Ausgabe 
(15.5.1897) 27
 
Einzelbild herunterladen

191

schriftliches und mündliches Examen über alle Haupt-fächer (Dogmatik, Exegese, Moraltheologie, Kirchenrechtund Kirchengeschichte) abzuhalten, dürfte sich aus mehrerenGründen empfehlen. Das vierte theologische Jahr könntedann ausschließlich für die Pastoraltheologie, für Nubri-cistik, für homiletische, katechetische und liturgische Ueb-ungen, Pfarrverwaltung und das eine oder andere ge-rade im Turnus treffende untergeordnete Fach. ferner fürdie asketische Vorbildung auf das Priesteramt verwendetwerden. .

Mögen nun diese Vorschläge für eine Forderung derVorbildung des Klerus allseits eine wohlwollende fach-liche Würdigung finden! Ein viertes theologisches Jahr.dieses das Resultat, ist für die Ausbildung des Klerusnicht nur in hohem Grade wünschenswert!), sondern ge-radezu nothwendig. Eine Schädigung der Sache wäreindeß darin zu erblicken, wenn, statt neue zeitgemäßeFächer in das Lehrprogramm einzufügen, lediglich diebisherigen ins Angemessene ausgedehnt würden. EineVertiefung dieser, wo es nothwendig ist. und die Ein-führung neuer Disciplinen, deren Kenntniß für jeden Ge-bildeten und insbesondere den Priester wünschenswerth,ja nothwendig ist, das dürfte die erhabene und lohnende,freilich auch zuweilen nicht leicht durchzuführende Auf-gabe unserer theologischen Bildungsanstalten sein.

Münchner anthropologische Gesellschaft.

In der Versammlung am 12. März sprach HerrHofrath Dr. Martin, da er die der k. Staatssammlunggeschenkten Waffen nicht mehr zur Demonstrationbringen konnte, nur über den zweiten Theil des unterdem TitelDemonstration von malayischen Waffen mitBesprechung psychopathischer Zustände bei den Malayen"angekündigten Themas. Im malayischen Archipel kommenbei den Eingeborenen psychopathische Zustände vor, dieunter dem Namen Amok und Latak bekannt sind. Imersteren Falle sucht der Erkrankte, mit einem Schwerte bewaffnet. Jedermann, der ihm in den Weg kommt, zutödten oder zu verwunden. Die zweite Krankheit trifftmeist Frauen über 30 Jahre; sie verlieren den Willen,machen alles nach, was sie sehen. An der anschließendenDiskussion bethciligten sich die Herren Paster, Kühn undOberhummer. Hierauf legte Herr Pros. vr. Eugen Ober-hummer neue ethnographische Karten vor von Mittel-europa, insbesondere über die Verbreitung der Deutschenin Europa, nämlich die große Karte von Nabert und denAtlas von Langhans.

Vor der Tagesordnung der Versammlung vom30. April wurden der Gesellschaft die gegenwärtig inMünchen weilenden Singhalcsenzwerge von H. Hagenbeckvorgestellt. Die Truppe besteht aus sieben Personen:einem normalen Singhalesen, einer erwachsenen Zwerginund der normalen 7 jährigen Tochter der Beiden, sowievier weiteren Zwergen. Theilweise zeigen die Zwerge densogenannten rhachitischen Zwergentyvus, indem dieEntwicklung der Extremitäten besonders stark zurück-geblieben ist, theilweise sind aber die Körperproportioneuganz normal. Sie stammen von der Insel Ceylon undwurden von der berühmten Firma Hagenbeck für eineRundreise in Europa engagirt. Ihre Stammesgenosscnsind stattliche Leute. Professor Ranke dankte Hrn. Hagen-bcck und Herrn Hammer, dem Director des Münchener Panoptikums, für die Vorführung der so interessantenTruppe. Hierauf theilte Herr Professor Kühn Einigesüber die Geschichte und Abstammung der Singhalesen mit.Das Wort erhielt sodann Hr. Hauplmann a. D. E- Seylcrzu seinem Vortrage:Die Verschanzungen am Gleissen-ihate eine Vertheidigungsstellung des Drnsus imJahre 15 v. Chr." Die etwas animirte Diskussion fanderst nach dem interessanten Vortrage des Herrn Dr. R.Mnch. Privatdocent an der k. k. Universität zu Wien, correip. Ehrenmitglied der Gesellschaft:Die Anfängedes bayerisch-österreichischen Volksstammes", statt. Much spricht von den Bayern nicht im politischen, sondern ethno-graphischen Sinne. Woher stammen sie § Im 6. Jahr-hundert bewohnten die Bajuwaren ein großes Gebiet. Siegrenzten im Süden an die Langobarden, welche bis Meran herauf reichten: im Westen reichten sie als Nachbarn derSchwaben bis an den Lech: die Nordgrenze bildeten wahr-scheinlich Regen und Naab. Der Grenzfluß im Ostenzwischen Bajuwaren und Avaren war die Gnus. Die Ab-

stammung der Bajuwaren von den Markoinanen nimmtMuch als sichergestellt an. Bis zum 5. Jahrhundertsaßen die Markomancn in Böhmen. Für die germanischeBesiedlung sprechen verschiedene Orts- und Flußnamcn,so stammt z. B. Moldau von dem altgcrmanischen ^Valvagug, Waldbach. Die Vorfahren der Markomancn inBöhmen waren die keltischen Bojer, die zur Zeit Cäsarsauf der Wanderung in neue Gebiete begriffen waren.Da die Markoinanen erst um 8 v. Chr. Böhmen besiedelten,war Böhmen 50 Jahre fast unbewohnt. Vorher saßendie Markomancn zwischen Rhein, Main (nur südlich) undDonau, daher auch ihr Name Männer der Mark, ähn-lich wie der Schwarzwald silva Llareiuna" hieß. IhreVorgänger in dieser Gebend waren die Hclvetier, welcheidentisch sind mit den Teutonen und den ?'»- desStrabo. In den Jahren 110150 v. Chr. zogen dieHclvetier mit den Cimbern südlich, damals sind dann dieMarkomancn in das verlassene Land eingezogen. DieMarkoinanen gehören zu dem großen Volksstamme derSucven. Während sie aber im westlichen Gebiete eineuntergeordnete Rolle spielten, haben sie im Osten (Böhmen) die Führung übernommen. Der bayerische Volksstammexistirt als selbstständiger Stamm seit 2000 Jahren, er läßtsich historisch weiter zurück verfolgen als irgend ein anderergermanischer Stamm. An der Diskussion über diesesThema betheiligten sich Professor Oberhummer und Land-gerichtsrath Vierling. Im Laufe derselben führte Mnchaus, daß der Name Bayern von dem Worte Daj.j-nvurzid. h. Bewohner eines Landes, das früher von den BajjBojj besiedelt war, stammen muß. Bei der Vorstands-wahl wurden gewählt als Vorsitzender Pros. Dr. I. Ranke,als dessen Stellvertreter Pros. Rückert, als Schriftführervr. Mollier, als dessen Stellvertreter Dr. Birkner, alsKassier Oberlehrer Weismann.

Recensionen nnd Notizen.

Bilder-Atlas zur Geographie von Europa mit be-schreibendem Text von vr. Alüis Geistbeck und233 Holzschnitten nach Photographien und Zeich-nungen. Leipzig und Wien , Bibliograhisches Jn-^ stitut.

Im natürlichen Zusammenhang mit den Naturwissen-schaften hat auch die Geographie in unserer Zeit ungeheureFortschritte gemacht. Und aus wie leichte und anschau-liche Weise schon die studierende Jugend in die Länder-und Völkerkunde eingeführt wird, davon zeugt der geo-graphische Unterricht besonders an unseren realistischenMittelschulen. An Landkarten, Wandtafeln rc. stehen daHilfsmittel zu Gebote, von denen wir auf unseren Schul-bänken vor zwei Decennien noch keine Ahnung hatten.Was ist uns überhaupt in dieser Beziehung gebotenworden? Wenig, fast nichts. Die Erde blieb uns eineksrra iueoKuita. Daher denn auch vielfach das geringeInteresse an der Natur, daher die große Unkenntnis) rngeographischen Dingen, welche so manche von der Studien-anstalt mitgenommen haben. Als ein neues Hilfsmittelnun, sich und andere geographisch zu bilden, begrüßen wirmit ganzer Freude das vorliegende Werk von vr. AloisGeistbeck, der als Geograph nnd Forscher ja rühmlichstbekannt ist. Nicht auf den alten, längst ausgetretenenWegen, sondern auf Pfaden, welche neue und weite Ge-sichtspunkte eröffnen, führt er uns in die verschiedenenLänder Europas . Er redet ganz die Sprache dcr Natur,uud naturgetreu sind auch die herrlichen Illustrationen.Das Werk ist sowohl für geographische Fachleute als ge-bildete Zeitgenossen geschrieben. Darm» gehört es in dieHand aller, welche überhaupt einen Sinn haben für denContinent, den sie bewohnen. Durch den geringen Preisvon 2 Mk. 25 Psg. wird dieses auch leicht ermöglicht.In einer weiteren Serie ist uns eine ähnliche Beschreib-ung der übrigen Erdtheile in Aussicht gestellt. Glück aufzu dem Unternehmen! Max Äisle.

Jahrbuch der Naturwissenschaften 1896189712. Jahrg. Herausgegeben von vr. Max Wilder-mann. Verlag von Herder, Frciburg. Preis 6 M.* Dieses Werk, dessen 12. Jahrgang in einem statt-lichen. Band von 560 Seiten (incl. Register) vorliegt, hatsich längst Anerkennung in weitesten Kreisen verschafftEs bietet aus der Feder berufenster Mitarbeiter in klaren