Ausgabe 
(5.6.1897) 32
 
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Der Kimneliten - Orden in den bayerischenStammlanden.

(Schluß.)

VI.

Den ersten Gedanken, auch den weiblichen Ordens-zweig vom Berge Carmel in Bayern einzuführen, faßtedie Churfürstin Maria Anna, Gemahlin des Chur-fürsten Maximilian I . Es waren deßhalb bereitsim Jahre 1657 Unterhandlungen mit dem Fürst-bischöfe Albrecht Sigismund und dem Proviuziale derCarmeliten in Gang, doch zerschlug sich die Sache. IhrSohn, Herzog Maximilian, welcher mit Mauritia Phcbronia,einer geb. Herzogin von Bouillon und Auvergne , vermähltwar, griff den Plan neuerdings auf. Diese Herzoginhätte zwei Schwestern, welche in Paris im Karmclitenordenlebten und war selbst Mitglied des drittes Ordens, somitdem Carmel von Herzen zugethan. Das herzogliche Paarbestimmte seine Villa Laufzorn bei München zu einersolchen Niederlassung, wurde aber an der Verwirklichung.seiner Lieblingsidee durch den Tod verhindert. (HerzogMaximilian -j- 20. März 1705, Mauritia Phebronia2. Juni 1706.) In ihrem Testamente hatten sie noch60,000 fl., liegend auf der Herrschaft Angelberg inSchwaben , hiefiir bestimmt. Mittlerweile war auch einerin München lebenden einfachen Jungfrau, Namens AnnaMaria Lindmaier, welche sich des größten Ansehens beiHoch und Nieder erfreute, der Wunsch gekommen, einKarmelitcnkloster ins Leben zu rufen; zu diesem Zweckehatte sie bereits 1710 das gräflich Arco'sche Hans nebendem Altomünster-Hans erworben, so daß das Projektnunmehr greifbarere Gestalt gewann. Indeß fehlte esnicht an Gegnern, und reichte der Münchner Stadtratham 4. Dezeinber 1710 bei Kaiser Joseph I. (es wardie Zeit, wo München unter österreichischer Occnpationsich befand) eine langgedchnte Vorstellung ein. Der ver-wittweten Kaiserin Eleonora war es zu danken, daß dieVorstellung wirkungslos blieb und der kaiserliche Ad-ministrator, Graf Carl von Löwenstein, den Auftrag er-hielt, sich nicht nur der Karmelitinnen anzunehmen, son-dern auch den Stiftungsfonds des Herzogs Max Philippauszufolgen, was mit Urkunde vom 1. August 1711geschah. Am 16. September 1711 langten die 4 erstenOrdensschwestern aus Prag in München an und wurdenin feierlicher Weise empfangen. Niemand war mehrdarüber erfreut, als Anna Maria Lindmaier, welche ihreBemühungen mit fast wunderbarem Erfolge gekrönt sah.Nachdem sie noch alle ihre zeitlichen Geschäfte in Ordnunggebracht, trat sie selbst ani 22. Mai 1712 in das neuerstandene provisorische Kloster und widmete demselbenauch fernerhin ihre Dienste.

Nachdem Churfürst Maximilian Emannel von Luxem-burg aus am 12. August 1711 die Bewilligung zumBaue eines neuen Gebäudes gegeben und. am 27. Augustauch der Consens des Fürstbischofes von Freising einge-troffen war, fand am 23. Oktober die Grundsteinlegungin Stellvertretung des Fürstbischofes durch den AbtPlazidns von Ettal statt. Den Grundstein selbst legtedie Gräfin von Löwcnstcin. Das ganze Kloster bauteder Karmelit k. Domiuicus a St. Euphrosyna. Um dieBaukosten zu bestrciteu, wurde mit Erlaubniß des KaisersKarl VI. im Jahre 1712 alles Tafel- und Silbergcräthaus dem Nachlasse der Herzogin Mauritia Phebronia zuGeld gemacht. Am 8. Oktober 1714 konnten die Kar-melitinnen den Neubau beziehen. Zwei Tage vor der

Grundsteinlegung zniu Klosterbane war die Grundstein-legung zur Kirche erfolgt, welche nach den PlänenViscardi's gebaut werden sollte. Dieselbe kam aus eigen-thümliche Weise zu Stande: die drei bayerischen Ständehatten 1704 gelobt, wenn Gott der Bedrängniß, in welchersich damals München und das bayerische Land in Folgeder österreichischen Occupation befand, abhelfen würde,eine Kirche zu Ehren der heiligsten Dreifaltigkeit zubauen: Gott fügte es, daß dieselbe neben dem Kloster-gebäude zu stehen kam und gleichsam einen würdigenSchlußstein des ganzen Unternehmens bildete. Sie sollteauch die Stiftung selbst überdauern. Im Jahre 1802mußten die Nonnen ihr Kloster räumen, das sofort inein churfürstliches Pfand- und Leihhaus umgewandeltwurde. Ja nicht einmal die in der Gruft liegendenzweinndvierzig Leichen der verstorbenen Nonnen durftenverbleiben: mit barbarischer Nohheit wurden dieselbenNachts auf den allgemeindn Friedhof verbracht und ver-graben. Niemand weiß wohin. Auch der Leichnamder um die Einführung der Carmelitinnen in Bayern sohochverdienten Anna Maria Lindmaier (f- 6. Dez. 1726),welcher mit Wnnderzeichen leuchtete, fand in den Augender Klosterstürmer keine Gnade. -

'Als Stiftsdccan Darchinger am 20. Januar 1803in der Klostergruft sich einfand, um gegen die Pro-fanirung derselben zu Protestiren, fand er sie schon theil-weise geleert und das bischöfliche Amtssiegel, welches imJahre 1784 im Auftrage des Fürstbischofes JohannTheodor sein Vorgänger Stiftsdechant Ottinger am Grabeder Seligen angelegt, weggerissen. Das Einzige, ivaser noch retten konnte, war das ebenfalls mit dem fürst-bischöflichen Siegel versehene Gefäß mit Blut von derVerlebten, welches die Oberin bei ihrem Abzüge nachNeubnrg an der Donau mit sich nahm.

Während ein Theil des zu einem Leihhause herab-gewürdigten Klostergebäudes in der Rochnsstraße unver-ändert bis jetzt erhalten blieb, wurde der Hanptstock inder Pfandhausstraße Nr. 7, obwohl im besten baulichenZustande, auf Betreiben des bekannten BürgermeistersErhardt 1877 gänzlich niedergerissen, an seiner Stelleein großes dreistöckiges Miethgebäude ausgeführt, inwelchem gegenwärtig eine Weinrestanration sowie einVerkaufsladen für Lnxusgegenstände (Knnstgcwerbc-Ans-stellung) untergebracht sind.

Als Centralkloster für die Karmelitinnen von München und Nenburg an der Donau wurde das ebenfalls auf-gehobene Cistercienserklofter Pielenhofen , 3 Stunden vonRegcnsburg, bestimmt. Dort nimmt eine gemeinschaft-liche Grabstätte nun jene auf, welche rohe Gewalt ausihrem Heim vertrieben. Zwei Marmorplatten erhaltender Nachwelt die Namen der 29 Opfer des damalige»Cultnrkampfes.

VII.

Pfalzgraf Wolfgang Philipp von Neubnrg war imJahre 1613 zur katholischen Religion übergetreten undhatte sich mit der Schwester Maximilians I. von Bayern vermählt. Von gleichem Glaubenseifer wie dieser beseelt,trachtete er in seinen Landen die katholische Religionwieder in Aufnahme zu bringen und berief zu diesemZwecke Jesuiten nach Nenburg und Düsseldorf . Außer-dem fanden auch andere Ordensgenossenschaften an ihmeinen großen Gönner, darunter die Karmelitinnen vonAntwerpen, denen er in Düsseldorf 1643 zu einer Nieder-lassung verhalf. Sein Sohn und Nachfolger PhilippWilhelm , welcher 1653 1685 in Nenburg residi'rte,