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Stilla von Abeuberg.
Herr I. N. Seefried hat meinen Untersuchungen überStilla von Abenberg seine Aufmerksamkeit zugewendetund des Resultat seiner Kritik in die Worte zusammen-gefaßt: „Der Versuch, den Hirschmann «'.achte, seinemGegenstände nicht blos ein negatives, sondern auchein positives Remltat abzugewinnen, muß ebenfalls alsmißlungen bezeichnet werden".
Dagegen gestatte ich mir die Frage: Welche Quellen-belege hat denn Scefriedder abcnbcrgischen Ge'
Gar keine, wie er sel! , .
hält sich nur an die „übereinstimmende Ueberlieferung,Legende und Sage", läßt aber völlig außer Acht, daß diecrsie sichere Nachricht über Stilla aus dem Jahre 1180über deren Genealogie vollständig schweigt. Solange da-her nicht weiteres urkundliches Material zu Tage ge-fördert ivird, erachte ich die Abstammung Stilla's ausdenr Grafenacschlechte von Abenberg für historisch uu-erwiesen. Wenn Seefried von liebgewonnenen Anschau-ungen nicht abgehen will und subjektives Meinen höhersetzt, als objektive Darlegung, so sollen seine Kreise durch-aus nicht gestört werden.
Auch dre positiven Resultate meiner Untersuchungsind nach Seefried als mißlungen zu bezeichnen. WelcheGründe hat denn der Kritiker aufgeführt, um zu erweisen,daß der Lokalheiligcn von Abenberg der Name Stillanicht zukomme? daß der Grabstein in der Peterskirchezu Abenbera nicht dem 12. Jahrhunderte angehöre? daßStilla in Abenberg begütert gewesen? daß sie hohem Ge-schlechte entsprossen sei?
Mit keiner Feile hat Seefried auch nur den Versuchewagt, meine Darlegungen und Antworten auf diese
Prozedur heißt der Rest — Schweigen.
Ueber den Werth oder Unwerth der ZollernhypotheseSeefrieds habe ich keine Veranlassung, mich hier näherauszulasten, sondern verweise auf Fr. Stein, GeschichteFrankens (Schweinfurt 1885) I, 232, 272, II, 345 u. 444.
Schönfeld. Ad. Hirschmann.
Wir glauben die selige Stilla hiemit ruhen lassenund die Debatte schließen zu dürfen. Ä. Red.
Recensionen nnd Notizen.
Ull. Der Literarische Handweiser hat endlichmit der Ausgabe der Nr. 662 vom 8. Mai 1897 den35. Jahrgang 1896 geschlossen. Derselbe krankte schonseit mehreren Jahren an der Unregelmäßigkeit des Er-scheinens, so daß im neuen Kalenderjahre die ersten drei,vier Monate noch dem alten Jahrgange zugetheilt werdenmußten. Diese Verschleppung, welche auf vielfache Er-krankung des verdienstvollen Herausgebers Dr. Fr. Hüls-kamp zurückgeführt wird, war natürlich für die Abon-nenten nicht angenehm. Um nun diesen Mißverhältnisseneine Ende zu machen, hat sich Hülskamp entschlossen. Um-fang und Preis für den 36. Jahrgang, aber nur fürdiesen, dahin abzuändern, daß statt der bisherigen 24 nur18 Nummern arrsgegeben werden, und daß der Preis von4 Mark auf 3 Mark herabgesetzt wird. Ob dieser Aus-weg seinen Zweck erreichen wird, wollen wir nicht unter-suchen. Aber soviel ist gewiß, daß der Literarische Hand-weiser an Ansehen nicht gewinnen wird. In früherenJahren war derselbe sehr gut redigirt und bot frisch ge-schriebene Recensionen. Aber in den letzten Jahren kehrenhauptsächlich zwei Mitarbeiter wieder, welche gewisseWissenszweige in kritische Erbpacht genommen zu habenscheinen: Bernard Dcppe für Ascese. Homiletik, auch viel-fach für Dogmatik, und Alfons Bellesheim in Stachen fürKirchengeschichte nnd Kirchenrecht. Der letztere Namebegegnet dem Literaturfreunde auch sonst noch sehrhäufig im „Katholik",in den „Historisch-politischen Blättern"und anderswo. Schon gar oft hat sich gewiß mancherLeser gedacht und gefragt: Wie mag es doch Äellesheimanstellen, alle diese Recensionsexemplare, deren Umfangmanchesmal sehr bedeutend ist. durchzuarbeiten und Aus- jzüge zu liefern? Daß die Kritik bei dieser Vielgeschäftig- '
keit nicht tief gehen kann, liegt auf flacher zoand. Re-censionen aber, welche bloß auf Vorwort und Registerallenfalls Bezug nehmen, dienen nur zur Täuschung undIrreführung. Hülskamp sagt zwar, daß dem LiterarischenHandweiser „mehr als 100 der geachtetsten Mitarbeiteraus allen deutschen Gauen" zur Seite stehen, allein dieseUnterstützung scheint mehr aus platonischem Wohlwollen,als auf realer Basis zu berathen. Soll daher derLiterarische Handweifer seine frühere Bedeutung wiede"erlangen, dann ist eine Blutanffrischung unbedingt neu.,wendig.
Deklamationsbuch. Eine Sammlung von Gedichtenernsten und heitern Inhalts für Gesellen- und andereVereine, herausgegeben von Joh. P. Profittlich,kgl. Seminar-Oberlehrer, 4. Auflage. Preis gebd.in Leinw. M. 1. Pattlinus-Druckerei, Trier.
Dieses handliche Büchlein enthält eine Anzahl rechtpassender nnd zum Vortrug geeigneter Gedichte ernstenund launigen Inhalts, unter denen auch verschiedeneMundarten vertreten sind. Die vierte Auslage ist nochdurch einen Anhang vaterländischer Gedichtevermehrt worden. Beionders den katholischen Gcsellcn-vereinen und deren Mitgliedern können wir das wohl-feile Werkchen auf's Wärmste empfehlen, und bemerkenwir noch, daß dasselbe dem Herrn Generalpräses Schäffervom Verfasser gewidmet ist und dieser einige wohlwollendeWorte als Empfehlung zugefügt hat.
Die Eroberung der 5. Curie war neben derWahrung des Besitzstandes das Hauptbestreben aller Par-teien des österreichischen Reichsrathes anläßlich der ebenvollzogenen Wahlen. Inwiefern dies denselben gelungen,zeigt uns klar und deutlich „G. Freytag's Reichs-rathswahlkarte aller 6 Curien von Oester-reich 1897", die eben, pünktlich wie immer, bei G. Frcy-tag und Berndt, Wien VII/I, Schottenfeldgaste 64, er-schienen ist, diesmal noch durch eine interessante Tafeldes bekannten Statistikers Pros. A. L. Hickmann: „Derösterreichische Reichsrath, seine Parteien und Wahtver-hältnisse", bereichert. In diesem, ihrem neuesten, sorg-fältig und sauber gearbeiteten Verlagswerke bietet dredurch ihre Musterleistungen auf kartographischen: Gebieterühmlichst bekannte Verlagshandlung u. A.: SämmtlicheWahlkreise aller 5 Curien, colorirt nach der Gesinnungund bedruckt mit den Namen ihrer Vertreter. Ein ge-naues Verzeichnis) der Abgeordneten mit, Angabe derPartei-Angehörigkeit. Grnppirung des österr. Reichs-rathes nach politischen und nationaler» Parteien von1873—1897. Die Verthciluna der Abgeordneten-Man-date auf die einzelnen Kronlander. Einen Vergleich derdirecten und indirekten Steuerleistung der eirrzelnenKronländer im Ganzen, sowie deßgleichen auf der: Kopfder Bevölkerung. Diese Menge rnteressanter und fürjeden Wähler und Zeitnngsleser sehr wichtigen Dar-stellungen, deutlich, leicht verständlich für Jedermann, istauf G. Freytag's Reichsrathswahlkarte aller 5 Curienvon Oesterreich 1897 enthalten! Mehr kann man wohlfür 1 fl. ö. W. — soviel kostet die Karte — nicht ver-langen! Wir empfehlen jedem, sich für das politischeLeben der Gegenwart interessirenden Leser die Anschaff-ung der ausgezeichneten Karte.
Erklärung. In der literarischen Anzeige von, Hage-manns Leitfaden der Psychologie in Beil. Nr. 29 ist eureBemerkung über den vereinigten Professor Dr. Stöckl ent-halten, welche zu unserm lebhaften Bedauern im Drängeder Geschäfte dem Rothstift entgangen ist. Mag manüber die wissenschaftliche Richtung Stöckls urtheilen wieimmer, so ist doch in hohem Grade anzuerkennen, daßder Verewigte sein ganzes Leben in strenger Arbeit demUnterrichte der Jugend, der Restaurirung der christlichenPhilosophie im Geiste des Aguinaten, dem Kampfe gegendie antichristlichen modernen Ideen gewidmet hat. Wirkönnen daher nur unser aufrichtiges Bedauern anssprechen,daß jene persönlich gefärbte Bemerkung zum Abdrrrck ge-langt ist. D. Red.!