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tholisches Volksleben zum Hintergrund hat, sonst ist dasBild nicht wahr und nicht vollständig.
Das Gesagte läßt erkennen, an welchen Leserkreisder Verfasser hauptsächlich sich wendet. Wer aus freierWahl oder unter dem Drucke der Verhältnisse sich vielauf dem Parquet zu bewegen hat, und namentlich wemdie Erziehung oder Leitung solcher Persönlichkeiten an-vertraut ist, soll das Buch nicht ungelesen lassen, soll esstudiren. Für solche scheint es in erster Linie geschriebenzu sein. Doch kein Gebildeter, in welcher Stellung erauch lebt, wird das Werk ohne großen Nutzen lesen, sei'sauch nur, um am Schlüsse mit dem Verfasser sich einszu wissen in dem schönen Bekenntnisse: „Ueber das Liebcs-werk, das im Almosengeben besteht, stelle ich dasjenige,das die menschlichen Schwächen zu begreifen und zu hebensucht" (xag. XV). Irr.
Hie Christus! Hie Buddha!
Religionsgeschichtliche Studie.
6. 8. In verschiedenen Zeitungen und Zeitschriftenist vor einiger Zeit mehrfach kurz darauf hingewiesenworden, wie der Buddhacult im christlichen Europa immerwettere Kreise zu ziehen beginne, und wie man schonnicht mehr zurückscheue, öffentlich zur NachahmungBuddha's aufzufordern. Es sind bereits nicht mehrvereinzelte Stimmen, welche dem wahren Licht der Weltdas Irrlicht des Buddhismus anpreisend gegenüberstellen.Ja, es sind bereits auch in Deutschland Stimmen lautgeworden, welche den Buddhismus als die wahre Reli-gion der Zukunft anpreisen und als „gelehrter Forsch-ungen" Resultate verkünden, daß die christliche Religionnur eine, nicht einmal sonderlich gelungene, Copie des„herrlichen Originals" des Buddhismus sei. Zum Be-weis für ihre Behauptung werden gewisse Einrichtungen,Gebräuche, Regeln und Vorschriften angeführt, welche demBuddhismus wie dem Christenthum gleicherweise eigen-thümlich seien. Es ist aber doch einleuchtend, daß manvon einer engen Verwandtschaft zweier Religionen nichtreden kann wegen einiger äußerlicher Aehnlichkeiten, diein letzter Linie schließlich allen Religionen gemein sind,da sie ihren tiefsten Grund in der „von Natur auschristlichen" Menschenseele haben. Nimmt man aber ebendie wesentlichen Forderungen der einzelnen Religionen,speciell des Christenthums und des Buddhismus » zurForschung näher her, so tritt deutlich der himmelweiteUnterschieb zwischen beiden hervor. Eine nur kurze Ver-glelchung beider Religionen hinsichtlich ihrer Geschichte,ihrer Glaubens- und Sittenlehre und ihrer sittlichen Er-götze wird darthun, wie Christus in seiner hl. Religionist das wahre Licht der Welt, während dagegen Buddha'sWerk kaum mehr den Namen einer Religion verdient.
Werfen Nstr zuerst einen vergleichenden Blick aufdie Geschichte Buddha's und Christi, sowie ihrerReligionen.
Ueber Buddha's Leben haben wir so dürftige Nach-richte», daß schon die Behauptung aufgestellt wurde,Buddha habe überhaupt gar nie existirt. Schon darausläßt sich ermessen, daß wohl viele Züge aus seinemLeben» so wie sie von buddhistischen Schriftstellern unsüberliefert werden, in's Reich der Fabel zu verweisenand als nachträgliche Ergänzungen nach dem Leben Christiaszssehen sind. Buddha, so berichten uns die Schrift-steLer, dessen ursprünglicher Name Siddharta war, stammteM> dem Geschlechte Sakya und ward geboren in derSvbt KapilavM. Seine. Geburt, heißt es, sei durch
wunderbare Ereignisse angekündigt worden. Seine Muttersei eine unversehrte Jungfrau mit Namen Maja ausköniglichem Geschlechte gewesen. Am achten Tage nachseiner Geburt sei dem Knäblein der Name Siddhartagegeben worden. Der Knabe habe schon im zarten Alterseine Lehrer weit an Weisheit übertreffen. Gar vielewunderbare Züge aus Buddha's Kindheit werden unsüberliefert, ähnlich denen, welche wir in den sogenanntenapokryphen Evangelien über den Jesusknaben finden. Inseinem 29. Lebensjahre, so heißt es in seinen Lebens-beschreibungen weiter, floh Siddharta in die Wüste, wo-selbst er siegreich verschiedene Versuchungen überwand.Sechs Jahre hernach nahm er die Würde und denNamen Buddha an, sammelte Schüler um sich, verkündeteöffentlich seine Lehre und bekräftigte sie durch vieleWunder. Er starb mit großem Gleichmuth, beseelt vonder frohen Zuversicht, daß seine Lehre alle Hindernisseüberwinden werde. Als sein Todesjahr wird von deneinen das'Jahr 543, von andern 477 genannt.
In dieser Schilderung von Buddha's Leben findenwir manche Züge, die eine gewisse Nehnlichkrit mit Er-eignissen aus dem Leben Jesu ausweisen, wie z. B. dieVorbereitung auf die öffentliche Thätigkeit in der Wüste,die siegreiche Ueberwindung der Versuchungen u. And.Allein diese Aehnlichkeiten lassen sich leicht aus den allenorientalischen Völkern gemeinschaftlichen Anschauungen undGebräuchen erklären und sind zudem, wie oben schonhervorgehoben, rein äußerliche. Mögen zwischen Christiund Buddha's Lebensbeschreibung auch noch so vieleAehnlichkeiten bestehen, ein gewaltiger unausgleichbarerUnterschied zwischen beiden Relkgionsstiftern besteht undwird bestehen für alle Zeiten: Buddha, wenngleich alsein Held in der Tugend von seinen Anhängern gepriesen,erhält von ihnen in seinem Leben niemals den Namen,den Christus von den Seinen in Wahrheit bekommt, denNamen Gott. Das ist eine unüberbrückbare Kluft zwischenbeider Leben.
Was die Geschichte beider Religionen anbelangt, soläßt sich unschwer die Unrichtigkeit der Behauptung er-weisen, das Christenthum habe seine erhabenen Anschau-ungen und Lehren dem Buddhismus entnommen. Ist esja doch erwiesen, daß der Buddhismus niemals dieGrenzen des römischen Weltreiches überschritten, inner-halb deren das Christenthum seinen Anfang und seineerste Ausdehnung nahm. In Wirklichkeit stellen auch alleGelehrten, welche sich mit dem Studium orientalischerSitten und Gebräuche besassen, einen Einfluß desBuddhismus auf das Christenthum ganz entschieden inAbrede.
Ebenso sehr wie in ihrer Geschichte weichen auchbeide Religionen in ihrer Lehre von einander ab. Be-ginnen wir bei dieser Darstellung mit der Glaubenslehre.Was lehren hier die beiden Religionen über die wichtigstenFragen, nämlich über Gott, über die Seele und über dasZiel des Menschen? Der Fundamcntalsatz unserer christ-lichen Glaubenslehre lautet für uns Christen: Der Menschist von Gott dazu geschaffen, daß er ihm diene und da-durch die ewige Seligkeit erlange. Was lehrt nun indieser Beziehung das „Licht Asiens"? Buddha hat vorallem gar keine klaren und bestimmten Anschauungen überdie Existenz Gottes. Das ist die Ansicht aller Buddha-Forscher. So sagt Max Müller: „Es ist nicht zu leug-nen, daß Buddha keine Kenntniß von Gott gehabt habe."Diese Uukeuutniß Buddha's und seiner Lehre über GottesDasein rührt wahrscheinlich daher, daß Buddha gar nie