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Zchneck entwickelte Absis. — Durch kleine Treppen ge-langt man links des Vorchores in die Sakristei, rechtsauf einen Vorplatz, der direkt ins Freie, links dagegenin die hl. Krenzkapelle führt. — Ueber der Sakristei be-findet sich ein Oratorium mit Altar; durch die daran-stoßenden Räume gelangt man in den Knppelraum derhl. Krenzkapelle und auf einer umlaufenden Galerie indas früher herzogliche, jetzt königliche Oratorium. — Dieüber den Seitenkapellen hinlaufenden Emporen, die vongeringerer Tiefe als jene sind, erreicht man durch diebeiden an der Hauptfaxade liegenden Wendeltreppen.Vor den beiden ersten Seitenaltären ist der Zugang zurFürstengruft."
Die nach innen gezogenen Streben find durchCannelirung und Bekrönung mit (vergoldeten) Kapitalenzu Mastern umgestaltet, wodurch der sonst massive Banzierlicher erscheint. An den Wänden sind in Lebensgrößeaus Gips geformte Engel angebracht, welche die Leidens-werkzeuge tragen, während den Chor ähnliche Statuen,22 an der Zahl, die Propheten, Apostel und Evangelisten darstellend, beleben.
Die Zahl der Altäre^) betrug (ausschließlich jenesin der hl. Kreuzkapelle) acht: der Hochaltar, der Kreuz-altar (an den Chorstufen), dann (mit der Epistelseite be-ginnend): der hl. Dreifaltigkeitsaltar (jetzt mit dem Vor-satzbilde des hl. Johann Regis, in dessen Rahmen sich360 Reliquien befinden; außerhalb des Altargitters istder berühmte Ascete Jercmias Drexel 8. öl. begraben);die östliche Reihe der Altarkapellen mit dem Petcr-Paul-Altar (anf welchem der Schrein mit den Leibern derHH. Cosmas und Damian, welcher sich bis 1819 aufdem hl. Kreuzaltar befand), den« Sebaftiansaltar (mitdem Bilde nnd Reliquien des hl. Stanislaus Kostka undder Gruft der 1618 st Gräfin Eleonore Jsabella Gräfinvon Oettingeu), dem Ursula-Altar (mit dem Bilde deshl. Joseph); Evangeliumseite (ebenfalls bei den Chor-stufen beginnend): der Namen Jesu-Altar (mit einemBilde des hl. Johann^ Borgias, dessen Nahmen 10 Re-liquien einschließt, vor dem Altare das Grab des 1641-j- Landshuter Chorherrn Wolfgang von Asch); westlicheAltarkapcllen: U. L. Frauen (jetzt Maria-Haar-Kapelle,mit der Gruft der 1702 st- Hofdame Apollonia de Beau-val), der Andreas-Altar (mit Bild und Reliquien des hl.Aloysius und der Gruft des 1604 -st Erzbischofs vonZara und Pröpsten zu Altötting , Minutius de Miuutiis),
des Prinzen Adalbert befindet. Dem Altare gegenüberriehen in einfachen Zinnsärgen: 1. die Herzogin Renata(st 1602). 2. Herzog Wilhem V. (-j- 1626), 3. Prinz Fer-dinand (st 1630). 4. die Kurfürstin Elisabeth (st 1635),5. Kurfürst Max I. (st 1651), 6. Kurfürstin Maria Anna(st 1665), 7. Herzog Max Philipp (st 1705), 8. seine Ge-mahlin Manrrtia Febronia (st 1706), 9. Prinzessin TheresiaBenedikta (st 1743), 10. Prinzessin Theresia Emanncla(st 1743), 11. Pfalzaräsin Emannela Augusta von Sulzbach(st 1726), 12. ihr Gemahl Joseph Karl (st 1729). 13. derenKinder: Karl Franz (st 1724), 14. Karl Philipp (st 1725).15. Elisabeth Auguste. Gemahlin des Kurfürsten KarlTheodor (st 1794), 16. Prinz Friedrich Michael von Birken-feld-Zweibrücken, Stammvater der königl. Linie (st 1767),dessen Söhne: 17. Clemens August (st 1750) und 18. KarlAugust (st 1793), 19. Pfalzgraf Johann Friedrich (st 1632);die Särge 15—18 wurden aus Heidelberg, bezw. Mann-heim hieher überführt. — 20. Eugen Napoleon , Herzogvon Lenchtenberg, st 1824 ; 21. dessen Tochter CarolmeClotilde Eugenie, st 1816 und 22. seine Gemahlin AugusteAmalie (st 1851). — Ferner sind hier in einem Gefäßeanch beigesetzt Herz, Gehirn und Eingeweide des HerzogsAlbrecht VI. , des Leuchtcnbergers, dessen sterbliche Hülleüt der Gnadenkapclle zu Altötting ruht.
°°) Vor 150 Jahren zählte die Kirche mit der hl.
der Magdalenen-Altar (mit Bild und Ne quien des hl.Johann von Neponink).
Ober dem Kreuzaltare, in der Mitte des Chores,stand die imposante, nun im östlichen Querhause befind-liche Kreuzigungsgrnppe ol) (Christus am Kreuze, dessenunterer Theil die durch die Salbcnbüchse kenntliche hl.Magdalena umfaßt), auf hohem quadratischem Postament,dessen Seiten Inschriften tragen; die an der Vorderseitelautet: LaotLntiu8 fieots §6nu lignumgus eruoiovonornftils aäorn; rechts: Ouiliolmus V. Oomos kni.Lfteni Dtri. Luvar. Oux Lunckator oft. In. uftloournutiono Vorfti HM6XXVI. mon. Loftrnarii ckioVII; links: Lanutu Lothar, et Luvar. Luoissu Leren.Oniliel. V. Ooogunx ei Lunäutrix Oft. Ln. L. LIV6II.äis XXIII. Llaii; hinten: tllexuncier k. k. et IViur.circa Hv. OOXXI. ox. k. tl^num sule eonexsrsuinpopnlis beneäioirmm ut eu onnoti uepersi sanet-i-tiosntnr, c;uoä et cunotis sueerckotiftus lucienäuwwuncluinus?^)
Hinter der Kreuzigungsgruppe, in der Mitte de?Chores, befand sich das Mausoleum des Herzogs Wil-helm V. : ein lebensgroßer Engel mit Flügeln richtetedie Hände gegen ein großes Weihwasserbecken ausschwarzem Marmor derart, daß er dasselbe zu haltenschien; vor der Schale befand sich ein schönes Gitteraus Bronze und Schmicdeisen, welches die in den Bodeneingelassene bronzene Grabplatte des Herzogs umgab.Diese hat folgende Inschrift: ^Oovamissu mea xavosooet ante ts ornftoseo; änna veuoris znäicg-re, noiime conclemnare."^) Die Inschrift nimmt mehr alsdie Hälfte der Platte ein, deren unterer Theil von zweiüber Kreuz gestürzten Fackeln ausgefüllt wird, in derenWinkeln sich Todtenkopf nnd Stundenglas befinden.
Krcuzigungsgruppe, Engel, Gitter und Tafel wurden1819 in das rechte Querhaus versetzt, die Grabplattehinter dem nun im Gitter stehenden Engel in ent-sprechender Höhe angebracht, und bildet nunmehr die
Kreuzkapelle 13 Altäre: den Hoch-^ hl. Kreuz- (auch Altarder HHl. Cosmas und Damian), St. Jgnatius-, Namen-Jesu-Altar (auf welchem die Jesuiten 1607 die erste Krippeerrichteten), Mariä-Vcrkündigungs- (auch Maria-Haar-),St. Andreas-, hl. Maria Magdalena-, hl. Franz Xaver -,hl. Dreifaltigkeits -, hl. Peter und Paul-, St. Sebastian-,hl. Ursula- und den Altar der Krenzkapelle. Jetzt beträgtdie Zahl der Altäre in der Kirche nur mehr 11. vonwelchen der Mariä-Vcrkündignngs-Altar auch den Namen„Maria-Haar-Kapelle" führt, weil an der dort aufbe-wahrten Marienbüste soviele Haare der hl. Maria auf-bewahrt sind. daß ans ihnen in lesbarer Weise der Name„Maria" hergestellt werden konnte. Der Name „Haar-Kapelle" wird — wiewohl irrthümlich — manchmal auchauf die an Reliquien sehr reiche Krenzkapelle angewandt,weil in derselben das härene Bußgewand aufbewahrt ist,welches Herzog Wilhelm V. trug.
"), Aller Wahrscheinlichkeit nach hat Peter Candid die Zeichnung entworfen. Hanns Reich! die Figuren mo-dellirt nnd Hanns Krumpper sie gegossen.
^) Zu deutsch (nach Lactantius ): Beuge das Knieund bete den ehrwürdigen Kreuzcsstamm an! — Wil-helm V. rc. rc.. der Stifter (dieser Kirche). starb i. I.nach der Fleischwerdnng des Wortes 1626 am 7. Februar.— Renata rc. rc., des durchlauchtigsten Wilhelm V. Ge-mahlin und Mitstifterin, starb i. 1.1602 am 23. Mai. —Mit Weihwasser segnen wir die Völker, damit sie, mit dem-selben besprengt, geheiligt werden, was wir allen Priesternbefehlen.
^) Dieser Engel wurde von verschiedenen Historikernfür die Figur der hl. Cäcilia erklärt, welche auf derOrgel (!) gestanden haben sollte!
Zu deutsch ; Ich traure über meine Sünden unaerrothe vor Dir; verdamme mich nicht, wenn Dn alsRichter kommst.