Ausgabe 
(1.7.1897) 36
 
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yn. 36.

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Die St. Michaels-Hofkirche in München .

Eine Studie zur 3. Säcularfeier der Ein-weihung der Kirche vom 27.-29. Juni 1897.

Von I. M. Förster.

Da in der ersten Hälfte des 16. JahrhundertsBayern in Gefahr stand, vom heiligen katholischenGlauben abzufallen, erbat sich der für Erhaltung des-selben eifernde Herzog Wilhelm IV. vom Papst Paul III. drei gelehrte Theologen, zunächst für die Universität,welche sich damals in Jngolstadt befand, wo die vonLuther veranlaßte Glanbensneuerung bereits Eingang undAnhänger gefunden hatte.

Der Papst übertrug dieses Geschäft dem CardinalAlexander Farncsius, welcher mit dem Stifter des Ordensvon der Gesellschaft Jesu , dem (später heilig gesprochenen)Jgnatius von Loyola, sich dahin einigte, den bereits vondem im Jahre 1541 zn WormS abgehaltenenReligions-gespräche" (mit den Protestanten) in Deutschlands kathol-ischen Kreisen bestens bekannten Claudius Jaius aus-Savoyen, ferner den Spanier Alfvns Salmeron und denNiederländer Peter de Hondt als Verfasser einesKatechismus unter seinem latinisirten Namen Cauisius')noch heute berühmt an den Herzog abzusenden. Diegenannten drei Jesuiten trafen am 13. November 1549in Jngolstadt ein und eröffneten alsbald ihre Vorlesungenüber Theologie.

Die Professoren Jaius und Salmeron aber wurdenbereits im folgenden Jahre zur Anfrechthaltnng deskatholischen Glaubens anderswohin berufen und durchden Holländer Nikolaus Gardanns (für Theologie) und.Peter Schorichins (für Philosophie und klassische Sprachen)ersetzt, während Canisins zum Nector der Hochschule er-wählt wurde. Vorher aber traf die Jesuiten noch einharter Schlag, indem Herzog Wilhelm IV., welcher dieAbsicht hatte, ihnen durch den Van eines Kollegiums(nebst Kirche) einen festen Sitz im Lande zu begründen,und zu diesem Zweüe nicht nur die päpstliche Genehmi-gung zur Erhebung einer Declination von den geistlichenGütern erwirkt, sondern auch durch den Exekutor Btoritzvan Hütten, Fürstbischof zu Eichstätt, bereits 20,000Goldgulden eingebracht hatte, am 6. März 1550 mitTod abging.

Hiednrch schien das Werk gefährdet, umsoinchr, alsauch die Laienprofessorcn in Jngolstadt auf die zu rascherBeliebtheit gelangten Jesuiten mißgünstig waren, weßhalbLetztere, dem Auftrage ihrer Oberen folgend, die nun un-gastliche Stadt verließen, indem sich Canisins zunächstnach Augsburg zu dem dortigen Cardinal-Fürstbischof

') Der selige Peter van Hondt oder Canisins, wie erseinen Namen latinisirte, war am 8. Mai 1521 zn Nym-wcgen geboren, trat 1544 in die Gesellschaft Jesu undward 1546 Priester. Rasch nach einander lehrte er aufoen Hochschulen zu Köln, Jngolstadt und Wien. war alsVolksmissionär thätig, wohnte als Theologe des Cardinal-bischofs zu Augsburg, Otto von Truchseß, dem Concilvon Trient bei, war Hofrath des Kaisers, Dompredigerzu Augsburg und Wien, verwaltete die Erzdiöcese Wien. das Ordensprovmzialat in Deutschland wirkte zur Er-haltung des katholischen Glaubens in Oesterreich, Bayern, Schwaben, Böhmen, Elsaß und der Schweiz, verschmähteden ihm angebotenen Bischofsstab wie den Cardinals-purpnr und starb an den Folgen eines Schlaganfallesam 21. Dezember 1597. Papst Pins IX. versetzte ihnam 24. Juni 1864 unter die Zahl der Seligen.

Otto (von Truchseß) begab, dann aber seinen beiden Ge-fährten, welche Kaiser Ferdinand nach Oesterreich berufet»hatte, folgte.

Aber der Mangel glaubensfester Lehrer machte sichin kürzester Zeit wie auf der Hochschule, so namentlichim Lande geltend, in welches die protestantischen Prädi-canten nicht ohne Erfolg einzudringen versuchten, weßhalbes Herzog Albrecht V. als eine Nothwendigkeit erkannte,denselben einen festen Damm entgegenzusetzen, wofür erdie Jesuiten am geeignetsten fand.

Zu diesem Zwecke beschloß er nicht nur die Wicder-berufung der Jesuiten, sonder« er faßte auch den Baueines Colleginms in Jngolstadt fest in's Auge und tratdeßhalb mit dem Stifter und ersten General der Jesuiten in Verbindung, au welchen er zum Abschlüsse eines Ver-trages sogar seinen Geheimsetretür Johann Schweikerabsandte. Der hl. Jgnatius, über die geneigte Gesinnungdes Herzogs hocherfreut, ordnete seinerseits als seinenBevollmächtigten den (seligen) k. Canisins, welchen ergleichzeitig zum Pxovinzial von Oberdeujschland, Böhmen und Oesterreich ernannte, au den Herzog ab, welcher Mitdemselben verhandelte. Am 7. Dezember 1555 wurdeein aus 15 Artikeln bestehender Vertrag abgeschlossen,welcher die Errichtung eines Kollegiums in Jngolstadt,dessen Unterhalt und die Berufung von Lehrern undanderen Angehörigen der Gesellschaft Jesu betraf und indessen Vollzug am 7. Juli 1556 sechs Priester und zwölfsogen. Minister in Jngolstadt eintrafen. Allein da sichmit den andern Lehrern der übrigen Fakultäten, nament-lich den Philosophen und Philologen, abermals Differenzenergaben, genehmigte Herzog Albert V. den von dem in-zwischen an Stelle des wieder nach Wien berufenenk. Canisins getretenen Provinzial Paul Hoffäus ge-machten Vorschlag, die theologische Fakultät in Jngolstadtzn belassen, den philosophischen Kurs mit dem Pädagogiumaber nach München zu versetzen, wo die Jesuiten am21. November 1559 eintrafen; es waren dies: NikolausLanojus als Rector, Theodor Peltanns und DominiknsMengin als Professoren und Martin Stewart für diekirchlichen Funktionen. Dieselben erhielten ihre Wohnungin dem Gartentheile des Klosters der Lk. Augustiner undin deren Kirche auch einen Altar angewiesen, um aufdemselben zu eclcbnren. In dem nahen, uralten Kirch-leinSt. Nikolaus auf dem Haberfeld" ?) ertheilten sie

') Das älteste München, vor Heinrich dem LöwenAltheim" genannt, besaß schon einen reichen Kranz vonGotteshäusern: im Osten die Wieskapelle, daneben eineNikolanstapelle. später derCongreaationssaal" genannt,im Süden die Jakobskapelle, an welche nm 1222 das ältereFranziskaner- (Anger-) Kloster angebaut wurde, dieBasilika zu Altheim (jetzt Haus Nr. 19 am Althcimcr-ecc), die St. Johanniskapelle (südlich der sehe»».) Augustiner-kirche), die Marienkirche (jetzt 11. L. Frauen ehrwürdigenDom) und eine KapelleSt. Nikolaus im Haberfeld",gegenüber der Johanniskapelle. also aus der Stelle derletzigen St. Michaelskirche . Anfangs ein armes, unbe-deutendes Kirchlein, welchem 1309 der Meßner und seineEhefrau ihr Häuschen vermachten, wurde dasselbe späterzn erner ziemlich bedeutenden Kirche erweitert, welche fünfAltäre besaß. (Die Erweiterung der Kirche dürste aufKosten der Stadt erfolgt sein, weil im Jähre 1447 PapstNikolaus v. der Stadt das Patronat über die Kircheverlieh, welches aber in der Folge, unbekannt wie, auf dieHerzoge überging.) Der Hochaltar war dem hl. Nikolausgeweiht und sollte nach der den Abbruch der St. Nikolai-, (und der ihr benachbarten, dem Kloster Schäftlarn ge-l hörigen, 1585 ebenfalls abgebrochenen St. Michaels»!