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welches Gotteshaus Franziskaner zn Ehren der Himmel-fahrt Mariens Ende des XIII. Jahrhunderts erbauthatten. St. Salvator hat einen Chor von vier oblongenJochen, und hiezu kommt noch der aus fünf Seiten desregelmäßigen Achteckes gebildete Chorschluß; den ganzgleichen Grundriß zeigte das Münchener Banwerk, nurscheinen, nach Ausweis der Zeichnungen von Qnaglio,die Chorgewölbe eine spätere Umänderung erfahren zuhaben. In dem 1294 geweihten ersten Kirchenbau habenwir unbedingt, wie in St. Salvator Negensburgs, ein-fache Kreuzgewölbe anzusprechen, und erst beim zweiten,auf den alten Fundamenten und Umfassungsmauern her-gestellten, 1375 geweihten Baue wurden Netzgewölbc mitRippen aus gebranntem Thone gewählt. Haben dochauch. der Westban von St. Jacob am Angers und diesymmetrisch zweischifsige St. Nicolaus-Kapette des ehe-maligen Dcchantcihofes zu St. Peter in München ihrebis aus den heutigen Tag wohlerhaltenen Netzgewvlbe,beides Konstruktionen, welche im Anschlüsse an die 1375consecrirte Franziskaner - Kirche zur allerheiligsten Drei-faltigkeit entstanden sind.
Der einschiffige, feuersicher gewölbte Chor derKlosterkirche war durch hochragende dreitheilige Stab-und Maßwerksfenster reichlich beleuchtet, was der zahl-reiche, in holzgcschnitzten Chorstühlcn versammelte Cvnventerforderte; ihn schloß am Triumphbogen ein auf frei-stehenden Stützen gewölbter, mit oberer Empore ver-sehener Lettner ab; dieser dürfte außer der seitlich auf-gestellten Orgel im Mittel den der allerheiligsten Drei-faltigkeit geweihten Altar besessen haben, wie solches auchbeim ehemaligen Lettner der Collegiatstiftskirche zu St.Katharina in Oppenheim, a. Rh. der Fall war. Lettner waren bei den Franziskaner-Kirchen üblich, denn außerdem in München sehen wir solche in Santa MariaGlorios« dei Frari zu Venedig, zu Salzwedel im ehe-maligen Erzbisthnm Magdeburg, zu Danzig bei St.Trinitatis, zu Innsbruck bei Hcilig-Krcuz und zn Eß-lingen bei St. Georg. Gerade der letztere Lettner ist inAnlage und Ausführung dem zn München bestandenengleich gewesen und seine erst 1840 erfolgte Zerstörungrecht zu beklagen.
Wir haben in dem 1375 geweihten Gotteshausekeinen völligen Neubau, sondern eben nur ein restaurirtesWerk anzusprechen, was die auf der Epistelseitc dem süd-lichen Seitenschiffe angebaute Kapelle des heiligen Au-tonius von Padna beweist. Der fromme Kaiser Ludwigder Bayer hatte aus Italien das Brustbild und die Re-liquie des Heiligen den seinem Hanse nahestehenden treuergebenen Minoriten-Brndern 1327 mitgebracht, und diesewürden sicher bei einem völligen Ncubaue der ganzenKirche die St. Antonius-Kapelle nicht als Anbau, sondernals einen wesentlichen Theil des Banprogammes be-handelt haben. So hat man es bei der Mntterkirchedes Ordens Sän Francesco in Assist, so hat mau esiin Santo zu Padna gehalten, und zweifelsohne würdeman in München ganz ebenso gehandelt haben, wennnicht die nach dem Stadtbrande noch vorhandenen Ban-reste zur Pietät geradezu gezwungen hätten. InSandtncrs Stadtmodell erscheinen bei der St. Antonius-Kapelle mehrere äußere Strebepfeiler, woraus hervorgeht,daß dieselbe im Inneren ein feuersicheres Steingewölbe
2) Siehe „St. Jakob am Anger in München " vonFrz. Jac. Schmitt in Nr. l38 der „Beilage zur Allgem.Leitung" vom 23. Juni 1997.
gehabt?) und wenn man einen der Bankünstler KaiserLudwigs des Bayern hicfür annehmen darf, so hättenwir volle Ursache, den 1802 erfolgten Untergang ebensozu beklagen, wie den der Lanreutius-Hofkapclle im Jahre1814. Aus der Betrachtung von den unter KaiserLudwigs des Bayern Regierung entstandenen Bauwerken,wie der Marien-Abtcikirche in Ettal (siehe unseren Aussatzder „Allgemeinen Zeitung " Nr. 352, Beilagenummer 294vom 20. Dez. 1895) und der Heiliggeist-Kirche in Mün-chen (siehe unseren Aufsatz in Nr. 37 der Beilage zur„Angsburger Postzeitnng" vom 11. September 1896),geht hervor, daß dieser Fürst nur Künstler mit großemTalente in Thätigkeit setzte, welche auf der Höhe der Zeitstanden. Auf Sandtncrs Modell von 1572 bemerkenwir am südlichen Seitenschiffe der Franziskaner-Kirchenoch einen weiteren Kapetten-Anbau, eS ist die Grablegeder Grafen von Hegnenberg mit dem im Jahre 1557der heiligen Anna errichteten Altare, auch hierbei wurdenoch der gothische Baustil beibehalten. An der Nord-seite lagen die Sakristei, der Kreuzgaug und alle zumKloster des heiligen Antonius gehörigen Gebäulichkeitenmit ihren Höfen; auch mehrere Kapellen, so die der hl.Agnes mit der Grablege der Familie von Haslang, sodie zum heiligen Kreuze der Familie von Schwarzenbergund so die nächst der Klostcrpforte erreichtete achteckigedes Grafen von Kurz. Wie in Santa Croce die an-gesehenen Florentiner ihre Beisetzung suchten, wie bei derSanct Magdalena geweihten Franziskauerkirche (an derStelle befindet sich heute die Leolo <Io bläciooino) inParis die dortigen Geschlechter einschließlich der regieren-den Familien begraben sein wollten, , so war es ganzebenso in der Bayerischen Residenz, auch hier wollten diePatricier bei den Minoriten -Brüdern ruhen..
Während das Modell des Bildhauers Sandtne.vom Jahre 1572 das Langhaus der Dreifaltigkeits-Kirche noch als Basilika mit einem über den beidenSeitenschiffen erhöhten, von 16 reichliches Licht spenden-den Spitzbogenfenstern erhellten Mittelschiff gibt, führtendie von 1618—1620 und 1723 hergestellten Restau-rationen eine gründliche Zerstörung dadurch hervor, daßman das Ganze unter ein riesiges Satteldach brachte,dessen Fußpnntte die alten Kranzgesimse der Abseitenbildeten. Die weitere Folge dieser unglücklichen Ver-änderung war . die nöthige Ausführung eines überamhäßlichen, in Mauer-Constrnktion hergestellten Westgicbels,dessen schmales langgestrecktes Fenster nunmehr das einzigedirekte Tageslicht dem Mittelschiffe zuführte, gingen dochalle 16 früher vorhandenen Fenster jetzt nach dem dunklenDachraume. Die im 17. und 18. Jahrhunderte erfolgteVerunstaltung der St. Trinitatis-Kirche in München stehtnicht vereinzelt in der Kunstgeschichte Deutschlands , undsei hier nur an den gleichen Vorgang in Baden-Baden bei der ehemaligen Collegiatstifts-Kirche zu St. Peterund Paul (siehe unseren Aufsatz in der „Zeitschrift fürGeschichte des Ober-Rheins", Neue Folge IV, 3) undan die St. Kilians-Pfarrkirche zu Heilbronn am Neckar erinnert. Es war unsern letzten Jahrzehnten vorbehalten,dort dem Architekten L. Lang und hier dem Ulmer
2 ) Bekanntlich errichtete das Mittelalter nur daStrebepfeiler, wo einem inneren Gemölbeschube zu be-gegnen war. und wenn in unseren Tagen beim Neubauder Münchener St. Antonius-Kirche im Aenßeren Strebe-pfeiler und Strebemauern angebracht wurden, so wider-spricht den, die an eine Holz-Construktion angehangen«lerchtvergangliche Monier-Decke des Innern ; Surrogatelind weder monumental, noch im Sinne der wahren kirai».lrchen Kunst.