Ausgabe 
(15.5.1897) 27
 
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ja dock) gerade um 1869 herum heftige Kämpfe um dasZollparlament geführt. Der Oberzollinspektor und General-zolladministrator und die in scherzhafter Weise angeführtenZollnäre Wolframs von Eschenbach -°) sind doch nur ziem-lich unschuldige und harmlose Vergleiche gewesen; wenndagegen der gestrenge Kritiker von der Altmühl meint,(1897, 6, 46):wir haben keine Veranlassung, dieserCombination einen höheren Werth beizulegen,"weil der Autor selbst darauf wenig Vertrauen setzt, somag man es ja um Pappenheim herum damithalten, wie mau will, die hübschen Bilder unseres Lands-mannes auf Wildenbcrg"^) bei Altenmnhr, jetztWehlenberg , dem Scherz, Ironie und Satire im emi-nentesten Grade zn Gebote standen, bleiben auch dannnoch zutreffend und für die Grafen von Abenberg besser verwendbar als die gefälschte LegendeStilla's gegen dieselben. Mit der herkömmlichenverbrauchten PhraseCombination",Wcrthlosigkeit" unddergleichen die Kinder des Scherzes und gesunden Humorsumbringen zu wollen, ist stets mißlungen.

Aventin ist für die Genealogie der Grafenvon Abenberg keine gute Quelle, Graf Zelchns,der angebliche Vater der seligen Stilla , ist eineErfindung des jüngeren Spalatinns (Bauers,Agricolas), am allerfchlimmsten aber warendie Gewährsmänner Hirschmauns, Koch undPriefcr, über die Geschlechtsfolge dieser Gra-fen und die Dedikationsverse der Cistcrzienserzu .Kloster Heilsbronn berathen.

Hier muß ich vor Allem den Umstand rügen, daßf7, 50) die metrische Uebersetznng der Verse znm Wand-und Wcihcgemälde in der Klosterkirche zn Heilsbronu nachden Grafen von Abenberg 1869 S. 12 gegeben wurdeund nicht bemerkt worden ist, daß statt8oains" beiFalkensteinloons" zu lesen sei, wonach ich Falkeusteinund mich selbst schon damals berichtigt habe."«) Nachder Uebersetznng aus dem Jahre 1881, welche Hirsch-mann wahrscheinlich nicht gekannt hat, lauten die Verse6 und 7 wie folgt:-")

Tausend einhundert, o Christ, und zwei und dreißig im

Jahre

Wurde gegründet das Stift Heilsbronu, das recht so ge-nannt wird."

Soviel zur Kenntnißnahme und künftigen Beachtung.

Nach Hirschmann (8, 61) soll ich mir die Sache sozn Recht legen und zn Recht gelegt haben, daß ich derStilla von Abenberg zwei Brüder Rapoto undKonrad zuweise. Eine solche Eigenmächtigkeit undWillkür ist mir völlig fremd. Ich urtheilte über Stilla'sBruder Konrad vom Anfange an wie folgt: Ist Stilla ,

verderber autieigamko einen Grafen Zockern als VaterStilla's angenommen und aus diese Weise den GrafenZelchus von Abenberg geschaffen. Gewiß ist, daß dieHohenzollernforscher z. V. Falkeustein Burggraf Kourad I.(1165 1191) für einen Grafen von Zollern ausgegebenhaben.

OrKeluso. X (531, 12) im Parcival , Ausgabe vonLachmann, Berlin 1854.

2') Vergl. meinen Aufsatz in der Beilage zur Allgem.Zeitung voni 8. Nov. 1866 Nr. 312. Wolframs Obilot (Gesang VII) soll ja von keiner der FranengestaltenGöthe's erreicht sein. Dr. K. Simrocks Einleitung znVarcival und Titurel. Stuttgart 1862, II. Bd. S. 511.

-°) Grafen von Abenberg 1869 am Schlüsse Berichtig-ungen zu S. 12 u. 13.

°") Augsb. Postztg. 1881 Beilage 73, 2. Beiträge zurGenealogie der Grafen von Abenberg und Burggrafenvon Nürnberg des 12. u. 13. Jahrh.

wie die Tradition will, eine Gräfin von Abenberg ge-wesen, so kann sie nur als Schwester Ounrntjuniorja aus der jünger», seit der Umstellung derGlieder älteren Linie, das heißt, nur als Kourad desjünger» Schwester aufgefaßt werden.Nur Konrad derjüngere, schrieb ich 1869, war ein Bruder Stilla's, Na-poto von Abcnbcrg-Frensdorf bloß ihr Vetter.-"*) DieseAnsicht, welche ich auch jetzt noch festhalte, theilte schonvor l'/ghllndert Jahren das Cisterzienserklostcr Ebrach ,die Mutter des Klosters Heilsbronn , wenn der unge-nannte Autor (Abt Dr. Gnillelinns Soelncr) der brovisMtitiu Nonasterii Iioataa Vir^. stlariao in ll'ran-oonin 1738/9 schreibt:"")Der selige Rapoto von Heils-bronn wurde vom Abte Adam zn Ebrach um 1132 nachHeilsbronu zur Gründung des dortigen Cisterzienserklostcrsabgeordnet; er war ein Sprößling der in derGeschichte überaus gefeierten Familie Aben-berg und Bruder Konrads, des Stifters diesesKlosters, und der hl. Stilla , einer Gräfin vonAbenberg , welche im Angustlneriiinenklosierzn Marienbnrg begraben ist."

Nicht ich handle eigenmächtig und willkürlich, son-dern die Gewährsmänner der Hirschmann'schen Traditionhaben die Genealogie der Grafen von Abenberg eigen-mächtig gefälscht, wenn sie Rapoto, den Grafenund Laien, als Bruder Ounrnt junior: 8 nndder seligen Stilla erklärt haben. Graf Rapoto(11301172) hatte allerdings einen Bruder nnd eineSchwester, allein der Bruder geistlichen Standeshieß nicht Konrad ,sun., sondern Reinhard, undihre Schwester nicht Stilla , sondern Hcdwig.

Mir ist Stilla nicht bloß die Schwester Oiiunrati.suniorw, sondern auch ffa)>otonis, des I.. III. undVI. Abts von Heilsbronu nnd zweiten Abts von Ebrach11641170. Die Gründe dafür, daß der erste Abtvon Heilsbronn ein Graf von Abenberg gewesen, habeich schon in den Beilagen derAngsbnrgcr Postzeitnng"1881 Nr. 73, 3 des Weiteren ausgeführt, wohin ich derKürze wegen verlvcise wie auf das eben angeführte Zeug-niß aus Kloster Ebrach . Der von Agricola gefälschtenStillalcgendc ist allerdings die Abtswürde Napoto's inHeilsbronu nnd Ebrach völlig fremd, weil sie eben derursprünglichen Stillalegende im Peterstirchlcin zu Marien-burg die aus Kloster .Heilsbronn herübergenommenenVerse unterschoben hat. Am Grabe der seligen Sullawaren vor nnd nach Spalatinns dem jünger» die Wortezn lesen:"')

Hier liegt begraben die heylige Jungfrau Stilla ,die zweyer grasen Schwester ist gewesen von Aben-berg und viel großer wundcrzcicheu gethan hat."

Diese Nachricht, daß Stilla zweier Grafen Schwestervon Abenberg gewesen, halte ich für die ursprüngliche undechte Ueberlieferung; im Volksmnnde mögen auch die,Namen der Grafen fortgelebt nnd gegen Ende des 16. /Jahrhunderts Veranlassung dazu gegeben haben, die'gleichnamigkn Grafen aus Kloster Heilshronn, diejedoch keine Brüder waren, herüberzunchmen nnd in

-"*) Grafen von Abenberg S. 28.

") Vergl. den definitiven Uebergang der Burggraf-,schaff Nürnberg von den Grafen von Netz an die Ärafeik^von Abenberg um 1177/78. Beilage zur Angsb. Postztg.s1895 Nr. 12. 90 A. 14 (Separalabdrnck S. 8 u. 9 nebst'gcnealog. Tabelle.)

") Grafen von Abenberg 1869 S. 24 nnd Kalcndevfür kath. Christen, Sulzbach 1857, S. 99,