Ausgabe 
(1.7.1897) 36
 
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AngSburger Architekt Wendel Dietrich und der Malerund Baumeister Friedrich Sustris theils als Plan aufdem Papiere, theils als Modell ausführten. Als Maurer-meister fnngirte in der ersten Baupcriode bis 1590 derMünchener Bürger Wolfgang Müller"), während denAusbau der Kirche unter der speciellen Aufsicht des Archi-tekten Sustris ein Andreas Gnndelfinger zu Ende führte.

Nachdem der Herbst des Jahres 1582 zur Aus-hebung der Baugrube für die Kirche, für welche derHerzog in frommer Erinnerung an seinen Geburtstag,den 29. September 1518, den hl. Erzengel Michael alsPatron bestimmte, verwendet worden war, begann imfolgenden Jahre der Bau selbst und ward am 18. April1583 die feierliche Grundsteinlegung zur Kirchevorgenommen, wobei der päpstliche Legat Felickan inGegenwart dreier anderer päpstlicher Legaten: des Bon-homius am Kaiserhofe, des Malaspina in den Nieder-landen und des Ninguarda am Münchener Hofe, die kirch-lichen Ceremonien vollführte.

Herzog Wilhelm fügte den aus Marmor gerichtetenGrundstein tn Gegenwart feiner Gemahlin, feiner Mutter,der Herzogin-Wittwe Jakobäa (von Baden), seiner jugend-lichen Söhne Maximilian und Philipp, seines BrudersFerdinand, umgeben von Adeligen, Beamten und Bürgern,und legte in denselben die von dem Maler Jakob Delleausgeführte Urkunde und eine goldene Schaumünze, derenAvers fein Brustbild zeigte, während der Revers folgendeInschrift trug: vso vptimo maximo, matri blariasao 8. bliestasli LrestanZsIc, saarum. Knus kuwanas8alutl8 1583 äis 18. Aprilis, dregorio XIII. kou-tifios Llax., Ruäolpstv Lsounäo Rom. Imp. av Rs-vsrsnciiss. Dom. Relioiano ^postolioaa Lsäis Huutioosrsmoniis opsranls, duilislmüs stnzus Hvmiuistzuintus, Osi gratia Comss Lalatinus Rstoni, utrius-^us Lavarias öux primum stuno ttmäamsuti lapiäsmxo3uit, ckum in tiae sua blstropoli Nonasbio 8osis-bati llssu in lwuorsur Lanoti Niofiaslis omuiumgus8anotorum aausa LoliZivnis astsrnuva sibi postsris-tzuo blonumsutuw pousrst. ^) Nach Beendigung

»->) Die laug umstrittene Frage hinsichtlich desBaumeisters der Kirche ist nunmehr längst eudgiltig zuGunsten des Augsburger Kunstfchreiners Wendel Dietrich entschieden, der in den Hofzahlamtsrechnungen schon von1587 als Baumeister mit 300 fl. (jährl.) Gehalt figurirt.Früher war die Frage strittig und wurden außer demarchitekturverständigen Maler Friedrich Sustris genannt:Albrecht Octavian. Jakob Menzinger, Oeckhel undValiento. Daß die Jesuiten selbst bauknndige Leuteunter sich hatten und deren Meinungen nicht ohne Ein-fluß auf Dietrich blieben, ist selbstverständlich. VonDietrich stammen der Hochaltar und die Gypsumrahm-ungen des Gewölbes. Nach dem Einstürze des Thurmesscheint auch Dietrich in Ungnade gefallen zu sein. dennes wurde Sustris mit der Anfertigung eines neuenPlanes betraut. Wolfgang Müller, der lange Zeitals Baumeister galt auf Grund der Inschrift einesnoch heute in der Sakristei befindlichen Bildes, lautend:1585 hat Wolfgang Müller, ein Steinmetz, seinesAlters 48 Jahr, die Kirche und das Kollegium er-bauet". war nur Palier und hatte als solchervon verschiedenen Gratifikationen abgesehen einenWochenlohn von anfänglich 2 fl., später von 2 fl. 30 kr.(die Maurer und Zimmerleute einen Taglohn von 15 kr.,die Mörtelrührer und Taglöhner von 67 kr., die Bubenvon 45 kr.). Diese nach jeder Richtung hin falsche Be-zeichnung Müllers als Baumeister verursachte sogar dieAufstellung seiner Büste in der Ruhmeshalle!

'°) Zu deutsch: Dem allgütigen, allmächtigen Gott,der bl. Mutter Maria und dem hl. Erzengel Michael geweiht. Im Jahre 1583 am 18. April, als Gregor XIII. Papst und Rudolf II. Römischer Kaiser war. legte Wil-

der kirchliche» Feier gab der Herzog den Theilnehmeruan derselben ein Mahl im Collegium (bei den Augustinern),wobei die Schüler des Gymnasiums zur Feier des Tagesein Schauspiel aufführten, während den betheilkgten Ar-beitern Bier gespendet wurde.

Nun schritt der Kirchenbau stetig voran, und rascherhoben sich die Hauptmauern. Da das Collegiumdirect an die Kirche angebaut werden sollte, wurde zuersterem am 10. Januar 1585 der Grundstein gelegt,wobei der herzogliche Rath Ludwig Müller als Stell-vertreter des Herzogs erschien und der GencralvtkarLudwig (Schrenck von Notzing) des Fürstbischofs Ernst zuFreising *°) die Episkopalfunktionen besorgte. Hiebei wurdengoldene und silberne, mit den Brustbildern der bayerischenFürsten geschmückte Schaumünzen, dann eine silberne undeine vergoldete (kupferne) Platte in den Grund gelegt.Die silberne Platte hatte folgende Inschrift: 1113.Omilislwus V. v. 6. Ooms8 kalat. Rsts. Iltriusg.Lavarias Lux st Renata Lotstar. ejus eovzunx stoo8ovistatl8 Issu tomplum st LoIlsZium pro sua inOatfiolieam Religiösem st Oräivsm illum pietatsa innäamsntig sxstrux. ao äotar. Kuno 8al. ttura.1585 .") Auf der Kupferplatte standen die Namender damals im (Münchener) Collegium befindlichenJeslüten.

(Fortsetzung folgt.)

Zur jüngst erschienenen Schrift Nector Dr. Schellv.

(Schlich.)

Mit der ungerechtfertigtenScheu vor dem Welt-lichen" bringt ferner Rector Schell es in Zusammenhang,daßdie Candidaten der Theologie so viel als möglichin weltabgeschiedenen Seminar-Lehranstalten von denweltlichen Facultäten getremst und von den Universitätenfast ausnahmslos ferngehalten werden". Da haben freilichunsere Seminaristen gelächelt, über dieweltabgeschiedenen"Seminarien. Was ist denn Wahres an dieser DarstellungSchells? In Bayern z. B. sind zwei Seminarien amOrte einer Universität, das der Diöcese Wllrzburg indieser Stadt, und das herzoglich bayerische Georgianum,das insbesondere von Candidaten aus den DiöcesenMünchen und Augsburg besucht wird, tn München. Dieübrigen Seminarien sind in denweltabgeschiedenen"Städten Regensburg, Bamberg, Dillingen, Passau, Eich-stätt, Freising, und ihre Inwohner besuchen die ebensoweltabgeschiedenen" theologisch-philosophischen Hochschulenjener Städte. Es ist nun klar, daß man die Candidaten

Helm V., voir- Gottes Gnaden Psalzgraf bei Rhein. Herzogvon Ober- und Nicderbayern. diesen ersten und Grund-stein. wobei der hochwürdigste Herr Felicianus, desApostolischen Stuhles Nuntius, die hl. Ceremonien voll-führte, um in seiner Hauptstadt München der GesellschaftJesu zu Ehren des hl. Michael und aller Heiligen ausReligion für sich und seine Nachfolger ein ewiges Denk-mal zu errichten."

") Bischof Ernst zu Freisinn, geb. 17. Dez. 1554 alsjüngster Sohn des Herzogs Albert V., wurde in FolgeResignation des Bischofs Moritz (von Sandizell) schonim Jahre 1567 postulirter Bischof zu Freising. 1573 solcherzu Hildesheim, 1581 auch zu Lüttich und 1583 Erzbischofund Kurfürst zu Köln und starb 17. Febr. 1612 auf derRückreise von Nürnberg nach Köln, wo er im Dome beimAltare der hl. drei Könige begraben ist.

") 188. Wilhelm V. v. G. G. Pfalzgraf rc. rc. undRenata von Lothringen, seine Gemahlin, haben Kircheund Collegium der Gesellschaft Jesu aus Liebe zur Re-ligion und jenem Orden von Grund aus erbaut undbegabt im Jahre des Heiles 1535.