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weißen Grund mit Silbergelb auszufüllen; in dieserWeise sind z. B. die sieben Sterne beim hl. Bruno her-gestellt. Auffallend schön in der Brillanz seiner Farbeund in seiner Stärke ist auch das Glasmaterial, das hierverwendet ist; man beobachtet die ausgedehnteste An-wendung der Kontraste warmer und kalter Töne; diebrillantesten Goldgelbs wechseln mit feurigem Rubin nudüppigem Saftgrün. Wie der Glasmaler auch mit großenFlächen von Silberweiß trefflich umzugehen versteht, zeigenbesonders die beiden Karthäuser-Heiligen Bruno und Hugo,die fast nur allein aus den großen, weißen Autikgläseruherausgezeichnet sind und doch noch ganz die alte Kraftder Modellirnng haben. Hier sollten unsere modernenGlasmaler lernen, wie man auch bei reicher Anwendungvon Silberweiß (das zugleich die Kirchen hell ließe!)eine herrliche harmonische Wirkung zu erzielen vermag,ohne, wo immer ein weißes Glas zur Verwendung kommt,gleich auch die schmutzige Patina künstlich anzubringen.Welche Belehrung könnten in dieser und anderer Be-ziehung diese Glasgemälde für die heutige Traktirungdieser Kunst geben, wenn sie an einem öffentlichen Orte,etwa in einem staatlichen oder sonstigen öffentlichen Mu-seum, stehen würden!
Fragt man bei dieser Serie nach dem Karton-zeichner, so ist jedem sofort klar, daß es nicht der gleicheist, wie der bei den zwei vorhergehenden Serien. Docheines verkünden diese Figuren uuwiderleglich klar: esmuß nach Dürer und Holbein der tüchtigste Zeichner ge-wesen sein, den Deutschland damals besaß. Das waraber Hans Baldung -Grien (geb. zu Gmünd 1476,-j- zu Straßburg 1545). Man sieht zwar, daß er sichin unsern Figuren denen anschließt, welche neue Richt-ungen einschlagen, aber doch als ein origineller undenergischer Künstlercharakter vor uns steht. Dürer warwohl derjenige Künstler, dein er, was von Kraft undenergischem Leben in seinen Zeichnungen sich findet, ammeisten verdankt.
5. Die fünfte Serie besteht aus sog. Schweizer-scheiben (Kabinetsglasmalerei), von denen folgende nurerwähnt seien:
Scheibe mit St. Blasius von St. Blasien . 1616.Rundscheibe mit St. Andreas und St. Elisa-beth. 1611. Unten halten zwei Engel einen Schildmit Inschrift.
Wappenscheibe, aus verschiedenen Theilen zusammen-gesetzt. Mitra vom Kloster Allerheiligen in Schaff-hansen.
Abtscheibe vom Kloster Mnri, feine Technik, guterhalten. St. Martin und St. Beuedikt.Abtscheibe von Mnri von 1579, feine Ornamentik.Scheibe vom Stift St. Ursen zu Solothurn von 1581; die schönste und wertyvollste, ganz guterhalten.
Scheibe von St. Blasien von 1579.
St. Christina-Ravensbnrg. Detzel.
Der Karmeliten - Orden in den bayerischenStammlanden.
(Fortsetzung.)
III.
Fl Schon bei seiner Reise nach Bayern (1620)hatte Dominikns a Jesu, als er In» abwärts fuhr undbet Audorf vorüber kam, prophetisch vorausverkündct,daß in dieser Gegend ein Kloster seines Ordens dereinst
entstehen würde. Es war das nachmalige Reksach.Damals befand sich dort die Hofinark Urfahrn im Be-sitze des Geschlechtes der Hofer. Durch Heirath gelangtedieselbe 1660 an die Zeilhofen, 1680 an die Reisach undschließlich 1721 durch Kauf an den chnrfürstlichen bayer-ischen Kammerrath Johann Georg von Messcrer, der um1727 hier ein neues Schloß mit einer schönen Capclleerrichtete. Bald darauf ging er daran, auch den Kanne?litenmönchen auf seinem Hofmarksgrunde eine Nieder-lassung einzuräumen, und berief zu diesem Zwecke sechsKarmelitenpatres ans München , welche am 14. Oktober1731 eintrafen und als einstweilige Wohnung das soge-nannte alte Schlößl zn Urfahrn bezogen. Gleichzeitigwurde ihnen die nenerrichtete Schloßcapelle znr Abhaltungihrer kirchlichen Funktionen übergeben.
Am 2. September 1732 legte Decan Dinzenhofervon Aibling den Grundstein zu Kloster und Kirche, dieaber erst 1747 durch den Maurermeister Philipp Mülleraus Hausstatt größtentheils auf Kosten des Stifters lindmit bedeutenden Beiträgen der Klöster Augsburg, München und Ncgensburg vollendet wurden. Der Wcihbischof vonFreising , Johann Ferdinand Pödigheim, weihte sodannam 15. Oktober 1747 die Klosterkirche zu Ehren derhl. Theresia und des hl. Johannes vom Kreuze feierlichein. Leider erlebte der Stifter diesen Frendentag nichtmehr, er war bereits am 17. Februar 1738 zu Kelheim gestorben und in der Gruft der Schloßcapelle zu Urfahrnbeigesetzt worden.
Im Säcularisatkonsjahre 1802 wurde Neisach alsCentralkloster für die nnbeschuhten Karmeliten der übrigenaufgehobenen Klöster ansersehen. 1611 lebten unter demPrior k. Thcresius Reiß nur mehr vier Patres, zuletztwar nur mehr ein Laienbruder übrig.
In Folge eines Rcskriptes König Ludwigs I. vom26. Januar 1835 wurde Reisach wieder hergestellt undden Franziskanern aus München übergeben, die es aberschon 1836 wieder verließen. Auf Veranlassung desPosthalters Licmayer von Fischbach erhielten 1836 dieKarmeliten des Renererklosters in Würzburg die Er-laubniß, Reisach wieder zu besiedeln. Doch blieben dieKlostergebäude sammt der ansehnlichen Bibliothek Eigen-thum des Staates und wurde den Karmeliten die gänz-liche Unterhaltung derselben aufgebürdet.
Seit 1851 ist Reisach zu einem Priorats- undNoviziats Konvent erhoben. In diesem Kloster erhieltam 14. Oktober 1858 k. Burghart Bauerschubert ausArnstein in Unterfranken die Priesterweihe, welcher dann1863-1871 und 1872-1875 in der ostlndischen Mis-sion segensreich wirkte und 1884 im Karmelitenkloster znWürzburg znr ewigen Ruhe einging.
IV.
Nach Vertreibung der Schweden aus Regensburg ,welches damals noch freie Reichsstadt war, berief KaiserFerdinand II. Karmeliten -Patres dorthin; sie trafen 1635ein und bezogen als Wohnung das Johannitercommeuden»gebände bei St. Leonard.
1640 suchten sie ein großes Halls auf dem St.'Jäkobsplatze beim damaligen Zeughause zur Erbauungihres Klosters zu kaufen, allein der Stadtrath wußte es,zu hintertreiben. Sie kauften nun vom Bischöfe der^Bamberger Hof und den Freisinger Hof sowie das dazwischen'liegende Gasthaus, welches einem gewissen Alkofer gehörte,!und schritten zum Baue. Kaiser Ferdinand III. undseine Gemahlin Maria legten während des Reichstagesam 12. Oktober 1641 selbst den Grundstein und steuerten