Ausgabe 
(12.6.1897) 33
 
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Thätigkeit des Fürstbischofs in Verwaltung seiner großen(weit über 800,000 Katholiken umfassenden) Diöccse wirduns in wechselnden Bildern geschildert, tvir bekommendabei zugleich Notizen über das religiöse Leben dergrünen Steiermark". Daneben bewahrte sich Zwergeraber auch den Blick über das Ganze. Man muß demVerfasser Dank wissen, daß er mit großem Freimnth diekirchlichen Verhältnisse Oesterreichs theils selber gezeichnet,theils durch Zwerger's Schriften illustrirt hat.Zwerger ist immer der Erste auf dem Plane, wennirgend eine wichtige Zeitfrage (Concordatstreit, Ehegesetz,Religionsfondsstener, Schnlfrage) auftaucht, er kennt keinzaghaftes Lavieren, offen und mnthig klärt er in denHirtenschreiben seine Diöcesanen auf, ebenso eifrig suchter aber auch auf seine Kollegen einzuwirken, so daß erdie treibende Kraft zur Veranstaltung der österreichischenBischofsconferenzen geworden ist. Energisch fördert erdas kathol. Vereinsleben und erschüttert durch Gründungeiner kathol. Presse die liberale Hochburg in Graz, un-bekümmert um das Gekläffe der kirchenfeindlichen Zeit-ungen, die ihn als Kampfesblschof verunglimpfen.

Zu den interessantesten Abschnitten des Buches ge-hört die Zeichnung der Theilnahme Zwerger's andem Vaticanischen Concil hauptsächlich auf Grund desvom Fürstbischof geführten Tagebuches. Das sind freilichandere Mittheilungen als die Pikanterien, womit Friedrichsein famosesTagebuch" anzufüllen trachtete; nur schade,daß hie und da die Quelle etwas spärlich fließt. Zwergergehörte zu der sogenanntenrömischen" Partei (er hatteschon vor seiner Abreise die Gläubigen über die Be-deutung der Jnfallibilität belehrt) und ward Referentder wichtigenLou^reZatio pro äwoiplian", als welcherer durch eine glänzende Rede über das Katcchismusprojekthervortrat. Mit Rom blieb der Kirchcnfürst enge ver-bunden, nicht weniger als 27mal machte er die visitatiaSLororuin liinmuw und tvar im Vatican bei Pins IX.und Leo XIII . eine gern gesehene Persönlichkeit. Aus-führlich werden wir auch orientirt über die WirksamkeitZwerger's als Volksschriftsteller; man muß staunenüber seine riesige Arbeitskraft, die es ihm ermöglichte,so nebenbei noch eine Anzahl von populären Schriftenim besten Sinne des Wortes über brennende Zeitfragenoder religiöse Themata abzufassen, die meistens eineriesige Verbreitung erfuhren.

Das Buch ist als eine anregende und zugleich er-bauliche Lesung namentlich dem Klerus recht zu em-pfehlen, aber auch der Historiker wird manche dankcus-werthe Aufklärung darin finden. Für eine zweite Auf-lage möchten wir nur den Wunsch äußern, daß dasmanchfache Eintreten und die zahlreichen Bemühungendes Bischofs für die Hebung der kathol. Wissenschaftettvas einheitlicher, etwa im Anschluß an das KapitelZwerger als Schriftsteller", behandelt würden; jetztsind die Notizen hierüber recht zerstreut (z. B. Gründungdes Privatgymnasinms). Wenn nämlich Zwerger auchnicht als Verfasser größerer theologischer Werke hervor-ragt, wozu ihm sein Amt keine Zeit übrig ließ, so ge-hörte er doch gewiß zu den bedeutendsten Theologen imEpiskopate.

Einige Provinzialismen fieleir uns auf, wie Vor-zugsklassen (gute Noten) S. 13, Häftling S. 65, her-gehabt (88), drucken gelassen (295), Sprechzimmer (348),Türkcmuehl (Mais) S. 390; auch mehrere Druckfehlersind zu verbessern, wie frommem, zum (statt das) Leiden(22), Neuhaus statt Ncudors (64), OMotibn statt

Oattoiiea, (72) n. s. w. Doch wollen wir keine Schul«fnchscrci treiben!

Das Buch empfiehlt sich auch durch die schöne Aus»stattuug; sechs gute Phototypien bilden eine erwünschteBeigabe. Dr. 8.

Geschichte des Volksschulweserrs in Württem-berg ?)

In Nr. 48 derBeilage zur Angsburger Post-zeitung" vom Jahre 1894 wurde der erste Band desvorstehenden Werkes von uns besprochen. Damals wurdebemerkt,daß die eingehende Behandlung des Volksschul -wcseus in den seit Anfang dieses Jahrhunderts anWürttemberg gekommenen katholischen Laudestheilen zurZeit der Reformation und bis zu Anfang des 19. Jahr-hunderts für einen II. Band vorbehalten werde." DieserBand ist nunmehr erschienen und enthält ebenso reichesals interessantes, fast ausschließlich auf archivalischc Aus-beute sich stützendes Material, welches zu einem über-sichtlich gegliederten Ganzen verarbeitet ist.

Zuerst wird das Volksschulwesen in den ehemaligengeistlichen Herrschaftsgebieten Neuwürttembergs behandeltund zwar:

I. in der vormaligen gefürsteten Propstet Ellwangen ;

II. in dem Deutschordensgebiete Mergentheim, BalleiFranken;

III. im ehemaligen Hochstift Würzburg;

IV. in den ehemaligen Reichsabteien Neresheim, Buchau mit Kappel , Obermarchthal.

Hierauf folgt die Darstellung des Schulwesens inden weltlichen Herrschaftsgebieten:

I. in der ehemaligen gräflichen Herrschaft Octtingen-Wallerstein ;

II. in mehreren jetzt Thurn- und Taxis'schen Herr-schaftsorten in der vorwürttembergischen Zeit(Dischingen, Ballmertshofen, Eglingen );

III. in den ehemals vorderösterreichischen Landestheilen,z. B. den sogen. 5 Donanstädten;

IV. in den Herrschaften Waldbnrg - Zeil - Trauchburg,Gnndelfiugen-Nenfra, Mühlheim a. D.

V. in den Graf Rcchberg'schen Herrschaften Hohen-rechberg, Kellmünz , Donzdorf;

VI. im Gebiete der Grafen von Adelmann in Hoheit-stadt;

VII. in,den ehemals freien Reichsstädten: Schwäbisch-Gniünd und Nottwcil.

UnterAllgemeines" sind kurze Notizen über denUrsprung und die politische Zugehörigkeit der betreffen-den Herrschaft gegeben, worauf in allgemeinen Zügendas Schulwesen der Herrschaft dargestellt ist; unterBesonderes" sind sodann die einzelnen Schulorte be-handelt und auch ihnen zur Orieutiruug landschaftlicheund politische Notizen vorangeschickt. Diese Behandluugs-wcise hat uns ausnehmend gefallen; sie hat den Vorzugder Uebersichtlichkeit, bringt angenehme Abwechslung indas Studium der alten Schulordnungen, Jnstrnctionen,Verordnungen, Eiutomuicnsbcschrcibungen rc. und bietetschön abgerundete Bilder.

ImAnhang" wird dasVolksschulwescn der

Geschichte des Volksschulw esens in Würt-temberg . Bearbeitet und herausgegeben von BcrnharoKais;er, Oberlehrer am k. Schnllehrerseminar Gmnud.Zweiter Band: Das Volksschnlmesen in Ncuwnrtrcmberg.Stuttgart . Jos. Roth'sche Verlagsbandlnng, 1897.Preis M. 5.50.