Ausgabe 
(8.5.1897) 25
 
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W, 8. Mai 1897.

Hansen und der Hypnetisinns.

Von Charles Saint-Paul.

(Fortsetzung.)

Hansen glaubt aus seinen Erfahrungen schließen zudürfen, daß zur Herbeiführung der induzirten Hypnose zumeisteine vom Hypnotiseur auf die Versuchsperson wirkende Kraft,diekorcs nsurnzus", angenommen werden muß. Er be-hauptet, daß bei mindestens 300 Personen, die zu ihmauf die Bühne kamen, mit der festen Absicht, sich nichthypnotisiern zu lassen, die also der Suggestion allenWiderstand entgegensetzten, es ihm gelungen sei, Hypnoseund die Befolgung hypnotischer Suggestion zu erzielen,und daß also in diesen Fällen nur eine von ihm aus-strömende Kraft, dietorosnsuricius", wie er sie nennt,thätig gewesen sein könne. Letztere Behauptung wirdwohl dahin zu ergänzen sein, daß auch zugleich seineeigene große Willenskraft und Suggestiousgeschicklichkeitzur Erklärung in Betracht zu ziehen sind.

Hausen vertritt seine Annahme insbesondere michzur Aufklärung der Möglichkeit der Mentalsuggestion undHypnotisirnng aus der Ferne. Dieselbe wird, wie ersagt, speciell dann vorgenommen werden können, wenneine Versuchsperson schon mehrmals hypnotisirt wordenist. Sie schläft dann ein, sobald der Hypnotiselw seineGedanken und seinen Willen auf sie concentrirt, ohne daßMvor die Hypnose zu einer bestimmten Zeit verabredetWurde, und wenn sie auch weit vom Hypnotiseur entferntstst. Hansen sagte, daß ihm ähnliche Experimente häufiggelungen seien, jedoch stets nur mit großer Willens-anstrengung.

Bekanntlich glaubte man vor einigen Jahren nochnicht an die Möglichkeit dieser Phänomene und verhieltman sich speciell in Deutschland noch dieser Frage gegen-über negireud (gewisse psychologische Kreise, z. B. die Ge-sellschaft für wissenschaftliche Psychologie in München , inwelcher Dr. du Prcl mit dem hypnotischen Medium Lina.einschlägige Versuche machte, ausgenommen), als man imAuslande, in Frankreich und England bereits affirmativentschieden hatte. In London hatte speciell dieLosietxkor kosoaroü" sich durch ihre Forschungen

hervorgethan. Sie veröffentlichte das umfassendste Ma-terial über dieses Gebiet, welches man in den Werken:Gurncy, Telepathie: Eine Erwiderung auf die Kritikdes Herrn Pros. W. Prcyer, Leipzig , Friedrich 1887",sowieI'lmntnsnm ok tbs I-ivinZ. 11^ L. Omrnszc,ll. IV. 8. anä 8. I'oclmoro (lüüdnsr nnä 6o.

lwnäon 1886), finden kann.

Nunmehr haben sich bereits viele berühmte Ge-lehrte, z. B. Beaunis, Encausse, Liöbault, Lnys, Lom-broso, Ochorowicz, Richet , Wetterstrand, für die Mög-lichkeit der Hypuotisirung aus der Ferne mid der Mental-snggestion ausgesprochen?)

') Beaunis, Professor in Nancy, berichtet, daß einjunges Mädchen, welches leicht hypnvtisirbar war, abernicht von selbst in Schlaf verfiel, mehrmals von ihm,ohne daß es den Versuch ahnte, von einem andern Zimmeraus, und zwar auch anf größere Entfernung, in Schlafversetzt wurde. Dasselbe vermochte auch Lisgeois inner-halb 8 Minuten durch bloße Gedankencoucentration.Pros. Richet behauptet ebenso, seine Versuchsperson ausder Ferne in Schlaf versetzt zu haben. Er befahl ihr, zuihm zu kommen, und diese Willensübermittlung wirktederart, daß mau sie in den Gängen seines Hauses imsomnambulen Zustande fand, wobei sie die Absicht aus-

Die Mentalsuggestion und Hypnotisirnng aus derFerne ist aber keineswegs eine neue Entdeckung. Diesbewies Baron I)r. du Prcl in seiner StudieDie psycho,magnetische Kraft", welche sich in seinem BucheDie Ent,dcctung der Seele" (Leipzig , Günther) und in der Monats,schriftSphinx" (Oktober und November 1893) findet.

Schon Mcsmer magnetisirte ohne directe Berührung,was, wie du Prel richtig bemerkt, ja auch eine Fcrn-wirkung ist, und seine Schüler beschäftigten sich mit derFrage, bis zu welcher Entfernung magnetisirt werdenkann. Dieselbe ist jetzt noch ungelöst. Die Fachmänner,welche zuerst auf größere Entfernungen magnetisirten,sind Marquis Ehastenet de Puysögur (Llornoirsv, 186)und Liitzelburg (8ouvennx Lxtraits äu.journal ä'unM3ZN8N86ur, 62). Der Magnetiseur und Arzt Du Potetstellte im Jahre 1820 ähnliche Experimente an, für derenBeweiskraft eine größere Anzahl von Aerzten mit ihrenUnterschriften eintrat, und im Jahre 1831 bestätigte so-dann die von der Pariser Akademie eingesetzte Unter»suchungscommisston die Möglichkeit der Magnetisation undHypnose ohne Berührung und auf größere Entfernung,(öuräiu st vudois, kistvirv Lvuäönniius fiu ranAnö-tismo auinaal, 439.)

Hinsichtlich der Möglichkeit einer psychisch-magnetischenVerbindung und Einwirkung hat um die Mitte diesesJahrhunderts speciell der bekannte Baron Reichcnbach inseinem BucheDer sensitive Mensch" eine Fülle vonMaterial zusammengestellt, durch welches er seine Lehrevon der ausstrahlenden und verbindenden Kraft desOd"zu stützen suchte. Andere, z. B. der englische PsychologeMayo, sind dann gleichfalls mit der Vermuthung aufge-treten, daß zuweilen die Odkraft die dynamische Brückeist, über welche die exoneurale geistige Thätigkeit nach

sprach, zu ihm zu gehen. (Oeborovieri, äs !a suZAsstion.417419.) Siehe auch: Experimentelle Studien auf demGebiete der Gedankenübertragung von Eh. Richet. Deutschvon Dr. Frhr. v. Schrenck-Notzing, 1891. Stuttgart , Gute.

Ochorowicz ließ eine Stunde durch das Loos bestimmen»in welcher eine Magnetisation aus 110 Kilometer Ent-fernung vorgenommen werden sollte. Der Magnetiseurwurde erst im letzten Augenblick davon in Kenntniß gesetzt,daß er das Experiment beginnen solle. Niemand sonsterhielt davon Nachricht: einige der Experimentatoren be-fanden sich im Hailse der Versuchsperson (jedoch nicht inihrem Zimmer), mit den Erfolg sogleich feststellen zukönnen. Die Versuche gelangen zu großer Zufriedenheit.

Or. Dusart hppnotlsirte gleichfalls aus der Ferne;nach einiger Zeit konnte er durch den Vater seiner Pa-tientin ersetzt werden. (Oebvrcnvier!, äs 1a snsssstioa.13144; 425438; 417419; Rsvus äs l'b^pvotisMS, II.M209; 225 240.) Schmidkunz bringt in seinerPlychologie der Suggestion" ein an ihn gerichtetesSchreiben des schwedischen Arztes und Schriftstellers anfhypnotistischem Gebiete, Wetterstrand, vom 5. Dezember1890, in welchem dieser unter anderm sagt: Es ist mirkein Zweifel mehr, daß es eine directe Uebertragnng derGedanken eines Menschen auf einen andern Menschengibt. Ich habe nämlich augenblicklich eine 33jährige Damein Behandlung, die ununterbrochen drei Wochen hindurchgeschlafen hat. Ich kann sie von meiner Wohnung ausmit einem festen Gedanken aus dem Schlafe erwecken undnachher einschläfern, ich kann sie die und die Bewegungausführen lassen, und wenn ich sie dann frage, warumsie diese Bewegung ausführt, so antwortet sie immer:Weil Du es willst." Wie Wetterstrand weiter be-merkt, hat Livbanlt in Nancy ihm geschrieben, daß erbeweisen könne, es gebeuns kores vsnrigus ä'bommesä bommos?.