Ausgabe 
(3.7.1897) 37
 
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Münster -Baumeister A. v. Bcyer, die mittelalterliche Dach-Construktion wieder in ihr Recht einzusetzen und denMittelschiffen das ihnen gebührende Tageslicht durchdie in der Gewölberegion befindlichen Fenster zuzuführen.

Das Testament des heiligen FranziskuS hattebindende Vorschriften für die Herstellung der Minoriten -Kirchen und-Klöster, ertheilt und hiernach sollte Alles sogemacht werden, wie es der durch die Regel gelobtenArmuth entspreche. Charakteristisch und bezeichnend istes, daß man namentlich auf deutschem Boden diese Vor-schriften sehr gewissenhaft beobachtete, während man inItalien durch Planbildung und Aufbau häufig mit denCollegiatstifts- und Episkopalkirchen wetteiferte. Wirkennen in Deutschland nur Franziskaner-Kirchen ohnemonumentale Thurmaulagen, nur eine St. Katharinazu Lübeck , welche ein Querschiff besitzt, gar keine mitChorumgang und Kapellenkrauz. Wie ganz andersdachten die Italiener, da ist gleich Sän Francesco inAssist mit der Form des lateinischen Kreuzes sowieeinem mächtigen Thurme aus quadratischer Grundflächezur Ausführung gekommen, das Gleiche gilt von SantaCroce in Florenz, Sän Lorenzo in Vicenza , SänFrancesco in Mailand, Sän Francesco in Pavia , SänFrancesco in Cascia, Sän Francesco in Sieua, SänFrancesco al prato in Pistoja, Sän Francesco in Perugia und Santa Maria glorios« bei Frari in Venedig, welchezudem einen hochragenden Campanile besitzt. Querhaus,oreischiffigen Chor mit Kapellenkrauz sehen wir bet SänFrancesco in Piacenza, Sän Francesco in Bologna undvor Allem bei Sän Antonio in Padua ; diese kurzwegSanto" genannte Minoritenkirche hat außer zwei acht-eckigen Glockenthürmchen noch sechs über den Dachfirstich erhebende Kuppeln. Deutschlands Franziskaner be-obachteten die Vorschrift der Armuth häufig dadurch,daß sie bei den Langhäusern nicht dreischiffig, sondernnur zweischiffig derart bauten, wie bei St. Martin inKaiserslautern , St. Maria in Eleve, St. Johannes inBrandenburg, der Basilika in Görlitz und der Hallen-lirche in Kassel , wo das südliche Seitenschiff fortblieb,oder wie bei St. Sophia in Dresden , der Basilika inHLxter und den Hallenkirchen in Fritzlar, Hamm, Ober-wesel, Andernach, Zwolle , wo das nördliche Seitenschifffortblieb. Auf diese Weise entstanden Bauanlagen miteinem breiten Mittelschiffe und einem schmäleren Seiten-schiffe, zwar nicht symmetrisch bot es aber für gute Be-leuchtung und praktische Benutzung des Inneren ganzentschiedene Vortheile. Die Franziskaner hatten die Auf-gabe, dem Volke das Wort Gottes zu predigen und so-bald die Kanzel an der Anßenmaner des MittelschiffesAufstellung fand, hatte der Redner alle Zuhörer sichgegenüber. Es bleibt ein hohes Verdienst der Mino-riteu-Brüder, daß sie durch Errichtung von Gotteshäusern,wie die dreischiffige gewölbte Klosterkirche in Berlin , denGewölbebau der Basilika in Erfurt , die gewölbte Hallen-kirche zu St. Johannes in Stettin und die Kirche zuSt. Maria-Schnee in Wien , den Beweis erbrachten, wie manauch mit minimalem Kostenaufwande feuersichere Steindeckenerreichen könne, wenn die Konstruktionen des gothischenBaustiles rationell durchgeführt werden. Solches tvar.für die Aufgaben des Neubaues der Pfarrkirchen inStädten und Dörfern eine große Errungenschaft, und aufihr basiren in deutschen Landen im Zeitalter der GothikLausende von Gotteshäusern.

Architekt Frz. Jak. Schmktt, München.

Recensionen nud Notizen.

Reichskanzler Fürst Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürst und seine Bruder Herzogvon Ratibor, Cardinal Hohenlohe undPrinz Konstantin Hohenlohe. Von HermannRuß. Düsseldorf, Verlag von W. Deiters, 1897.Preis 10 Mark.

llb Dieses jüngst erschienene umfangreiche Werk gibtin 4 Büchern die Geschichte des gegenwärtigen deutschenReichskanzlers Chlodwig Fürsten zu Hohenlohe von seinemersten Auftreten im politischen Leben, d. h. von seinerEinführung in die bayerische Reichsrathskammer 1846 anbis auf die neueste Gegenwart und seiner im preußischenwie österreichischen Staatsleben und in der Kirche wirken-den Brüder in so ausführlicher Darstellung, daß es nichtnur eine Geschichte der im Titel namentlich aufgeführtenHauptpersonen ist, sondern eine Geschichte der gesummtenneuesten politischen Entwicklung Deutschlands bildet. Fürden, der sich mit Politik eingehender beschäftigt, bietetinfolgedessen das Werk ein werthvolles Material. DerVerfasser steht auf anderem Boden als wir, jedoch kannsich der Leser durch das Nebeneinanderstellen der ver-schiedenen parlamentarischen und parteipolitischen Aus-sprüche und Ansichten gleichwohl ein objektives Bild vondem Wirken des Fürsten Chlodwig zu Hohenlohe machen,welcher namentlich in Bayern in so markanter Weise indie politische Entwicklung eingegriffen und auch in kirchen-politischer Beziehung eine so hervorstechende Wirksamkeitgeübt hat. Den Bayern wird vor Allem die sehr über-sichtliche und detaillirte Schilderung der Thätigkeit Hohen-lohes als bayerischer Ministerpräsident interessiren. Wie-wohl das Werk eigentlich Neues nicht bietet, so wirdder Leser doch auf Verschiedenes stoßen, was nicht so ge-läufig ist, wie auf Anderes, was dem Gedächtnisse schonlange entschwand. Der Verfasser sagt, nicht aus denQuellen der Staats- oder Privatarchive habe er geschöpft,sondern die politische Literatur der Geschichtsbücher undder Tagespresse hätten ihm bei seinen Arbeiten als Unter-lage gedient. Dadurch wird die Schilderung auch zu einerlebhaft interessirenden, unmittelbaren. An Interesse fehltes dem Werke an sich nicht. Denn, sagt der Verfasser,wie viele Familien gibt es, die, ähnlich wie die Sprossender Linie Hohenlohe-Schillingsfürst hervorgetreten sind,sich eines solchen Glückes rühmen dürfen! Das erste höchstumfangreiche Buch ist nur dem Reichskanzler Chlodwig zu Hohenlohe gewidmet. Nach einigen einleitenden Ka-piteln über die Geschichte des Geschlechtes der Hohenlohezerfällt es in VIII Hauptabschnitte: Fürst Hohenlohe alsbayerischer Reichsrath von 18461866, als bayerischerMinisterpräsident 18671870, als deutscher Reichstags-abgeordneter 18711874 resp. 1881, als deutscher Bot-schafter in Paris von 16741880, als interimistischerStaatssekretär des Auswärtigen Amtes 1880, abermalsals deutscher Botschafter in Paris von 18811885, alsStatthalter in Elsaß-Lothringen 1885 1894 und alsReichskanzler seit 1894. Das zweite Buch fuhrt dasAuftreten und Verhalten des ältesten Bruders des Reichs-kanzlers, des Prinzen Viktor Hohenlohe, Herzogs vollRatibor , im Kulturkämpfe vor, in seinem Kampfe mitdem Centrum und in der staatskirchlichen Bewegung,ebenfalls in ausführlicher Darstellung. Das dritte Buchist der Person des Cardinals Hohenlohe, des PrinzenGustav Adolph Hohenlohe-Schillingsfürst. gewidmet.Das Werk war eben abgeschlossen, als kurz darauf dieNachricht von dem Tode des Cardinals die politische undreligiöse Welt überraschte. Und das letzte, vierte Buchgreift nach Oesterreich hinüber, indem es die Persönlich-keit des Prinzen Konstantin Hohenlohe, des österreich- ischen Obersthofmeisters, schildert. Wie die vorgenanntendrei Brüder spielte auch er zu der Zeit. als die Wogenbesonders hoch gingen, auf kirchenpolitischem Gebiete einehervorragende Rolle in ähnlicher Form wie seine BrüderChlodwig und Viktor, und führte verschiedene delikateAufträge und Misstonen für Oesterreich beim päpstlichenStuhle aus. Der Schwerpunkt des ganzen Werkes liegtalso indem kirchenpoli tischen Momente, zu desseneingehender Würdigung das Werk Stoff in Fülle liefert

DerMN.Wdaeteur: Ad. Haas in Augsburg. Druck u. Verlag des Lit. Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg .