tti-. 33
12. Juni 1897.
Ein bayerischer Geschichtschreiber.
„Der Aufwand für ein Denkmal ist ganz überflüssig;unser Andenken wird ohne dieses sich erhalten, wenn wires durch unser Leben verdient haben," sagt der alteFrontin. Und mag die raschlebige Zeit manchmal auchin der Verhimmelung von Tagcsg'ötzen verdienter Männerder Vorzeit vergessen, gleichwie eifrige Spürer aus Schuttund Asche die Meisterwerke früherer Zeiten hervorgraben,so fehlt es auch niemals an pietätvollen Nachkommen,die vergessene Verdienste der undankbaren Nachwelt aüf'sneue vorrücken und ihnen ein Denkmal nere perermirmerrichten. — Einen solchen Act der Pietät vollzog beidem 138. Stiftungstage der bayer. Akademie (27. März1897) Franz Ludwig Baumann , der das Lebenund Schaffen eines bayer. Benediktiners, ?. CarolnsMeichelbeck, gestützt auf die Originalhandschriftemdes-selben (in der kgl. Staatsbibliothek), mit anerkennens-werther Hingabe und Unparteilichkeit beleuchtete — werth,der breiteren Oeffentlichkeit bekannt zn werden.
Karl Meichelbeck, als Sohn eines armen Seilersin Oberdorf, dem -schwäbischen Markte unweit derWertach , am 29. Mai 1669 geboren, besuchte inMünchen die Schulen. 1687 trat er ins KlosterBenediktbeuern ein und erhielt nach philosophischen undtheologischen Studien zu Augsburg 1694 die hl. Weihe.Daß der junge Ordensmann in hohem Ansehen stand,beweist, daß er schon 1696 zum Leiter der reichen Kloster-bibliothek bestimmt wurde. Das Jahr darauf wurde ihmvonl Präses der bayer. Benediktinercougregation, Bern-hard von Tegernsee, der Äehrstuhl für kansnisches Rechtangeboten. Bescheiden lehnte k. Carolns ab: „8eä cpÜ86ßo erava, uk aeesxts.reill, gut iuri oivili irunyulrinkni aciiiibitntz?" — Indeß nahm er im selben Jahredie Professur an dem neugegründeten Lyceum in Freising an, wovon ihn die Kongregation 1701 abberief, da sieihm an der eigenen Lehranstalt in Nott a. Din dieProfessur für Philosophie und Theologie übertrug. 1708wurde er von der Kongregation zum Archivar und-Chronisten, vom eigenen Kloster zum Archivar ernannt.Diese Thätigkeit lag so recht eigentlich im Sinne Meichel-becks. Mit unermüdlichem Eifer ordnete er im Klosterdas gänzlich vcrinuhlässiMArchiv, so daß es Pez 1717scitÜ88im6 orciivntnin vorfand. Hier legte er zugleichden Grund für seine ausgezeichneten Quellcnkenutnisse.;hier begann er die Knnaiee, Äs er aus der Chronistcü-sphäre heraushob, indem.er mit prächtigem Geschick die-Geschichte seiner und frühere^ Zeit. mitverwok5 -
1709 lud ihn Fürstbischof Franz von Freising,vselber ein Freund von Geschichtsforschung und ein leideü-schaftlicher J»schristensainn<ler, ein, zur 1000jährigenJubelfeier des Hochstiftes Meising (1724) eine-Wschichte-desselhzy in großem Stelzn - verfassen. Meichelbeck lehrteab, wie er selbst von sich sagt: vornva k. Oaroirm tuincluoä oxerio äiküeultatem Irorreveeret, turn inaxims,tzuoci krieivgenmurn Mornnckain inZeiriornnr inrioieraiana ex uanito tempere perapsetam Imkeret, mochte3686 piurikng NNM8 0 pp 08 uit . . . Offenbar hatte erbei seinen! Freisinger Aufenthalt (1697 — 1701) miteinigen Stifts- und Domherren unangenehme Erfahrungengemacht und fürchtete vor allem deren Neid. Ebensoweigerte er sich (1720), einer Einladung des Fürstbischofs
von Fnlda zu folgen, der auf Veranlassung von Pezvon ihm eine Geschichte seines Stiftes wünschte. EndlichMärz 1722 ließ er sich bewegen, nach Freising überzu-siedeln, um jenes Werk in Angriff zu nehmen, das ihmunsterblichen Ruhm bringen sollte. Seine Befürchtungenwaren nicht grundlos gewesen: Domkapitel und Stifts-herren suchten von Anfang an Meichelbecks Werk zn hinter-treiben, indem sie allerhand Bedenken vorbrachten, denBenediktiner verdächtigten u. s. w., so daß der Fürst-bischof einmal in einer Kapitelsitznng den Herren entrüstetzurief: 8oio, seio, yuici n»ntur! serperm ille auti<iumaclüue Intet in Huoäam 8inu, Hulä äuclum contrame tötn iurZia, movit. Vermin 8ati8 68t! k. Ca-rolus lachte über diese „kruta lulmraa" — und 1724erschien der 1. Band der Hiatoria, Vri 8 inx;en 3 is(bis 1124), ein Denkmal ungeheuren Fleißes und Wissens.Auf Wunsch des Fürstbischofs ließ Meichelbeck auch einenAuszug nebst Ergänzung bis zum Jahre 1724 indeutscher Sprache folgen: „Kurtze FrcysingischeOirrcmien, oder Rietorra,". — Leider starb der hoheGönner im Februar 1727 — Meichelbeck kehrte in seinKloster zurück — für immer; im Juni dieses Jahreswar auch der II. Band obigen Werkes druckfertig underschien 1729 — auf Kosten von Benediktbeuern .
Der rastlose Mann schuf sogleich wieder ein neneSWerk, das Oirronioon Leiroäiotokurannm(1727 — 1729), zum Jubelfeste des Klosters bestimmt(1733); ferner arbeitete er das 4bäudige Hepertoriumdes Benediktbcnern-Archives aus — ein Werk, das heutenoch Archivare mit Nutzen zur Hand nehmen.
Das Chronicon fand zwar den Beifall des Kon»vcntes; aber der Druck wurde — warum? wußte derGeschichtschreiber selber nicht — immer wieder verschoben;endlich im Jubeljahre 1733 wandte er sich — beschwerde-führeud — an die Kongregation — und erreichte, daßdas Kloster mit einem Regensburger Drucker in Ver-bindung trat. Trotzdem erlebte k. Carolus die Heraus-M>e dieses Werkes nicht mehr —: erst 1751 ließ estzohenauer, MAchelbecks langjähriger Schüler und Mit-arbeiter, veMentlicheu, als er Äbt von Benediktbeuern wurde.
Am 2. April 173S starb Meichelbeck : ein halbesJahr zuvor hatte er schon geschrieben: „äobeniusowir68 inertem yuotiäie imkere ante oonios8N8peetam: ego poti88imum, cpü innr rrd armisplurikrm suua Lukieetua äelic^uiio et ckekilitatidug'»cckpüm'öt m6rmita,tiiius 8tomLeiri, <^ui pinree oiboo,-nomirurtiiL pmcös omneö, olern ei c^uick^niä aostoeonÄitzir; ^erütum^eioit, <ini vix von eäeutuiua, nt-Ptztp -.Pentium ^omr^um cknxilio lere «iestitutuZ,i«nitd8 .,nkio8 ^eidos ^olickiores non p 088 nm noneommorcisLe <zt cleklli stoinnetro eommittere? c^ni^krae^i^I^Hore ^ virikütz ei aetate proZreäiente raiiriprokeetö non pos3um sperure rninuL promittersvei nnius anni cleeur8uw." So war der Mann dahin-gegangen, den: der Ruhm gebührt, „das erste Geschichts-werk, das die Anforderungen der kritischen Methode er-füllt, im Süden des Reiches veröffentlicht zu haben,"der von sich selber sagen konnte: „ium äuänm... virigiiteratm etiam 8ummi8 lere per Luropara iunotui!"
Meichelbecks Hauptbedeutung liegt in der Geschicht-schreibung. Er hat zwar auch als Professor der Philo-sophie und Theologie sogenannte Lx^reilcktlans^