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das Jahr 52 Wochen und I Tag hat, fo muß Immer
SoimtagsSllchstabe und Confusionsjahr.
Von Al. Stangl, Beneficiat in Tuntenhausen .
(Schluß,)
Der Sonntagsbuchstabe ist gewiß sehr wichtig undschätzcnswerth für den Historiker; für den Mathematikeraber, der bei cyklischer Jahrrechnung nur zu fragen hat,mit welchem Wochentage das Jahr beginnt, ist er un-brauchbar.
Dazu kommt noch die Frage: Der wievielte Wochen-tag ist der Sonntag? Sonderbare Frage! Das weißdoch alle Welt. Es ist der erste Wochentag — Wennmir das ein Aegypter sagt: Oonooäo; sagt es mir aberEiner, der dem Gregorianischen Kalender folgt: Ne§o.Bei den Römern war der zweite Wochentag Dies Lolisgenannt. Dieser fiel bei Anfang der attischen Aera, dadie Aegypter unter römische Oberhoheit kamen, mit demersten Wochentage derselben zusammen, und sie benanntenihre Wochentage mit römischen Namen:
b — L — ä. 8oli8v — d — ä. I-ullasä — o — ä. Nartlss — ä — <1. Llervuriik — 8 — ck. ckovis8 — k — ä. Vensriss — 8 — ck. 8aturnid — o — ck. Lolis.
Da die Aegypter keine 8 Wochentage hatten, mußtesich an das römische Z statt sofort a anreihen. Vonden Alexandrinern stammt also die noch jetzt bekannteBenennung der Wochentage, nicht von den Römern
unmittelbar.
Im ersten Jahre der Lara. Dioelotiam standen dieWochentage in folgender Weise:
Römisch 8 7 alttestamentl. ägyptisch
29. Aug. k k 8 1. chotb k
30. „ 8 S 1 2. . 8
31. „da § 3. „
Da machte man nun die Entdeckung, daß die Apostelnicht mehr den Sabbath, sondern den ersten Wochentagals Dies Dominion gefeiert hatten. In Wirklichkeit waraber dieser Tag ein Sabbath.
Die erste Woche im September dieses Jahres stelltsich also wie folgt:
Römisch 8 7 alttest. ägyptisch
1. Sept. ab — s, — 4. ll°otd d — Montag
2. „ d o — b — 5. „ v — Dienstag
3. „ ock —v— 6. „ ä — Mittwoch
4. „ ck « — ä -- 7. „ 8 —Donnerstag
5. „ 8 k — e — 8. k — Freitag
6. „ k A - k — 9. „ 8 —Samstag
7. „ 8 a —8—10. „ a — Sonntag
So lief die Woche während der ganzen Dauer derMärtyrerära. Es ist leicht begreiflich, daß in drei ver-schiedenen Kalendern die Wochentage b, a und g aufEinen Tag zusammentreffen können, in Einem Kalenderkann es natürlich nur Ein Tag sein, außer im alt-römischen bei einer acht- und siebentägigen Woche.
Wir wollen aber gerne zugeben, daß man auchin der christlichen Aera, nachdem dieselbe längst vomalexandrinischen Kalender losgeschält war, noch immerden Sonntag für den ersten Wochentag nehmen konnte,so lange man nämlich das Jahr mit 25. Dezember an-fing, und das war bis 1701. Man hatte da immerdie letzte Dczemberwoche als erste Jahreswoche. Weil
am 31. Dezember derselbe Wochentag sein, wie am1. Januar. Nehmen wir nun an, ein Jahr habe am1. Januar Sonntag, dann ist auch der 31. Dezemberein Sonntag, und der Sonntagsbuchstabe dieses Jahresist H.. Nun sehen wir:
l. dsbä. 6^ol. I. ksbck. o^ol.
6. meus.!. ckom. ourr. Lxaot. 6. msns. i. ckom. vurr. Lpaot.
28 Dec.
d
s
26
29 Vlrojav
8
d
«
26
o
d
28
30
s
o
29
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0
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b
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28
28
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23
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22
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cl
k
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s
k
21
4
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b
20
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L
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6
s
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4
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27
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8
8
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10
Ä
k
19
6
k
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28
11
S
8
18
7
s
s
24
12
k
17
Weil das Jahr bereits mit 25. Dezember gewechselthat, gilt der Sonntagsbuchstabe der ersten gezählten Jahres-woche noch für das vorausgegangene Jahr, und erst vonder zweiten Jahreswoche an gilt er für das laufendeund ist g. In Verbindung mit dem ägyptischen Kalenderkann man den Sonntag für H nehmen. Im lateinischenKalender allein und mit Beginn des Jahres am1. Januar kann dieser Tag nur 6 — Sabbathsonntag— Dominion, sein.
Auch hieraus läßt sich wieder leicht erkennen, wiebrauchbar der Sonntagsbuchstabe zu einer gemeinschaft-lichen Osterfeier nach beiden Kalendern ist, wie unge-eignet und irreführend aber für eine astronomisch-cyklischeJahresrechnung.
Zu einer richtigen Cyklusrcchnung ist ferners noth-wendig, daß der geführte Cykus auch zum Mindestenmit jenem Jahre anfängt, mit welchem der Kalender be-ginnt. Den Cyklus, welchen man gegenwärtig führt,läßt man beginnen mit 9 v. Chr.; also den nächst früheren37 und den Kalender selbst 45 v. Chr.; beide daher ineiner gar nicht historischen, sondern erdichteten Aera. 45 v. Chr. ist gleich dem Jahre 709 II. 0., und wirhaben den Anfang des Kalenders und des Cyklus
709 11. 0. — 45 v. Chr.
21
ob
710 — 44
22
s,
711 — 43
23
8
712 --- 42
24
k
713 — 41
25
eck
714 - 40
26
v
715 - 39
27
b
716 - 38
28
s
717 — 37
1 etc. 8 k
Demnach hat Sosigenes, der Mathematiker desJulius Cäsar, den Kalender mit einem Schaltjahre be-gonnen und noch dazu mit der Cykluszahl 21. Aberdas erste Jahr dieses Kalenders war ja überhaupt nochein abnormes, ein Jahr von 445 Tagen, das „Con-fusionsjahr". Ja, mit diesem Jahre ist die größte Ver-wirrung in die ganze Zeitrechnung gekommen, denn manhat sich damit, man möge mir den Ausdruck verzeihen,einen wissenschaftlichen Popanz zurecht gemacht.
Machen wir diesem schrecklichen Wauwau ein- fürallemal ein Ende. Das Jahr 710 ist das erste eigent-