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der Jugend Unterricht, zunächst in der Religion, baldaber auch in anderen Fächern, und versammelten bald an300 Schüler um sich, weschalb der Herzog auch einGymnasiums gründete, das zu Ostern 1560 in Gegen-wart des Herzogs, der herzoglichen Familie, der Beamtenund Bürger in feierlicher Weise zunächst mit vier Klasseneröffnet wurde, denen sich nach Vollendung des Gebäudesdie weiteren Klaffen anschlössen. Fast gleichzeitig kamenauf erneutes Ansuchen des Herzogs weitere 10 Jesuiten nach München, unter welchen sich k. Theodorich de Hondt,ein Stiefbruder des oben mehr genannten k. PetrusCanisius, befand, welcher als Rector des Kollegiums fun-girte und im Jahre 1561 gleich seinem Mitbruder Th.Pcltan vom Herzoge zum Büchercensor ernannt wurde.
Da sich jedoch die Zahl der Jesuiten, namentlich inFolge der 1574 erfolgten Errichtung des Seminars, °)fortwährend mehrte, erwies sich das gemeinschaftliche Lebenzweier Ordenscorporationen, von denen die eine sich mehrder Beschaulichkeit, die andere aber hauptsächlich der Lehr-tätigkeit widmete, als mißlich, umsomehr als unter Leitungder Jesuiten im Jahre 1577 die alsbald taufende vonMitgliedern zählende „Marianische Kongregation" «)entstand. Es dachte darum schon Herzog Albert V., ihnen auch in München ein Kollegium nebst Kirche zuerbauen — aber einerseits bildeten die politischen Vcr-
Kapelle erlaubenden Urkunde des Bischofs Ernst von Frei-sing am 3. Febr. 1585 an Stelle des Hochaltars in derneu zu erbauenden Kirche eine Erinnerungssäule errichtetwerden. Bei dem Abbrüche der Nikolauskapelle, welchernicht vor dem Frühjahre 1585 erfolgt sein kann. wurdendie Altäre in verschiedenen Kirchen vertheilt: so kam derHochaltar in eine Seitenkavelle der (neuen) St. Michaels-krrche, ein Seitenaltar der heiligen 14 Nothhelfer nachWeng bei Kranzberg, der Andreasaltar in die hiesigeFrauenkirche, die Paramente aber zu den Augustinern. —Vor der Nikolauskirche wurde der alljährliche Nikolaus-markt — aus welchem sich die jetzige Christkindldult ent-wickelte — abgehalten, aber 9. Mai 1597 wegen zu be-fürchtender Störung des Gottesdienstes rc. rc. aufgehoben.— Eine zweite (bezw. im Stadtbezirke dritte) Nikolaus-kirche stand etwas nördlich von der eben beschriebenen,welche Herzog Wilhelm V. nach Niederlegung der „Ni-kolauskirche im Haberfeld" neben dem zu einer Einsiedeleieingerichteten Garten der (jetzigen) Herzog Maxburg er-baute, 1629 den eben berufenen Karmeliten angewiesenund gegen das Jahr 1660 abgebrochen wurde.
°) Das jetzige Wilhelmsgymnasium.
*) Damals umfaßte der Lehrplan, da bereits in denStadtschulen Latein gelehrt wurde, nur 6 Klassen, welchefolgende Namen führten: 1) Ruäimonta; 2) Orammattca;3) 8zmtaxis rninor; 4) L^ntaxi's mojor; 5) Humaniora(oder koe5iL); 6) Kbetorica,
°) Das dem heil. Gregor dem Großen gewidmeteSeminar, darum auch Oomus 8. OroKorii genannt, be-fand sich da, wo jetzt die Stnlberger'schen Häuser Nr. L1und 22 an der Neuhanserstraße sind, und ging in dieHcrzogspital- (damals Nöhrensbäcker-) Straße zurück.
°) Die Marianische Kongregation theilte sich alsbaldm mehrere Zweige: 1597 erfolgte die Trennung in diegrößere (lateinische) und kleinere (deutsche), von welch'letzterer sich 1610 wieder die deutsche MarianischeKongregation der Herren und Bürger absonderte,die 1709 die Graf Lerchcufeld-Häuser in der Ncuhauscr-straße erkaufte und zum „Bürger-(Bet-)Saale" umbaute,der 1710 consecrirt wurde. — Im Jähre 1635 entstanddie wg. „mittlere" Marianische Kongregation speciell fürGymnasiasten, während die „kleinere" für jüngere Leutealler Art bestimmt ward und sich in der Folge zur „Kon-gregation der Lchrjungen" umbildete, welche später in dieDamenstiftskirche verlegt wurde und ein klägliches Daseinferstet, obwohl auch die 1643 gegründete „Kongregationder ledigen Mannspersonen" mit ihr vereinigt wurde und'M als „Kongregation der Juugherrn" den Namen lieh.
hältnisse, andrerseits sein am 24. Oktober 1579 einge-tretener Tod unüberwindliche Hindernisse.
Dagegen blieb es seinem Sohne und Nachfolger,dem Herzog Wilhelm V., überlassen, diese Frage inwürdigster Weise zu lösen.
Dieser hatte die Jesuiten schon in frühester Jugendals die treuen Rathgeber seines Vaters kennen und beiseiner am 22. Februar 1568 stattgehabten Vermählung')mit der Prinzessin Renata von Lothringen auch liebengelernt, weßhalb er ihnen, namentlich weil der Zndrangzum Orden so stark war, daß der General Lainez schon1569 einen eigenen Novizenmeister hieher schicken mußteanfänglich Kloster und Kirche der Augustiner überlassendiesen aber ein von ihm am Neudeck in der VorstadtAu neu erbautes Kloster ") zuweisen wollte. Letztere aberwaren nicht geneigt, diesen Tausch einzugehen, sondernnahmen sogar die Intervention des Papstes (Gregor XIII.) in Anspruch, welcher dem Herzog bei Strafe des Kirchen-banns gebot, die Augustiner an ihrem alten Sitze zubelassen, worauf derselbe beschloß, den Jesuiten inMünchen ein eigenes Kollegium mit Kirchkzu erbauen.
Doch stieß die Durchführung dieses Beschlusses ausverschiedene Schwierigkeiten, deren hauptsächlichste derMangel an Geld und an einem geeigneten Bauplatzwaren. Letzterer fand sich in dem, dem Kloster Schäft-larn gehörigen Gute Konradshof °), in dessen nächsterNähe die oben erwähnte St. Nikolauskapelle und einigekleine Häuser standen, welche für den auszuführendenBau um 6650 fl. erkauft und nebst der einen Nikolaus-kapelle und den Ockonomiegebäuden bis zum Herbste 1582abgebrochen wurden, wobei der Herzog durch Brief andie Bürgermeister vom 12. August den bisherigen Be-sitzern zur Erzieluug eines geringeren Verkaufspreiseserlaubte, „die Ocfen, und was denselben anhängig,Fenster, Fenstcrstöck, gefälzte Thüren und Thürgerichte-Schloß, eingemauerte Kästl, saubere Thüren undDielen rc. rc." mitzunehmen.'")
Bereits vorher waren Pläne und Kostenvoranschläge")gefertigt worden. — Die Grnndanlage des Planes dürftewohl auf den damaligen Rector des Münchener Kollegiums,k. Otto Eisenreich, zurückzuführen sein, dessen Idee der
') Zur Verherrlichung der VermühlungZfeier führte»die Jesuiten die Tragödie „Samson" von ihrem MitgliedsAndreas Fabricius auf, in welcher die Heiligkeit der Eheund die Unzulässigkeit einer solchen mit Andersgläubigenzum Ausdrucke kommt.
°) Dasselbe kam indeß erst 1628 zur Ausführung; eswurden nämlich in das 1622—23 erbaute Kloster bei derSt. Karl Borromäuskirche zuerst Basilianer berufen, welchejedoch nicht entsprachen, worauf im folgenden JahrePaulaner berufen wurden, deren Konvent schon 1799 auf-gelöst, das Kloster 1800—1801 als Feldspital benützt und1807 in ein Strafarbeits- (jetzt Zucht-) Haus umgewandelt
wurde.
°) Das Gilt „Konradshof" basirte auf einer Schankungvom Jahre 782, auf Grund deren ein religiöser MannNamens Apolt und sein Sohn ihren Besitz in Sendlinaund Schwabing dem Kloster Schäftlarn schenkten. — Nochim 17. Jahrhundert entzifferte dieser Besitz an nahezu150 Tagwerk (ca. 54 da). ^ ^ „
>°) Bei Gmelin: „Die St. Michaelskirche in München Seite 5.
") Der Kostcnvoranschlag des damaligen ?. Rcctorsdes Kollegiums lautete auf 30,000 fl., setzte aber bereits„aushülse mit Steinen" voraus; später sprach man garbloß von 20,900 fl., während der Bau der Kirche allem143,000, jener des Kollegiums 57.000 fl. erforderte. (Gmelina. a. O. S. 6, 21. 41, 42. 43.)