das; ma» dort. wo sie nicht besieht, eines oft nicht un-wichtigen Mittels der Seelsorge entbehrt. Der protestant-ische Pastor hat in dieser Äezrehnng unläugbar etwas vordem katholischen Priester voraus.
Noch manch andere Disciplinen sind. soll dieVorbildung deS Klerikers eine allseitige sein. auf dasLehrprogramm der theologischen Unterrichtsanstalten zusetzen. Nicht zu reden von Rubricistik, von Psarrverwaltnngund geistlichem Gcschäftsstil. von theologischer Encyklo-pädie und Methodologie, von Patrologre und Lectüreeinzelner Vätcrwerke. von Pädagogik und Geschichte der-selben. Volksschulivesen und Volksschulrecht. von Armen-recht; auch die christliche Archäologie und die christlicheKunst, Kirchenmusik, ferner die sociale Frage, endlich dieDogmengeschichte und die Symbolik, sowie die Geschichteder Theologie werden je eher, desso besser auf das Ver-zeichniß wenigstens der facultativen Fächer gesetzt werden.In den Vorlesungen über sociale Frage können auch unsereneuen Gesetze aus dem socialen Gebiete zum Vortrage ge-langen, vielleicht auch eine Einführung in das Wesen unddie Leitung der nützlichen Naiffeisenvereiue damit ver-bunden werden, was schon deßhalb angezeigt ist, weil derSeelsorger oft um seinen Rath oder um Auskunft in dies-bezüglichen Fragen gebeten wird, zuweilen auch die Grün-dung eines Raiffeiscnvereins oder einer ähnlichen Genossen-schaft selbst in die Hand nehmen Muß. Nun ist ja gewißnicht in Abrede zu stellen, daß es über all die aufgeführtenDisciplinen eine Reihe trefflicher Handbücher gibt, in denensich der Priester orientiern kann, aber am besten wird derUnterricht hierin doch durch einen Lehrer ertheilt, undschon der angehende Seelsorger muß einen gediegenenFonds solcher Kenntnisse in die Praxis Hinausbringen, weiler am ersten Tage ihrer bedarf. Ist schon während destheologischen Studiums der Grund für all diese Kennt-nisse gelegt worden und hat der Lehrer es verstanden, inden Kandidaten Liebe, vielleicht Begeisterung für die eineoder andere dieser Disciplinen zu erwecken, so kann undwird der junge Priester mit Freuden auf diesem Grundesortbanen und in freien Stunden etwa einen Kirchenvaterund scholastischen Theologen oder ein Werk über diechristliche Kunst u. s. w. zur Hand nehmen und dadurchsich selbst, aber auch anderen, ja der Kirche selbst, Nutzenverschaffen. Auch in dieser Beziehung gilt: „Jung ge-wohnt, alt gethan." Die Kollegienhefte, beziehungsweisedie Kompendien der Dogmatik, der Moraltheologw, desKirchcnrechts rc. fleißig in die Hand zu nehmen, werdenden jungen Priester das sogenannte Curaernmen. sodanndie Pastoralconferenzen und insbesondere der Pfarrcon-curs nöthigen, wenn letzterer anders in der Weise vorge-nommen wird. daß außer der hl. Schrift, den; Trideu-tinum und dem kanonischen RechtSbuch keine weitereLiteratur benützt werden darf, und auch die feelsorglichePraxis wird ihm oft genug Anlaß geben, sich über dieseoder jene Frage wieder anfs neue zu orientiren.
Daß sich der Priester aber darüber hinaus in derTheologie fortbildet, das muß der Lehrer durch oft-malige Anregung und Ermunterung sowie durch ent-sprechende Anleituirg fertig bringen. Namentlich wird zudiesem Behufe der Lehrer auf unsere vorzüglichen wissen-schaftlich-theologischen, praktisch-theologischen und histor-ischen Zeitschriften (Jnnsbrucker „Zeitschrift für katholischeTheologie', „Stimmen aus Maria-Laach". Tübinger„Theologische Qnartalschrift", „Katholik": Passauer „ Theo-logisch-praktische Monatschrift", Linzer „Theologisch-prak-tische Quartalschrift", „kastor bcmusJ „Der katholischeSeelsorger"; „Historisch-politische Blätter". „HistorischesJahrbuch") aufmerksam machen. Ein höchst geeignetesMittel zur Fortbildung des Priesters sowie ein jederzeiterwünschtes Nachschlagewerk bildet auch unser „Kirchen-lerikon", dessen Artikel selbst nach gegnerischen; Zeugnissefast ausnahmslos auf der Höhe der wissenschaftlichenForschung stehen. Zur Fortbildung in der Exegese dienender große lateinische Kommentar zur gesummten heiligenSchrift, welchen mehrere deutsche Jesuiten herausgeben,sowie die in Freiburg erscheinenden „Biblischen Studien":zur Fortbildung in der Dogmatik die „Straßburger theo-logischen Studien": in der Kirchengeschichte die „Kirchen-geschichtlichcn Studien" von Knöpfler, SchrörsundSdralek,das „Archiv für Literatur- und Kirchengeschichte desMittelalters", die im Auftrage und mit Unterstützung derGörresgesellschaft herausgegebenen „Quellen und Forsch-ungen auf dein Gebiete der Geschichte": zur Fortbildung
im Kirchenrecht das „Archiv für katholisches Kirchenrecht";in der Philosophie das „Philosophische Jahrbuch" undCommer's „Jahrbuch für Philosophie und spekulativeTheologie"; in der Apologetik „Natur und Offenbarung";in der christlichen Archäologie die „Römische Quartal-schrift", welche auch zahlreiche kirchenhistorische Abhand-lungen enthält' in der christlichen Kunst die „Zeitschriftfür christliche Kunst". Ueber die literarischen Erschein-ungen überhaupt und speciell in theologischem Betreffewerden den jungen Priester unsere beiden trefflichen Litera-tnrblätter „Literarische Rundschau" und „LiterarischerHandweiser" auf dem Laufenden erhalten. Der Priesterwird, je nach Bedarf und Neigung und soweit es derEtat gestattet, nicht nur selbst die eine oder andere deraufgeführten Zeitschriften halten; in jeder größeren Stadtsowie in jedem Landbezirke mögen sich aus den Geist-lichen „Lesezirkel" bilden, unter deren Mitgliedern mehrender genannten Zeitschriften wöchentlich nach einer be-stimmten Reihenfolge circuliren. Aus diesen Zeitschriftensoll sich der Priester Excerpte machen, die ihn; nicht nurfür Predigt und Katechese, sondern auch zu Vortrügen inArbeiter- und Männeroercinen, wie sie allerorts bestehensollen, geeignetes Material liefern. Worauf der Lehrerder Theologie noch weiter bei gegebener Gelegenheit auf-merksam machen soll, ist die „Görresgesellschaft zür Pflegeder Wissenschaft im katholischen Deutschland", ferner die„Deutsche Gesellschaft für christliche Kunst" und der „Vereinfür christliche Kunst in München". ,
Ich habe oben eine. ganze Reihe theologischer Dis-ciplinen namhaft gemacht, welche für die Vorbildung desKlerus entweder unumgänglich nothwendig oder wenigstenshöchst nützlich sind. Die Unterweisung in denselben nimmteine geraume Zeit in Anspruch. Rechnet man noch dazudie für eine gründliche ascctische Vorbildung erforderlicheZeit, ferner die liturgischen Uebungen, den Unterricht imChoralgesange, die kätechetifchen Uebungen in der Volks-schule selbst, die Zeit, welche das Studium der vorge-tragenen Disciplinen, die Vorbereitung auf die Examinau. ?. w. erfordert, so ergibt sich hieraus einerseits, daßdrei theologische Jahre nicht ausreichend sind, um denganzen Stoff zu bewältigen, daß es selbst innerhalb einesvierjährigen Kursus der weisesten Ausnutzung und Ver-theilung der Zeit bedarf, um all die aufgeführten Gegen-stände zum Vortrage zu bringen; anderseits aber, daß andie Lehrer selbst, um die Vorbildung des Clerns möglichstallseitig und gedeihlich zu gestalten, hohe Anforderungenzu stellen sind. Jeder Lehrer wird noch die eine oderandere Disciplin als Nebenfach übernehmen müssen. Einwesentlicher Gewinn an Zeit kann dadurch erzielt werden,daß jene Gegenstände, welche nur ein oder wenige Se-mester beanspruchen, auch nur alle vier Jahre, beziehungs-weise, wo vorläufig nur ein dreijähriger Kursus besteht,nur alle drei Jahre zum Vortrage gelangen. Eine weitereErleichterung bietet dem Lehrer das Institut der Privat-doccnten, denen freilich, damit sie tüchtig eingeschult werden,zuweilen auch das Hauptfach selbst Überträgen werdensoll, für das sie sich vorbereitet haben, ferner das Institutder sogenannten Repetenten, welche innerhalb des Klerikal-seminars verschiedene der angeführten Disciplinen in ge-ordneter Folge zum Vortrage bringen können.
Was ich weiter betonen will, und ich glaube auchhiedurch nur der Sache zu dienen, ist dieses: die meistenKandidaten kommen sichtlich übermüdet aus dem Seminar,und manch neugeweihter Geistlicher, der aus dem Priester-seminar getreten ist, um nunmehr einen Seelsorgepostenanzutreten, ist körperlich so herabgekommen, daß er als-bald, ohne eigentlich schon ein Emeritus zu sein, die Hilfedes Emeritenfonds in Anspruch nehmen muß. Nunzweifle ich nicht, daß in den Seminarien eine genügendeund kräftige, gntbürgerliche Kost verabreicht wrrd (fernesei jedes Experiment in dieser Beziehung!), und daß auchsonst nichts mangelt, was zum körperlichen Gedeihen desjungen, heranwachsenden Mannes dienlich ist: die Ueber-müdung bezw. die Krankheit ist vielmehr meistens einergeistigen Ueberanstrengung zuzuschreiben. Vielleicht kanndiesem Mißstaude schon dadurch vorgebeugt werden, daßkür die Ablegung der vorgeschriebenen Examina dem Kan-didaten ein größerer Spielraum offen steht, was die Zeitbetrifft, innerhalb deren die Examina zu bestehen sind:ferner soll die Zahl der Examina in jedem Semesterwenigstens auf die ordentlichen Vorlesungen beschränktsein. Am Schlüsse des dritten theologischen Jahres ein