Ausgabe 
(15.5.1897) 27
 
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so wäre dieser Fund allerdings für meine Untersuchungenim höchsten Grade interessant; allein eS dürste hier bloßein Schreibversehen oder eine Verwechslung vorliegen,weil in den Regesten der Grafen von Abenberg , welcheich im Laufe vieler Jahre gesammelt habe, dieser Name,der bei den Grafen von Abenberg nicht üblich war, fehltund bei mir die Zeugen der Urkunde vom 14. September1199k'riäsrious Lomes äs übender« undHoivrious Lomss äs Ortsobsrs" heißen.^

Damit sind wir an der Grenze des uns zugemessenenRaumes angekommen. Wir hätten freilich noch Vieleszu sagen und zu beanstanden, allein ein guter Advokatpflegt in der Replik nicht Alles zu sagen, was er weiß,sondern Einiges noch für die Duplik zu reserviren; wirschließen deßhalb unsern Protest mit der entschiedenen Er-klärung, daß wir die allerdings nicht durch Urkunden,wohl aber durch die übereinstimmende Ueber-lieferung, Legende und Sage sehr wohl be-glaubigte Abstammung der seligen Stilla vonden Grafen von Abenberg nach wie vor aus-recht halten und mit Herrn Stadtpfarrer Müller inEschenbach z. Z. noch fest davon überzeugt find,daßdie ganze Legende der Seligen mit allen ihren Einzel-heiten auf dieser Abstammung beruht". ^)

Der bloßen Negation können und wollen wir dieselige Gräfin nicht aufopfern. Dieselbe ist wohl mit demGedanken umgegangen, neben dem in Abenberg bestehen-den Männerkloster auch ein Frauenconvent zu errichten,das war ja damals säst allgemeine Uebung. Wenn esaber auch zur Frauenklosterstiftung nicht mehr gekommenist, so lebte Stilla der Legende zufolge auf SchloßAbenberg wahrscheinlich doch nach der Regeldes hk. Augustin, für deren Einführung imErzstifte Salzburg Erzbischof Konrad I. vonAbenberg Alles in Bewegung gesetzt hat.")

Stilla war für die Armen, Kraulen und Bedrängtensozusagen eine barmherzige Schwester oder, wenn mandas lieber hört, eine Diakonissin; zum lieben warsie da, nicht zum hassen. Ihr Glaube warein in Liebe thätiger Glaube nach der Lehreder katholischen Kirche und des hl. ApostelsJakobns.") Im werkthätigen Christenthume suchteund fand Stilla die selige Vereinigung mit Gott, welcherdie Liebe selbst ist. In der Liebe Gottes, nicht im Hasse,haben auch die hadernden Bruder Fcirefiß und Parcivaldie gesuchte und erwünschte Verständigung") wieder ge-funden:Treu ' und Lieb' schied ihren Streit."

(Schluß folgt.)

I. v. Nr. 336, Hirschmann Nr. 10, 74; siehe da-gegen Llon. Uvie. XXIX, 1. 488 490 und UeZ'. doic. l,381 nach v. Lang.

°°) Nicht einverstanden sind wir mit dem Titelbilde,den Wappen und einigen Besonderheiten des Verfassersdes GebetbuchesDie selige Jungfrau Stilla, Gräfin vonAbenberg", Regensburg und Amberg , bei Habbel, 1885.

^) Vita Öbunrsäi LI. 6. 88. XI, cap. 12. Nach Leff-lad entstand unter Gebhard II. 11251149 in Abenberg auch ein Frauenkloster (durch s. Stilla.).

") Brief des Apostels eüp. 2, 1426.

") Wolfram v. Eschenbachs Parcival XV. 748,10-12.

Berichtigung.

In derBeilage zur Angsburger Postzeitung" Nr. 25Seite 175 2. Spalte 6. Zeile von unten lies Abenberg statt Abensberg ; S. 176 1 . Spalte 3. Zeile von obenAdensberg statt Abenberg ; S. 176 1. Spalte Zeile 14von unten von statt vor.

Die Vorbildung des Klerus zunächst in Bayern .

(Schluß.)

s Für die Kirchengeschichte sind vier Semestermit fünf Wochenstunden anzusetzen, wozu noch zweiStunden des ersten Semesters für Provädeutik der Kirchen-aeschichte kommen, ferner eine Wochenstunde durch vierSemester für das kirchenhistorische Seminar. Die Er-fordernisse, welche an den Kirchenhistariker überhaupt zustellen sind, gelten selbstverständlich auch für den Lehrerder Kirchengeschichte. Vor allen: eine gute Disposition.Sodann Unparteilichkeit oder Objectivität; die Darstellungmuß auf die Quellen selbst zugehen, welche in richtigerWeise zu verwerthen sind; Hauptsachen dürfen nicht Über-gängen. minder wichtige Begebenheiten nicht zu breit dar-gestellt werden, die Kirchengeschichte ist keine Cultur-geschichte. Sodann Gründlichkeit in dem Sinne, daß derVortragende den ganzen Stoff versteht und durch-dringt, ferner die geschichtlichen Begebenheiten wie nachihrem inneren Grunde so nach der sie beherrschendenhöheren Idee und in ihrem ursächlichen Zusammenhangerkennt und darstellt, die Kirchengeschichte muß «prag-matisch" undreligiös" sein. Endlich lichtvolle und ori-ginelle Darstellung. Es dürste indeß zu weit gehen, zusagen, auch das Studium der Kirchengerichte, wenn esaus Gründlichkeit und Nachhaltigkeit Anspruch machenwolle, müsse sich auf die Quellen stützen, so daß die Lehr-und Handbücher Hiebei nur als Hilfsmittel zu benutzenwären. Allerdings muß der Lehrer der Kirchengeschichtezuuchäst in der Einleitung und ausführlich m der Pro-pädeutik die wichtigsten Quellen der Kirchengeschichte be-sprechen, ferner stets auf die Quellen und deren Werthaufmerksam machen; deren Einsichtnahme indeß wird denSchülern in der Regel nur im klrchenhistorischen Seminarzu ermöglichen sein. Klippen, welche der Lehrer zu ver-meiden hat, sind: die Kirchengeschichte. darf nicht Papst-oder Heiligengeschichte sein; will der Lehrer seinen Schülernein Hilfsmittel zum leichteren Studium der Kirchengeschichtean die Hand geben, so dienen hi^n synchronistische Ta-bellen am besten. Die Kirchengeschichte darf auch nichtaltchristliche Literär- oder Resormationsgeschichte sein, essollen vielmehr alle Abschnitte derselben, und zwar ingleichmäßiger Weise, zur Behandlung kommen, auch dieneueste Kirchengeschichte nicht ausgenommen.

Einen weiteren Jahrcscursus mit fünf bis sechsStunden wöchentlich bildet die Pastoraltheologie,welche, wenn sie auch hauptsächlich praktische Anweisungenfür die Ausübung des Seelsorgeramtes bietet, doch denwissenschaftlichen Charakter niemals verläugnen darf.Wichtige Theile dieser Disciplin bilden die Kaiechetik, dieHomiletik und die Lehre von der Verwaltung des Buß-sakramentes, welche ihrer hohen Bedeutung halber ge-sondert zum Vortrage gelangen, so daß sie in den Vor-lesungen iiber Pastoraltbeologie nur berührt zu werdenbrauchen, ^soweit dieses der Zusammenhang erfordert.Ueber Kütcchetik und Homiletik wäre vieles zu sagen; imganzen wird wohl zu wenig Zeit auf diese beiden Dis-ciplinen verwendet. Unsere Zeit stellt neue Anforderungenan den Katecheten und an den Prediger. Es dürfte dieAnsicht kaum einem Widerspruch begegnen, daß der Ka-techet in der Erklärung der Glaubenslehre nicht nurmanche apologetische Fragen erörtern, sondern auch aufdie Unterschcibungslehren gebührende Rücksicht nehmenmuß. Die immer zahlreicheren gemischten Ehen mitakatholischer Kindererziehung sind ja gewiß zum großenTheile aus dieMusliche Erziehung in religiöser Hinsichtzurückzuführen, aber es wäre zuviel, wenn auch nur eineeinzige solche Ehe auf den Conto einer mangelhaften kate-chetischen Unterweisung zu setzen wäre. Es würde zu weitführen, all die Mittel, welche einer Förderung der homi-letischen Ausbildung dienlich sind ich rechne selbst dasAuftreten auf der Bühne hieher (Schnldrama der Jesuiten ) hier aufzuzählen und zu erörtern. Daß in dieser Be-ziehung mehr denn bisher geschehen muß. wird ohnehinziemlich allgemein zugestanden. Ich will mich auch nichtüber den Werth der Leichenrede verbreiten, über welcheschon genug geschrieben wurde, und weiß die Verlegen-heiten und Schwierigkeiten wohl zu würdigen, welche,zumal in großen Städten, die Leichenrede dem Seelsorgerbereitet: aber ich lasse mir die Meinung nicht nehmendaß, wo sie abgeschafft wurde, man sich eines Mittels be-raubt hgi, an rechtem Ort ein rechtes Wort zu. sagen.

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