Ausgabe 
(5.6.1897) 32
 
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in welch letzterem Jahre er den pfälzischen Chnrstuhl be-stieg, wandelte in denselben Bahnen wie sein Vater; ererrichtete in Neubnrg den Franziskanern ein Kloster undließ von Düsseldorf Karinelitinnen in eben diese Stadtkommen (1661). Es kamen ihrer 6 Schwestern, sämmt-liche, die Priorin mit inbegriffsn, vornehmer englischerAbstammung. Da nämlich König Heinrich VIII. vonEngland die Kloster in seinem Lande sämmtlich aufge-hoben hatte, so waren Jene, die den Ordensberuf in sichfühlten, genöthiget, außer Landes zu gehen. So kam es,daß die Karmelitinnenklöster in Düsseldorf und Neubnrgvon Antwerpen aus deren viele auszuweisen hatten.

Die erste Priorin des neugegründeten Klosters, M.Magdalena, vom hl. Joseph zubenannt, aus dem ur-alten Adelsgeschlechte der Bedingfelds, war zuerst 11 JahreSubpriorin im Düsseldorfer Convent. ehe sie nach Neubnrgberufen wurde, eine Frau von heiligmäßigem Wandel;sie scheint auch mit prophetischem Geiste begabt gewesenzu sein, da sie dem Fürsten Philipp Wilhelm wiederholtans Herz legte, auf sein achtes Kind, den kleinen PrinzenAlexander Sigismund (geb. 1663), sorgfältig zu achten,mit der Versicherung, daß derselbe einst'Bischof vonAugsburg , sonnt ihr geistlicher Oberer werde, was auch!n der Folge eintraf. M. Magdalena starb, 64 Jahrealt, den 16. März 1684 im 48. Jahre ihrer Profeß.Die Subpriorin Anastasia von Jesu, eine geborene Gräfinvon Weckmann, starb am 10. Dez. 1669 im 35. Jahreihres Alters und im 19. der Profeß. Beide hatten ihreGelübde im Kloster in Antwerpen abgelegt. Luzia vomhl. Jgnatius aus dem adeligen Geschlechte der Splintervon Gent in Brabant, starb im 56. Jahre ihres Alters,im 36. ihrer Profeß, den 26. November 1691.

Diese drei vorzüglich waren es, die durch den Geruchder Heiligkeit den Ruf des Klosters auf lange Zeithinaus begründeten und heute noch bei den EinwohnernNeubürgs nicht vergessen sind. Bei der Säcularisationam Ansauge dieses Jahrhunderts wurde das schöne undgroße Kloster gleich sovielen anderen Stätten der Gott-seligkeit aufgehoben, die Klostergruft wurde geräumt, diedrei Leichen der soeben Genannten, welche man unversehrtfand, nebst denen ihrer Mitschwestern in den allgemeinenFriedhof St. Georg überbrückst, die Gebäulichkeitenabgebrochen und der gewonnene Platz zu Neubautenverkauft.

Anfangs hatte es noch den Anschein, als ob dasKloster erhalten bleiben sollte, da man auch die Karme-litinnen von München in demselben untergebracht; aberbereits am 23. August 1804 wurde den Schwestern er-öffnet, daß sie stimmlich nach Pielenhofen überzusiedelnhätten, womit das Todesnrtheil über Kloster Neubnrggefällt war.

VIII.

Hatten die beiden Fürsten von Pfalz -Neubnrg sichdurch Gründung zweier Karmelitinnenklöster verdient ge-macht, so erwarb sich eine andere Linie des wittelsbach-ischen Stammes nicht weniger Verdienste um diesen ehr-würdigen Orden. Im herzoglichen Schlosse zu Sulzbachresidirte (1632 1708) Pfalzgraf Christian Anglist, welcherim Jahre 1656 zur katholischen Kirche zurückgekehrt war.Zwei Gräfinnen Snlzbachs hatten einst die mächtigstenThrone der Welt bestiegen: Bertha, auch Irene genannt,wurde Kaiserin in Konstantinopcl (1145), während ihreSchwester Gertrud als Gemahlin Kaiser Konrads imAbendlande herrschte. Der erlauchten Tochter des Pfalz-grafen Christian Namens^tmalia schwebte ein höheres

Ziel als ein irdischer Kaiserthron vor Augen: 1683 tratsie zu Köln a. Rh. in das dortige Kloster zu Maria Lorctound brachte sich somit selbst dem Herrn znm Opfer.

Ihr Bruder Theodor Enstach, welcher seinem Vaterin der Regierung folgte, war mit Maria Eleonora , einerLandgräfin von Hessen -Rheinfcls vermählt. Nenn Kinder(vier Prinzen und fünf Prinzessinnen) beglückten dieseEhe. Noch lebt im Volksmnude die Sage vonEleonora'sTraume" fort: Kurz vor ihrem plötzlich erfolgten Hin-scheiden soll sie eine Vision gehabt und freudig staunendein- über das anderemal ausgerufen haben:Ich seheden Stamm der Pfalzgrafen , und unter demselben einenherrlich glänzen vor allen übrigen höher denn alle!"

Von ihren Töchtern trat die älteste, Amalia Angnste,bewogen und angeeifert durch das Beispiel ihrer erlauchtenTante, 1714 zu Köln in das Karmelitinnenklostcr, inwelchem sie unter dem Namen M. Eleonora Theresia aS. Cruce als Subpriorin am 18. Jänner 1762 seligverschied. Ihre Schwester Franziska Christina nahm 1733im Karmclitiimenklostcr zu Düsseldorf den Schleier undstarb, nachdem sie als Priorin wiederholt dasselbe ge-leitet, 1776. Gerne wäre auch die dritte TochterEleonora's, Ernestine, in zarter Jugend dem Beispieleibrer beiden Schwestern gefolgt, aber. ihrem edlen Vor-haben stellten sich Hindernisse über Hindernisse, in denWeg. In kindlichem Gehorsame zu ihren Eltern reichtesie dem Grafen Wilhelm dem Jüngeren zu Hessen -Rhcinsels die Hand znm ehelichen Bunde. Die Eheblieb kinderlos, und als ihr Gemahl am 25. März 1731starb, erwachte in ihr von Neuem die Sehnsucht nach dci»Ordenslebcn.

Nachdem sie vergeblich zuerst in Köln , dann inNeubnrg an der Donau um Aufnahme in den Karmclttcn-Orden nachgesucht, wurde ihren inständigen Bitten anletzterem Orte nachgegeben und dieselbe am 31. Oktober,am Feste des heiligen Wolfgang, 1747 eingekleidet. Umden damaligen Churfürsten von der Pfalz, Karl Theodor,zu ehren, wurde der hohen Caudidatin der Name MariaTheodor« beigelegt. AlsSchwester Theodor«" beganndieselbe nun mit einem Eifer und Ernste ihre neue Lauf-bahn, daß ihr Name bald von Allen nur mit Hochachtungund Ehrfurcht ausgesprochen wurde. Nach zehn Jahrengelegentlich einer Oberin-Wahl fiel dieselbe auf sie, unddas Ncnbnrger Kloster hatte dies nicht zu bereuen. Wiesie den Schwestern mit Hellem Tugendbcispiele voran-leuchtete, so war sie auch für das zeitliche Emporkommendes Klosters bedacht, und kam ihr das Wohlwollen ihrerhohen Verwandten dabei zu Gute. So war es Chur-fürst Karl Theodor, der den gelegentlich eines Brandeszerstörten Glockcnthnrm wieder herstellen ließ, währendihre Schwester, eine Fürst-Aebtissin von Thor», durchSpcndung einer beträchtlichen Geldsumme ihren Lieblings-wnnsch verwirklichte, nämlich der unbefleckten Gottesmutterim Klostergartcn eine Kapelle zu errichten, damit dieSchwestern bei ihren Rckreationen ab und zu der Hoch-gebcnedcitcn ihren Huldignngsgrnß darbringen könnten.

Achtnndsiebzig Jahre warMutter Atari« Theodor«"alt, als der Augenblick kam, daß sie ihre Seele in dieHände des Schöpfers zurückgeben sollte. Kurz vor ihremTode (14. April 1775) hatte sie noch ihr geliebtesKloster der Huld Karl Theodors empfohlen.Unter-stützen Euer Durchlaucht auch nach meinem Tode diesesHanS, in Ansehen meiner, und erinnern Sie sich, rlieb mir diese Gemeinde gewesen, zu der Zeit, als ichunter ihr gewohnt, sowie daß meine Gebeine uo«) allda