die geübte Tugend, sowie die Strafe für das verübteLaster, so lehrt Buddha, werde ertheilt nach dem GesetzeKarina. Dieses Gesetz ist eine unpersönliche, ewigwirkende Macht, welche den guten und schlechten Samen,den der Mensch durch seine Thaten ausgestreut hat, zumReifen bringt. So tritt bei Buddha an Stelle des un-endlich gütigen und getreuen persönlichen Gottes derchristlichen Religion ein blind und finster waltendes Fatnm.Eben dieses Karma ist auch der Grund der Wieder-erneuernng der Menschen, denn nach diesem ewigen Ge-setze bestimmen sich auch die Elemente, aus denen nachdem Tode des Menschen ein neuer Mensch gebildet wird,dem auch des Verstorbenen Verdienst oder Schuld ange-rechnet wird. Das geschieht ihm, ohne daß er auchnur im geringsten das Eine oder Andere verdient hätte.So kann es natürlich nicht anders gehen, als daß durchdiese Lehre Buddha's auf das Gemüth des Menscheneine deprimirende Wirkung ausgeübt wird, anstatt daßsie den Menschen aufrichtete, wie die christliche Lehre vornZiel und Ende des Menschen.
Ein Punkt aus Buddha's Sittenlehre soll hier nochkurz besprochen werden, da er auch wieder ein bedeut-sames Schlaglicht auf den Buddhismus wirft: es ist dieStellung, welche Buddha den Laien und Frauen imVergleich zu den Mönchen anweist.
Wie oben schon erwähnt, sind die Laien keine vollenStaatsbürger im Reiche Buddha's, da sie ja nicht ganzund ungetheilt der Meditation sich hingeben können.Man kann sie eigentlich nur dazu brauchen, daß sie denMönchen, dem vollkommenen Stande der Menschen, Unter-stützung und Hilfe leisten. Wenn sich der Laie durchWohlthätigkeit gegen die Mönche auszeichnet, so hat erfreilich nur eine schwache Hoffnung, auch einmal ins Nir-wana gelangen zu können. Da nach Buddha's Ansichteigentlich nur die Ehelosen den wahrhaft gesetzlichen Standrepräsentiren, so ist der Ehestand nur ein Uebel, dasman eben erwägen muß, da man nicht anders kaun.Es bedarf solchen Anschauungen gegenüber nur einenHinweis auf die erhabene Anschauung der christlichen Re-ligion von der Ehe, die z. B. so schön besonders inden Briefen Pauli zum Ausdruck kommt, um sofort zuerkennen, wo Licht und Finsterniß ist.
Die größte Verachtung aber hegt Buddha gegendie Frau, denn sie ist ja, so lehrt der „Weise von Kapila-vastu", der Sitz aller Bosheit. Sie hört nur dann auf,BöseS zu thun, wenn sie keine Gelegenheit mehr dazuhat. Nie und nimmer kann ein Weib, da es stets einunreines Geschöpf ist, zum Nirwana gelangen. WelcherGegensatz wieder zur christlichen Lehre! Auch dasChristenthum schätzt hoch die Jungfräulichkeit, aber esbetrachtet sie nicht, wie der Buddhismus , als Ziel allerVollkommenheit, sondern als einen Weg zu derselben.Das Weib sodann wird durch Christus keineswegs derFrüchte der Erlösung und der ewigen Seligkeit für ver-lustig erklärt, inr Gegentheil wird eben ein Weib demChristen durch seine Religion als Vorbild und Mustermenschlicher Vollkommenheit vorgestellt, die allerscligsteJungfrau Maria.
Ncsümircn wir das bisher über Buddhas Sitteu-lehre Gesagte, so müssen wir wieder sagen, daß derBuddhismus sich als der vollste Gegensatz zum Christen-thum darstellt, da ersterer nur schnöde Eigenliebepredigt.
Nicht wenige gibt es, die den Buddhismus alsBeweis anführen für die Behauptung, die Gottes-
erkenntniß sei nicht nöthig zur Pflege und Hebung derSittlichkeit der Völker, da ja gerade diese Religionletzteres ohne Gottescrkenntniß vorzüglich zu Stande ge»bracht habe. Wie grundlos diese Behauptung ist, sollsofort dargethan werden.
Als ersten Beweis für die sittliche Kraft desBuddhismus führt man die „ungeheure Zahl" von An-hängern an, welche sich Buddha durch seine Lehre er-worben. Mit dieser „ungeheuren Zahl" ist es nicht soweit her. Es wurde hier gewaltig übertrieben. DieZahl der Buddhisten wird meist weit höher angegebenals sie in der That ist. Nicht 400 Millionen, wie mangerne angibt, sondern 73 Millionen Buddhisten zähltman gegenwärtig. Auch diese Zahl gewann Buddha fürsich durchaus nicht durch die Vortrefflichkeit seiner Sitten-gesetze, sondern durch Lehren, welche auf die niederenTriebe der Menschen specultrten und darum Anklangfanden.
Gehen wir endlich noch über auf die Frage: Worinbestehen die sittlichen Erfolge, welche der Buddhismus auszuweisen hat? Es ist diese Frage ein Prüfstein fürjede Religion, da gerade in deren Beantwortung dieWahrheit oder Falschheit einer jeden Religion sich zeigenmuß. Aufs glänzendste hat das Christenthum hierinseinen göttlichen Charakter bewährt. Sein Wirken hattevon Anfang an die segensreichsten Erfolge auszuweisen.Es hat „das Angesicht der Erde erneuert". Es würdezu weit führen, das auch nur annähernd hier darzuthun.Es sei hier mir erinnert an die überaus segensreicheThätigkeit jener christlichen Glaubensboten, welche zu denersten Zeiten des Christenthums, wie heute noch, mit denHerzen der Menschen auch das Angesicht der Erde um-geschaffcn haben. Hingewiesen sei nur kurz auf jeneMönche, welche unsere Altvordern aus heidnischer Bar-barei zu christlicher Tugend und Sitte geführt und derenUrwälder zu wohlbebanten, fruchtbringenden Ansiedelungenunigeschaffeu haben. Ueber die Pflege der Kunst undWissenschaft durch das Christenthum zu reden, hießetvahrlich Eulen nach Athen tragen. Was ist nun indieser Beziehung vom Buddhismus zu sagen? DenSchülern Buddha's ist die Scheu vor der Arbeit, mankönnte sagen, angeboren, sie cultiviren weder selbst dasLand, noch sorgen sie für Bebauung desselben. KeinWunder! Ist ihnen doch das Graben in der Erde durchihr Gesetz direkt verboten. Die gleiche Unthätigkeit findenwir beim Buddhismus auch auf geistigem Gebiete. Wasdas Christenthum hierin geleistet, das besagen uns dieNamen eines Athanasius, Augustiuns, Hieronymns,Thomas von Aquin, eines Raphael, Michelangelo undunzähliger anderer Koryphäen der Kunst und Wissen-schaft durch alle Jahrhunderte. Kein Zeitalter desBuddhismus hat derartige Namen auszuweisen, wirkennen keine Blüthezeit geistigen Lebens und Schaffellsbeim Buddhismus.
Gehen wir weiter und fragen wir: Was hat derBuddhismus auf dem eigentlichen sittlichen Gebiete ge-leistet? Ist es ihm gelungen, auch nur die allerersteGrundlage wahrer Sittlichkeit zu schaffen durch Ab-schaffung heidnischen Götzendienstes? Nicht im mindesten!Wie wir gesehen, hat Buddha nicht den einen und wahrenGott anerkannt. Die Seele des Menschen verlangt aberunwiderstehlich nach einem Gottesdienste. So kam es garbald, daß Buddha's Schüler ihrem Meister göttliche Ehreerwiesen und ihn zu ihrem Gotte machten. Dieser Cultdes einen Buddha artete aber bald in einen Cult vieler