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goldeten Kelchen mit Emailbildern. ^) — Außerdem gabder Herzog eine von dem Münchener Silberarbeiter Hein-rich Wagner vortrefflich gearbeitete silberne Ampel, nebsteiner von dem Seidensticker Joh. Menzinger verfertigten,dazu gehörigen seidenen Quasten und von eben diesemMenzinger gestickte Tapeten für den Chor, auf welchendie sieben Fußfälle Christi abgebildet waren.
Nach erfolgter Benediction der Kirche hielt derWcihbischof das Hochamt, wobei der Provinziell FerdinandAlber 8. ll. die Predigt hielt. — Nach Beendigung derkirchlichen Feierlichkeiten gab der Herzog in dem Kollegium,dessen Bau bereits soweit vorgeschritten war, daß einTheil von den Jesuiten bewohnt werden konnte,^) eineTafel, zu welcher alle geistlichen und weltlichen Würden-träger beigezogen wurden. Nach derselben dankte derJesuit David Gaßner in wohlgesetzter Rede dem durch-lauchtigsten Stifter für die erwiesene höchste Gnade,worauf der Herzog feierlich versicherte, daß er währendseines ganzen ferneren Lebens am Tage des hl. Michael dem Gottesdienste in dieser Kirche beiwohnen werde.
Am folgenden Tage ertheilte der Wcihbischof in derKirche den Kindern (wie auch mehreren Erwachsenen) dashl. Sakrament der Firmung und wohnte mit der herzog-lichem Familie nnd den übrigen Fcstgästen einem von denStudenten gegebenen, von dem Professor Edmund Cam-piaims 8. ll. verfaßten geistlichen Schauspiele: „Die Be-kehrung des hl. Angustin", bei.
Schon im Jahre 1589 hatte der Herzog seinenNöthen den Auftrag gegeben, darüber nachzusinnen, wieman von den geistlichen Gefallen ein jährliches Ein-kommen für die Jesuiten herausbekommen könne. Inder Folge verschaffte er ihnen eine Jahresreveune von5000 fl., sowie das Landgut Tanfkirchen und (zumUnterhalte der Kirche) die Zehenten von Aindling undEdenhausen, nebst einigen sogen. Kammergütern (sowie1595 das bisherige Beuediktinerstift EberSberg ). — Am19. Januar 1592 gab der Herzog die Kirche dem Kol-legium nebst allen Geräthschaftcn und Einrichtungen fürewige Zeiten zu eigen.
Im Jahre 1593 brachten die Prinzen Max undPhilipp von Rom, wohin sie unter Obhut ihres Oheims,des Herzogs Ferdinand, nnd in Begleitung mehrererJesuiten eine Wallfahrt veranstaltet hatten, die Gebeineder hl. Märtyrer Cyrus» Johannes, Satnrninus undEuphebins mit, welche auf den Altären der Kirche ihreStätte finden sollten und, nachdem sie einige Zeit in derSt. Stcphanskapelle auf dem (äußeren) Freithofe deponirtgewesen, am 13. August 1593 in feierlichem Zuge ein-geholt wurden.
) Der Kirchenschatz, welcher theils durch Umschmelz-ung, theils durch die Brandschatzung von 1632 verlorengmg, theils bei der Ordensaufhebung zerstreut wurde,umfaßte 500 Einzelreliguien von 266 Heiligen und 12 hl.Orten, zn deren Aufbewahrung 17 Tabernakel, 31 Kissen,24 Kästchen und Schreine, 34 Monstranzen und Osten-sorlen und 12 Crucifixe dienten. (Ginelin, S. 72.) Dazukamen auch in späteren Zeiten weitere werthvolle Ge-schenke (z. B. 1665 von der Kurfürstin-Wittwe MariaAnna eine auf 16,000 st. s150,000 M.s bewerthcte Mon-stranze), welche der Exjesuit und „der chnrf. HofkirchePropst bei dem hl. Erzengel Michael" Anton Crammer S. 95—128 der Schrift „Glorivürdigstc Vortrcfflichkeiten,Groß- und Wohlthaten des hl. Erzengels Michael " genauauszahlt. An Gold machte der Schah (nach Hübncr.Beschreibung von München I. 235) 37 Pfund, an Silber62 Ctr. (?) aus.
^ "s) Vollständig bewohnbar wurde das Kollegium
Mt 1ÜSb.
Allgemach nun näherte sich der Bau der Kircheseiner Vollendung, namentlich durch den Bau der heil.Kreuzkapelle und der unter derselben befindlichen Gruftder Jesuiten,2«) welche beide der Weihbischof Scholl vonFrcisiilg Ende Juli 1596 einweihte.
Das Jahr 1597 endlich krönte die Wünsche desfrommen Herzogs; zwei Feste, von ihm lange ersehnt, sollten in diesem Jahre gefeiert werden: dieErhebung seines zweiten, am 22. September 1576gebornen, für den geistlichen Stand bestimmten nndschon im 3. Lebensjahre zum Bischof von Negens-burg postulirten Sohnes Philipp zum Cardinalder heiligen römischen Kirche, welcher auch am 2. Febr. 1597 in der St. Michaelskirche unter großen Feierlich-keiten den Purpur erhielt; das zweite Fest war diefeierliche Einweihung dieser Kirche, für welcheder Herzog den 6. Juli 1597 bestimmte.
Mit vieler Mühe war die Kirche vollendet worden.Der Ruf von ihrer Pracht ging weit in alle Lande, wiesie denn heute noch als das „bedeutendste Bauwerk desälteren München" bezeichnet wird.
Zwar ist die ganze Kirche bei Mangel von edleremMaterial in Bausteinen und Verputz ausgeführt und„mangelt der östlichen Langseite für die constructivenBedingungen eine entsprechende künstlerische Lösung, sodaß einerseits die mächtigen Flächen in todter Felder«Umrahmung ihre einzige Gliederung finden, anderseits dietabernakelartig zwischen die Streben gesetzten Kapellcn-absiden der Scitenaltäre als häßliche Cylinderstücke sichunvermittelt geltend machen," ^) — dafür aber „ent-schädigt das Innere mit dem gewaltigen Tonnengewölbefür das Acnßcre".
„In ihrer jetzigen Grundrißanlage zeigt die Kircheein einschiffiges, fast 20 m weites Langhaus mit dreiPaaren von Seitentäpellcn, an die sich ein Querhausanschließt, dessen Arme der Tiefe der Seitenkapellen ent-sprechen. Hinter dem Chorbogen (von 12,8 m Weite)folgt erst ein um die Chorstufen erhöhter Vorchor vongenau quadratischem Grundriß, unter welchem dieFürstengruft^), und dann die aus dem halben
'") Die unter der hl. Kreuzkapelle befindliche und bisunter die Kirche sich erstreckende Gruft wurde mit erstererEnde Juli 1696 von Wcihbischof Barthol. Scholl, nach-dem derselbe im Kollegium 3 Tage laug Exercitien ge-macht hatte, benedicirt.
") Rebcr, „Bantechnischcr Führer durch München "S. 40 bczio. 107.
Das Tonnengewölbe ist einschließlich des inner:..Verputzes bei einer Spannweite von über 20 m nur23'/. om stark. — Da auch die gesammten Maßverhält-nisse interessiren dürften, seien sie hier gegeben: Länge desSchiffes 83 m. Breite des Schiffes 33,25, des -Querhauses41,3, Scheitelhöhe 25 m, Tiefe der Kapellen 5 m. Mauer-dicke 1,876, Entfernung der Außeumauern von einanderim Querschnitt 35 m. — Von der Kirche geht bekanntlichdie Sage, man habe die Festigkeit des Gewölbes durcheinen Kanonenschuß prüfen wollen, aber ehe derselbe ge-löst worden, habe sich der Baumeister geflüchtet (nacheiner andern Lesart vom Thurme gestürzt, weßhalb dieser»»ausgebaut geblieben!).
-°) Die schon 1589 angelegte Fürstengruft bildet emViereck, zn welchem man auf 2 breiten, durch am Fuß-boden angebrachte Gitter (u. Gasflammen) beleuchtetenStiegen neben den Altären der HHl. Jgnatius und FranzLavcr gelangen kann. Die beiden Gitterthürcn, welchedie Gruft unten verschließen, stellen das baner. Wappenvor. An der Grnndwand der Gruft befindet sich ein ein-facher Altar, an dessen Evangclicnseite der Sarkophagdes unglücklichen Königs Ludwig II. steht , währendsich außerhalb des Altargitters an der Epistelseite jener