Die St. Michaels-Hofkirche in München .
Eine Studie zur 3. Säcularfeier der Ein-weihung der Kirche vorn 27.—29. Juni 1897.
Von I. M. Förster.
(Fortsetzung statt Schluß.)
Einen harmonischen Abschluß dieses herrlichen Gottes-hauses bildet der dreigeschossige Hochaltar, wie die ganzeKirche mit reicher Vergoldung auf weißem Grunde. DasMitielstiick enthält, von korinthischen Säulen flaukirt, den„Engelsturz" von Christoph Schwarz; der Theil über demAltartische wird durch einen dem Ende des 17. Jahr-hunderts entstammenden silbernen Tabernakel eingenommen,der gleich dem Altare selbst im Jahre 1868, als KönigLudwig II. beabsichtigte, sich mit der (bayer.)Herzogstochter Sophie zu vermählen — wobeidie Trauung, welche in großartigster Weise gedacht war,in der St. Michaelskirche stattfinden sollte — renovirtwurde. Der Hochaltar war gleich der ursprünglichenKanzel^) schon zmn Jahre 1590 fertig» doch hinderte derdamalige Thurmeinstnrz seine Aufstellung. — Das gleichewar mit dem Chorgestühle der Fall, dessen Cherubköpfetrotz des dicken Oelanstriches noch heute reizend wirken.
— Die älteste Orgel stammte aus dem Jahre 1595 undwar von ttrban Henßler und Leonhard Knrh, seinemSchwiegersöhne, „beede Orgelmacher allhie", aufgestelltworden, welche hiefür die für jene Zeit sehr namhafteSumme von 1350 fl. erhielten. Anläßlich der erstenSäcularfeier von 1697 erhielt die Kirche eine neueOrgel, welche der bekannte Tonkünstler Abbü Vogler1812 nach seinem sog. Simplificationssystem umänderte.
— Zu Ende des vor. Js. erhielt die Kirche durchStiftung des Herrn Professors und HofkapellmeistersJoseph Nheiubergcr und seiner -j- Gattin Frauziska eineneue Orgel, in deren Mitte die wohlgetroffenen Reliefsdes Stifterpaares angebracht sind. Das Werk, hervor-gegangen aus der rühmlichst bekannten OrgelbauanstaltMax März 8c Sohn (Inhaber F. B. März) dahier, ent-hält 38 klingende Register, 46 Züge, 7 pneumatischeDruckknöpfe, Echowerk, Rcgisterschweller, Crescendo undDecrescendo und erzielt mit der Mannal-Octaven-Kopplnngeine Stärke von 50 klingenden Stimmen. Das Werkgewährt in seiner reichen Fassung mit den bis zu 6 mhohen silberglänzenden Zinnpfeisen, deren 140 in derFront stehen, einen imposanten Anblick. Die Gesammt-zahl der Pfeifen ist 2150?°) — Die Glasmalereien in denFenstern der Hanptfagade — die Wappen des Herzogsund seiner Gemahlin, in der Mitte den hl. Michael dar-stellend — find von den Glasmalern Hanns und GeorgHcbenstreit (Vater und Sohn), welche mit 6 Gesellen46 Wochen daran arbeiteten und 894 fl. dafürerhielten.
Noch erübrigt eine kurze Beschreibung der Hanpt-fagade, welche sich etwas nüchtern in 4 gewaltigen Stock-werken aufbaut und mit einem hohen Giebel gekrönt ist.Den Hauptschmuck der Fa?ade bilden neben den prächtigenPortalen aus rothem Marmor die Figuren in den roth-
" fl Die ursprüngliche Kanzel lieferte im Jahre 1590der „Kistler" Kaspar Maser, welcher hiefür 200 fl. erhielt.
— Die jetzige Kanzel stammt aus dem Jahre 1697.
"fl Kaspar Ett war 1787 zu Aresing am Ammersce ge-boren, wurde voll den Benediktinern zu Andcchs und imhiesigen Erziehuiigsinstitnt erzogen und war 1816—1847Chordirektor bei St. Michael, wo er die ältere, strengeKirchenmusik wieder einführte.
grnndirtcn Nischen, zu oberst Christus mit der Weltkugel,darunter Herzog Otto der Große von Bayern ; auf denfreistehenden Postamenten am Fuße des Giebels dieBayernherzoge Theodobald und Theodo; der nun folgendeMarmorfries enthält in vergoldeten Buchstaben die Worte:DLO. Okl. blJx. 8^6R?") — Im zweiten Abschnittestehen zu beiden Seiten eines cirkelrunden Fensters je3 Statuen: links die Bayernherzoge Tassilo und Otto,Kaiser Karl der Große, rechts König Christoph vonDänemark, Herzog Albrecht IV. der Weise und der deutscheKönig Rnpprecht (von der Pfalz); in dem nun folgendenFriese verkünden die Worte: In naomoriuin v. ifliolmalis^rclmnFsli äsclionri onravit; die dritte Serie derFürstenstatuen umfaßt die deutschen Kaiser Max I. undLudwig IV.; die Herzoge Albrecht V. und Wilhelm, so-wie die Kaiser Karl V. und Ferdinand I. ; in dem nunfolgenden Fries steht der Name des Stifters und Er-bauers der Kirche: Ouiliolm. Oom. kulat. liiis. Iltr.Lnvnriae vux katr. ot kunäator. Im vierten undletzten Geschosse sind die Portale von rothem Marmor,deren Fcnsterkrekse durch eiserne Gitter geschützt sind, vondenen das eine das Monogramm IR8, das andere dasMarianische Monogramm NHL enthält. Zwischen denPortalen steht die herrliche Erzstatne des drachentödteudenhl. Michael.^)
So zeigte sich die Kirche in ihrer vollen Pracht,als der 6. Juli 1597, der zu ihrer feierlichen Con-secration bestimmte Tag, herannahte, zu welcher Feier-lichkeit der Herzog weit und breit, an weltliche und geist-liche Fürsten gebührende Einladung hatte ergehen lassen.Es erschienen dazu auch 24 Fürsten ^) und 36 Prälaten"),sowie gar viele Herren und Ritter.
Mit der Morgenröthe des 6. Juli 1597 ertöntevom Thurme") der Kirche die große Glocke, und sogleich
"fl Die Inschriften lauten (der Reihe nach) zu deutsch -. Gott dem allgütigen und allmächtigen heilig. — Zu Ehrendes hl. Erzengels Michael ließ (sie) weihen — Wilhelm.Pfalzgraf rc. rc. als Patron und Stifter.
"fl Diese herrliche Gruppe wurde von Hubert Gerhardt(wahrscheinlich nach einerZeichnnng von Christoph Schwarz,dem Maler des lebensvollen Hochaltarbildes) modellirt undbereits 1588 von Martin Frey in Kupfer gegossen. Ger-hardt erhielt „per formieren und zu verschneiden" 800 fl..Frey für den Guß 300 fl; das Kupfer kam auf 1085 fl.zu stehen.
"fl An fürstlichen Persönlichkeiten waren bei der feier-lichen Einweihung anwesend: Herzog Wilhelm V.. seineGemahlin Renata, Erbprinz Maximilian, dessen GemahlinElisabeth, die Prinzen: Ferdinand d. ä., Cardinal Philipp,-xerdinand d. j.. Albert (der Lenchtenberger). Ernst, Kur-fürst Erzbischof von Köln ; die Prinzessinnen: Maria Anna.Maria Maximilians, Maria, deren Geniahl, ErzherzogFerdinand: die Erzherzoge: Max Ernst und Andreas:Georg, Landgraf von Leuchtenberg und dessen SodnWilhelm.
'fl Von kirchlichen Würdenträgern waren anwesend:die Fürstbischöfe : Leopold von Passau, Johann Otto vonAugsburg und Konrad von Eichstätt : die Fürstäbte vonKempten und St. Emmeran (Negensburg); die Äebte von:Rohr, Scheyern, Schäftlarn , Wcihenstephan, Neust ist,Asbach. Formbach, Tcgernsee, St. Veit, Äaitenhaslach;die Prälaten und Pröpste von: Benediktbenern, Thier-haupten, Ober- und Niederaltaich, Metten, Osterhasen ,Prüfening, Welteubnrg, Pökling, Raitenbuch , Jndersdorf,Diesfen, Schlehdorf, Ettal, Fürftenfeld, Weyarn . Stein-gaden, Beyharting, Au, Gars , Ranshofcn, Nott, Baum-burg. Reichersberg, St. Zcno und der Bischof von Chiem -;ee (Wcihbischof von Salzburg).
") Verschiedene Umstände, nicht unwahrscheinlich vorAllein schlechte, Fundamenürung. hinderten den Ansbrm