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Schutze der Römerstrabe diente. Nach Castul, genau 60Stadien oder 2 Stunden von Jerusalem , pilgerte man früheram Ostermontag vom Sionkloster aus zum Grabmaldes Emmausjüngers Kleophas. Bis auf unsereTage blieb der Dolksmund dabei, die Kreuzfahrer zogenvon Lydda nach Joppe, diesen kürzesten und wasser-reichsten Weg. Vergebens! Meine Gegner finden in demneugebauten Kubebe, 4 Stunden von Jerusalem, wohindie Straße kaum zu finden ist, das Dorf bei LukasXXIV, 13; ja Freund vr. Euringer scheint nicht abgeneigt,die Stadt Emmaus Nikopolis, 8 Stunden von derHauptstadt, dafür zu nehmen. Vergebens wird in denUrkunden des lateinischen Königreichs Jerusalem , die ich an-fübre.EmmausvonKubeibagenauuntersch jeden.— Der jüngst verstorbene Kan. Schiffers aus Aachen hat den Vogel abgeschossen mit der Vorstellung: manwisse ja nicht, ob die beiden Emmausjünger die Tagreisevon Emmaus. der Stadt in der Ebene, nicht zu Pferdezurückgelegt hätten, und er sammelte für die Errichtungeines dortigen Sanktuariums Gelder. Aber da dieSonne schon bei ihrer Ankunft zu Rüste ging. woraufsie mit dem Herrn sich zu Tische setzten, so hätten sieselbst mittelst Velociped und Eisenbahn, dre es damalsnoch nicht gab. die Jünger in der Nacht nicht mehr ver-sammelt gesunden.
Mein gestrenger Censor stellt mir immer Autorenals Autoritäten gegenüber, die mir nicht an den Knöchelreichen. Ja wären die Herren nur allein, so aber er-scheinen nach so einem topographischen Schemaverarbeitet Jahr für Jahr LebenIesu, von welchenimmer zwölf auf ein Dutzend gehen. Man rechne dochdazu den aus dem Französischen übersetzten Didon, dergar nichts weiß. Ebenso trostlos steht es um dieChronologie. Ich habe bei Gottlob! eiserner Gesund-heit und noch nicht 30 Jahre alt den vom Winterregenherrührenden Morast bis an den Jordan überwundenund trotz der Warnung unseres Führers, des Schech vonBethanien, es werde mich das Leben kosten, imschmutzigen, reißenden Strom am 6. Januar ein eiskaltesBad genommen, andere büßten sogar auf der Osterfahrtihr Leben ein. Ich möchte es nicht mehr wagen, mußmir aber vorhalten lassen, damit hätte ich ja den Beweisgeliefert, daß die Taufe Jesu und „alles Volkes" (Matth.llt, 5 f.) in Mitte Winters sehr wohl möglich war. Dasmöchte man stüdirten Hokuspokus nennen.
Ich bin ein ehrlicher Deutscher und trete für deutscheWissenschaft ein, zum Unterschied von manchemEiferer, welcher die Wahrheit auf Schrauben seht undnur zu denen hält, welche nicht deutsch lernen undunsere Kenntnisse unterschätzen. Mein Liebwertherscheidet mit dem Friedensgruße: Lmious klsto; wie aberkann er bei seinen Widersprüchen mir entgegenhalten:m»Ais smiea voritas? Dr. I. Sepp.
Recensionen und Notizen.
Erdel Friedrich, Geheime Wechselwirkungenzwischen Leib und Seele. Nürnberg . Fr.Korn. 1697. 8°, 48 SS. M. 1,00.
->. „Wichtig für Jedermann!" heißt es ober der Titel-überschrift, die dann noch weiter erklärt wird: „Wesent-liche Mithilfe der sogenannten willkürlichen Muskeln zurEntstehung des geistigen Lebens lind dessen Wirkung aufGesundheit, Stärke, Gestalt, Schönheit und Lebensdauer.Wir gestehen freilich, schon lange keine so sonderbareZchrift in der Hand gehabt zu haben. Die Wechsel-virkung zwischen Leib und Seele ist von jeher anerkannt«orden; manche scharfsinnige Bemerkung müssen wir demVerfasser danken, aber im Ganzen geht er doch zu weit,wenn er der Muskelthätigkeit sozusagen eine Nniversal-bedeutung zuschiebt und wenn er sich zu so ungeheuer-lichen Sätzen versteigt, wie: „Unser Geist entsteht undwirkt unter geheimer Mitarbeit der sogenannten willkür-lichen Muskeln. Richtige Geistesthätigkeit erzeugt körper-liche Gesundheit, Kraft, Schönheit. Geistesfrische, langesLeben mit den edelsten Freuden. Alle Krankheiten lassensich auf geistige Ursachen zurückführen. Bringt ein Menschstarke willkürliche Muskeln (namentlich am Halse) zur ,Welt, so besitzt er Anlage zu starkem Gefühl, kräftigem '
Willen, großer Intelligenz und lebendigem Gemüth.Derartige Proben, die sich noch vielfach vermehren ließen,überheben uns der Mähe einer Beurtheilung, und über-lassen wir es dem Leser, sollte er etwa Lust haben, insgeheimuißvolle Dunkel dieser neuen Psycho-Physiologieeinzudringen, in der die Schatten der alten Phrenologenbedenklich herumgeistern.
Chable Flor., Die Wunder Jesu in ihreminneren Zusammenhange betrachtet. 8°,XII -s- 106 SS. Freiburg im Br., Herder, 1897.Preis M. 2.00.
Vorliegende Monographie, die Promotionsschrifteines jungen, leider inzwischen verstorbenen Gelehrten,bildet einen Bestandtheil (II. Bd.. 4. Heft) der gediegenen„Straßburger theologischen Studien". Nachdem die keckenLeugner der Wunder Jesu mit ihren geradezu unver-ständigen Angriffen neuen Feinden, den Vertreternmystisch-physiologischer Umdeutnng (Suggestion rc.) Platzgemacht haben, ist es jedenfalls kein überflüssiges Unter-nehmen, die Wunder des Herrn einer eingehenden Unter-suchung zu unterziehen. Dies geschieht in befriedigenderWeise in vorliegender Schrift. In fünf Kapiteln handeltsie mit Berücksichtigung der neuesten Einwendungen vonder Wunderthätigkeit Jesu im Allgemeinen, von demwunderbaren LiebeSwerre Jesu, von den Wundern zurpositiven Gründung des messianischen Gottesreiches undzur Ueberwindung des Satans (Teufelsanstreibung undTodtenerwecküng) und von den wunderbaren Realweissag-ungen Jesu. Ein chronologisches Verzeichniß der WunderJesu beschließt die lesenswerthe, interessante Abhandlung.
Musterbeispiele für das Briefschrciben fürWerktags-, Sonntags- und Fortbildungsschulen.Von Hauptlehrer Fink in Haigerloch . Verlag derH. Christian'schen Verlagsbuchhandlung in Horb (Württemberg ). Preis 40 Pf.
* Ueber dieses Büchlein schreibt ein hohenzollern'scherSchulmann: Wir machen hiermit auf genannte Fruchtlangjähriger Schulpraxis die Lehrer und ihre Vorgesetztenganz besonders aufmerksam. Es sind im ganzen 104 Briefem vollständiger Ausarbeitung, von religiös-sittlichem Geistedurchweht. Die Themata sind allen Fächern der Volks-schule entnommen nnd den Zeitbedürfnissen entsprechendausgewählt. Die Form der Darstellung erinnert an denunübertroffenen Volksschriftsteller Alb an Stolz. Esist erfreulich, daß in einer Zeit, in der so viele Schul-schriften seit 20 Jahren vom „grünen Tische" aus aufden Büchermarkt gebracht wurden, ein erfahrenerVolks schullehrer zur Feder gegriffen hat. Mögesein Erstlingswerk seitens der Schulmänner und Schul-freunde die wohlverdiente Beachtung lind Verbreitungfinden.
Lli ssa s pro ä s tu n v ti 8 sx misssli romano cksprowptas:aoesäit ritU8 adsolutionis pro ässmicdis 6x ritualist pontiüoali roivLno. 2°, pp. II -s- 52. Ratis-bonae, UuL'tst, 1897. (IV.)
S Xova üase mizsalis äotunotormn eckitio irmAlnst>pis msMiZgue notarum ivusiosrum korinis exousaoanäem oruatus oxtsri vitiäateiu, toxtnnm rsetituäinsmpras 56 kort, gnas in oinnibus osloberriinas tz-poKrapbiasUu8tstiana6 Itbris IiturZiois lsuckaro conLusviwus. lW aliuckaäcksnäum 68t, gnam ut, gno saepins eckitioues bujusKsv6ri8 procioavt, eo majori ctiliK-ontia ao bplenllore ro»voZnitae axparoant.
Krieg, Max., Die Ueberarbeitung der platon»ischen „Gesetze" durch Philipp von Opus.8». 40 SS. Freiburg i. Br.. Herder 1696. M. 1L0.
Die „Gesetze" sind das letzte Werk des greisen Plato gewesen. An ihrer Echtheit wird jetzt nicht mehr ge-zweifelt, ein interessantes Problem der Literaturgeschichteist es aber. zu erörtern, wie sich der von Plato's SchülerPhilipp von Opus überlieferte Text zu des Meisters,eigenen, ursprünglichen Meinungsäußerungen verhält.Das geschieht hier nach Vorgang vieler anderer Philo-logen in klärender, lichtvoller Darstellung.
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