Ausgabe 
(19.5.1897) 28
 
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vier Schwestern, geborne von Hirnheim (Hürn-heim), die letzten von dieser Familie, so zwar verheiratet,aber damals Wittwen gewesen, bcnamentlich AgnesLahingerin, Maria von Wellwarth, Barbaravon Bcrnhausen, Maria von Wildau, als an-geborne Blutsfreundinne 8t. Ltillaa,") zubesserer Unterhaltung des Klosters, ihr mildes Almosenund Beysteuer dazu gegeben."

Falkenstein, der zuerst in Diensten der Fürstbischöfevon Eichstätt, dann der Markgrafen von Ansbach undBayrenth gestanden, hat diese Nachricht wohl nicht er-funden oder wie man zu sagen pflegt aus dem kleinenFinger gesogen, es bedarf dieselbe deßhalb schon um ihresAutors willen, insbesondere aber deßwegen einer neuengründlichen Untersuchung, weil vor einigen Jahren Re-dacteur Plaß in Donanwörth der edlen Familie vonHürnheim auf dem Al buche (bei Schmähingen, kgl.bayer. Bezirksamts Nördlingen ) die Ehre zu Theil werdenließ, Otto den Heiligen, Bischof von Bamberg , denKlosterstifter nnd Apostel der Pommern, zu den Ihrigenzählen zu dürfen.")

Wären hiernach die Hürnheim mit den Edclherrenvon Mistelbach, dem hl. Otto und der seligen Stilla vonAbenbcrg wirklich blutsverwandt oder auch nur ver-schwel g e r t gewesen, wie denn nach der Legende Sttlla' sMutter eine Truhendiugen und nach Falkenstein")eine Gotthild von Truhendiugen circa 1140 dieGemahlin Rudolfs von Hirnheim gewesen sein soll, sowürde sich nicht bloß die Einweihung der Peterskirche beiAbenberg, sondern auch die Verschleierung Stilla's durchden blutsverwandten Bischof von selbst erklären.Hiernach hätte der vielbeschäftigte (8. 63) Pommern-apostel allerdings Ursache und Veranlassung genug ge-habt, etwa 1136 zu Gunsten Stilla's nach Abenberg zueilen, die Peterskirche einzuweihen und das Gelübde ewigerJungfräulichkeit von Seite Stilla's entgegen zu nehmen.Weder unter besonnenen noch unbesonnenen For-schern (8, 62) könnte in diesem Falle ein Zweifel darüberbestehen, daß Bischof Otto I. von Bamberg, selbstver-ständlich mit Genehmigung des Ordinarius zu Eichstätt ,die Peterskirche zu Marienburg wirklich eingeweiht hat,obwohl Hirschmann im k. Kreisarchive zu Nürnberg undim k. allgemeinen Reichsarchive zu München hievon keineSpur mehr zu entdecken vermochte.

Sollte ein Beweis nachträglich darüber noch bei-gebracht werden können, daß Stilla eine geborneHürnheim oder Mistelbach oder etwa die Tochtereines der abenbergischen Burgmänner gewesen, Z. B.Swigcrs äs ubirndsicd, welcher circa 1136 und 1155als Zeuge erscheint, oder eines der fünf Konrade ckeLbankarcch, in welchen ich fchon 1869 Bnrgmänner

") Das Lexikon von Franken (9. Band. Ulm 1801)nennt sie nach der Kloster-Chronik: Agnes vonLochinger, Anna von Wöllwarth. Maria vonMelden und Barbara von Bernhausen. Vergl.Stadtpfarrer Asam von Abenberg im Sulzbacher Kalenderfür kath. Christen. 1857, S. 192

") Beilage zur Augsb. Postztg. von: 18. März 1890Nr. 16.

") I. o. A. S. 91. Englert kennt freilich Gotrhildevon Truhendingcn nicht, allein in varba magistri darfman nach Hnintus Horatins Illaoons niemals schwören.Ueber die Hürnheim vergleiche Dekan Bauer vonKünzclsau. Hist. Vcr. von Schwaben 29. u. 30. Jahres-bericht.

auf Schloß Abenberg vermuthete/') so würde ichkeinen Augenblick anstehen, Stilla aus der Stammreiheder Grafen von Abenberg zu entfernen, wie ich den hl.Otto und seinen Bruder Friedrich sammt deren ElternOtto und Adelheid längst daraus entfernt habe; solangeein solcher Beweis nicht geliefert werden kann, lasse ichStilla aus der wohlbeglaubigten und gutgcgliederten Reihen-folge der Grafen von Abenberg durch bloße Negationnicht herausnehmen.

Der Versuch, den Hirschmann machte, seinem Gegenstände nicht bloß ein negatives, sondern auch einpositives Resultat abzugewinnen, muß eben-falls als mißlungen bezeichnet werden. Etwaspositiv Neues hat er ja im Allgemeinen nicht beizu-bringen vermocht, denn nach altherkömmlicher Annahmeund Ueberlieferung lebte Stilla im Schlosse zu Aben-berg als Wohlthäterin ihrer nächsten Umgebung, ließsich in der von ihr gestifteten Peterskirche zu Marien-burg bei Abenberg , nicht in Hcilsbronn, begraben") undwurde daselbst von dem Volke als selige Dienerin Gottesund Gutthäteriu der Menschen in allen leiblichen Werkender Barmherzigkeit hoch verehrt. Auch die Kirche vonEichstätt ehrte die jungfräuliche Stilla schon frühzeitigdadurch, daß sie entweder schon unter Bischof Hartwig(11951223)") oder Reimbotto von Mailenhart°°)(12791297) ihre Reliquien erheben ließ (H. 10, 74)und damit ihre Verehrung zugestanden und gutgeheißenhat. Bischof Wilhelm von Reichenau (14641496) er-richtete sodann 1488 bei der Peterskapelle zu Abenberg das Augustinerinnen - Kloster Marienburg..welches nach dessen zeitweiligem Abgang Bischof Martinvon Schaumberg 1588 wiederhergestellt hat/') Marien-burg ist zwar den Stürmen der Säcularisation am An-fange unseres Jahrhunderts ebenfalls erlegen, Scilla'sAngedenken und Verehrung ist aber auch damit nichtunterbrochen und weggenommen worden, vielmehr hat am23. Februar laufenden Jahres Franz Leopold Freiherrvon Leonrod, welcher seit 1867 den Stuhl des hl. Willi-bald einnimmt, officiell ausgesprochen:daß die DienerinGottes Stilla von Abenberg seit unvordenklichen Zeitenund ununterbrochen bis auf den heutigen Tag öffentlichverehrt worden ist."

Wenn Hirschmann am Schlüsse seiner positiven Aus-führungen die Hypothese ausstellt, Stilla möge die Ge-mahlin Burkardslll. Grafen von Zollern ge-wesen sein (12, 89 A. 38), so will ich dagegen nur be-merken, daß ich der Ansicht, Stilla fei als Stamm-mutter der Zolleru-Hohenberg aufzufassen, bricff

") Grafen von Abenberg 1869 S. 19 A. 57d.- Vonder Gräfin Stilla von Abenberg wissen wir durch dieTradition mehr als von den Gemahlinnen der Grafen ,einer Gerhilde, Sophia, Hedwig und Mechtilde und dengebornen Gräfinnen von Abenberg , den 2 Hedwig undder Gräfin Bcrtha durch Urkunden. Stilla ist derRose vergleichbar unter den holden, frommen, fürstlichenFrauen der Abenberg .

") Nicht vor 1149/50 ist Stilla gestorben. Nach Falken-stein soll sie 1158. nach Andern 1160 das Zeitliche ge-segnet haben.

") Dessen Schwester Sophia wahrscheinlich mit Burg-graf Konrad II. von Nürnberg circa 1200 1230 ver-mählt war.

°°) Welchem Burggraf Konrad IV. der Fromme SchloßAbenberg mehr verschenkt als verkauft hat. Urkunde vorn7. März 1296.

«) Falkei,stein I. o. (A. 43) S. 377 N.