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herrliche Lindenallee führt. Derselbe trägt eine 1679zu Ehren des hl. Erzengels Michael erbaute Wallfahrts-kirche in Kreuzcsform. In dem Gebäude nebenan ver-fahrn seit 1680 bis zum Jahre 1803 Kapnzinerordens-priester die Seelsorge bei den Wallfahrern. Nach derenEntfernung drohte der blühenden Wallfahrt völlige Ver-wahrlosung, hätte nicht einer jener Ordensmänner intreuer Anhänglichkeit an die Stätte stillen Friedens,k. Cassiodor Zenger , 1- 1830 als Benefiziat in Pars-dorf, ein Benefizinm dorthin gestiftet. Seit Jahren warschon das Bestreben der Bürger Schwandorfs, am ge-liebten Krenzbcrge wieder Ordensleute schaffen und waltenzu sehen. Der 10. April des Jahres 1889 sollte end-lich die Erfüllung des frommen Wunsches so Vielerbringen. Am bezeichneten Tage erschien in Begleitungvon 6 Patres Karmeliter : und 2 Fratern der Provinzialderselben von Negensburg her, um von dem einstmaligenKlostergebäude, dem spätern Benefiziatenhause, Namensseines Ordens Besitz zu ergreifen. Es war eine er-hebende Feier und die Betheiligung des Volkes, dasseiner Freude in Festfchmuck, Triumphbögen und Böller-salven Ausdruck gab, eine riesige. Noch an demselbenTage kehrte sodann der hochw. Provinzial mit seinenBegleitern nach Regensburg zurück: zwei Patres undzwei Laienbrüdcr zurücklassend, welche seitdem mit ganzerHingabe sich das Gedeihen der Wallfahrt angelegen seinlassen.
(Schluß folgt.)
Das „Leben des Cardinals Manning"*)
von E. S. Pure eil
ist aus Anlaß der Broschüre von Nector Dr. H. Schellin der „Postzeitung" nun schon wiederholt Gegenstandder Debatte und Controverse geworden. Cardinal Mauningwar ein großer Mann und wird als solcher stets in ehren-vollem Ansehen bleiben. Aber es wäre falsch und würdedem Gebote der Wahrheit widersprechen, wenn man seinLebensbild nur in lauter Licht gezeichnet darstellen wollte.Er hatte auch Seiten, die uns nicht gefallen können, undes ist, wie wir aus absolut unanfechtbarer Quelle er-fahren haben, eine Thatsache, daß er den Jesuiten , aberauch anderen Orden z. B. den Benediktinern nicht geneigtwar. Man wird sich aber wohl hüten müssen, das Ur-theil oder wenn man will Vorurtheil Maunings, das anfenglischen Verhältnissen basirte, zu verallgemeinern undes etwa anf deutsche Verhältnisse zu übertragen. Dasvorausgeschickt, reprodnciren wir die Kritik, welche diePurcell 'lchc Biographie Maunings von streng fachwissen-schaftlichem Standpunkt aus im 1. .Heft 1897 des„Historischen Jahrbuches der Görresgesell-fchaft" S. 201 — 204 gefunden hat. (Einige Sätzedaraus wurden bereits in der „Postzeituug" Nr. 112mitgetheilt.) Es heißt daselbst:
Vorliegende Biographie wurde in maßgebenden Kreisenals ein epochemachendes Werk begrüßt, das über die ka-tholische Kirche Englands im allgemeinen und über diekirchliche Wirksamkeit des Cardinals Mauning mehr Lichtverbreitet habe, als irgend ein anderes Werk. Selbst diezahlreichen Angreifer in der „Dublin Review", in „Month"und „Tadlet" mußten das zugestehen und haben in ihrenAussetzungen meist nur Nebensächliches bemängelnkönnen. Nach einigen Kritikern, die in Purcells Buch unr-ein Zerrbild sehen können, sollte man meinen, Purcell habeimmer und überall die Schattenseiten seines Helden her- >
") „Inte vk Oarckinal Llnuninx, .4rc:1:b:slrop ok IVest- !Mivster." I-mickon, Llaennllrm. 1808. XIX, 702; IX, 882 S. :8b. 40. -
vorgchoben und den Briefen und Tagebüchern des Kar-dinals eine schiefe und falsche Deutung unterschoben, nmdenselben in den Augen seiner Leser herabzusetzen. Einsolches Urtheil befremdet umsomehr, als Purcell an ver-schiedenen Stellen seiner Bewunderung des Cardinals be-redten Ausdruck gibt. Richtig ist nur dies, daß Purcell in seinen: Bestreben, den Gegnern Mannings gerecht zuwerden, einige Ausdrücke desselben zu stark betont. DieUnzufriedenheit mancher katholischen Kritiker erklärt sichleicht. Sie hatten ein populäres Leben erwartet, eineSchilderung der großartigen Leistungen und der seltenenTugendendes Cardinals —ein Heiligen leben, indemnur die Lichtseite:: hervortreten sollten. Purcell hat diesenKritikern einen Stnch durch die Rechnung gemacht undein vollständiges Lebensbild des Cardinals gegeben, inden: die Mißerfolge sowohl als die Erfolge, dre Fehlersowohl als die Tugenden erwähnt sind. Neben dem über-natürlichen Element erscheint auch das rein natürliche,wir sehen, wie Mannina all die Schwierigkeiten nieder-kämpft, wie er sich allmählich läutert und vervollkommnet,in welchem Grabe das Uebcrnatürliche n; sein Lebenhineinragt und nachgerade bestimmenden Einfluß auf ihnübt. Hätte Purcell nur die erbaulichen Züge mitgcthccktund alle Thatsachen unterdrückt, die nur den berechnendenPolitiker zeigen, so hätte er die Bücherwelt mit einen:neuen Zerrbild bereichert und uns das Bild eines christ-lichen Helden vorenthalten, der anf steilen Pfaden sichmühsam emporarbeitete. Ende gut, alles gut. Der Ge-schichtschreiber verweilt nicht bei den Irrthümern undIrrwegen, sondern bei den: Licht, das erreicht worden, ist,und denkt mcht geringer von dem Helden, der die Schwierig-keiten überwindet, als von dem Sieger, der fast ohne Kampfden Sicgespreis erhält.
Cardinal Manning war eine große Persönlichkeit, einvon Gott erwähltes Rüstzeug, den: es vorbehalten war.die katholische Kirche Englands aus dem Zustand derJsolirung, in dem sie sich seit dem Falle des HausesStnart befand, herauszureißen, die Katholiken mit deinLeben, Denken und Fühlen der englischen Nation bekanntzu macken, gewisse Methoden, welche sich unter den SektenEnglands bewährt hatten, auch bei semcn Rcligionsgcnosseneinzubürgern. Manning war ein großes Organisations-talent, ein eifriger Philanthrop, ein tiefernster Geistesmann,der die, welche ihm nahestanden, zu einem höheren geist-lichen Leben anzuleiten suchte, aber ihn: fehlten das um-fassende Wissen, die Innerlichkeit und die GeistestieftNewmans. Manning zeigt weit größere Verwandtschaftmit Pnsen als mit Ncwman. Gle:ch Pnsen war er durch-aus praktisch, gleich Pnsen hatte er den direkten Vortheildes Anglikanismus nnd später des Katholizismus imAuge, gleich Pnscy suchte er in der anglikanischen Kirchezu bleiben; aber ungleich Pnsen überwand er seine An-hänglichkeit an den Anglikanismus und bekannte sich znnkatholischen Glauben. Manning war eine praktisch veranlagte Natur, ein Mann der That, der auch unter we:günstigeren Umständen kaun: ein Gelehrter oder Einsiedle'geworden wäre. Umfassende Gelehrsamkeit, Frische nnhOriginalität der Gedanken suchen wir bei Manning ver-gebens, dagegen bietet derselbe eine klare, verständigeDarlegung der Ideen, welche in den leitenden Kreisenherrschen. Die religiösen Schriften Maunings sind minder-werthig, dagegen sind die politischen Schriften sehr an-sprechend nnd lehrreich. Purcell hat gut daran gethan,daß er die literarische Wirksamkeit des Cardinals nurkurz behandelt und den Leser nicht durch Analysen vonSchriften, die wohl jetzt schon vergessen sind, ermüdet hat.Manche Schriften Mannings wurden in England und imAusland nur gelesen, ivcil sie den Namen des Vorkämpfersfür die Rechte des heil. Stuhles auf der Stirne trugen.Manning hat als Erzdiakon, als Priester, als Erzbischosund Cardinal viel gepredigt und die Predigten, die er alsProtestant herausgab, sorgfältig gefeilt, aber ein Rednervon Gottes Gnaden wie Newman war er durchaus nicht.Er verdankt gerade wie Pnsen den Einfluß, den seinePredigten übten, der Macht seiner Persönlichkeit, seinerimposanten Erscheinung, seinen: Feuereifer, dem Streben,allen alles zu werden. Blinde Bewunderer haben denCardinal als großen Theologen, Socialpolitikcr, Prediger.Asketen gefeiert, obgleich derselbe auf keinen: dieser Gebieteetwas Selbstständigcs geleistet nnd überall auf fremde»Schulter:: steht.
Was den: Cardinal an: meisten abging und ihn vor-