Ausgabe 
(26.6.1897) 35
 
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Morus die gastlichste Aufnahme und auch sogleich Be-schäftigung, indem dem Künstler die Herstellung vielerPorträts der angesehensten Persönlichkeiten, des Morusselbst, dann dessen ganzer Familie, des Erzbischofs War-ham von Canterbury, des kgl. Stallmeisters Sir HenryGuildford, des k. Astronomen Nikolaus Kratzer n. A., über-tragen wird. Auf diese Weise verdient sich Holbcin eingut Stück Geld und kehrt im Sommer 1529 nach Basel zurück, wo er die Rathhausbilder, vollendet und einigeandere Arbeiten, vielleicht auch seinen berühmten Todtcn-tanz, gefertigt. Der letztere ist der auf verschiedenenHolzschnittblättcrn zum Ausdruck gebrachte Gedanke, daßAlles der Macht des Todes unterliegen müsse, das; keinStand, keine Weisheit, keine Lage sich sicher wähnendürfe.Holbcin hat diesen Gedanken, der schon früherin einzelnen Figuren in Kreuzgängcn und Kirchhof-kapellen Ausdruck gefunden, mit neuem Geiste und mitsprudelndem Humor darzustellen gewußt. Er liebte diesesThema so sehr, daß er es nicht bloß in einer Folge vonBlättern (ursprünglich 41), sondern auch als Alphabetund für eine Dolchscheide zür Ausführung brachte."

(Schluß folgt.)

Wo in Niederösteneich ist das Hauptkloster bsatiLövei'iniund dierömische Flottenstationk'avikliig.zu suchen?

Von I. N. Seefried.

-(Schluß.)

II.

Nähere Bestimmung der Lage von Pavian»und Pavu Poliois unterhalb Lorch an derDonau .

Für die Streitfrage, wo an der Donau Paviauis(Locativ) oder Pavian» gelegen, muß der Donaustromuud die Entfcrnungsangabe des Eugippius mit 100 Mil-'ien und darüber von Jnnstadt-Passau als entscheidendfestgehalten werden.

Da nun, sagt Mommsen,") nach dem JtinerareAntonins von Jnnstadt-Passau bis I-aou Poliois 101 N.P. gezählt werden, so folgt mit Nothwendigkeit, daß bei-läufig hier (in Imon Poliers) Paüana müsse gelegen gewesensein, und nicht zufällig scheint es uns, daß wir bisher mitSicherheit bloß aus der Ortschaft Mauer (bei Ocling)Ziegel der ersten »arischen Legion besitzen, deren Prüftetdie Rcichsnotiz in Paüanis (Paüana) ansetzt.

Ziehen wir mit Mommsen das Itinorariura Lo-lovini Hugusti aus den Tagen Konstantins d. Großenzu Rathe, so sind die Entfernungen der einzelnen Sta-tionen auf der via rnilitaris voll Caou (Pooo) Polioisbis Loioäurum und umgekehrt angegeben, wie folgt:

Oaeu (Paso) Psliois

> XX .

Pauriaoo! XVIOvilavisj XXVIIckoviaoo

! xvm

Ltanaso! XX

(Ausgabe vonG.Parthey und M.Pinder, Berlin, 1848, MK. 115;Wesseling 248 u.249.)

01 (101) w. x. m.Boiockurum.

LoioäuroI XXLtauaooI XVIIIlloviaoo> XXVIIOvilavisI XVIIiauriaooI XX01 ( 101 )Imoum Psliois.

'°) 0. I. 0. (Oorp. Inserixt. lat.) III, 2 pa§. 687Berlin 1673.

Hiernach war Loioclnrnm von I^aon Poliois undumgekehrt dieses von jenem fast ebensoweit entlegen wielloiotro nach Eugippius von Paviauis, weil contuinmilia passuum und darüber (st ultra) sich mit 101inillo passus entweder vollständig decken odernur um ein paar inillo passus diffcriren,wenn das ot ultra bei Paviauis 1 4 inillo passus,mithin die ganze Entfernung von Iloiotro bis Paviauiszwischen 102 105 m. p. bctrageil hat. Im ersterenFalle würden die Städte und festen Plätze I-aou (Pooo)Poliois und Paviauis (Paviaua) auf der Donanstraßedes Jtinerars in gleicher Entfernung von Jnnstadt-Passauin Eins zusammengehen, und wir müßten annehmendieselben seien identisch gewesen und hätten etwa nurim Laufe der Zeiten ihre Namen gewechselt; allein dieserAnnahme widerspricht positiv und ganz entschieden dasStaatshandbuch des römischen Reiches, die Xotitia eli-ßuitakulu utriusyus luiperii, eine officielle Quelle, welchebeide Städte zu gleicher Zeit namentlich und genau voneinander unterschieden aufgeführt hat, wenn sie in P.aouPsliois Pyuitos Lagitarii (berittene Bogenschützen),ZU Pa6a.ua> aber den oben angegebenen Commandantender Libnrnarierabthcilung der I. »arischen Legion garni-soniren läßt.") Beide Städte waren demnach nichtidentisch, und muß deßhalb Paliaua (Pauiauis) einigeMillien unterhalb Imou Poliois aufgesucht werden.

Die Lage von I-aou Poliois ist für die nähere Bestimmung von Paviaua sozusagen präjudiciell. Wennwir nun wissen, daß nach Antonins Jtinerar") PaonPoliois XX ruillo Passus unterhalb der damaligenBischofsstadt I-auriaouw (jetzt noch Lorch an; Ausflußder Lorach in die Donau ) situirt war, so weist uns dieseEntfernungsangabe auf einen Punkt der Donanstraße,welcher sich zwischen den Märkten Wallsee und Ar-dagger auffinden nnd als Imon Poliois nachweisenlassen muß. Bekannt ist ja längst, daß die bezeichnetenMärkte, insbesondere Wallsce, Fuudgcgenstände aus derrömischen und vorrömischcn Zeit besitzen, weßhalb diemeisten Gelehrten und Alterthumsforscher mit Simlcr,Cluver, Muchar, Neichardt, Kenner, Hormayr undSam wer dafür eingetreten sind, daß man lstaouPoliois in Wallsee (Wahlcnsce Nömersee) zu suchen habe,während Mannert und Lapie wegen des Meilenmaßcsnach Ardaggcr (aräuus aggor) herabgerückt sind.

Wer, wie ich selbst, Gelegenheit gehabt hat, diefruchtbare nnd gesegnete Mulde zwischen Wallsee undArdaggcr nach einem Hoch Wasser durchfahren undvom Kranze des hohen Schloßthurms zu Wallsee über-schauen zu können, der wird keinen Augenblick daranZweifeln, daß wir den P-aons und Iroons^) Polioiszwischen Wallsee und Ardaggcr zu suchen haben. Ichverweise in dieser Beziehung auf eine interessante Stellebei Dr. Kenner,^) welche lantct:Wahrscheinlich hat

S. Anm. 3 oben.

°°) Itivsrai'ium Untouini XuZusti nach G. Partheyund M. Pinder, Berlin 1848, pa§. 110 u. 115, Wess. 234u. 248.

"') Geschichte von Wallsee von Dr. Karl Samwer.Wien (Jasper) 1889. -Ob man bei Poliers an den röm-ischen Feldherrn Lsxtili us Pslix (Tacitus 70 nachChr. III. H. 5) oder an einen andern römischen Glücks-ritter denken darf. mögen unsere Philologen entscheiden.

-°) Ooeli heißt im Keltisch eil See, wahrscheinlichist Imons aus Imens jedoch nur verschrieben worden.

^) Die Römcrorte Mischen der Traun und dem Jnn.Sitzungsbcr. der k. k. Akademie der Wisf. 91. Bd. (1878)S. 579.