Ausgabe 
(5.6.1897) 32
 
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ruhen.- Ihr Wunsch, auch nach dem Tode unter ihrenSchwestern zu ruhen, fand nur kurze Zeit Gewähr. BeiZerstörung des Neuburger Klosters 1807 wurde ihreLeiche in einem eichenen Sarge um Mitternacht in dieFürstengruft der Hofkirche zu Neubnrg übertragen: dortharrt dies edle Reis aus wittelsbachischem Stamme,eine Zierde des Berges Carmel, noch heute der ewigenUrstände.

IX.

Geraume Zeit hatte es gedauert, bis aus denRuinen, welche der Klostersturm Anfang dieses Jahr-hunderts in Bayern schuf, neues Leben erwuchs. Aberwährend der männliche Orden vom Berge Carmel soglücklich war, wenigstens drei seiner einstmaligen Nieder-lassungen in den altbayerischen Stammlanden (Regensbnrg,Reisach, Straubing ) zu retten, blieb dem weiblichen Ordendieses Glück versagt.

Wiederholt hatten in den letzten Jahrzehnte» bayer-ische Landeskinder in den benachbarten österreichischenKarmelitiunen - Couventen, zu Graz , Baumgarten undMeyerling bei Wien , um Aufnahme nachgesucht und sieauch erhalten.

Was lag näher als der Gedanke, den bayerischenOrbcuscandidatiunen in ihrem eigenen Lande eine Heim-stätte zu erwerben. Zum Glücke fand sich eine solche indem einsam, aber herrlich gelegenen Wallfahrtsorte Auf-kirchen am Starnbergersee. Daselbst hatten einst dieAugustiner von München 1688 ein Hospitium errichtetund bis zum Jahre 1803 die Seelsorge bet der Kircheversehen. Nach ihrem Abzüge verfielen die Klosterräum-lichkeiten immer mehr, da nichts mehr darauf verwendetivurde, und eine Veräußerung derselben behufs Erbauungeines neuen Pfarrgebändes war zur dringenden Noth-wendigkeit geworden. Ein wackerer Münchener Bürgererhielt davon Kunde, und mit seltenem Opfermuthe ginger daran, dieselben an sich zu bringen und es so denKarmelitlmleu, bei welchen sich eine Tochter von ihm be-fand, zu ermöglichen, endlich in Bayern wieder Fuß zufasten. Nachdem mit großem Kostenaufwande die noth-wendigsten Reparaturen und Auswechslungen vorgenom-men waren, konnten am 18. September 1896 die hiezubestimmten Klosterfrauen von Meyerling bei Wien ihrenEinzug halten. Es waren ihrer sieben. Die Ankömm-linge waren geführt von einem Karmelitenpater (Lukas)und von einer hochadeligen Meyerltnger Schwester, derverwittweten Gräfin EsterhLzy von Galantha (gebornenFürstin Lobkowitz), Mutter des ungarischen Katholiken-führers Nikolaus Moriz Esterhäzy, deren Tochter Berthamit dem Fürsten Emil Oettingen-Spielberg, einem eifrigenglaubenstreuen Katholiken, in München verehelicht ist.Zugleich war auch die ehrwürdige Oberin von Meyerling,Maria Euphrasia, mitgekommen, um die nothwendigstenAnordnungen zur Einrichtung des neuen Carmels vor-zunehmen. Diese beiden kehrten sodann wieder nachMeyerling zurück, so daß der neu begründete Conveut,zur Zeit aus fünf Mitgliedern besteht. Die neue An-siedelung ist zu einem Carmel nicht nur ihrer gesundenund herrlichen Lage wegen, sondern auch zufolge derStille und des hl. Friedens, der an diesein vom Ver-kehre abseits gelegenen Wallfahrtsorte waltet, zu einembeschaulichen Leben, wie es die strenge Ordensregel vor-schreibt, geschaffen, wie kaum eine andere, und entschädigtmehr als hinreichend den Verlust so manches früherenKlosters in volkreicher Stadt.

Mehr als Zufall scheint es auch zu sein, daß die

neue Niederlassung in nächster Nähe des einstigen Lieblings-sitzes des verstorbenen Königs Ludwig II. sich befindet,woselbst er auch seinen traurigen Tod gefunden. Wieder-holt waren wittelsbachische Fürsten in nahen Beziehungenzum Karmeliten -Orden gestanden, von der Zeit an HerzogAlbcrts II., Churfürst Maximilians I., bis herab zu KarlTheodor , und hatten bayerische Prinzessinnen es als ihrgrößtes Glück geschätzt, dem Karmeliten -Orden anzuge-hören. Durch die neue Stiftung soll das Band, welchesWittelsbach und Carmel verknüpfte, ueugefestiget unddadurch dem Hanse und Lande Bayern eine Quellereichen Segens werden.

Duplik und Schlußwort über Kapharnaums Lage

Die Aufmerksamkeit, welche mein liebenswürdigerGegner meinen vieliährigen Palästina-Forschungenwidmet, erfährt eine Tragweite, wovon er sich schwer-lich eine Vorstellung macht. Die Artikel kommen na-türlich den Vorständen und Mitgliedern des katholischenVereins für das heilige Land zu Köln-Aachen in die Hand.von wem immer eingesandt, und machen diese stutzigich würde sonst nicht mehr darauf antworten. Es handeltsich eben jetzt um die Erweiterung unsererdentschenKolonie am West»fer des Sees Gennezaret durchden Ankauf von 400 Morgen Landes, welche die Drusenvon Name aus momentaner Geldnoth uns anbieten.Kommt derselbe nicht zu stände, so drohen Juden, Russenund wer sonst noch uns zuvorzukommen, eine unange-nehme Nachbarschaft! Und gerade gilt es das Weich-bild von Minieh, der Stadt Christi und derChristen, für welche ich bald nicht mehr allein eintrete,denn ich habe in Palästina nicht bloß die Mönche vomBerge Carmel, die deutschen Franziskaner, überhaupt dieDeutschen, aus meiner Seite, welchen ich auch am BergeSion zwei Vortrage hielt. Ich erwarte den, der mich ausdem Sattel hebt, wo ich so fest sitze, daß ich von Anfangdie Erklärung abgab, wenn Chörbet Minieh mit dem dazugehörigen Chan nicht Kapharnaum sei, so wolle ich eben-soviel an Mark bezahlen, als dafür Franken erlegt wurden.Ich verpflichte mich immer von neuem, möge mein gegner-ischer Freund dem Beispiele folgen, und ebenso für Tel-hum sich opfern. Es gilt jetzt den geweihten Landstrichzu erobern, wovon der Heiland bei Markus 1,38 spricht:Auf! laßt uns in die benachbarten Flecken gehen, daß rchda predige, denn dazu bin ich gekommen."

Leider macht die protestantische Kritik, welcherman zum Vorwürfe macht, daß sie Advokatenkünsteanwendet und vor lauter Negation zu keinem posi-tiven Ergebnisse gelangt, mehr lind mehr auch bei unsPropaganda. Das könnte ich auch, wenn ich den festenBoden verlassen wollte, ich will so ein Kunststück probiren.Auf dem Oelberg liegt bekanntlich el Azarieh mit mächtigenRuinen aus der Kreuzritterzeit. damals hieß es l,ararimu.Weit gefehlt, sage ich, daß wir dieses länger für das Dorfdes Lazarus halten diirfen: man trenne vom heutigenLazarieh den Anfangsbuchstaben als arabischen Artikel,so bleibt Azarieh. Dieß ist aber Azal, wovon unterandern der Prophet Zacharias XIV. 4 f. spricht:DesHerrn Füße werden stehen auf dem Oelberg gegen Morgenvon Jerusalem, und der Oelberg wird sich mitten entzweispalten von Ansgang gegen Niedergang. Das Thal zwischenden Bergen wird nahe hinreichen an Azal, und ihr werdetfliehen wie vor Zeiten beim Erdbeben unter König Mas."Der Name wiederholt sich I Chron. VIII, 38. IX. 44. Rcschund Lamed wechseln so oft, wie Ezech. XIX, 7 bei Alma-nutha, womit man Dalmanutha vergleichen wollte. DemAlabarchon von Alexandria steht Arabarch gegenüber, undBethgibrin lautet ebenso Gibetin, die Heldenstadt Eleuthero-polis u.s.w. Versuche unser Freund mit seiner hyper-kritischen Methode mich zu widerlegen, wenn ich soBethanien von seiner jetzigen Stelle am Oel-berg verschwinden lasse, ja mich noch dazu aufLukas XIX, 29 stütze, wo er Jesum von Jericho nachBethphage und Bethanien am Oelberg gelangen läßt. undXXIV, 15 schreibt:Er führte die Elfe hinaus nach Be-thanien und fuhr gen Himmel." Da aber nach derApostelgeschichte I. 12 die Entfernung von Jerusalem nun