Ausgabe 
(27.5.1897) 30
 
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zweifelhaft von einem und demselben Meister herrühren.'Aber wer mag dieser Meister sein? Urkundliche, schrift-liche Beweise haben wir nicht, auch findet sich kein Mono-gramm auf einer der Scheiben, das auf den Glasmaleroder den Zeichner der Kartons deuten könnte. Kennersollen sich, wie wir hören, schon dahin geäußert haben,daß einige der Glasgcmäldeder Holbcin'schenKunst sich außerordentlich nähern". Es wäre bei denScheiben der beiden letzten Serien jedenfalls an Hol-Lein den Jüngern zu denken. Allerdings, wennman die Holbein in Augsburg und das Holbein-Muscumin Basel mit seinen Stichen und Zeichnungen studirt hat,und wenn man auch das Wvllmaun'sche Werk über diesenMeister zu Rathe gezogen und sie mit den betreffendenGlasgemälden der Graf Douglas'schen Sammlung ver-glichen hat, so können vielleicht auch andere, wie wir,zu dem Resultate kommen, daß wir hier Glasgemäldenach Kartons von Holbein dem Jüngern vor uns haben.Mau fragt sich hier wie von selbst: welch' anderer Meister,auf den Zeit und Ort zunächst hinweisen, mag solcheWerke der Kunst,. namentlich auch solch' ausgezeichnetePorträts, geschaffen haben, als ein Holbein der Jüngere?

4. In die Karthäuser-Kirche zu Klein-Basel wurdenaußer von den oben bezeichneten Stiftern auch noch vonandern Wohlthätern, und zwar, wie es scheint, von ziem-lich zahlreichen Adelsfamilien vom Elsaß, von Basel undVrcisgau, gemalte Fenster gestiftet. Neben den schon an-geführten Familien Botzheim, Von Brunn, Spielmannsind auch die von Wangen, Schnewlin, Bollschweil» Pro-fessor Hieronymus Waldung (Neffe des Malers Baldung-Grien), Carl V. usw. vertreten. Die Stifter waren alleEhegatten, und finden wir daher je einen männlichen Heiligenund eine weibliche Heilige; einzelne heilige Frauengcstaltcnsind leider zu Grunde gegangen, doch finden wir noch14 Figuren fast vollständig erhalten, die wir als zu-sammengehörig zur vierten Serie zählen können. Essind folgende 1,2 am hohe Einzelgestalten:

Der hl. Jacobus in der Gewandung und Aus'rüstung eines Pilgers von Compostclla; er trägt in derRechten die Muschel, in der Linken den Pilgerstab undzeigt rothes Ober- und violettes Untergewand, eine fastderb realistische Gestalt.

Der hl. Hieronymus trägt den Cardinalshut undin ist rothes Obergewand gekleidet, welches mit flottgezeichneten Dessins versehen ist. Er hält die Tatzendes an ihm hinaufspringcndcn Löwen.

Die hl. Helena, die Mutter Konstantins d. Gr.,hält ein großes Kreuz umfaßt und ist mit violettem Ge-wände bekleidet. Als Kaiserin mit einer Krone auf demHaupte ist sie zugleich mit einem Kopftuch oder Schleierabgebildet, aber in so vollendeter Meisterschaft, daß mandie hl. Elisabeth von Holbein in der Münchner Pinako-thek zu sehen glaubt.

Die hl. Jungfrau und Martyrin Ursula erscheintin fürstlicher Tracht mit weißem Mantel und rotheinUntergewande und mit der Krone auf dem Haupte. Sieträgt als Attribut drei Pfeile in der Hand. (An diesemBilde sind, wie nian besonders an dem Halse der Figursieht, früher Versuche der Reinigung mit Flußspat vorge-nommen worden.)

Nun folgen die Stifter und Patrone des Karthäuser-vrdcns St. Bruno und St. Hugo, beide in weißemKarthänserhabit und beide herrliche Gestalten voll Krafrund Leben. Der hl. Bruno trägt in der Linken denLlbtsstab, in der Rechten hält er ein Buch, vor sich hat

er sieben Sterne. Diese beziehen sich auf die Erscheinung,welche der Bischof Hugo gehabt, wornach der Allmächtigesich in einer wüsten, unweit Greuoble gelegenen Gegendeinen Tempel baute, und wobei er sieben Sterne er-blickte, welche ihm dahin das Geleite gaben. Hugo er-kannte in den sieben Sternen die sieben Einsiedler, indem neugebauten Tempel den neuen Orden, den sich Gottzu seiner Ehre erkoren. Der heilige Hugo mit rotherMitra, worein hochfeine Dessins gezeichnet sind, hält inder Rechten den Abtsstab, in der Linken einen Kelch, inwelchem man das Christnskind mit gefalteten Händen undin Halbfigur sieht. Er hat als Attribut einen Schwan»auf seine Liebe zur Einsamkeit hindeutend, da er öfterdie Jnful ablegen wollte, um in der Einsamkeit ein be-schauliches Leben führen zu können.

Als 8orvi matrio äolorosus hatten die Karthäuserauch den Looo stoiiro und die matsr ckolorosu alsPatrone, daher wir auch diese beiden Figuren in unsererSerie finden. Christus mit rothem Mantel, die Dornen-krone auf dem Haupte und die Hände gebunden, hält diegrüne Marterpalme. Der Ausdruck des Schmerzes unddie Ergebung im Angesichtc des Heilandes ist trotz derrealistischen Darstellung von erhabener Auffassung. DasGleiche gilt von der Gestalt der hl. Jungfrau, die inblaues Ober- und violettes ttntergewand gekleidet ist und,das Schwert in der Brust, die Hände gefaltet hält.

Der hl. Gebhard hat als Attribut bloß ein Buchin der Linken und den Hirtcnstab in der Rechten. Daßwir hier den hl. Bischof Gebhard vor uns haben, zeigtdas unten angebrachte große Konstanzer Wapven.

Der hl. Georg als Ritter in Rüstung und miteiner Fahne zeigt offenbar das Porträt eines Schweizer Ritters, worauf besonders auch die Kopfbedeckung hin-weist. Unten das Wappen Kaiser Carls V.

Der hl. Ludwig trägt einen violetten Mantel ausHermelin, in der Linken das Scepter und in der Rechtenden Stab mit der schwörenden Hand.

Der hl. Johannes der Täufer , mit härenemUntergewand nnd rothem Mantel darüber, hat in derLinken das Lamm mit der Fahne, über das er segnendseine Rechte erhebt; er zeigt einen ausgezeichnet charakterist-ischen Kopf.

Die hl. Elisabeth mit der Krone auf dem Haupteträgt violettes Ober- und gelbes Untergewaud; sie theiltmit der Rechten Brod aus und hält in der Linken einenKrug und noch weitere Brode im Arm. Ihr herrlichschönes Köpfchen, wohl der idealste von allen, ist voneinem Kopftuch mit wunderbar vollendeter Draperieumgeben.

Die hl. Barbara trägt ebenfalls ein violettesObergewand und hat unten ihre Attribute, den Thurmund Kelch, neben sich. Das Wappen ist das der Schnäbelin,die dem Breisganer Adel angehörten.

Außer diesen ganzen Figuren sind noch einzelne sehrgnt modellirte Köpfe erhalten, und zwar von den Heiligen:Nikolaus, Kilian, Thomas (Kopf und Hände),Ulrich, Petrus und Paulus .

Die technische Seite dieser vierten Serie anlangend,haben wir auch hier noch die zweite Periode der Glas-malerei vor uns: wir finden als Malfarbe nur dasSilbcrgelb und das rothe Ueberfangglas, und nur dieNegation der Farbe, das Schwarzloth, zur Zeichnungverwendet, sonst aber ist vollständig auf die Palette allerfarbigen Flüsse verzichtet. Das Ueberfangglas verstehtder Glasmaler au beliebigen Stellen wegzuätzen und den