Ausgabe 
(12.6.1897) 33
 
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Gegenwart". Wie aus nie versiegendem Quickborn quilltda Sang um Saug und Lied um Lied. DiejungeÄlpeulerche" aus dem heiligen Land Tirol jubilirt friih-liugsheiter inWanderweisen": es ist der Landsmanudes wohlbekannten Dichters vomEwigen Juden ":Anton Müller oder Brnder Willram, wie sich der Dichternennt. Die Kunstbeilage derDichterstimmen" bringtsein Bild, das viel Geist und Talent athmet, in gelungenemLichtdruck. Eine kurze literarische Skizze stellt uns denjugendlichen Dichter vor. SeineWanderweisen", womiter den Sängerreigen derDichterstimmen" diesmal er-öffnet, tönen frisch und hell wie Alpenquell. ErprobteSänger und Sängerinnen, denen man immer wiedergerne lauscht, folgen: der katholische Klopstock Dr. F. W.Helle, die edlen Westfalinnen Ferdinande Freiinvon Brackel, Antonie Jungst und Margarethe Mirbach,Hefele aus Stuttgart . Fromm und innig klingt es vonMaiandacht in den Gedichten:Mariens Maienlied",Die geistliche Rose".Ave Maria".Die Abendglocke"..An Maria". Auch Jugenddrang und Maienlnst ertönt:Im Frühling!",Kinderzeit", Bescheidenes Glück", Anmein Lieb". Echte Goldkörner sind Jseke'sSplitter undPfeile".Maiandacht in der Natur" ist ein weiheduftigesGebet, ein poesievoller Hymnus in Prosa an die Maien-königin.Alte und neue Bücher",Mosaik" undLiterarische Tafel" eröffnen dem Freunde schön-geistiger Wissenschaft eine ergiebige Fundgrube literarischerSchätze. Unter andern: kommt darin die erfreuliche Kunde,Hans Eschelbach'sWildwnchs", dem vor etlichen Wochendie Beilage derAngsb. Postztg." einen eigenen Aufsatzwidmete, werde noch in diesem Jahre seine dritte Auflageerleben.*) Die Glanznummer des Maiheftcs derDichter-stimmen" aber bildet Effer's SkizzeHexentanz". Dasist ein tieffinniges und wiederum traumseliges, inglühenden Farben entworfenes Seelengcmälde von einesKünstlers Jugendliebe, die er vor zahlreicher Zuhörer-menge aus den Saiten seiner Violine wieder erklingenlässt. Die Skizze ist von überwältigender dramatischerLebendigkeit. Wie geglättet und silberhell ist derschmelzende Ton der Sprache! Bei all dem großartigenWortgebilde und der Kühnheit der Wortstellung ist dieSprache doch einfach, sie ist schwungvoll und blumenreich,und dennoch vermöchte man kaum ein einziges Sätzchenin schlichterer Weise wiederzugeben. Mit fast ver-schwenderischer Fülle hat die süße Suada der Linzer Dichterin ihren Liebreiz ausgeschüttet. DerHexentanz"mit seiner deutschen Gemüthstiefe und dasAlhambra-märchen" **) mit seiner Südlandsgluth wiegen dickbändigeSalonromane unserer gefeiertsten Jüngstdentschen auf.Aehnlicher poetischer Zauber ist auch stets auf die übrigenMonatshefte der .^Dichterstimmen" reichlich ausgegasten.Dichterpersönlichkesten treten uns da entgegen, anmuthigund lieblich wie die zarte Birke im grünen Laubwald,ernst und erhaben wie die schlanke Edeltanne im deutschenHochwald, markig und kräftig wie die wettererprobtedeutsche Berbeseiche. Wer darum seelenheitere Ruhe,poetische Schönheit und Anmuth ungetrübt genießen will,verschaffe sich ungesäumt dieDichterstimmen der Gegen-wart". Sie sind ra spottbillig. Und sage mir Jemand,welche poetische Zeitschrift geht über dieDrchterstimmen" ?Etwa dasDeutsche Dichterheim" mit seinem poetischenAllerlei? Nein, dieDichterstimmen" sind edler und ge-diegener. Also abonnire darauf, gib lieber darum dieJugend" aus. Die kecke Müilchnerin berauscht dich mitbetäubendem und stäubendem Mohngeruch; ,,das Mäd-chen aus der Fremde" bezaubert dich mst vollem er-quickendem Rosenduft.

Hittmair Rud., Die Lehre von der unbefleckten Em-pfänaniß an der Universität Salzburg. 8°. VI -s-240 SS. Linz a/D., Ebenhöch, 1896. Preis 5 M.

-» Daß es sich hier um das Dogma der unbeflecktenEmvfängniß der allerseligsten Gottesmutter Mariahandelt, ist leicht zu errathen, sollte aber doch auch aufdem Titel richtig angeführt sein, sonst laufen wir nochGefahr, dieLehre von der Menschwerdung" oder die

*) 1. Auflage 1893, 2. Auflage 1896.

') Erschien in Heft I und II derDichterstimmen".

Lehre von den sieben Gaben" an der Universität Salz-burg zu lesen. Das Buch versetzt uns in die Blüthezeitder ehemaligen, 1622 gegründeten Universität Salzburg, die man ja gegenwärtig (nach der Aufhebung 1610)wieder herzustellen sucht. Der Verfasser führt uns eininteressantes Stück aus der Gclehrtengeschichte dieser einstdurch tüchtige Lehrer berühmten Hochschule vor Augen.Als Vertheidiger der Lehre, die später zum Dogma er-klärt wurde, treffen wir damals vorzüglich die ProfessorenU. Äugustin Neding, 1?. Benedikt Pettschacher, die Ge-brüder Mezger, den berühmtesten aller Lehrer der Uni-versität, Cvlestin Ssondrati, der in seinen: Hauptwerk so-gar den Aquinaten für die Lehre von der unbeflecktenEmpfängnis; Mariens (allerdings mit Unrecht) in An-spruch nunmt, ferner U. Ludwig Babenstubcr und CölestinMayr. Auch :n späteren Zecken, als Aufklärerei undFreimaurerthum ihren Einfluß geltend machten, tratennamhafte Universitätslehrer für die erwähnte Lehre auf.Es gewährt ein eigenartiges Vergnügen, die Beweise jenermit der heil. Schrift innig vertrauten Prediger zu lesen,wie sie ihre Ansicht durch symbolische Spielereien undmaßlos kleinliche Allegorie zu stützen suchten. Die sonder-barsten Umdeutungen aus Worten des Hohenliedes mußtenherhalten, in Verlegenheit war man nie, und mehr alseinmal treffen wir einenneuen Einfall, der dem ver-schränkten Gehirn des Predigers gleich einer Kürbis-staude entsprang. wie einst Pallas dem Hcnrpte des Zeus", so wie in der S. 53 angeführten geschmacklosen PredigtOaloous Llarias msnsura maßMtuäinis chus". Doch, ur-theilen wir nicht zu strenge über eine Zeit, die nicht vonunserm heutigen kritischen Standpunkt aus angesehensein will, um nicht ungerecht beurtheilt zu werden. DasWerk des Verfassers wird sicher mit großen: Interesse intheologischen streifen aufgenommen werden.

Jungmann, Bern. , Institutiones tüeoloKiao ävAmatioassxeoialis: llckaotatus cke Vsrbo inearnato. 8".pp. 408. Rrckisbonas, ö'r. Unstet, 1897 (V.). Preis3 M. 69 Pfg.

s Die in fließenden:, schönen: Latein geschriebenentheologischen Traktate des leider zu früh verstorbenenLöwener Professors Jungmann sind mit Recht die Lieb-linge der Studwenden. Sie geben die katholische Lehrenach den bewährten Meistern der Wissenschaft wieder»ohne mit üppigem Citatenballast den Leser aufzuhaltenund den Raum zu verschwenden: so steht in dem kleinenBündchen mehr Inhalt, als in manch dickleibiger Dog-matik, die mehr Bibliographie, als Lehrbuch ist. Es istalso kein Wunder, daß der Abschnittvs vsrbo inoarnato",nun schon zum fünften Male erscheint, sachlich unverändert,an Schönheit und Corrcctheit der Ausstattung mitjeder neuen Auflage besser. Das Buch ist zu bekanntund sein Lob von autoritativer Seite (Lota 8. 8oäis,kaso. 74) zu klar verkündet, als daß es nöthig wäre, das-selbe eingehender zu besprechen.

Literarischer Handweiser, begründet, herausgegebenund redigirt von Msgr. Dr. Franz Hülskamp in Münster . 18 Nrn. L 2 Bogen Hochquart fürM. 3 pr. Jahr.

1897. Nr. 1. Krumbacher's byzantinische Literatur-geschichte (Orterer). Weitere kritische Referateüber H. v. Noit Bibelkenntniß u. Bibellesen (A. Zimmer-mann), K. Llüllor DkooIoKlu moralis. VII (Deppe),N. Kaufmann Elemente der aristotelischen Ontologie(Seb. Huber), M. Baumgartner Philosophie desAlanus de Jnsulis (Stölzle), 6arä. Lloran Ilistorx oktbs Oatbolio Obnrob in ^ustralasia (Bellesheim), EberleGrundzüge der Sociologie (F. Walter), Redeatis Blüteund Frucht, Redeatis Herzenswünsche und Benfey -Schuppe Die Freundinnen (Kecker), Hertkens Re-liquien der Sandalen Jesu in Prüm (Gla). 14 Notizenüber verschiedene Nova (Hülskamp ). Novitäten-Verzeichniß.

Veraistw. Redacteur: Ad. Haas in Augsburg. Druck». Verlag des Lit. Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg .