Ausgabe 
(27.5.1897) 30
 
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nebst ihrem Sohne, dem römischen König Ferdinand IV.,dem König von Spanien , dem Churfürsten Maximilian I.von Bayern sammt seiner Gemahlin und den geistlichenChurfürsten ansehnliche Summen znm Baue und zurDotation des Klosters bei. Im Jahre 1660 war derBau des Klosters vollendet und wurde der Grundsteinzur Kirche gelegt. Noch 1678 wurde am Kirchthurmegebaut. Auch für die innere Ktrcheneinrichtnng kam dasKaiserhaus auf. Kaiser Leopold I. spendete 1691 einenprachtvollen Marmoraltar, welcher 14,500 fl. kostete.

Anfangs lebten die Karmelitcn vom Almosen, bis1. I. 1758 ein Religiöse ?. Udalricns a St. Trinitatc,aus Coblenz gebürtig, ein Apotheker von Profession, eineeigene Art von Melissengeist erfand, der seiner vor-trefflichen Eigenschaften wegen in wenigen Jahren solchenAbsatz fand, daß nicht nur das Kloster in Negensburgseine Bedürfnisse aus der Einnahme von dem Verkaufedesselben bestreitcn, sondern auch andere ärmere Karme-litenklöster in Bayern unterstützen konnte. Als Regens-burg 1803 an den Fürst-Primas Karl Freiherrn vonDalbcrg gelangte, kam der Fortbestand des Klosters nichtin Frage. Schlimmer gestaltete sich jedoch für dasselbedie bayerische Besitzergreifung; 1810 wurde das Klosteraufgelöst, die Kirche profanirt, der kostspielige Altarnach Schärding verhandelt und in den leeren Räumeneine Gütcrhalle eingerichtet; im vorder» Theile desKlosters blieb daskönigliche Melissengeist-In-stitut", »vährend der rückwärtige Theil der Gebäude alsFrohnfeste verwendet wurde. Die Patres wurden in dasCcntralklostcr zu Straubing verseht, nachdem die Franzis-kaner aus ihrem Eigenthum entfernt worden waren.Nur der Prior und ein Frater durften in Negensburgals Leiter des königlichen Melissengeist-Institutes zurück-bleiben. Auch hier war es Bayerns König Ludwig I., dessen DeviseGerecht und beharrlich" lautete, welcher1836 den Karmeliter!-Orden wieder in sein Eigenthumeinwies.

Das Karmelitenkloster zu Negensburg besitzt alsErinnerung aus früherer Zeit ein interessantes Porträteines Ordensbruders: des Titularbischofes von Ger- manicum, Fr. Franz v. Sales, zugenannt von der schmerz-haften Mnttcrgottes. Derselbe, in der Welt genannt:Eustach Fcderl, geboren zu München den 13. September1732, war im Alter von 20 Jahren zu Schongau indem Karmelitenorden getreten, wurde 1762 nach Malabarin Vorder-Jndien geschickt, woselbst er während 10 Jahreeine äußerst segensreiche Thätigkeit entfaltete.

Papst Clemens XIV. berief ihn 1772 in Missions-Angelegcnheiten nach Rom und ernannte ihn am 8. Juli1774 zum Bischöfe von Germanicum und zum apostol-ischen Vikar für ganz Malabar. Nachdem er zu Paris am 20. November 1774 die bischöfliche Weihe erhalten,begab er sich an seinen Bestimmungsort und opferte da-selbst seine ganze Sorgfalt der ihm anvertrauten Heerde.Wiederholte Verfolgungen nöthigten ihn, Malabar fürimmer zu verlassen. Er beschloß, den Rest seiner Tagein Frieden am Wiegensitze seines Ordens, am BergeCarmel, zu verleben, aber ein Schiffbrnch, den er impersischen Meerbusen unweit Bassora erlitt, brachte ihnum all das Seinige. In größter Dürftigkeit schied erzu Aecon am Fuße des Berges Carmel aus dem Lebenam 25. September 1778.

k. Franz war ein Mann von hoher Tugend undausgebreiteten Kenntnissen. Er sprach außer seinerMuttersprache und der itMgjscheu und französischen

Sprache noch fertig englisch, spanisch, portugiesisch undmalabarisch. In letzter Sprache verwahrt die Propa-ganda in Rom noch einige Handschriften von ihm.?. Franz war nicht der Einzige, der aus der bayerischenKarmelitenprovinz dem Missionswcsen sich widmete. Daseinstige Hauptkloster zu München kann sich, ähnlich wiedas benachbarte Jesuitencolleg, einer großen AnzahlOrdensmitglieder rühmen, welche ihr Leben in den ver-schiedensten auswärtigen Missionen beschlossen. (Der Sulz-bacher Kalender für kathol. Christen vom Jahre 1891,Seite 130, zählt mehrere derselben auf.) Auch in neuesterZeit ist ein Ordensmitglied in der ostindischen Missionerfolgreich thätig: k. Bonifaz Kurz aus Schöffau betWcilheim, seit 1883 dem apostolischen Vicariat vonVirapolis zugetheilt.

V.

Wild und unheilvoll brauste der Sturm des soge-nannten Kulturkampfes über die nördlichen Gaue desneu erstandenen deutschen Reiches. Pochenden Herzenshatten die Töchter der hl. Theresia in den drei Carmel-Wstern von Aachen, Ncuß und Köln dem Toben desentfesselten Elementes gelauscht; mit tiefem Wehe sahensie ihre. Klausur sich öffnen und sich hinausgescheucht indie finstere Wetternacht. Das gastliche Holland bot ihneneine Zufluchtsstätte; in Mästricht, Rocrmond und Echt er-standen neue Carmclklöster. Mit Bangen sahen diebayerischen Karmelitenkloster der Zukunft entgegen undtrafen die nöthigen Vorsichtsmaßregeln. Auch für siebot das kleine Holland noch Raum genug zu einer Nieder-lassung. 1875 wurde zu Geleen zwischen Mästricht undRoermond ein Hans erworben und am Herz Jesufeste1876 von 4 Religiösen (2 Priestern, 1 Chorist und1 Laienbruder) bezogen: es war klein und arm genug,aber für den Anfang hochwillkommen. Drei Jahre ver-gingen, ohne daß sich an dein kleinen Hospize etwas ver-ändert hätte. Aber die zunehmende Anzahl der Reli-giösen nöthigte, an eine Erweiterung zu denken. Am12. Juli 1879 wurde feierlich der Grundstein zu einemneuen Klostergebände gelegt, das nach 4 Monaten fertigdastand und am 12. November seiner Bestimmung über-geben werden konnte. Nun ging es auch an den Baueiner größeren Kapelle; am Osterdinstag 1880 wurdedie alte Kapelle abgebrochen, und nach etwa 7 Monatenstand eine neue an deren Stelle. Der HochwürdigsteBischof von Roermond, ein 85jähriger Greis, nahm selbstdie Einweihung derselben am 15. November vor. Währendan diesem Tage in Bayern das schönste Wetter war, tobtein Geleen ein Sturm, daß man glaubte, es wären allebösen Geister los; trotz alldem nahm die Einweihungihren besten Verlauf. Durch Erlaß des HochwürdigstenBischofes vom 18. Mai 1881 wurde der Convent mitpäpstlicher Vollmacht kanonisch errichtet und dadurch dieeigentliche Stiftung znm Abschlüsse gebracht. In derFolgezeit waren freilich noch manche Zubauten nöthig,aber das Werk gedieh, und im Jahre 1888 konnte dem-selben durch Erhebung des bisherigen Vicariatcs zueinem Primate die Krone aufgesetzt werden.

Die jüngste Niederlassung der unbeschnhteu Karme-litcn befindet sich in der Nähe Schwandorfs. Schwan-dorf, 12 Stunden nordwärts von Negensburg entfernt,seit Beginn der sechziger Jahre auch ein Knotenpunkt derEisenbahnen, welche den regen Verkehr zwischen München und Egcr sowie Nürnberg- Fnrth vermitteln, wird eineViertelstunde ostwärts von einem nach allen Seiten hinfreistehenden Bcrglcgcl überragt, zu dessen Fuße eine