Ausgabe 
(5.6.1897) 32
 
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einen Sabbatwcg betrug, so müßte Bethamen nicht ,mHintergründe, sondern anf der Bergspitze zwischen Beth-phage und der hl. Stadt gelegen haben? So argumentirtman einem orientalischen Schriftsteller gegenüber nicht.Es ist gegebenen Falls große Verantwortung mit sowidersprechenden Artikeln verbunden.

Monelia brauchte einst das Motto: Do voutum «stnt owni» tut» tiinsa-ruus, gui» oNuet» pervertors inultiwoliuutur. So meint mancher, man kann nicht sichergenug gehen, und tadelt an allem, wie der Schuster amBilde des Apelles. In der Paulskirche brachte einlang verewigtes Mitglied, Wedekind, bei jeder Berathungseine Bedenken auf die Tribüne und erntete dafür den

Titel Reichszweifel.r. Doch genug! Ich meine, mein

gelehrter Gegner solle die Aufmerksamkeit würdigen, dieich im heiligen Interesse an der Sache ihm widme, undvon seinem Prirrhonismus abstehen. Durch diefalschen Ortsbestimmungen ist das ganzeLeben Jesu zerrüttet worden! Um die wahreLage all der durch Christi Gegenwart geheiligten Stättensicher zu erforschen, habe ich zweimal Palästina bereistund vor- und nachher die zugängigen Schriften in allenSprachen durchgenommen, auch die Pilgerschristen nichtübersehen, um ja die Tradition festzustellen. Die Haupt-frage dreht sich um Kavharnaum, und ich kann nichtdulden, daß man die seit fünfzig Jahren verfochten« Po-sition mir länger streitig macht. Eigentlich müßtedie Christenheit sich schämen, wenn sie dieStätte der mehrjährigen Wirksamkeit Christiganz aus den Äugen verlor. Soll ich nochmal aufden Guardian vom Berge Sion, Queresmius. ver-weisen, welcher 1620 darauf besteht:Ich halte die alteUeberlieferug sehr in Ehren und habe fast alle Bibel-gelehrten und in der Geschichte der heiligen Stätten be-wanderten Männer durchgesprochen. An der Stelle vonKavharnaum liegt ein Chan. und zivar sechs Millienvom Jordaneinfluß, und heißt arabisch Menieh." SeineRathgeber konnten auf den Venetianer Sanuto sichberufen, welcher genau drei Jahrhunderte früher Kaphar-nanm zwei Stunden von der Jordanmündungin den See Gennezaret ansetzt. Es ist doch nicht gleich-giltig, wohin man unsere Pilger führt.

Mein Freund diskreditirt meinJerusalem und dasheilige Land" und dieHochwichtigen Entdeckungen aufder zweiten Palästinafahrt." und belehret mich. die Zoll-statt des Matthäus sei gleichvor den Mauern Ka-pharnaums" gelegen. Wie konnte aber Markus II. 18dann schreiben:Jesus ging von Kapharuaum hinaus,dem Meere entlang und kam nach Er

braucht dabei dasselbe Wort, wie VII, 31 e'L-zSlü»-

bei der Auswanderung nach Tyrus . Der Name bestandfort, Baluze kennt das zur Festung Saphet (1238) gehörigeOa-sale tbeloneum, der Guardian Burchard (1283)stößt abwärts vom Berge Saphet am Seeufer auftelovium, der Missionär Ricold nennt die Station-Ibootovinm: wohin ist sie gekommen? Pococke trifft 1738an derselben Stelle in mundartlicher Form Telhewa fürTelhum, wie aus Kydonia Kandia. aus Posidonium Pästum ward. Es ist Ein Wort, der Araber faßteaber das ihm unverständliche Tel für Teil Hügel aufnnd mußte die zweite isolirte Sylbe mit dem Spirituslenis oder asxsr beginnen; also entstand Tellchum. Dasweiß jeder, der arabisch versteht, und nun mußte Chumder Ueberrest von Kapharnachum sein (?), obwohl MatthäusIV, 13 dieses an die Grenze von Zabulon und Nephtali verlegt, die weit südlicher vorlief. Mein Gegner hat ebensodas Evangelium gegen sich, wenn Johannes VI , 19 dieEntfernung von Bethfaida (Mesadieh) zn 25 bis 30Stadien angibt. Die Synoptiker nennen dafür die EbeneGennezaret. Mein strenger Kritiker ist schnell fertigund läßt die Apostel erst in der Ebene landen, dann abermit dem Herrn nach Telhum zurückgehe«. Dieß ist, mitVerlaub, als ob jemand von Beruried nach Seeshaupt verlangt, aber deßhalb nach Arnbach fährt und nun zurück-geht. Zu Fuß kam das Volk auch schneller da-hin, urtheilt mein Widersacher, wozu schifften sie dannbeim Seesturm sich ein?

Noch mehr! Josephus erreicht über die obere Jordan-brücke Kapharnome und den Fluß Kapharua u m. Wierennt sich das mit Telhum zusammen? Der Fluß liegtja eine halbe Stunde südlicher, wie konnte er davonsprechen? auch wird aus Nome oder Raum nie Chum.

es müßte Telnum beißen. Doch kommt es immer besser.Mac Gregor nennt (llüo Hob Koi 1874 pE 312)Tellhoom statio male tiäa variuis wegen der regendenStürme aus dem Hanran. Schadet nichts, meint meinCensor, man zog dann die Schiffe auf den Sand undbrauchte keinen Hafen; allem man konnte auch einenMolo bauen! Davon müßte sich doch heute noch eineSpur finden, und warum sollten die Schiffer und Fischernicht der: vor Augen liegeudeunatürlichen Hafen von Miniehals steten Landungsplatz und Zufluchtsort benützt haben?All die nur gemachten Einwände sind künstlich! EinMtbayer, Lorenz Hartinger, schildert die Erlebnisseauf seiner Pilgerfahrt 1883 S. 218 gerade zu Telhum:Da der See Untiefen hat. so liefen unsere Fahr-zeuge auf den Strand. Bei dem Tiefgang derBarken konnte nicht jeder, der nicht Stiesel trug, ansLand waten. Die Boötsknechte sprangen in den See nndtrugen die Unbebilflichen, insbesondere die Damen, nachArt, wie man kleine Kinder auf den Armen trägt, ansLand." Was sagt unser gelehrter Doktor dazu? Manhöre!Damals war man nicht so wasserscheu,wie Sepp es voraussetzt. Petrus war Joh . 21, 7 nacktim Schiffe ; als der Herr kam. warf er sich angekleidetins Meer. Er wußte eben aus Erfahrung, daß dieSonne am See Gennesareth genügend Wärme entwickelte,um ein nasses Gewand in kurzer Zeit zu trock-nen." Das riecht nach der Studirlampe!

Woher soll noch neues Material kommen, um die,,offene Frage" über Telhum und Minieh zu lösen? Weilrch nicht mehr daraus zurückkommen will, berühre ich nochkurz die andern angefochtenen neutestamentlichen Stätten.Kana Galil nennt der Syrer den Ort des erstenWunders (Joh. II, 1). wie die Stätte noch heute heißt undfrüher 4 Stunden nördlich von Nazareth bestimmtwurde. Ich habe nach Jahrhunderten als der ersteEuropäer 1846 es wieder aufgesucht; aber wie die Kara-wanenstraße von Telhum her. ist auch die Station ver-ödet. Cana bedeutet im Hebräischen wie Latein dieRohrstadt, gelegen am Sumpfe Battof, woraus ichSchildkröten aufhob. Der Widerspruch ersinnt heute: esist Kefr Kenna; man läuft den Griechen nach nnd ver-braucht die meist aus der Tasche armer Leute für dashl. Land gesammelten Gelder zum Anbau eines Sanktua-riums (?) in dem jüngst erst entdeckten Hanse des Bartolo-mäus von Kana. Mein Einwand: weder Name noch örtlicheLage passen bei Kenna, will illusorisch gemacht werdendurch den Witz. es sei doch eine Quelle in dem Bergdorf!

Da die Juden ein Manifest gegen Jesus erließen, ihnzu tödten, machte er sich von Jerusalem fortin eineGegend nahe der Wüste, in eine Stadt Ephrem *(Joh. XI, 63 f.). Ich suche diese Wüste in der Dekapoliszu Ephraim im Walde (ckearim, -<?iz-<-?), wo JosuaXVII, 15 einen Theil des Stammes ansiedelte. wo Abfalomam Baume sich erhing (II Sam. XVm, 6) und die Ein-wohner (I Makkab. V, 46 f.) sich Judas dem Asmonäerwidersetzten. Ich fühle nuch umsomehr im Rechte, alsder Heiland auch nach dem Steinigungsversuche ein Asyl.jenseits des Jordan aufsuchte (Joh . X, 40). Mein Gegnersetzt wieder den Fleck neben das Loch und gibt mir inAllein Unrecht. Die Wüste soll das fruchtbarste Gebietvon Ephraim bei Bethel, höchstens 5 Stunden entfernt,unter den Augen der hl. Stadt bezeichnen, ungefähr wiedie Johanniswüste eine gnte deutsche Meile von Je-rusalem , in der weinreichsten Gegend, dem wahren Tempevon Palästina, gewiesen wird, wo man auch seine Wiegezeigt. Und doch ist der Priestersohu zu Hebron geborenund in der Jordanwüste oder Gegend am todten Meereaufgewachsen (Luk. I, 80) und mich als Prediger auf-getreten. Mein Ephraim liegt 3 Stunden süd-wärts von Magdala Gadara. der Hauptstadt vonPeräa. welche ich zuerst als die wahre Heimath derMagdalena erkannte, wie ich das nnr bei Markus VIII, 10genannte Dalmanutha durch Beth ( Dal) M a u uthabei Josephus erklärte. Wenn die Kirchenvater heute ausdem Grabe aufstünden, würden sie diese für den Schau-platz des Wandels Jesu wichtigen Entdeckungen wohlwürdigen mein geistlicher Nachbar verschließt dagegensein Ohr.

Seit 50 Jahren bemühe ich mich, das neutestamenk-uche Ennnaus zu Colonieh zur Geltung zu bringen,wo der Brunnen noch BLt el Amus heißt, Titus eineVeteranencolonic ansiedelte nnd ein Castell auf der Höhe zum