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Mich aufsicher KcuutnMe.
konnte. Alls den Orden find die größten Vertheidigerdes hl. Stuhles, die bedeutendsten Reformatoren undWiederhersteller von Kirchenzucht und Ordnung hervor-gegangen. Wenn einige Acste an diesem großen Baumeder Orden verdorrten oder nur Blätter und Blüthentrieben, so zeigten sich doch immer neue Neste, welche dieherrlichsten Früchte trugen. Manning erkannte dieseWahrheit und stichle das Sittenverderbniß in der Kircheaus das schlechte Beispiel der Orden zurückzuführen. Dieserhistorische Irrthum legte bei Manning den Grundzur Abneigung gegen die religiösen Orden, namentlich dender Jesuiten- Purcell hat das Verhältniß Manningszu den englischen Jesuiten eingehend behandelt und her-vorgehoben, daß der Cardinal sich in seiner Abneigunggegen den berühmten Orden keineswegs von kleinlichenMotiven, z. B. Neid, Eifersucht, Rachsucht, bestimmen ließ,daß er mit Jesuiten wie ?. Marris durch Bande derinnigsten Freundschaft verbunden war. Purcell hätte mehrbetonen müssen, daß die Feindschaft gegen die Jesuiten ingewissen gelehrten Kreisen sehr groß war, daß Manning,ohne es zu merken, sich von diesen Kreisen gegen die Jesu-iten einnehmen ließ. W. Kanonikus Tierney, zum TheilLingard und Lord Acton zählten zu diesen Gegnern.Manning betrachtete es als eine Hauptaufgabe seinesLebens, die Oblaten des hl. Karl in England einzuführenund für dieselben einen Wirkungskreis zu schaffen. Indem guten Glauben, daß die Congregationen ohne einigeGelübde berufen seien, die katholische Welt zu reformirenund geistig zu heben, leistete er denselben alten möglichenVorschub, während er die alten Orden wie die Benediktiner von London ferne zu halten oder wie die Jesuiten lahm-zulegen suchte. Auf Einzelheiten braucht hier nicht ein-gegangen zu werden. Der Geschichtschreiber vermagbeiden Parteien, dem Cardinal sowohl als den^esuiten, gerecht zu werden. Trotz seines Einflusses»nute Manning die englischen Katholiken nicht mit sichreißen und den Jesuiten entfremden, von denen man eineWiederbelebung und Hebung der Studien erwartete.Mannings Abneigung gegen den Oratorianer Newman,den späteren Cardinal, hatte einen ganz anderen Grund.Manning hatte seinen ehemaligen Meister und Führer imVerdacht, derselbe sei nicht streng orthodox und für eineeinflußreiche Stellung ungeeignet. Man kann es nur be-dauern, daß Cardinal Manning ein so vorschnelles Ur-theil fällte und sich durch die Thatsachen nicht einesBesseren belehren ließ. Die Schuld trifft indeß vorzüglichDr. Ward, der trotz seiner persönlicheil Liebenswürdigkeitrecht ungerecht werden konnte. Manning erkannte später,daß er Newman nicht verstanden, daß sein Verdacht un-begründet war, und suchte seine gegen Newman gerichtetenHandlungen in Vergessenheit zu bringen. Er konnte diesum so leichter, da er selbst zur Zeit, als sich beide großeMänner am schroffstell entgegenstanden, voll den Gefühlenpersönlicher Verehrung gegen Newman erfüllt war. Fürden vielbeschäftigten, hohe Ziele anstrebenden CardinalManning war ein Entgegenkommen viel leichter, als fürden feinfühligen Cardinal Newman , der die ihm zuge-fügten Kränkungen, welche Manning leicht hätte ver-hindern können, tief fühlte. Bei dem großen Gegensatzder Charaktere hätten Conflikte mit Newman kaum ver-mieden werden können, auch wenn Manning sich größereZurückhaltung auferlegt hätte.
Manning und Newman hatten eine grundverschiedeneAuffassung von den Pflichten der Freundschaft. Erstererglaubte sich berechtigt, die falschen Grundsätze einesFreundes mit Heftigkeit und einer gewissen Bitterkeit zubekämpfen, letzterer vermied ängstlich alle persönlichen
Behaiwtung
daß Manning späterhin zu behaupten wagte, daß seineinnige Freundschaft und Zuneigung für Gladstone während
nisse zu denken oder frühere Stimmungen sich ins Ge-dächtniß zurückzurufen: sie übertragen darum die Gefühle,
die sie augenblicklich beseelen, auf die Vergangenheit-Manche Aeußerungen des Cardinals, die katholischen undprotestantischen Lesern Anstoß gegeben, erklären sich ganzvon selbst. Der Cardinal urtheilte über Personen undVerhältnisse, über die Mittel zum Ziele nicht immer inderselben Weise, drang gleich anderen Sterblichen nichtsofort zur vollen Klarheit vor. Wer wollte ihm kleineInkonsequenzen und Widersprüche zum Vorwurf machenoder ihn gar der Unaufrichtigkeit zeihen, weil er in Briefen,die aus derselben Zeit datiren, die Gründe für und gegendie Apostoüzität der anglikanischen Kirche entwickelt.
Auf die großen Resultate der Wirksamkeit des Car-dinals einzugehen, ist hier nicht der Ort, einige seinerMißerfolge und dre Ursachen derselben müssen jedoch kurzerwähnt werden. Manning war ein geborener Herrscher,der sich und seinen Ansichten schon frühe Geltung ver-schaffte und Widerspruch nicht duldete. Seine Erfolgeals Organisator und Führer großer Bewegungen erhöhtennaturgemäß sein Selbstbewußtsein. Gleich so vielen Kraft-naturen anerkannte Manning die Berechtigung einesWiderstandes gegen seine Pläne nicht und traute sichFähigkeiten zu, die er nicht besaß. Ohne Verletzung derPietät gegen den großen Todten kann man behaupten,daß dem Cardinal die für Förderung und Hebung derhöheren Studien nöthigen Eigenschaften fehlten, die tiefereEinsicht in die Aufgabe der katholischen Wissenschaft unddie für die Pflege der Wissenschaft nöthige Geduld. DerPlan, eine katholische Universität in London zu gründen,schlug fehl, einmal weil Manning zu eigenmächtig ver-fuhr. dann weil er in der Ernennung Capels zum Präsi.denten die möglichst schlechte Wahl traf, endlich weil dirElemente abgestoßen wurden, die sich am ehesten als lebens-kräftig erwiesen hätten. Purcell hat die Artikel Mipartsnicht zn Rathe gezogen, die manches interessante Detailbieten. Die englischen Katholiken trugen sich schon bald,nachdem die religiösen Beschränkungen aufgehoben wurden,welche Nicht-Anglikaner von der Universität ausschlössen,mit dem Gedanken, ein Kollege in Oxford zu gründen,und zwar unter der Leitung Newmans. Mannmg thatalles, was in seinen Kräften stand, um die Errichtungdieses Kollegs zu hintertreiben und entfremdete sich da-durch manche Mitglieder der Aristokratie. Man kann esnur bedauern, daß der Cardinal sich den weisen Rath-schlägen von katholischen Freunden weniger zugänglichzeigte und zu sehr auf sein eigenes Urtheil vertraute,denn er hätte in diesem Falle noch weit größeres leistenkönnen.
Trotz seiner strengen Rechtgläubigkeit ging Manning
in seinen Zugeständnissen an die Anglikaner und dieübrigen englischen Sekten weiter als Newman und andere.Durch Anerkennung des christlichen Elementes in denSekten wollte er den religiösen Frieden anbahnen undalle zum gemeinsamen Kämpfe gegen den Materialismusund Unglauben begeistern. Diese milde VersöhnlichkeiterwarbkManning manche Freunde unter den Dffsenters.Etwas größeres Wohlwollen gegen die englischen Katho-liken, die nicht in allem wie der Cardinal dachten, hätteden Frieden und die Eintracht unter den Katholiken nurerhöhen können.
Purcells Buch ist eine Biographie im großen Stil —eine reiche Fundgrube für den Forscher, einer der werth-vollsten Beiträge zur Kirchengeschichte des 19. Jahrhunderts.Der 2. Band des Werkes gewährt hochinteressante Auf-schlüsse über Vorgänge auf dem vatikanischen Concil undzeigt uns, wie Manning in seinem Bemühen, die Definitionder Jnfallibilität des päpstlichen Lehramtes durchzusetzen,nicht zuletzt auch durch den englischen Gesandten beimpäpstlichen Stuhl Sir Odo Russell , später als LordAmpchill Botschafter in Berlin , unterstützt wurde. Nachden: Tode Cardinal Antonelli's wünschte Manning dieErnennung eines großen Cardinalstaatssekretärs. DerGang der päpstlichen Politik in den letzten Jahren Pius' IX. entsprach nicht immer seinen Auffassungen. Ueber dasConclave des Jahres 1878, aus welchem Leo XIII. her-vorging. bringt Purcells Buch werthvolle Mittheilungen.Unter dem neuen Papste trat der früher überragende Ein-fluß Mannings in Bezug auf die englische Politik des päpst-lichen Stuhles mehr zurück. Die Auffassung der übrigenenglischen Bischöfe kam stärker zur Geltung. Die Ver-hältnisse brachten es mit sich. daß der hochbetagte Car-dinal unter Leo XIII . weit seltener als in früheren Jahrendie Fahrt all limiua «postolormn antrat. Ein popu-