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Sonntagsbuchstabe und Coufusilinsjahr.
Von Al. St anal. Bmcficiat in Tuntenhausen .
Im Feuilleton der „A. Postztg." vom 10. Aprillfd. Js. war zu lesen, wie auf Bemühungen des Pros.und Directors der Berliner Sternwarte W. Försterhin bezüglich einer Einschränkung der Beweglichkeit desOsterfestes Papst Leo XIII. schon vor mehreren Jahrenden damaligen Director der Vatikanischen Stern-warte, I>. Denza, beauftragt habe, sich mit dieser Fragezu beschäftigen. Diese Bereitwilligkeit des HeiligenVaters setzt uns nicht im Geringsten in Erstaunen.Auch wir halten jetzt die Zeit für eine Beschränkung fürgekommen. Aber das glauben wir schon jetzt bestimmtvoraussagen zu können, das; die vorgeschlagene Wochevom 4.-11. April nicht als Osterwochc acceptirt werdenwird, und zwar darum nicht, weil sie ganz willkürlichherausgegriffen wäre und absolut keine historische Be-rechtigung hat. Die einzig richtige Osterwochc ist jenevom 28. März bis 3. April, also eine Woche früher.Man beachte übrigens, wie Ostern im Jahre 1899 fallenwird. Da wird sich die Nicänische Osterregel von selbstaufheben. Sie wird nämlich nicht mehr angewendet sein.
Man wird da die goldene Zahl 19 haben und dieEpakte XVIII zählen, in Wirklichkeit wird sie aber XXsein, denn der Neumond wird im Jahre 1899 am11. März eintreten, Vollmond aber wird am Samstag den
25. März sein. Weil nun das Frühlingsäquinoktinm injenem Jahre noch am 20. März sein, 1900 aber aufPen 21. März vorrücken und dann dort verbleiben wird,so ist offenbar jener Vollmond Imna xaseftalis, undsollte daher nach der Nicänischen Regel am 26. MärzOstern gefeiert werden. Es wird aber erst am 2. AprilOstersonntag sein, und das ganz mit Recht, denn am
26. März wäre Ostern verfrüht. Wir haben den Grunddieser Abweichung in der st'aliula pasoftalis zu suchen,die uns sagt, daß mit der I-itsra Vormnieaiis I- undder Epakte 18 Ostern am 2. April gefeiert wird, währendes mit der richtigen Epakte 20 am 26. März sein würde.Man sieht, der Mond selbst protcstirt sozusagen gegeneine längere Fortdauer der Osterregel des Nicännms.Denn der 26. März des Jahres 785 II. 6. oder 34der Lsra vuIZ. ist der Todestag des göttlichen Heilandes,folglich der 28. März der Tag seiner glorreichen Auf-erstehung, das erste christliche Ostern. Demnach sollte Osternnie vor dem 28. März, sondern am Sonntage der dem
27. März folgenden Woche sein.
Es ergibt sich das aber auch schon aus der Ostcr-regel des Concils von Nicäa von selbst. Der frühesteOstervollmond ist jener, der auf den 21. März fällt, undist dieser Tag ein Sonntag, dann wird Ostern am nächst-folgenden Sonntage, also am 28. März, gefeiert. Läßt"man daher die Rücksicht auf den Mond bei Seite, sobleibt immer noch der erste Theil der Regel aufrechtund könnte nur dahin lauten: Ostern wird jedes Jahrgefeiert am 28. März, wenn eS ein Sonntag ist, oderam Sonntage der folgenden Woche. Damit wäre derOsterkreis auf eine Woche beschränkt und entspräche derhistorischen Wahrheit.
Eine andere Frage ist: wie kam das Nicänum zurAufstellung seines Ostercanons, oder wann war Osternim Jahre des Concils? Es läge sehr nahe, nach denErläuterungen des Oalsnäarinw. Ikoirrannm Ds aims
st SM8 partilnm, nach der laftnla pasostaiis antiguarskormata sich zu richten, und man erhielte für dasConcilsjahr nach bisheriger Rechnung den Svnntagsbnch-staben 6, die goldene Zahl 3 und die Epakte *, dem«nach Ostern am 18. April. Damit würde man aberder Wahrheit bös in's Gesicht schlagen. Es muß ein-leuchten, daß der in der l'adnla eingesetzte Epaktencykluswohl nicht weiter zurückweichen kann, als bis dahin, daer eingeführt wurde, und das war im Jahre 153 derAera Diokletians — 437 n. Chr. Er begann also erstüber 100 Jahre nach dem Concil. Darum läßt sich mitdieser stlabula nichts Sicheres erniren.
Wenn wir nun aber in Zweifel ziehen würden, obwir das richtige Concilsjahr haben, und wenn wir sagenwürden, die Beschlüsse des Concils von Nicäa datirenvom Jahre 326 nach Christus, so wissen wir, daß dieganze Gelehrtenwelt über nns herfallen und sagen wird:Es ist doch eine allgemeine und unbestrittene Thatsache,daß jenes Concil im Jahre 325 stattfand. Wir abersagen: Nein, denn wir bestreiken es. Uns imponirt dieseAllgemeinheit gar nicht. Von jenem Concil bis zur Ein-führung der christlichen Aera vergingen mehr als 200Jahre. Man lebte damals in der diocletianischcn Aera»und wer bürgt nns dafür, daß das Concilsjahr dieserAera richtig in die Lsra vul§. übertragen ist? Es ist dasso wenig richtig als das allgemein angenommene Jahr 33 derLora vnig. als Todesjahr Christi und als die Behaupt-ung, Dionysius ExignuS habe das Jahr 754 II. 6. alserstes der christlichen Aera gerechnet.
Wir machen uns anheischig, obige Frage genau underschöpfend zu beantworten, indem wir sagen: Der be-stehende Osterfest-Canon wurde vom Concil von Nicäaaufgestellt im Jahre 1078 II. 6. — 42 Lsrao Dioolotiani— 354 der attischen oder ncnäghptischen Aera ---- 326Laras vui§. Neumond war in jenem Jahre am 11. März,Vollmond am 25.; Sonntag war am 20. und 27. diesesMonats, also Ostern am 27. März. Daher stammtwohl auch die Tradition, welche in den mittelalterlichenKalendarien bis ins 13. Jahrhundert sich findet, undworin der Todestag des Herrn auf den 25. März, derTag seiner Auferstehung aber auf den 27. dieses Monatsangesetzt ist.
Woher wir das Alles so bestimmt wissen? Wirverdanken unser Wisse», welches hinsichtlich der Zeit-rechnung jetzt nngemein ausgedehnt, weitumfassend undsicher ist, zum Theile wirklich historischen Angaben,deren nicht sehr viele, aber hinreichend genügende sind.Hiezu rechnen wir:
1) den Beginn des Jnlianischen Kalenders im Jahre708 II. 0., des Jahres 709 mit 1. März und einerDauer von 365 Tagen, des Jahres 710 mit 1. Januarund seiner fortlaufenden Reihenfolge; ferner die balddarauf eintretende unrichtige Einschaltung mit einer zurAusgleichung dienenden zwölfjährigen Periode ohneSchalttag.
2) Ist hieher zu rechnen die Existenz einer römischenWoche von acht Tagen mit einer neben ihr herlaufendensiebentägigen Woche mit Planctcnnamen, wobei äiss8aturni — Samstag der erste (a) und clios Loiia (k)der zweite Wochentag ist. Die achttägige Woche ist vongrößter Wichtigkeit.
3) Ist historisch bekannt der Beginn der attischenMr nenägyptischew Aera mit 29. August des Jahre«