Ausgabe 
(8.5.1897) 25
 
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der Lehrer der Moraltheologie besonders achten soll, istdieses, seinen Gegenstand zeitgemäß zu gestalten; er mußdeßhalb auf die Gesellschaftswissenschaft gebührende Rück-sicht nehmen und manche Fragen in den Kreis der Er-örterung ziehen, welche selbst einem hl. Alphons noch nichtactuell waren, nunmehr aber tief in das sittliche Lebendes Einzelnen wie der Gesellschaft einschneiden. Daß auchdie praktischen Fälle wirklich das sein sollen, was dasWortpraktisch" besagt, braucht nicht besonders bemerktzu werden: die Linzer Theologisch-praktische Quartal-schrist", welche eben in den fünfzigsten Jahrgang einge-treten ist, bietet ein wahres Arsenal lehrreicher prak-tischer Fälle.

Was von der Moraltheologie gesagt wurde, gilt auchvon einer weiteren theologischen Disciplin, dem Kirchen-recht, das gewöhnlich in einem einzigen Jahrescurse beifünf bis sechs Wochenstunden erledigt wird. Der Lehrersoll auf diesen Gegenstand seiner hohen Wichtigkeit wegenallen Fleiß verwenden, soll den innern Zusammenhangzwischen den einzelnen Rechtssätzen und den Dogmen, dieWechselbeziehungen zwischen dem jus äivinnm und demZU8 buwanum der Kirche darlegen, soll auf die zahlreichenneueren kirchlichen Erlasse, auf die staatliche Gesetzgebung,nunmehr auch auf das neue bürgerliche Gesetzbuch ge-bührende Rücksicht nehmen, soll möglichst viele und gründ-liche kirchenrechtliche Uebungen mit fernen Schülern vor-nehmen, Disputationen über die jeweils vorgetragenenMaterien abhalten und schriftliche Aufgaben hierüberstellen. In anderen Ländern wird auf Kirchenrecht meinesWissens viel mehr Zeit verwendet, und nach einer Privat-äußerung des Ministers Dr. Frhrn. v. Lutz zu schließen,wollte er noch mit den Bischöfen ins Benehmen treten,um eine neue Regelung der Behandlung des Kirchenrechtsauf breiterer Basis in die Wege zu leiten, doch Krankheitund Tod vereitelten die Absicht des Ministers, der eineBerechtigung nicht abgesprochen werden kann. Wennman bedenkt, welch breiten Raum die Behandlung desEherechts allein einnehmen muß, welch eine praktische Be-deutung z. B. die Lehre vom Pfründewesen und von derkirchlichen Baupflicht hat, wie es zum richtigen Verständ-niß mancher Materien nothwendig ist. auch auf die ge-schichtliche Entiwcklnng des canonischen Rechts, des Ehe-rechts u. s. w.. feMer auf das protestantische und oriental-ische Kirchenrcch? einzugehen, so dürfte auch ein zwei-jähriger Cursus mit mindestens vier Wochenstunden nichtzu hoch angeschlagen sein. Die Folianten eines Franzis-kaners Reisfenstuel, eines Jesuiten Schmalzgrueber undPirhing, eines Benediktiners Böckhe u. s. w. sollen demKandidaten der Theorie nicht völlig unbekannt bleiben.Diese monumentalen Werke beweisen zugleich, eine welchhohe Wichtigkeit die frühere Zeit dieser Disciplin beige-messen hat, wie auch die älteren Compendien desKirchenrechts im allgemeinen viel umfangreicher als diespäteren sind. (Schluß folgt.)

Recensionen und Notizen.

Logik- Als Lehrbuch dargestellt von Dr. Ernst Com-merz o. ö. Pros. an der Kgl. Universität Breslau.Paderborn 1897. Schöningh. Gr. 8°. S. XIII. 345.Preis M. 5..

chß Die aristotelische Logik liegt vor uns, kurz undübersichtlich dargestellt nach der conseguenten Entwickelung,welche ihr Albert der Große und Thomas von Aquin ge-geben hatten. Nach den Grundsätzen dieser Erklärer deraristotelischen.Schriften sind die psychologischen und meta-physischen Fragen und somit auch die sogen. Erkenntniß-lehre von der Logik ausgeschlossen. Die beigebrachtenStellen (Kleindruck) sind meist den einschlägigen Werkendes Aristoteles und der beiden genannten großen Erklärerentnommen. Sie begründen trefflich die knappen Text-worte (Großdruck) und sind bestgecignet, den Leser in dasQuellenstudium allmählich einzuführen- Das ausgedehnteVerzeichniß der mehrmals angeführten Werke, sowie dieLiteraturangaben an der Spitze der einzelnen Paragraphenund in den Anmerkungen sollenzu weiteremStudium anleitenund zugleich Fingerzeige für die Geschichte der aristotelischenLogik geben. Mit Umsicht findet sich auch die neuere kritischeForschung verwerthet. Als maßgebende Erklärer sind jedochnur Vertreter derjenigen Schule gewählt, welche sich vonnominalistischen Einflüssen ganz frei gehalten hat. Als

Zeugen der stetigen Tradition sind vor allem solche aus-gewählt, welche die Geschichte der logischen Streitfragenausführlich behandeln. Den Uebergang vom Agninätcnauf seinen so bedeutenden Commentator Kaictan vermittelnSoncinas und Savonarola . Kaictans Lehre ist wiedervertreten durch seinen Schüler Javcllus, sowie durchJohannes a 8. 'lAomu und Giovi. Die Ansichten desDominikus Soto sind wiederzufinden bei Masius, Sanchiez,Lcrma und Ortiz. Javellus, Masius Und Zanardus sindauch wegen ihrer Verdienste um die Erklärung der ari-stotelischen Texte besonders herangezogen worden. Zumleichteren Verständniß der Logik gibt die Einleitungeine vorläufige Erklärung von Philosophie und Logik undbeschreibt kurz die sogenannten Werkzeuge des logischenDenkens, sowie die zugehörige Methode. Der 1. Theildann handelt vom Begriff. In 6 Kapiteln werden derReihe nach auseinandergesetzt die Natur und Eintheilnngdes Begriffes, das Wort, die Allgemeinbegriffe (Gedanken-ding, die logischen Gedankengebilde, das Allgemeine), diePrädikabilien (5 höchsten Allgcmeinbegriffe im allgemeinenund einzeln), die Kategorien (obersten Gattungsbegriffeder Dinge, xrakäicamenta und deren Eigenschaften,die Nachkategorien, xoetpiaeäleamsuta). Der 2. Theil:vom Urtheil. Die 4 Kapitel erklären das Urtheil ansich (Natur. Arten und wesentliche Eigenschaft logischeWahrheit), die logische Rede, die Aussage (insbesonderedie Aussage des Allgemeinen, praeäieatio loAioa, attributio Natur, Eintheiluug, Regeln), den Satz (Natur, Arten,Bestandtheile: Form, Materie, Quantität, Qualität, Mo-dalität; Eigenschaften der Satztheile und des Satzganzen).Der 8. Theil: von der Folgerung. Die 8 Kapitelbehandeln die Folgerung im allgemeinen (Natur, Arten,Gesetze), die beiden Hauptarten: Schluß (Principien,Natur, Theile, Arten) und Induktion (Natur, Gesetze)den beweisenden, apodiktischem Schluß (Principien, Natur,Arten), die nicht beweisenden Schlüsse (Wahrscheinlichkeits-und sophistischen Schluß), die Topik (Auffindung desMittelbegrisfs, Quellen für Form und Stoff der Fol-gerung). als Wirkung des beweisenden Schlusses dieWissenschaft (Natur, Gegenstand, Zweck, Unterordnung,Eintheiluug), schließlich die Logik (Bedeutungen, Gegen-stand, Natur, Zweck, Nothwendigkeit). Der Verfasser,hinlänglich bekannt als Herausgeber des Jahrbuchs fürPhilosophie und spekulative Theologie, sowie durch ge-diegene philosophische Schriften (z. B. System der Philo-sophie, 4 Bündchen, 1683/86) bietet auch hier wieder einegründliche Arbeit. Das Lehrbuch empfiehlt sich durchgroße Klarheit und Uebersichtlichkeit. Letztere wurde ins-besondere dadurch erzielt, daß am Kopfe der einzelnenAbsätze deren Inhalt durch markirten Schwarzdruck kurzbezeichnet und die Hauptbegriffe innerhalb des Textes-durch Sperrdruck hervorgehoben sind. Da ein Eingehenauf die älteren kontroversen und eine Auseinandersetzungmit den neueren Logikern über die Grenzen eines Lehrbuchs hinausgeht, soll diese Aufgcwe in eigenem Werk''gelöst werden. Der Verfasser hält im Einklang mitden Anschauungen Papst Leo's XIII. eine getreue Dar-stellung der perivatctischen Ueberlieferung in der seit mehrals 600 Jahren bestehenden Schule für das beste Mittel,mit den Vertretern anderer Richtungen in der Philosophieeine Verständigung anzubahnen. Insofern ergänzt dasBuch in philosophiegeschichtlicher Hinsicht eine Lücke undliefert zugleich einen anerkennenswerthen Beitrag zur Er-kenntniß der fMIosoxüia persmris.

Weiß, vi. B. von, k. k. Hofrath, Weltgeschichte,3. verbesserte Auflage. Lieferung 162169. Graz und Leipzig 1897. VerlagsbuchhandlungStyria".Preis der Lieferung 50 kr. 85 Pf.

Der vorliegende Band 21 beginnt mit dem für Preußen unglücklichen Feldzuge von 1806 und reicht bis 1809, einesfür die österreichische Armee ruhmvollen Jahres.

. Eine Menge wichtiger Ereignisse liegt in diesem kurze»Zeitraume. Der Krieg, in den sich im Spätfahrc 1806Preußen stürzte, war gerecht und geboten; es zog aber zuspät oder zu früh sein Schwert aus der Scheide undmußte gegen den allgewaltigen Napoleon unterliegen.

Dann kämpft Spanien mit Macht und Erbitterunggegen die Einsetzung eines fremden Herrschers. Im Jahre1809 versucht es Oesterreich , sich der drückenden lleber-macht zu erwehren, und wenn das Ziel auch noch nichterreicht wurde, so bewies doch die zweitägige Riesen»

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