Ausgabe 
(15.5.1897) 27
 
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724 II. 6., welcher die Aera Nabonassars vorausgingmit lauter Jahren von 365 Tagen.

4) Wissen wir den Beginn der ^vrg. Oiooletianiam 29. August des Jahres 1036 II. 6. (284 ^oruvulx;.) für den alcxandriuischen und am 25. Dezemberdesselben Jahres für den lateinischen Kalender; fernerden Anfang eines lateinischen 84 jährigen Cyklus mitdem 12. Jahre dieser Aera .

5) Ebenso ist bekannt der Anfang der Zahlungeines jeden lateinischen Jahres mit 25. Dezember (statt1. Januar) vom Beginne der dioklctian. Aera bis zumAnfang des 18. Jahrhunderts nach christlicher Zeit-rechnung.

6) Gibt nns Dionhsius Exignns genau an denBeginn des Mondcyklus 8. (Drillt mit 153 Oioelek.und seine Umwandlung des Jahres 248 dieser Aera indas Jahr 532 a, Mtivikaks voinini.

7) Endlich ist allgemein bekannt der Beginn desGregorianischen Kalenders mit dem 15. Oktober 1582.

Das ist Alles, was man Zu wissen braucht, aberes genügt vollständig. Alles. Uebrigc haben wir erforschtaus der Naturosscnbarung Gottes. Wir ver-stehen darunter die genaueste Anwendung der vom Schöpfervorgeschriebenen Bewegnngsgcsctze jener Gestirne, die ernns ausgesprochener Weise zum Zeitmaße gegeben hat,wie solche sich darstellt in einer richtigen cyklischcnJahresrcchnnng.

Ja, ist den» das nicht auch bisher schon geschehen?Wir sagen: Nein. In allen Kalendern finden wir fürdas laufende Jahr 1897 als Cykluszahl für das Souuen-jahr angegeben die Zahl 2 und den Somiiagsbnchstaben6. Womit soll die Cyklnszahl 2 begründet sein, da sichdoch seit 1582 in jedem Säcnlum der Cyklus ändert?Der gegenwärtige Cyklus hat mit 1801 begonnen, unddie richtige Cyklnszahl wäre daher 13. Aber abgesehendavon fragen wir: Seit wann läuft dieser Cyklus, dessenZahl gegenwärtig 2 sein soll? Man sagt, Diouysinshabe seinen 28 jährigen Sonntagsbnchstabcu-Cyklus imJahre 9 vor Christus begonnen, also mit dem Schalt-jahrsbuchstabcn 61?. Darauf haben wir zu entgegnen:Dionysius Exignns ist wohl der Begründer der christlichenAera, aber eine vorchristliche war ihm gänzlich unbekannt.Mit obiger Annahme fehlt man nicht weiter als um449 Jahre. Der Erfinder des Sonntagsbuchstaben istkein anderer als Cyrillus von Alexandrien, der im Jahre156 vioclat. 440 n. Chr. denselben für die lateinischeKirche zu dem Zwecke einführte, damit man nach beidenKalendern gemeinschaftlich Ostern feiern konnte. Zn diesemZwecke hatte er 3 Jahre vorher jenen Epaktcncyklns, dermit a. ii. 1, Igiaata VIII begann, gleichfallserfunden",d. h. um 2 höher angesetzt, als er für den römischenKalender astronomisch richtig war. Doch darüber wollenwir nns hier nicht weiter verbreiten.

Eine astronomisch - mathematisch richtige Cyklus-rechnung muß mit dem ersten Jahre einer Aera beginnen.Da nun das Jahr 156 keine neue Aera einleitete, sowar der Sonntagsbnchstabe auch nicht für eine cyklischeJahrrcchnnng bestimmt, oblvohl er selbstverständlich alle28 Jahre sich wiederholen mußte. Daraus ist aber auchleicht zu ermessen, daß mit einer solchen Cyklnsrcchmmgunmöglich Nichtiges gefunden werden kann.

(Schluß folgt.)

Beata Stilla, Gräfin von Abenberg.* )

Von I. N. Seefried.

(Fortsetzung.)

II.

Die Legende der seligen Gräfin Stilla vonAbenbcrg im Besonderen.

Die Legende der gottseligen Jungfrau undGräfin Stilla, welche in ihren Lebzeiten dasSchloß Abenbcrg bewohnt hat, erzählt PfarrerVitus Koch von Schönfeld 1641 nach Hirsch-mann (5, 33) in einer Weise, daß Jedermann soforterkennt, daß es sich hier um keine reine Volks Über-lieferung, sondern lediglich nm eine Compositivnaus Aventin und Agricola, mithin nm eine ge»lehrte humanistische Mache» nicht aber um eineeinfache und ursprüngliche Volkstraditionhandelt und gehandelt hat.

Man liefet in glaubwürdigen Historien,heißt es da, daß der wohlgeborne Herr BaboGraf zn Abensperg 32 Söhne und 8 Töchter bei-sammen im Leben gehabt, darunter einer Wolframusgenannt; denselben begnadete Kaiser Heinrikns der heiligeals seinen Vetter mit der Grafschaft Abensperg ;allda zeuget er 3 Söhne als Othonem, Wolfram» inden andern dieses Namens und Conradum, einenBischof zu Salzburg . Wolframus der andererzeuget Graf Zelchum; GrafZelchus erzeuget mitSophia, einer Gräfin von Hohen - Truhen-dingen, 3 Kinder als Rapotonem, Conradumund die gottselige Stilla."

Aus glaubwürdigen Historien, mit anderen Wortenaus Aventin, hat Vitus Koch seinen Babo und dessenNachkommenschaft bis Wolfram II. entnommen. Wolf-ram II. aber hatte, wie wir gesehen, urkundlich nichteinen Zelchus, sondern den Bamberger DomherrnAd albert zum Sohne und wahrscheinlich auch Ra-tz oto I. aus seiner Gemahlin GerhildeJH Der an-gebliche Gras Zelchus ist entweder eine ErfindungWolfgang Bauers (Agricolas) oder eines gelehrtenGenealogen seiner Zeit gewesen und aus dem Lehen-wesen insbesondere den Zöllen oder aus den WortenL xutrs auo loeo inooinxotenti" in der Urkunde1149/50, wie Snttner dafür gehalten, hcrübergenommenbczlo. gebildet wordenJH Zelchus (Zölch, Solchns) istan sich kein Personenname, und läßt sich derselbe in derbeglaubigten Genealogie der Grafen von Abenbcrg sonstnirgends mehr auffinden. Ich habe diesen Namen mitder Negulirung der Zölle unter Kaiser Friedrich demRothbart (1152 1190) zu erklären versucht,^) wurden

*) Nach neuerer Mittheilung Dr. Lindauers ist in derkgl. Hof- und Staatsbibliothek eine l'/chundert Jahreältere vita Okunracki »rebiaxweopi LatisburAsrisw imBuche der Grebnuß zu Raitenhaslach (Oock. Avrw. 1823)vorhanden, welche Tachler 1612 bloß abgeschrieben bat.Die beiden vitao sind bei ?. Bernhard Pez und ProfessorWattenbach noch nicht benutzt worden. Aventin, welcheram 21. Septbr. 1517 in Raitenhaslach war, scheint keinederselben gekannt zu haben. Im Briefe, den 1719 AbtEmanuel an Beruh. Pez geschrieben, ist von beiden Lebens-beschreibungen die Rede. Sie stimmen am meisten mitder ältesten Salzburger Handschrift in dl. O. 88. XI, 63überein.

Nach meinem Manuskripte:Die Grafen vonAbenberg rc." 1890 u. Beilage der Angst». Postztg. 1894Nr. 24. 187.

") Grasen von Abenberg 1869 S. 27.

") I. o. S. 2527. Vielleicht haben die Stillalegenden