis 2 M. 80 Pf., in elegantemOrigiualleinenbaud 4 M.
Der Verfasser des Büchleins hat es sich zur Aufgäbegemacht, in das Verständniß des monastischen, vorwiegendbeschaulichen Klosterlebens einzuführen, dessen Bedeutungunserer mehr auf greifbar praktische Thätigkeit gerichtetenZeit fremder geworden ist. Die Anschaulichkeit, mit deruns der erfahrene Führer das Ideal einer Benediktiner -Abtei zeigt, indem er uns alle Räume einer solchen mitihrem Leben und Treiben erschließt, dürfte weitere Kreiseinteresfiren und wird das Buch gewiß auch Ordens-leuten zur Anregung und Erbauung dienen. Zahlreicheingefügte, von einem Künstler der Benroner Schule ge-zeichnete Illustrationen verleihen dem schönen Werkchen