Ausgabe 
(3.7.1897) 37
 
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Kreuztguugsgrnppe das Gegenstück zn dem im westlichenSeitenschiffe befindlichen Mausoleum des Herzogs Engen von Lcnchtenberg.

(Schluß folgt.)

Die ehemalige Franziskaner-Kirche znr aller-heiligsten Dreifaltigkeit in München .

Es gereicht den Söhnen des hl. Franziskns znrEhre, daß die Habsburger sie in unmittelbarer Näheihres Schlosses in Innsbruck mit der Hofkirche zum hl.Kreuze ansiedelten und ebenso die Wittclsbacher ihnenzwischen dem 1253 angelegten alten Hofe und. der neuenBeste ein großes Terrain überwiesen, auf dem alsdannKloster und Kirche zur allcrheiligsten Dreifaltigkeit er-richtet wurden, wo sie stets Freud und Leid in dankbarerTreue mit dem Fürstenhause theilten. Auf dem außer-halb der Münchener Stadtumwallung befindlichen Terrainhatte die Familie von Haßlang bereits im Jahre 1227das Begräbnißrecht erlangt und sich hier eine Kapelleerbaut. In Verbindung mit dieser der heiligen Agnesgeweihten Kapelle wurde Kloster und Kirche der Franzis-kaner im letzten Viertel des XIII. Jahrhunderts derartzur Ausführung gebracht, daß die Klosterkirche in derheiligen Linie von West nach Ost ihre südliche Langseiteder Stadt zukehrte, während die Conventsbauten sich aufder Nordseite gegen die neNe Beste hin erhoben. Hierbeiließen sich die Franziskaner immer von der Oertlichkeitleiten, und so kommt es, daß man auch in Köln amRhein Krcnzgang und Convent an der Nordseite derschönen, Sanct Maria, Franziskns und Antonius geweihtenMinoritenkirche errichtete, während man sowohl bei SantaCroce in Florenz wie Sanct Martin zu Freiburg imBreisgau die Klosterbauten im Süden der Kirche findet.

Die neu erbaute Münchener Franziskaner-Kirchewurde im Jahre 1294 durch den Freisinger BischofEinicho, Grafen von Moosburg, in Gegenwart des re-gierenden Herzogs Ludwig des Strengen und der PrinzenRudolf sowie des siebenjährigen Ludwig, nachmaligenKaisers, feierlich consccrirt; leider haben uns hierbei dieUrkunden den Titelheiligen verschwiegen. Im Jahre 1311fand eine Fcuersbrnnst statt, der angerichtete Schadenwurde vom damaligen k. Guardian Friedrich Chorburgalsbald wieder gehoben. Schlimmer erging es Klosterund Kirche beim großen Münchener Stadtbrande 1327,denn erst am Sonntage Jubilate des Jahres 1375 weihteder Franziskaner Albert, Bischof von Salona, Weihbischofzu Freising , die wieder hergestellte Kirche zu Ehren derallerheiligsten Dreifaltigkeit, der seligsten Jungfrau Maria,der zwölf Apostel sowie der Heiligen Franziskns undAntonius von Padna. Schon 1327 hatte Kaiser Ludwigder Bayer nach seiner Krönung zu Mailand das inHolz geschnitzte Brustbild des heil. Antonius von Padnanebst einer Reliquie vom Arme dieses Heiligen nachMünchen gebracht, was zur Errichtung einer besonderenKapelle an der Süd-, also der Stadtseite des Gottes-hauses der Franziskaner geführt hat. Diese St. Antonius-Reliquie war Veranlassung dem Kloster den Namen deshl. Antonius von Padua zu verleihen. Da aber ur-kundlich keine spätere Consekration der Hanptkirche be-kannt?) so haben wir mit vollem Rechte die 1375 er-folgte mit St. Trinitatis xrimo looo als feststehend an-

) Gütige Mittheilung des derzeitigen Historiographenvom Münchener Franziskanerkloster zu St. Anna, Herrnk..Parthein'tts Minges.

zunehmen. Die Franziskaner haben außer der MünchenerKirche znr allerheiligsten Dreifaltigkeit noch ebensolche inTrier an der Mosel als gothische Hallenkirche mit einemChöre von fünf Seiten des Zehneckes, in Colmar imElsaß sowie zn Danzig in Westprenßcn gehabt, auchnannten so ihr Gotteshaus die von 13401782 be-standenen Franziskanerinnen in Säckingen a. Rh.

Ucbcrliefert ist uns ferner, daß der Kircheuban imJahre 1380 sei vollendet gewesen, daß 16181620 und1723 große Ncstauratious-Arbeiten stattgefunden haben.Nach der Säkularisation ward im Jahre 1802 dasFranziskaner -Kloster sammt Kirche und Kapellen vomHutmacher Giglbergcr und Kammmacher Duisberg käuflicherworben und znr Demolirung bestimmt, was denn auchalsbald znr Ausführung gebracht worden ist. UnseresWissens wurde bei dieser Zerstörung einzig nur derzwifchen 14801500 von Hans Olmendorf ausgeführteHochaltar mit dem Hanptbilde der Kreuzigung gerettet,welcher sich jetzt im Münchener Königlichen National-Musenm befindet, ferner ein aus Tegernseer rothemMarmor bei Gelegenheit der von 1618 1620 ausge-führten Restauration hergestelltes Portal, das heute demHause Nr. 55 der Sendlinger - Straße als Einfahrts-Thor dient.

Für die bauanalytlsche Beurtheilung der ehemaligenFranziskanerkirche znr allerheiligsten Dreifaltigkeit ist dasim National-Musenm befindliche Modell des BildhauersJacob Sandtner vom Jahre 1572 von hohem Werthe,ebenso die Aufnahmen des Theologen Stimmelmeyer,Benefickaten der Hofkapelle zn St. Lanrentius, vom Endedes XVIII. Jahrhunderts, endlich auch die vom MalerI. M. Qnaglio dem Jüngeren angefertigten Zeichnungen,welche Carl Albert Regnet in seinemMünchen in guterZeit" auf Blatt 17, 18 u. 19 im Jahre 1879 heraus-gegeben hat. Das Gotteshaus war hiernach im Lang-häuse eine dreischiffige Basilika, woran sich ein mit dreiSeiten des Achteckes geschlossener Chor fügte; dieser hattein gleicher Höhe mit dem Mittelschiffe seinen Dachkranz,und auch der First des Satteldaches lief voni Westfront-giebel ununterbrochen bis znr Chorabwalmnng horizontaldurch, in der Mitte über dem Manerwerke des Triumph-bogens erhob sich, wie ehedem bei der Hofkapclle St. Lan-rentius, ein steinernes Sattelreiter-Thürmchen, das diewenigen Kirchenglocken aufzunehmen bestimmt war.Während die drei Schiffe des Langhauses mit flachenHolzbalkendccken versehen waren, hatte ursprünglich dereinschiffige Chor seine Steindecke in Form von Kreuz-gewölben auf Hansteinrippen, somit eine Constrnktiongleich jener der St. Lanrentius-Kapelle im alten HofeMünchens , welche wir in Nr. 41 der Beilage zur Angs-burger Postzeitung am 4. Oktober 1895 näher beschriebenhaben. Die Jnnsbrncker Franziskaner-Kirche zum heil.Kreuze besitzt eine westliche offene Haupt-Portal-Vorhalleauf zwei freistehenden Säulen, ganz das gleiche schöneBaumotiv zeichnete die Münchener Klosterkirche Vortheil-haft aus. Ihr Langhaus hatte beiderseits sieben, alsozusammen 14 Freistützen, ganz ebenso war es ehedem betder Franziskaner-Kirche zn St. Georg in Eßlingen , dieleider mnthwillig im Jahre 1840 bis auf den Chor zer-stört worden ist. Desselben Ordens Basilika St. Sal-vator in Negensbnrg besitzt nur 12 freistehende Rund-säulen im Langhansc, in München waren viereckige mitBacksteinen ausgemauerte Pfeiler mit vier Pilastervorlagen,somit eine Constrnktion, die sich bis aus den heutigenTag in Jngolstadt bei der Garnisonskirche erhalten hat,